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Jede Begegnung ist Information Urs Klingelhöfer Kinderheimat Tabor

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Unser Betrieb umfasst fast 80 Personen: Kinder, Jugendliche und Mitarbeitende. Um die Aufgabe als Betrieb bestmöglich zu erfüllen, gibt es verschiedenste Gefässe, die der Kommunikation, Organisation und Leitung dienen.

Es gibt da die Erzieherkonferenz, die Schul- und Gruppenleitersitzung, die Info- und Gesamtmitarbeitersitzung und die Förderplanung und Auswertung derselben. Dann verschiedenste Projektsitzungen, Familien- und Teamgespräche, und und und… Allen Gefässen gemeinsam ist, das Zusammenkommen von Menschen, der Austausch, die Begegnung, Diskussionen und Verhandlungen oder das Abholen von Themen, Informationen und Treffen von Entscheidungen. Werden diese Gefässe gut genutzt, unterstützen sie die Arbeit und ein gemeinsames Vorwärtsgehen ungemein.

Mit der Corona-Krise durften wir viele Informationsgefässe nicht mehr in der gleichen Art führen, zum Teil waren gar Personengruppen ausgeschlossen und alles fand nur noch in ganz kleinen Einheiten und mit grosser Distanz statt. Die Kommunikation hatte sich dadurch deutlich verändert, nicht nur inhaltlich, sondern vor allem atmosphärisch. Die Planung von verschiedenen Prozessen kam ins Stocken oder gar zum Erliegen. Plötzlich war da nicht nur eine äussere Distanz spürbar, vielmehr schien sich im Inneren eine Distanz aufzubauen, so wie ein Faden langsam dünner wird und dann plötzlich reisst.

Mit Corona wurden nicht nur offizielle Informationsgefässe verändert, sondern vor allem die inoffiziellen Möglichkeiten zur Information gehemmt und unterbunden. Keine gemeinsamen Kaffee- oder Schulpausen mehr, das gemeinsame Essen fand nur noch in den Gruppen statt, persönliche Begegnungen wurden vermieden, Sitzungen online geführt und mit dem Homeoffice wurde auch äusserliche Distanz geschaffen.

Jede Begegnung mit Menschen beinhaltet aber viel mehr Informationsgehalt, als wir uns vorstellen können. Zum Beispiel wie Personen in einen Raum treten, eine Begrüssung stattfindet, ein scheuer, strenger oder liebevoller Blickkontakt ausgetauscht oder eine leise, stockende oder gar laute Sprache benutzt wird. Da wird als Reaktion gelacht oder eine Stirn gerunzelt, ja selbst Gerüche, die Farbe der Haut oder Schweigen haben eine Aussagekraft, auch wenn inhaltlich noch kein Thema angesprochen ist.

Als Menschen sind wir eben nicht nur Datenverarbeiter von Informationen, sondern Persönlichkeiten, die vollumfänglich wahrgenommen werden wollen. Wir wollen gesehen werden und sind aufgerufen selbst hinzuschauen. Einmal mehr kann ich da von Jesus lernen, er kam, um Gottes Reich anzukündigen und aufzurichten, aber suchte vor allem eines: die Begegnung mit uns Menschen.

In dem Sinne brauchen auch wir im Tabor nicht nur Informationsgefässe, sondern vor allem Begegnung.