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Kirche auf dem Weg zur Staatsreligion "Allein die Kenntnis der Vergangenheit lässt uns die Gegenwart verstehen." Herbert Luethy

Anerkennung und Eroberung

Die Periode der konstantinischen Reichskirche beginnt mit dem "Mailänder Toleranzedikt" von 313 und mündet etwa in der Mitte des 5. Jahrhunderts in die Epoche des Mittelalters aus.

Kaiser Konstantin

Konstantin „der Große“ wird als Sohn des Soldatenkaisers Constantius Chlorus und seiner Konkubine HELENA, die Christin ist, zwischen 280 und 285 in Naïssus (heute: Nisch, Serbien) geboren. Schon früh kommt er an den Hof Diokletians, wo er mit dem Kaisertum, wie auch mit den Nöten der Provinzen und mit dem Kriegshandwerk vertraut wird. Er bewährt sich als kühner und umsichtiger Truppenführer und gewinnt das Zutrauen der Soldaten. Nach schweren Kämpfen in Britannien, wo sein Vater fällt, ruft die Armee Konstantin 306 zum Augustus (der Erhabene) des Westens aus, was Galerius, der Augustus des Ostens, nicht anerkennt. In Rom läßt sich MAXENTIUS als Augustus ausrufen. Damit entstehen Regierungswirren, die bis 313 andauern. Konstantin heiratet Fausta, die Tochter des Caesars Maximians.

Er baut in Gallien die verwüsteten Städte wieder auf, besiedelt verödete Landstriche und sichert die Rheingrenze gegen die unablässigen Einbrüche der Germanen. Zu seinem eigenen Ruhm errichtet er einen Apollotempel, und läßt sich als göttliche „Vorsehung“ verehren. Trotz seinen synkretistischen Neigungen gibt er seiner Tochter den Christennamen ANASTASIA, „die Auferstandene“. Konstantin wählt den alten Sonnengott Apollo, den „sol invictus“, als seinen Begleiter. Noch bis tief in die christliche Zeit hinein erscheint der Kaiser auf den Münzen mit „seinem“ Apollo.

Die milvische Brücke

312 n. Christus

Wie Laktanz berichtet, habe er vor der Schlacht einen Traum gehabt, in welchem er ein quergestelltes Chi (X), d.h. ein Kreuz, das ein Rho (P) trägt, gesehen habe, das er auf die Schilde aufmalen solle, was er umgehend tut. Gut zwei Jahrzehnte später berichtet Eusebius, Konstantin habe gegen Abend über der Sonne ein lichtes Siegeszeichen des Kreuzes mit den Worten: „Hierdurch [= in diesem Zeichen] siege“ (gr. toúto níka), gesehen. Beide Zeichen werden später auf Münzen verherrlicht. Am 28. Oktober 312 kommt es an der Milvischen Brücke vor den Toren Roms zur berühmten Entscheidungsschlacht, bei der Maxentius zusammen mit vielen Soldaten im Tiber ertrinkt. Vom Volk umjubelt zieht Konstantin in Rom ein, ohne dass er allerdings das übliche Jupiteropfer darbringt. Er verbietet dem Volk, ihm im Kaiserkult Opfer darzubringen. Nach einem Jahr nach dieser Schlacht verschwindet der Name Apollos aus den Reden Konstantins. Dafür verwendet er Ausdrücke wie „Gottheit“, „göttlicher Geist“, „himmlische Macht“. Heiden und Christen können diese Worte auf ihre Weise interpretieren. Auf einer Gedenkmünze, die drei Jahre später geprägt wird, trägt Konstantin das Christusmonogramm auf seinem Helm, womit er sich als Christ zu erkennen gibt.

X = Ch und P= R also die ersten beiden Buchstaben von Christus

Das unmöglich Geglaubte wird Wirklichkeit: der Kaiser bekennt sich als Christ. Das Neue tritt an die Stelle des Alten; das Neue vernichtet das Alte jedoch nicht, sondern nimmt es in sich auf und verändert es.

