Durch die Nacht mit Lima Fouer

Mit der Schueberfouer endet meist auch der Sommer. Es sind die letzten Tage bevor es kühl und nass wird. Für die jüngeren Besucher ist es zumeist die letzte Gelegenheit von den Ferien zu profitieren, bevor wieder der Ernst des Lebens im Vordergrund steht. Die letzte Nacht der Schueberfouer ist zumeist auch der Höhepunkt des Volksfests. Tausende Besucher strömen zum Glacis und exzessiver Alkoholkonsum ist zweifellos für viele auch ein ebenso fester Bestandteil dieses Abends, wie das Feuerwerksspektakel.

Eine Fotoreportage von Steve Remesch

Für Ordnung zu sorgen und die Sicherheit aller Besucher zu gewährleisten, ist die Aufgabe der Polizisten, die für drei Wochen aus ihren üblichen Einheiten zum Schueberfouer-Kommissariat detachiert werden. Wir begleiten die Beamten vom "Lima Fouer", so der Rufname der Dienststelle, auf ihrer letzten Nachtschicht.

Es ist kurz nach 21 Uhr: Die Arbeit lässt für die neun Beamten gleich nach Schichtbeginn nicht lange auf sich warten. Ein elfjähriger Junge, der mit den Eltern eines Spielkameraden auf der Schueberfouer war, wird vermisst.

Die Polizei nimmt alle Vermisstenmeldungen von Minderjährigen sehr ernst. Nach einer kurzen Lagebesprechung beginnt die Suche.

Eine Gruppe von Polizisten begibt sich zielstrebig zu einem Luna-Park in der Mitte des Glacis-Feldes. Das Vorankommen in der Menschenmasse gestaltet sich allerdings sehr schwierig.

Auf dem Weg dahin schauen die Beamten sich sorgsam um, sprechen Schausteller an und auch Bekannte, die ihren Weg kreuzen.

Im Luna-Park selbst ist der Junge nicht anzutreffen. Die Betreiberin unterstützt die Beamten, indem sie die Suchmeldung über die Lautsprecheranlage weitergibt.

Die Beamten suchen draußen weiter.

Dann kommt der erlösende Funkspruch. Der Junge konnte gefunden werden. Auch eine zweite Suchmeldung, die inzwischen eingegangen war, konnte erfolgreich abgeschlossen werden: Ein älteres Paar hatte sich im Gedränge aus den Augen verloren. Beide wollten ihren Partner kurz nacheinander bei der Polizei als vermisst melden und fanden an der Wache wieder zusammen.

Das Durchkommen wird immer schwieriger. Die Polizisten bahnen sich den Weg zur Wache zurück.

Im Polizeicontainer ging in Zwischenzeit eine Anzeige wegen Falschgelds ein. Ein Besucher hatte offenbar gefälschte Geldscheine als Rückgeld bekommen. Der Fall wird zu Protokoll genommen. Ermittlungen werden folgen.

An der Schueberfouer-Wache herrscht inzwischen Hochbetrieb. Es ist kurz vor 22 Uhr. In wenigen Minuten wird das Feuerwerk gezündet.

Von hier aus werden alle Einsätze auf der Schueberfouer geleitet. Die Beamten stehen zudem in permanentem Funkkontakt mit den Einheiten der hauptstädtischen Polizei. 

Ein Passant bringt eine Bankkarte vorbei, die er am Boden gefunden hat. Der Polizeicontainer ist auch das Fundbüro der Schueberfouer.

Alle Amtshandlungen der Polizei werden im Tätigkeitsbericht vermerkt.

Während draußen mit einem lauten Knall das Feuerwerk beginnt, stellt sich im Container der besorgte Vater des 11-Jährigen vor, nach dem zuvor gesucht wurde. Er war von der Polizei benachrichtigt worden und weiß offensichtlich noch nicht, dass sein Sohn gefunden worden war und sich längst wieder in guten Händen befindet.

Das Feuerwerk bietet den Beamten Gelegenheit für eine kurze Verschnaufpause.

Die Polizisten sind guter Dinge und freuen sich über einen Moment der Ruhe zum Abschluss des dreiwöchigen Trubels.

Selbst für einen kurzen Familienbesuch ist jetzt Zeit.

Eine weitere Bankkarte findet den Weg in die Polizeiakten.

Eine Frau wendet sich an die Polizisten: Offenbar hat sie zum zweiten Mal den gleichen Mann dabei erwischt, wie er sie mit seinem Handy filmte. Die Beamten folgen der Frau um nach dem mutmaßlichen Spanner zu suchen, können ihn aber nicht antreffen.

Ein junger Mann kommt seine Brieftasche abholen, die er verloren hatte und die ein ehrlicher Finder zur Polizei gebracht hatte. 

Diese junge Dame war mit einer Gruppe aus ihrem Foyer auf der Schueberfouer. Im Gedränge verlor sie den Anschluss und meldete sich bei den Polizisten. Später werden Beamte sie nach Hause fahren.

Nein, die Brille, die dieser Mann am Tag zuvor verloren hatte, befindet sich nicht bei den Fundgegenständen.

Diese jungen Leute hatten zwar das Glück einen Platz im Parkhaus in unmittelbarer Nähe des Geschehens zu finden, doch den Eingang wieder zu finden, gestaltete sich dann doch schwieriger, als erwartet. Die Beamten helfen gerne.

