Ich entscheide... aber wie? Gedanken einer Schülerin

Gib (niemals) auf!

Fokussiert bleiben

Im Team kann man alles schaffen?

Ich habe im Alter von 17 Jahren eine Ausbildung als Hotelfachfrau in einem Schloss angefangen. Abgeschlossen habe ich diese nach zwei Jahren im Frühjahr 2016. Im Sommer meines zweiten Ausbildungsjahres passierte folgendes:

Wir hatten grade die Vorbereitungsarbeiten für eine Hochzeitsfeier abgeschlossen, die am Tag darauf stattfinden sollte. Endlich: 15:30 Uhr und ausgepowert. Ein paar Minuten darauf trifft auch schon das Hochzeitspaar zur Abnahme ein und wir präsentieren stolz das Ergebnis der letzten Wochen. Verhaltenes Schweigen. "Gefällt Ihnen etwas nicht?" fragt mein Vorgesetzter. Nein, es gefiel Ihnen nicht. Ihre Vorstellungen und unsere Vorgaben vom Vorgespräch stimmten nicht überein. Mist! Wem ist denn da ein Fehler unterlaufen? Meine Stirn lag schon in Falten. Wie sollten wir bis morgen um 11.00 Uhr alles nach den Vorstellungen des Paares in spe hinbekommen? Ich ließ die Angaben des Paares durch meinen Kopf gehen. Andere Servietten, weiße Hussen mit Schleifen, Kerzen in rosé, Herzen auf den Tischen und vieles mehr... Ist das denn alles überhaupt machbar?

JA! Wir versprachen dem Paar, dass wir unser Bestmöglichstes versuchen. Dann hieß es, anpacken und nicht verzweifeln. Wir teilten die Arbeiten auf. Einen Morgen später standen wir vor der fertigen Hochzeitsdekoration. Puuuuh. Wer hätte das gedacht?

Durch den Glauben daran, dass wir das schaffen und an unser Team, haben wir das scheinbar Unmögliche möglich gemacht. Und ich? Ich war zu Hochleistungen fähig. Doch woran hat das gelegen?

Ich habe anstatt zu verzweifeln meine kognitiven Fähigkeiten eingesetzt, um die Entscheidung zu treffen, so schnell wie möglich zu versuchen, mit den anderen die anstehende Arbeit hinzubekommen. Aus dieser Entscheidung ist eine intrinsische Situation "geboren". Meine intrinsische Situation. Ich war super motiviert. Müdigkeit und Anstrengung habe ich nicht gespürt. Meine emotionalen, kognitiven und praktischen Fähigkeiten sind kulminiert und haben mich gepusht.

Man ist also zu so viel mehr fähig, als man zu glauben scheint.

Bonhoeffers support...

...und wie er sich in unsere Entscheidungen einmischt.

Wenn ich mir die Frage stelle, wie man Entscheidungen trifft, denke ich seit kurzem auch immer an einen Theologen. Er wurde im nationalsozialistischen Deutschland unter Führung Hitlers als "moralisches Rückgrat des Wiederstandes" bezeichnet. Er kämpfte für ein gerechteres Deutschland und für die Grundrechte jener Menschen, die in dieser Zeit nicht gewahrt waren. Ich spreche von Friedrich Bonhoeffer, der letzten Endes im KZ Flossenbürg im Alter von 39 Jahren verstorben ist.

Bonhoeffer war als Doppelagent tätig und handelte zu seinen Lebzeiten in dem Wissen, dass er vermeintlich getötet werden würde, wenn herauskäme, dass er Anti-Nationalsozialistist und somit ein Gegner Hitlers war. Er entschied sich seinem Glauben treu zu bleiben - viel mehr seinem Glauben zu vertrauen - und sich keine vorgefertigte Meinung aufzwingen zu lassen.