Toleranzedikt von Mailand

Anfangs 313 verkünden Konstantin und Licinius das berühmte „Toleranzedikt von Mailand“. Darin wird zum ersten Mal das Christentum von staatlicher Seite nicht nur erlaubt, sondern auch begünstigt. Die Kaiser gestatten „den Christen und allen Menschen freie Wahl zu geben, der Religion zu folgen, welcher immer sie wollten,“ damit „jede Gottheit und jede himmlische Macht, die es gibt, uns und allen, die unter unserer Herrschaft leben, gnädig sein möge.“ Alle früheren kaiserlichen Verordnungen werden widerrufen. Die beschlagnahmten Versammlungshäuser der Christen müssen ihnen zurückerstattet werden. Die Kirche bekommt ein Recht, offiziell Kirchen bauen und besitzen zu können. Verbannte können heimkehren, zur Sklaverei verurteilte Christen werden frei, enteignetes Gut der Märtyrer geht an die Erben. Dieses Dekret ist so abgefasst, dass es auch der Sonnenverehrer Licinius unterschreiben kann und auch die Heiden weiterhin ihre Kulte ausüben können. Heiden wie Christen werden toleriert. Noch im gleichen Jahr lässt Konstantin die erste Münze mit einem Kreuzeszeichen prägen.

Münzporträt des Licinius

320 beginnt der Kaiser des Ostens (Licinius) die Christen zu schikanieren und zu verfolgen, danach kommt es zum Krieg bei dem Konstantin 324 als Sieger hervorgeht. Licinius wird hingerichtet. In den Augen der Soldaten und der Bevölkerung haben die heidnischen Götter, denen Licinius geopfert hat, versagt, der Christengott gesiegt. Konstantin weiß sich als Werkzeug einer höheren Macht: „Ich habe in höherer Kraft die Schrecknisse zerstreut, damit ich die Menschen zum Dienst des heiligen Gesetzes zurückführe und der Höchste sie zum Glauben leite.“ Noch im gleichen Jahr erneuert er das Toleranzversprechen, in welchem er ausdrücklich festhält, dass auch „die Irrenden“, d.h. die Heiden, denselben politischen Frieden genießen sollen, wie die Christen. Er hält fest: „Keiner soll den anderen belästigen; wie sein Herz begehrt, so soll es ein jeder haben und halten.“

Nun erhebt Konstantin die orthodoxe Kirche zur offiziellen Religion, toleriert das Heidentum jedoch ausdrücklich und fördert den Bau von Kirchen.

Kleriker wie Beamte

Die Kleriker werden rechtlich den kaiserlichen Beamten gleichgestellt, was u.a. bedeutet, dass sie von der Entrichtung drückender Sondersteuern befreit werden. Konstantin gewährt diese Steuerbegünstigung, weil die Kirche ein umfassendes soziales Netz aufgebaut hat. Er verhilft damit der Kirche, für Arme und Kranke besser sorgen zu können, Witwen und Waisen beizustehen, Fremde zu beherbergen, Menschen zu helfen, um die sich sonst niemand kümmert, Tote zu begraben, da-mit sie dem Fraß der Tiere entzogen sind. All diese sozialen Aufgaben hat der Staat kaum oder nicht wahrgenommen. Laktanz fasst zusammen: „Wo immer ein Mensch gebraucht wird, sind wir gefordert.“ Diese Steuerbegünstigungen sollen also dem Gemeinwohl zufließen. Sie dürfen nicht zur Bereicherung der Kirche dienen. Die Verbindung von Religion und Staatswohlfahrt entspricht ganz dem römischen (und dem modernen!) Rechtsgefühl. 321 erlässt Konstantin die Sonntagsgesetze, durch die das Reich einen einheitlichen Ruhetag er-hält. Etwas später verordnet der Kaiser als Weihnachtsfest den 25. Dezember.

