Loading

Altes Stadtor Die Geschichte der Hotellerie Schellhaas

Unsere Geschichte beginnt im Jahr 1806. In der großen Politik hat sich gerade einiges geändert - aus der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde ein Großherzogtum und aus dem Landgrafen Ludwig X. praktisch über Nacht der Großherzog Ludwig I. Napoleon hat es so gewollt. Für die Lichtenberger Geschichte wird aber ein anderes Ereignis für die Zukunft von Bedeutung sein: die Familie Schellhaas siedelt sich hier an, sie kommt aus Rodau und Johann Peter Schellhaas I. ist Gastwirt und Bäcker. Gleich rechts vor dem alten Stadttor betreibt er nun das Wirtshaus "Zum Stern".

Beruf und Name sind wohl Tradition in der Familie, denn im Jahr 1890 sind wir bei Johann Peter Schellhaas III. und er hat Großes vor. Er erweitert das Wirtshaus zum Hotel, es heisst nun "Zur schönen Aussicht", und in Lichtenberg hält der Tourismus Einzug. Auch wenn man das Wort damals wohl noch nicht kannte ...

Johann Peter Schellhaas III. mit Frau Katharina
Hier trifft man viele Fremde, die sich erholen und der schönen Landschaft erfreuen. Die herrliche Lage, die reine Luft und das milde Klima üben eine mächtige Anziehungskraft auf die wanderlustige und heilbedürftige Menschheit aus.

Zitat aus einem zeitgenössischen Reiseführer

Es wird stetig um- und angebaut. Gegenüber das Gasthaus von Georg Schanz, später auch bekannt als die "Kasern".

Generationswechsel

Auf Johann Peter III. folgt sein Sohn Georg - und diesen kann man durchaus als Visionär bezeichnen. Er erweitert die Kapazität des Hotels, erwirbt das Gasthaus Schanz (das nun als "Pension Schellhaas" firmiert) und mietet sogar 30 Zimmer im Schloss an, um seine Gäste unterzubringen.

Georg Schellhaas mit Frau Minna und Sohn Ludwig 1914

Georg Schellhaas ist von 1921 - 1933 auch Bürgermeister von Lichtenberg / Obernhausen und bringt den kleinen Ort zur Blüte. Aber das ist eine andere Geschichte ...

Für die Hotelgäste entsteht ein Schwimmbad (jetzt Campingplatz Odenwaldidyll).

Lichtenberg wird Luftkurort

Der Hessische Automobilclub zu Besuch in Lichtenberg.

Sogar eine kleine Tankstelle gibt es.

Unsere Geschichte ist noch nicht zu Ende - Georg Schellhaas plant sogar in schwierigen Zeiten weiter.

Wir schreiben das Jahr 1941 und Deutschland befindet sich im 2. Weltkrieg. Die nationalsozialistischen Machthaber haben Georg Schellhaas schon 1933 kurz nach der Machtergreifung als Bürgermeister abgesetzt, sein Hotel darf er aber noch führen. Inzwischen heisst es "Fremdenheim Schellhaas". Er denkt weiter, sieht ein großes Potenzial im Schloss und beauftragt einen Architekten, Pläne zu erstellen, die auf einen kompletten Umbau des Schlosses zum Hotel mit 161 Betten zielen. In der Vorburg soll eine Burgschänke entstehen. Die Kosten für dieses Projekt werden mit 975.000 Reichsmark berechnet.

Georg Schellhaas stirbt völlig unerwartet 1943 im Alter von 59 Jahren. Er soll sich bei einem Streit mit einem renitenten Gast, den er vor die Tür setzen wollte, dermaßen aufgeregt haben, dass er einen Herzschlag erlitt. Ein trauriger Tag für Lichtenberg.

Moderne Zeiten

1945 kauft Heinz Schellhaas das Hotel vom Staat zurück und setzt die Familientradition fort.

Heinz Schellhaas ist begeisterter Motorsport Fan. In den 50er Jahren bestimmen immer wieder die Sportwagen der Marke Porsche das Ortsbild von Lichtenberg, wenn Heinz Schellhaas zu einem Treffen einlädt.

Heinz Schellhaas gewinnt viele Pokale und internationale Rallyes. Unter anderem beendet er die Rallye Lissabon, die Rallye des Alpes und 1952 und 1954 die Rallye Monte Carlo als Klassensieger.

Prominente Namen finden sich im Gästebuch des Hotels Schellhaas. Neben Huschke von Hanstein finden sich dort Rennsportgrößen wie Hans Herrmann, Wilhelm Herz und Erbprinz Joachim zu Fürstenberg.

Im Hof des Schlosses werden Geschicklichkeitsprüfungen absolviert.

Es wird gefeiert im Hotel Schellhaas. Die Binsenbar bietet den entsprechenden Rahmen.

Viele Geschichten werden über Heinz Schellhaas erzählt. Wie groß seine Beliebtheit war, erfahren wir am besten, wenn wir eine Zeitzeugin zu Wort kommen lassen:

Wir befinden uns in der Zeit des Wirtschaftswunders - es geht bergauf mit Deutschland, aber mit steigendem Wohlstand verändern sich auch die Ansprüche. Man fährt nicht mehr zur Sommerfrische in den Odenwald, sondern möchte seinen Horizont erweitern. Urlaub in Italien ist angesagt!

Heinz Schellhaas erkennt den Trend der Zeit und verkauft sein Hotel an den Unternehmer Max Siebert. 1958 wird aus dem Hotel Schellhaas das "Maxsie". Man versucht noch, den gestiegenen Erwartungen der Gäste zu folgen und investiert in das, was man heute als Wellness-Angebote bezeichnen würde. Der Hotelprospekt wirbt mit Sauna und Kneippbad - aber schon 1960 wechselt abermals der Besitzer und Otto Pahns führt jetzt das "Kurhotel vorm. Maxsie".

Man ahnt es schon - unsere Geschichte steuert nicht unbedingt auf ein Happy-End hin. Trotz aller Annehmlichkeiten, trotz wunderbarer Terrasse mit Fernblick, Binsenbar und Minigolf-Anlage kann man die Gästezahlen nicht halten. In den 80er Jahren steht das Hotel leer. Nach einem Brand wird es 1987 abgerissen.

Abrissarbeiten

Eine Epoche geht zu Ende. Fast 100 Jahre Hotellerie in Lichtenberg verwandeln sich in Schutt und Abraum.

Das Ende unserer Geschichte liegt als geschotterter Parkplatz vor uns. Wer genauer hinschaut, der findet unter dem Parkplatz noch die Kellergewölbe des ehemaligen Hotels. Mehr ist nicht übrig geblieben. Eine interessante Fußnote der Geschichte liegt darin, dass das leerstehende Gebäude von der Familie Schanz gekauft wurde und damit schließt sich der Kreis der Übernahmen in der Hotellerie Lichtenbergs.

Report Abuse

If you feel that this video content violates the Adobe Terms of Use, you may report this content by filling out this quick form.

To report a copyright violation, please follow the DMCA section in the Terms of Use.