Meinen Empfindungen nach ist das genau der Ursprung wirklich bedeutsamer Entscheidungen. Früher oder später stehen sie vor einem und wenden sich nicht mehr ab, bis man aus ihr handelt. Diese Entscheidungen, die wir also treffen MÜSSEN, entstehen nicht aus reiner Logik, sondern seinem Glauben (an was auch immer ein jeder von uns glauben mag), seinem Gewissen und seiner Intuition.

Wenn man Bonhoeffer's Handeln rein rational betrachtet, dann kommt man zu dem Schluss, dass er sein eigenes Leben hätte wahren können, wenn er Hitler's Spiele mitgespielt hätte. Dann hätte er allen was vorgespielt und sein eigenes Sein verraten oder vermutlich vielleicht sogar verloren? Er hätte auf jeden Fall die Augen verschließen müssen, vor dem ganzen Leid an dem er letztendlich eine Teilschuld gehabt hätte. Doch Bonhoeffer hat aus Charakterstärke entschieden, sich zu widersetzen. Der Zustand in Deutschland widerstrebte ihm zu seiner Zeit. Er entschied etwas dagegen zu tun.

Ich glaube, wenn man aus tiefstem Herzen an eine Sache glaubt (wie Bonhoeffer an ein gerechtes Deutschland) und Vertrauen in seine Empfindungen hat, dann lässt es das Gewissen nicht zu, entgegen dieser zu handeln (Bonhoeffer fühlte sich verpflichtet, denen zu helfen, die der Staat zu Unrecht verletzt hat). Hinzu kommt noch die Empathie gegenüber anderen Betroffenen, die den Entscheidungsprozess mit beeinflussen. Sprich, wenn man eine wahrhaftige Entscheidung treffen will, sollte man immer ihre Auswirkungen für sich selbst aber natürlich auch für seine Mitmenschen betrachten.

Wenn man also all diese Faktoren bei der Entscheidungsfindung mit heranzieht, dann verfügt man auch über die Kraft, diese Entscheidung in sein Handeln umzusetzen und sie vor anderen zu stehen.

Also wünsche ich viel Glück beim (An)treffen deiner nächsten bedeutsamen Entscheidung!

Is it right or is it wrong?

Ich entscheide... wahrhaftig?

Jedermann (auch jede Frau) hat die Möglichkeit sich an das Gute anzuschließen. Aber wie? Bonhoeffer meint, dass man sich als Individuum ein externes Raster suchen sollte. Dieses kann eine Hilfestellung sein, damit man in verschiedenen Situationen, die Entscheidungen fordern, ein wahrhaftiges Handeln hervorruft. So ein Anhaltspunkt kann helfen Situationen richtig einschätzen und bewerten zu können.

So ist die Heilige Schrift einer Religion ein passendes externes Raster für alle Gläubigen. Doch auch Atheisten sollten sich so ein Raster suchen. Für sie gibt es auch verschiedene Möglichkeiten, wie zum Beispiel Philosophen. Meistens hat man aber durch die Jahre der Entwicklung so ein externes Raster gebildet, was man in Gedanken immer mit sich rum trägt. Es wird geprägt durch unsere Eltern, die unsere Beziehung beeinflussen und uns vorleben sollten, was richtig und was als falsch angesehen wird. Wir werden geformt durch unsere Schule (Bildung, Lehrer, Mitschüler), durch Vorbilder, wie Autoren, Sänger, Theologen etc., die uns ihre Ansichten vorleben. Aber auch Gesetze bilden unser externes Raster aus.

Die Schwierigkeit hierbei ist, dass im Gegensatz zu den 10 Geboten und den Gesetzen nicht schriftlich formuliert ist, was Recht und Unrecht ist. Dennoch wird einem tagtäglich vorgelebt, wie man sich verhalten sollte, und wenn man vermeintlich falsch handelt, kann man eine Lehre daraus ziehen und überdenkt seine Ansichten hoffentlich aufs neue.

So ist am Ende noch zu erwähnen, dass optimale Entscheidungen mir und allen anderen gleichermaßen nutzen sollten und dies durch ein externes Raster vorher bewertet werden kann.

Die Realität folgt...