Konzil zu Nizäa

325 nach Christus

Konstantin hofft, durch das Christentum das bedrohte Reich festigen zu können. Nun stellt er aber bald ernüchtert fest, dass er es nicht nur mit einer einzigen Kirche zu tun hat, sondern um verschiedene Glaubensrichtungen, die sich gegenseitig bekämpfen. In der guten Absicht Ordnung und Vereinheitlichung zu schaffen, mischt er sich in die Streitigkeiten ein. Obwohl er die theologischen Unterschiede kaum erkennt, ruft er im Jahr 325 ein Konzil nach Nizäa ein. 326 erlässt er das Häretikergesetz, in welchem er allen Kirchen, ausser der katholischen, verbietet, sich zu versammeln. Er glaubt in allen schismatischen Kirchen Häretiker zu sehen und nennt sie deshalb „Versammlungsstätten des Aberglaubens“. Damit gerät Konstantin in ein Dilemma: Er ist gegen jede religiöse Gewaltanwendung, vertritt aber gegenüber den nicht-katholischen Kirchen durch die Beschlüsse in Nizäa und mit diesem Häretikergesetz eine weit weniger tolerante Haltung als gegenüber den Heiden. Mit diesem „zornigsten von allen echten Schreiben Konstantins“ (H. Kraft) beginnt die unselige „christliche“ Ketzergesetzgebung. Indem der Kaiser persönlich in die Belange der Kirche eingreift, schafft er die Voraussetzungen, daß die katholische Kirche Staatsreligion werden kann.

Auswirkungen:

Die Beamten dürfen das Götter- und Kaiseropfer nicht mehr vollziehen. Mit Konstantin findet der Kaiserkult sein Ende.
Im Zug von christenfreundlichen Gesetzen verbietet er die Gladiatorenkämpfe als Verbrecherstrafe. In einem weiteren Gesetz schafft er die grausame Kreuzigungsstrafe ab.
Mit dieser Wende beginnt der Siegeszug des Kreuzes, das er tief verehrt. Das Kreuz ist für ihn das Symbol, das den Drachen, den Satan und die Dämonen, durchbohrt.
Nun finden wir dieses Zeichen in Kirchen. Gläubige wie Ungläubige tragen es als Amulett.

Gut 50jährig wird Konstantin, der allezeit gesunde, krank. Er stirbt an Pfingsten 337. Er wird im angebauten Mausoleum der Apostelkirche in Konstantinopel beigesetzt.

Der konstantinische Triumphbogen

315 errichten Senat und Volk von Rom zum zehnjährigen Regierungsjubiläum dem Kaiser den Konstantinischen Triumphbogen. Auf einem der Reliefs wird der Untergang des pharaonischen Heeres dargestellt, auf dem anderen Maxentius, der mit seinen Truppen im Angesicht des neuen Mose bei der Milvischen Brücke im Tiber versinkt.

Kaiser Theodosius "der Grosse"

Im Jahr 380 macht Kaiser Theodosius der Religionsfreiheit ein Ende: Die katholische Kirche wird alleinige Reichsreligion. 391 bestätigt er dieses Dekret und verbietet das Heidentum und die übrigen Kirchen. Heidentum und Häresien werden als Staatsverbrechen geahndet! Und dies im Namen des Christentums! Es gibt keine Dekrete, die sich für das Abendland fataler und nachhaltiger ausgewirkt hätten, als diese Beschlüsse. Zurechtstellen müssen wir, dass Theodosius nicht das Christentum zur Staatsreligion erhoben hat, wie dies in fast allen Büchern zu lesen ist, sondern nur die eine bestimmte Kirche: die katholische oder orthodoxe Glaubensrichtung! – Für seine Verdienste nennt ihn die orthodoxe Kirche „der Große“. Die übrigen Kirchen, wie die Novatianer, Donatisten, Priscillianer, Arianer, Nestorianer und die nicht-orthodoxen Glaubensgemeinschaften, wie die Manichäer und zahlreiche andere Bewegungen werden zusammen mit den Anhängern heidnischer Religionen auf dem Reichsgebiet in die Illegalität abgedrängt, mühsam nieder gerungen und da und dort blutig verfolgt. Heidnische Tempel werden zerstört. Dies geschieht meist mit Billigung der kirchlichen Führer.