...den Gedanken

Für mich bedeutet Glauben, zu vertrauen und frei sein. Ich meine nicht den Glauben, der auf eine Religion aufbaut. Ich meine den Glauben als breitgefächerten Begriff. In der Bibel Mt 17, 20 und 21 steht geschrieben, dass die Realität den Gedanken folgt. Für mich als Atheist oder skeptischer Mensch hat dieser Spruch trotz dessen eine hohe Bedeutung. Er ist ein verheißungsvoller Vers, der voller Möglichkeiten steckt.

Was will ich damit sagen?

Heutzutage gibt es viele junge Leute, die pessimistisch an Dinge heran gehen. Die immer das halb leere, anstatt das halb volle Glas betrachten. Grade wenn man sich für eine berufliche Perspektive, wie Schulform, Ausbildung oder Studium zu entscheiden hat, kann einem diese Einstellung im Weg stehen. Und genau da knüpft für mich die Lebenseinstellung an, die darauf aufbaut, dass die Realität den eigenen Gedanken folgen wird. Wenn man wirklich an eine Sache glaubt, sich dafür einsetzt und davon überzeugt ist, dann wird sich diese verwirklichen. Alles fängt mit einer Möglichkeit an. Deine Gedanken formen Ideen, Vorstellungen, Wünsche und diese kann man nur umsetzten, wenn man dahinter steht und mit einer positiven Einstellung ran geht.

Man merkt ganz schnell, wie viel leicht und locker einem Dinge von der Hand gehen mit der richtigen Einstellung und dem Glauben an sich selbst. Nichts ist unmöglich und Glauben versetzt ja bekanntlich Berge. Schon mal ausprobiert?

Ich bin nicht immun gegen Gegenwind

Clueso's Neuanfang

Doch ich lauf los!

Clueso spricht mir bei vielen seiner Lieder aus dem Herzen. Sein neues Lied "Neuanfang" begleitet mich auf dem Weg zu meiner Theorie der Entscheidungsfindung.

Er singt darüber, dass man neue, vielleicht auch unbekannte Wege gehen muss, wenn man unzufrieden mit einer bestimmten Situation oder gar seiner Lebenssituation ist. Am Anfang muss dafür mutig eine ENTSCHEIDUNG getroffen werden, worauf dann die Tat folgen kann. Bei dieser Entscheidung ist es am besten, wenn man seinen Gefühlen vertraut. Er singt: "Du kannst den Wind nicht ändern, nur die Segel drehen." Das bedeutet für mich, dass man Gegebenheiten, die nicht veränderbar sind, so hinnehmen sollte, da es reine Energieverschwendung wäre, sich an diesen aufzureiben. Trotzdem kann ich immer noch entscheiden, wie ich eine negative Situation in eine für mich positive umwandele. Sei es durch gute Gedanken, einem festen Glauben oder Vertrauen, dass alles schon in die richtigen Bahnen geleitet wird.

Nur eines ist wichtig. Loslaufen! Nicht stehen bleiben und sich beirren lassen. Wenn man sich in einer Sache sicher ist, dann kann man diese auch vor anderen stehen und Verantwortung für sein Handeln tragen. Clueso singt: "ich bin nicht immun gegen Gegenwind, doch ich lauf los."

Also: auf geht's! Die Welt steht einem offen.

Heute trage ich keine weiße Weste!

...das wäre ja auch langweilig!

Ich treffe also Entscheidungen. Ständig. Und wenn ich das tue, dann trage ich Verantwortung für diese. Die Entscheidung kann also nicht ohne die Verantwortung leben. Aber warum tun sich so viele junge Menschen schwer damit?