394 werden zum letzten Mal die olympischen Spiele ausgetragen; 1896 werden sie in Paris wieder aufgenommen.

Die einigermaßen tolerante Religionspolitik, die Konstantin eingeleitet hat und die bis zu einem gewissen Grad während der Zeit des Römischen Imperiums bestanden hat, findet ihr Ende. Sie sollte erst 1400 Jahre später im Zug der amerikanischen und französischen Revolutionen und Menschenrechtserklärungen neuen Einfluss gewinnen.

Auswirkungen

Dieser Umschwung verändert die gesamten Lebensverhältnisse der Gemeinden von Grund auf. Ist die Kirche bis um 300 höchstens geduldet, so wird sie jetzt begünstigt und wird bald zur herrschenden Religion. Sie kann sich zunehmend zentralistisch organisieren.

Die Mitgliederzahlen vervielfachen sich in kurzer Zeit, während die kirchliche Disziplin erlahmt.

Die Machtansprüche der Patriarchen, besonders des Papstes von Rom, werden zunehmend dreister.

Mit der gesetzlichen Verordnung, Christ sein zu müssen, wird die persönliche Motivation des einzelnen zu einem großen Problem. Auch wenn die Massen zu einem äußerlichen Christsein gezwungen werden, so schließt dies nicht aus, daß einzelne Menschen aus persönlicher Überzeugung ihr Christsein bewußt ausleben.

Die breite Masse pflegt viele heidnischen Praktiken unter christlichem Vorzeichen weiter. In dieser Zeit gewinnen die Marienfrömmigkeit, der Heiligenkult und die Reliquienverehrung an Bedeutung.

Bald gewinnt man gesellschaftliche Vorteile, wenn man in sie eintritt, ab dem 5. Jh. wird es sogar zunehmend gefährlich nicht zu ihr zu gehören.

Nach Theodosius wird die Kirche zu einer staatlichen Zwangsanstalt, die die Gewissen der Gläubigen versklavt. Damit verliert die katholische Kirche im Westen und die orthodoxe Kirche im Osten immer mehr jenen Charakter der Demut, Barmherzigkeit und Wahrhaftigkeit, der ihr von Jesus und den Aposteln mit auf den Weg gegeben worden ist. Die Kirchen bekommen weltliche Macht und werden diese Macht missbrauchen. Augustinus soll den Satz geprägt haben: „Jetzt, wo der Herrscher christlich ist, muss es der Teufel nicht auch sein?“

Basilika di Santa Maria Maggiore Rom

Die Kirche kann nun auch Grundstücke erwerben und Kirchen bauen. Wir sehen hier die Basilika Santa Maria Maggiore in Rom, die um 430 gebaut wurde.

Santa Sabina Rom

Eine andere frühchristliche Basilika ist die Santa Sabina. Auch sie wurde um 430 gebaut.

Älteste Kreuzigungsdarstellung

Santa Sabina 422-32 in Rom erbaut

Interessanterweise wird Christus hier mit Bart dargestellt und das Kreuz selbst fehlt.

Rom setzt Primatansprüche durch

Im 4. Jh. verschärft sich der Streit um das kirchliche Primat (= Vorrang; der oder das Primat, beides ist richtig). Entsprechend dem politischen System baut die Kirche monarchische Strukturen auf. Im Westen besiegt der Papalismus den Episkopalismus, d.h. der römische Patriarch bekämpft die Idee, dass die Bischöfe die Macht- und Entscheidungsträger seien. Diese Entwicklung bestimmt das ganze Mittelalter und findet im päpstlichen Unfehlbarkeitsdogma von 1870 seinen vorläufigen Höhepunkt. Mehrere Gründe tragen dazu bei, daß der Bischof von Rom seinen Machtbereich ausbauen kann:

Rom gilt als Hüterin der Orthodoxie. Bei den dogmatischen Streitigkeiten vertreten die römischen Bischöfe grundsätzlich den Standpunkt, der sich als orthodox durchsetzen wird. Schon im 2. Jh. gelingt es Rom, seine Praxis im Ketzertaufstreit und im Passahstreit durchzusetzen.

Rom als Schiedsrichter. Im arianischen Streit wenden sich die orthodoxen Nizäaner an Rom. Auch bei unklaren Verhältnissen bei Provinzialsynoden wird Rom als Schiedsrichter angeru-fen. Später wird aus diesen Auseinandersetzungen der stolze Satz abgeleitet: „Roma non erravit, von errat, non errabit“ – „Rom hat nie geirrt, irrt nie, wird nie irren.“

Die Gemeinde in Rom führt ihre Entstehung auf die Apostel Petrus und Paulus zurück, was historisch nicht haltbar ist. Beide sind jedoch wahrscheinlich in Rom als Märtyrer hingerichtet worden. Im Zug des aufkommenden Heiligenkultes entstehen Legenden, die die Bischöfe für die Steigerung ihrer Macht benutzen.

Anfangs des 3. Jh. beruft sich einer der Bischöfe von Rom auf Mt 16,18-19 (Schlüsselgewalt von Petrus). Er behauptet, Unzüchtigen Buße gewähren zu können. Die Päpste haben aus dieser Bibelstelle die Idee entwickelt, daß sie die Nachfolger von Petrus seien und die Führungsgewalt hätten. Aufschlußreich ist, dass bis ins 5. Jh. keiner der Kirchenväter die Aussage „auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“ auf den Bischof von Rom bezogen hat.

Seit Konstantin residieren die Kaiser nicht mehr in Rom, sondern in Konstantinopel. Dies gibt den römischen Bischöfen ein beträchtliches machtpolitisches Gewicht. Zugleich büßt der Patriarch von Konstantinopel seine Selbständigkeit ein. Er wird als Hofbischof zu einem gefügigen Werkzeug, mit dem der Kaiser seine kirchenpolitischen Ziele durchsetzt. Mit der Niederlage der Monophysiten beim Konzil von Chalcedon (451) haben die Patriarche in Alexandrien ihre Machtstellung eingebüßt.

Die kultischen Ordnungen

Weil die Zahl der Gläubigen ständig wächst, werden die schlichten Kirchengebäude durch große Basiliken ersetzt. Während die Außenwände dieser Kirchen einen trostlosen, fabrikartigen Eindruck machen, werden die Innenwände und zum Teil auch die Fußböden mit prächtigen Fresken oder Mosaikdarstellungen geschmückt. Damit will die Kirche ihre Machtentfaltung zum Ausdruck bringen. Besonders im Osten werden Zentralbauten, z.B. Kreuzkuppelkirchen, gebaut.

Der Ruhetag

Während die Judenchristen weiter am Sabbat als ihrem Ruhetag festhalten, gibt es für die Heidenchristen in den ersten drei Jahrhunderten keinen echten Ruhetag. Durch ein Dekret verfügt Kaiser Konstantin am 3. März 321: „Alle Richter, das Stadtvolk und die Werkstätten aller Handwerker sollen am ehrwürdigen Tag der Sonne die Arbeit ruhen lassen. Dagegen dürfen die Landleute ungehindert Feldarbeit tun, da oft kein anderer Tag geeigneter ist, das Korn zu säen und die Reben zu pflanzen, auf dass nicht mit dem rechten Augenblick die von der himmlischen Vorsehung dargebotene Gelegenheit versäumt werde.“