Jeder kennst sie, die weiße Weste, die man am besten sein ganzes Leben lang tragen und ja keine einzige Sekunde mal ausziehen sollte. Blödsinn! Wir sollten alle nicht davor zurück schrecken, auch moralisch betrachtet, negativ zu handeln. Ich fordere hier nicht dazu auf, Straftaten zu begehen. Ich will nur verdeutlichen, dass es in manchen Situationen wichtig ist, negativ zu handeln, wie zum Beispiel zu lügen, wenn man damit ein wahrhaftiges, richtiges Ergebnis für eine Person oder einen großen Teil einer Bevölkerungsgruppe hervorruft. In solchen Fällen lernt man nicht nur Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Man lernt auch, sich Schuld aufladen zu können. Bonhoeffer vertritt zum Beispiel auch die Ansicht, dass auch diejenigen schuldig sind, die in solchen Situation nichts tun. Eine weißere Weste gibt es nicht. Anderen zu helfen und dafür Schuld auf sich nehmen zu können, ist eine der schöneren Taten.

Lieber sein Leben leben und falsche und richtige Entscheidungen treffen, als sein Leben lang immer aus Angst, falsch zu handeln, nichts zu tun.

Und wie entscheiden Azubis?

Wann kommen denn endlich diese "Herrenjahre"?

Jeder, der sich dazu entschieden hat, eine Ausbildung anzufangen, weiß: "Uff, das wird nicht immer easy!" Was viele vielleicht nicht so auf dem Schirm haben, ist das viele Entscheidungen während der Ausbildungsjahre zu treffen sind und den weiteren Werdegang maßgeblich beeinflussen.

Die Entscheidungskultur junger Menschen in Ausbildungssituationen in Deutschland ist sehr unterschiedlich geprägt. Das liegt vermutlich daran, dass wir Menschen so individuell sind, dass jeder mit anderen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Das Ergebnis meiner Überlegungen hat gezeigt, dass verschiedene Kriterien bei der Entscheidungsfindung eine Rolle spielen, wie der Glaube, Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten, Erfahrungen, sein Umfeld, ein externes Raster und letztendlich Intuition oder das sogenannte Bauchgefühl. Logik spielt bei spontanen Entscheidungen meist gar keine Rolle.

Ich habe mich mit Freunden unterhalten, die selbst Ausbildungen durchlaufen haben und deren Entscheidungen hinterfragt, um für mich ein klareres Ergebnis zur Entscheidungsfindung herauskristallisieren zu können.

Eine dieser Personen zum Beispiel ist an einem Tag der Ausbildung so an ihre körperlichen Grenzen gestoßen, dass sie kurz davor stand, ihre Ausbildung hinzuwerfen. Aha. Eine erste große Entscheidung, die gefällt werden musste. Abbrechen oder weitermachen? Letztendlich hat sie sich dazu entschieden, weiter zu kämpfen. Sie erzählte mir, dass sie allen anderen beweisen wollte, was ihr längst schon klar war: Sie kann die Arbeit, die von ihr verlangt wird. Sie hat ihre emotionalen Kompetenzen, ihren Willen und den Glauben an sich selbst eingesetzt, um zu entscheiden. Danach hat sie einen richtigen Aufschwung erlebt, da sie durch ihr positives Denken zu so viel mehr fähig war.

Mir ist klar geworden, dass ganz viele Azubis des öfteren vor solchen schweren Entscheidungen stehen. Dann ist es wichtig, dass sie sich selbst verschiedene Hilfestellungen zurecht legen, die helfen eine richtige Entscheidung zu treffen. Solche Stützen können Heilige Schriften, Leitsprüche oder tiefes Vertrauen in das eigene Können, sowie die Kompetenz, Gefühle richtig bewerten zu können und nicht alles als die Wahrheit anzunehmen, sein.

Dass bedeutet aber nicht, dass die richtige Entscheidung für alle ist, eine Ausbildung in jedem Fall abzuschließen. Wie im Anfang erwähnt, sind wir alle verschieden. Auch Scheitern kann für sich selbst und das eigene Leben größten Nutzen bringen.

Ich wünsche jedem Vertrauen darin, dass alles was wir entscheiden, auch wenn es manchmal aussichtslos scheint, irgendwann einen Nutzen für unser Leben ergeben wird. Daran glaube ich.

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