Ein Vierteljahr später verfügt er, dass „alle die Erlaubnis haben sollen, am Feiertag Sklaven freizulassen, und es soll nicht verwehrt sein, darüber Protokoll aufzunehmen.“ Ausdrücklich verbietet Konstantin am Sonntag das Prozessieren; die Gerichte müssen geschlossen bleiben. Konstantin wählt diesen Tag aus wohl politischen und gesellschaftlichen Gründen: Die Christen wie auch die Anhänger des Mithraskults versammeln sich am Sonntag zu ihren Feiern. Die Christen sehen darüber hinaus im Licht der Sonne (erster Schöpfungstag!) ein Hinweis auf das Licht des Schöpfers. So schreibt HIERONYMUS: "Wenn der Tag der Auferstehung „von den Heiden der Tag der Sonne genannt wird, so nehmen wir diese Bezeichnung gern hin; heute [Ostersonntag] ist nämlich das Licht der Welt, heute ist die Sonne der Gerechtigkeit aufgegangen.“

Wenn Konstantin nicht auf Reisen ist, hält er in seinem Palast einen Gebetsgottesdienst. Auch die Soldaten im Heer feiern den Tag: Die Heiden verehren die Sonne, die Christen nehmen am Gottesdienst in der Kirche teil. Der gesetzlich verankerte Ruhetag wird zu einer unermesslichen Wohltat für die Völker. „Der Sonntag ist das bleibende Denkmal des konstantinischen Zeitalters“ hält Dörries fest. Kaiser THEODOSIUS I. (379-395) ersetzt den Ausdruck „Sonntag“ durch „Tag des Herrn“ (lat. dominicus dies), so wie dies schon seit dem Frühchristentum üblich ist. Die weitgehend heidnische Bevölkerung wird nach und nach genötigt, den Sonntag im Sinn der Kirche zu begehen. Aus dem „dominicus dies“ entsteht das französische „dimanche“, das italienische „domenica“ oder das spanische „domingo“. Nur in den germanischen Sprachen hat sich der „Sonn-Tag“, der „sunday“ erhalten

Das Weihnachtsfest

Bis zu Beginn des 4. Jh. geht der 25. Dezember vorüber, ohne dass sich die Christen zu einem Gottesdienst versammelt hätten. Ohne sich auf ein Datum festzulegen, geht man in den ersten Jahrhunderten davon aus, dass Jesus im Frühjahr oder im Sommer geboren worden sei, da in Palästina nur von März bis November die Hirten mit ihren Herden draußen übernachten können. Clemens von Alexandrien spottet gegen Ende des 2. Jh. über alle, die durch irgendwelche Berech-nungen den Tag der Geburt Christi erschließen wollen. 336 wird der 25. Dezember als Feiertag für die Geburt Christi erstmals in Rom bezeugt.

Wie kommt man zu diesem Datum? Im 3. Jh. stellt der Sonnenkult und der Mithraskult eine ernsthafte Konkurrenz zum Christentum dar. Am 25. Dezember wird das jährliche Hauptfest als Tag der Sonnenwende, das Fest des sol invictus, des „unbesiegbaren Sonnengottes“ gefeiert. Kaiser Mark Aurel hat dem Sonnengott im 2. Jh. einen großen Tempel erbaut und dem ganzen Reich vorgeschrieben, den Tag seiner Geburt zu begehen. Das altrömische Freudenfest zu Ehren des Gottes Saturn (17.-24. Dez.) fällt ebenfalls in diese Zeit. Während diesen Tagen sind die Standesunterschiede aufgehoben und man bekränzt die Häuser mit grünen Pflanzen und beschenkt sich gegenseitig.

Um dem bedrohten Römischen Reich mehr Zusammenhalt zu geben, bemüht sich Konstantin um eine einheitliche Religion. So dürfte er in synkretistischer Absicht versucht haben, das Heidentum ins Christentum überzuleiten und einen Reichsfeiertag zu stiften. Die Kirche hat sich auf dieses gewagte Unternehmen eingelassen. Ambrosius betont in einer Predigt: „Christus ist unsere neue Sonne!“ Augustin mahnt, an diesem Tag nicht wie die Heiden die Sonne anzubeten, sondern den, der die Sonne erschaffen hat.

Seit Ende des 4. Jh. wird dieses Fest auch in Konstantinopel gefeiert, in Ägypten erst ab 431. Am längsten zeigt sich der Widerstand in Palästina, wo man wahrscheinlich erst um die Mitte des 6. Jh. Weihnachten zu feiern beginnt. Die Kirche dieser Gegend beruft sich darauf, daß sie die Tradition besser kenne als der Westen. Die Armenier anerkennen dieses Datum bis heute nicht, sondern feiern die Geburt Christi am Epiphaniafest, dem 6. Januar.

Im Westen wird Epiphania zum Fest der Anbetung des Jesuskindes durch die Magier, deren Zahl man auf Grund von Legenden auf drei festlegt und ihnen die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar gibt. – Die Adventszeit kommt im 6. Jh. auf.

Die Festlegung des Osterdatums auf dem Konzil von Nizäa von 325 wurde bereits früher dargelegt.

Die Heiligen-, Marien- und Engelverehrung

Als im 4. Jh. die großen Verfolgungszeiten aufhören, beginnen die Gläubigen verstorbene Kirchenväter, Bischöfe, Päpste, Mönche und Jungfrauen als Heilige anzurufen. Besonders seit dem 4. Jh. entwickelt sich der Marien- und Engelkult. Auch wenn die Kirche offiziell gegen die heidnischen Götterkulte Stellung bezogen hat, so ersetzt der niedere Kultus, wie er offiziell genannt wird, den alten Polytheismus. Die Bilderverehrung, Wallfahrten und Prozessionen befriedigen die Prunkliebe; der Aberglaube treibt die Massen zur Materialisierung der Religion. Es ist allgemeine Überzeugung, dass die Seelen der Märtyrer, und später die der Seeligen und Heiligen, sofort bei ihrem Tod der „visio beatifica“, der paradiesischen Freude Gott zu schauen, teilhaftig werden. Hier, im Angesicht Gottes, können sie ihre Fürbitte einsetzen und mit ihrem Schatz der guten Werke die Sündenstrafen der Menschen aufwiegen.

Es gibt jedoch schon damals echte Protestanten, d.h. Gläubige, die dafür kämpfen, daß die Gläubigen nach biblischem Zeugnis nur zu Gott oder Christus beten sollen. AERIUS in Kleinasien und besonders der gallische Priester VIGILANTIUS, ein Presbyter von Barcelona, stemmen sich gegen den aufkommenden Heiligenkult. Vigilantius gibt zu bedenken, dass wir den Heiligen weder Allwissenheit noch Allgegenwart zuschreiben dürfen. Darum sei es unsicher, ob sie unsere Ge-bete überhaupt hören könnten. Dieses Argument wiegt bis heute sehr schwer. Hieronymus gelingt es, durch seine gehässige Polemik Vigilantius zum Verstummen zu bringen.

Mit der Ausbreitung des Christentums verlagert sich der am Grab abgehaltene Heiligenkult: Die neuen Gemeinden bemühen sich um Reliquien, die seit spätestens dem 6. Jh. in den Altar eingeschlossen werden. Der Heilige wird nun Patron der Kirche. Um sich die Fürbitte von anderen Heiligen zu sichern, baut man Nebenaltäre, die weitere Reliquien aufnehmen können. Der in Rom von den Kaisern Agrippa und Hadrian erbaute Pantheon, ein Rundtempel zu Ehren der antiken Götter, wird 609 in eine der Maria und allen Heiligen geweihte Kirche transformiert. Das bis heute erhaltene Gebäude heißt nun Santa Maria Rotonda. Die vierzehn Statuen antiker Gottheiten ersetzt man durch vierzehn Altäre.

Der eigentliche Auftakt zur Marienverehrung wird das Konzil von Ephesus von 431, wo gegen den Protest von Nestorius Maria als „Gottesgebärerin“ (theotokos) dogmatisiert wird

Die Verlagerung der geistlichen Werte 1. - 5. Jahrhundert

Alle Menschen sind Sünder und werden durch einen persönlichen Glauben an Christus durch Gottes Gnade gerechtfertigt. Röm 3,24
  • Errettung geschieht durch Erkenntnis und Anwendung der Sakramente (Taufe, Abendmahl). – Einfluß von magischem Denken und der Gnosis.
Glaube setzt Bekehrung zu Christus als Retter und Herrn voraus und eine vom Heiligen Geist bewirkte Wiedergeburt .
  • Glaube wird zu einer christlich-philosophi-schen Weltanschauung.
Rechtfertigung und Heiligung als Geschenk Christi. Sie werden sichtbar durch tätige Nachfolge.
  • Errettung und Heiligung durch Bußleistungen und gute Werke. Moralismus.
Christus hat ein für allemal das Sühnopfer zur Vergebung der Lebensschuld dargebracht. Hebr 9,12
  • Durch die Einsetzungsworte des Bischofs bei der Eucharistie wird das Opfer Christi wiederholbar.
Gebet als innige Verbundenheit mit Christus.
  • Gebet wird zur frommen Leistung.
Christus hat das mosaische Gesetz erfüllt. Heb 9 und 10; Gal 4,4-5
  • Das Christentum wird zu einer neuen Gesetzesreligion. Auswirkung nach Gal. 5,4: „... aus der Gnade gefallen.“

Zeittafel Konstantinische Reichskirche

  • um 300: Wirkenszeit von Eusebius von Caesarea, in Armenien wird das Christentum zur Staatskirche
  • 312: Schlacht an der Milvischen Brücke
  • 313: Toleranzedikt von Mailand durch Konstantin dem Grossen
  • 315/320: Offener Ausbruch der christologischen Streitigkeiten
  • um 320: Pachomius gründet das erste Kloster in Oberägypten
  • 325: Erste Konzil in Nizäa: Verurteilung des Arianismus
  • um 350: Arianische Missionierung der Goten durch Wulfia
  • 358: Basilius der Grosse gründet ein Kloster und verknüpft das Mönchtum mit der Kirche
  • 361-363: Julianus Apostata: vorübergehende Beseitigung der Reichskirche, aber keine Christenverfolgung
  • 340-380: erste Welle von heftigen Christenverfolgungen in Persien
  • 2. Hälfte 4. Jh.: Martin von Tour: Mönche werden missionarisch tätig
  • 381: Zweite Konzil in Konstantinopel: Trinitätsdogma
  • 380: Theodosius der Grosse erklärt die katholische Kirche zur Staatsreligion: Verbot aller übrigen Kirchen
  • 391: Theodosius verbietet alle übrigen Kulte
  • Ende 4. Jh.: Wirkenszeit von Ambrosius von Mailand, Endgültige Festlegung des neutestamentlichen Kanons
  • um 400: Wirkenszeit von Hieronymus und Augustin
  • 431: Drittes Konzil in Chalzedon: Verurteilung des Monophysitismus
  • 420-490: Zweite Welle von heftigen Christenverfolgungen

Die meisten Informationen stammen aus dem Kirchengeschichts-Unterlagen von Peter Uhlmann

Credits:

Created with images by pjes - "milan cemetery sculpture" • geralt - "cross sunset sunrise" • Tama66 - "cloister monastery courtyard" • pcdazero - "friar pope old" • ddzphoto - "church christianity cathedral" • Pexels - "berry branch christmas" • MichaelGaida - "icon church image" • LincolnGroup - "arrows arrow road"

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