Es ist inzwischen kurz nach 22.30 Uhr. "Lima Fouer 1" begibt sich auf Fusspatrouille.

Die Kartensammlung der Polizisten wird um einen Studentenausweis erweitert.

Die Polizisten ziehen weiter durch den scheinbar immer noch nicht abreißenden Menschenandrang.

Fester Bestandteil der "Lima Fouer"-Mannschaft ist an diesem Abend auch eine Polizeischülerin.

Gesprächsthema zwischen erfahreneren und jüngeren Polizeibeamten: die Schutzweste.

"Bereits zweimal war ich sehr froh, dass ich die Weste getragen habe", erzählt ein Beamter. "Einmal hat in einem engen Hauseingang im Bahnhofsviertel ein Täter in unmittelbarer Nähe ein Messer gezogen". Beim zweiten Mal war ein Mann mit einem Brett, aus dessen Spitze ein großer Nagel hervor stand, auf die Polizisten zugelaufen. "Wir hatten Glück, dass das Pfefferspray sofort Wirkung gezeigt hat", meint er.

Die blaue Linie auf dem Patch steht für den Zusammenhalt der Polizisten und ist eine Hommage an im Dienst umgekommene Polizeibeamte.

Ein Funkspruch: Auf dem Gelände des Lycée Robert Schumann soll sich eine Gruppe Jugendlicher aufhalten. Die Beamten sollen die nun überprüfen.

Als die Jugendlichen bemerken, dass die Polizisten sie im Blick haben, versuchen sie diskret das Weite zu suchen.

Die Beamten entscheiden sich zu einer Identitätsüberprüfung.

Es liegt nichts gegen die Jugendlichen vor. Sie dürfen gehen. 

Dann folgt ein ärgerlicher Funkspruch: Ein junger Mann der im dringenden Tatverdacht steht, an den vergangenen Tagen, mehrere Diebstähle mit Gewalttätigkeiten begangen zu haben, ist unverhofft am Schueberfouer-Kommissariat vorbeigelaufen. Doch bis die Polizisten draußen sind, ist er in der Menschenmasse untergetaucht und unauffindbar.

Die Beamten begeben sich auf die Suche nach dem Tatverdächtigen und kehren dann kurz zum Polizeicontainer zurück.

23.49 Uhr: Hektik im Funk. Die Beamten im Container springen auf.

Im Laufschritt geht es zu den Autoscootern. Der zuvor gesichtete Tatverdächtige ist von einer Patrouille wiedererkannt worden.

Als die Beamten ihn ansprachen und ihn baten, sie zur Wache zu begleiten, widersetzte er sich. Es kam zu Handgreiflichkeiten. Der Tatverdächtige war zudem nicht alleine. Eine Gruppe von Freunden und Familie mischte sich ein und wollte die Festnahme verhindern.

Als die Verstärkung bei den Autoscootern eintrifft, ist vom Tumult nichts mehr zu sehen. Die beiden ersten Beamten hatten den Mann überwältigt und zügig zur Wache gebracht. Eine Menschentraube war ihnen gefolgt.

Darunter befindet sich offenbar ein weiterer junger Mann, der im Verdacht steht, an Überfällen beteiligt gewesen zu sein.

Ein Beamter stellt ihn. Doch auch er macht keine Anstalten den Ansagen des Polizisten Folge zu leisten.

Vor dem Container wird lautstark diskutiert und mitunter auch geschrien. In vorderster Reihe ist offenbar die Mutter des Festgenommenen mit von der Partie.

"Ihr macht jetzt alles zu, damit ihr ihn seelenruhig verprügeln könnt. Das ist es doch, was ihr wollt", hört man sie rufen.

Ein Beamter versucht in höflichem Ton zu vermitteln. Doch auch er erntet nur Beleidigungen. Er wendet sich schließlich ab.

Im Innern wird versucht, den Sachverhalt zu klären. Scheinbar haben der Festgenommene und der mutmaßliche Mittäter an drei Tagen infolge Jugendlichen im Stadtpark aufgelauert und ihnen gewaltsam das Mobiltelefon abgenommen.

Auch erklärende Worte des Dienststellenleiters bringen nichts. "Lasst ihn sofort raus, er hat nichts getan", meint die Mutter. "Er hat einem der Opfer die Nase gebrochen", entgegnet ein Polizist. Daraufhin meint die Frau, der Junge habe dennoch niemanden getötet und niemandem ein Bein ausgerissen. Man solle ihn in Ruhe lassen. Die Beamten sind beeindruckt vom Mangel an Einsicht der Clique.

Die Diskussionen vor der Tür reißen nicht ab.

Als Polizisten einen Transporter vorfahren lassen, wird es erneut hektisch.

Der Festgenommene soll auf der Hauptwache verhört werden und wird abgeführt.

Wie es aussieht, wird die Polizei den Tatverdächtigen nach dem Verhör in Verlorenkost allerdings wieder laufen lassen müssen. Vorerst. Die 24-stündige Frist des "Flagrant délit" ist offenbar bereits vor zwei Stunden abgelaufen.

Um ihn zu verhaften, brauchen die Beamten einen Haftbefehl. Der soll gleich am nächsten Morgen vorliegen und ausgeführt werden. Der mutmaßliche Intensivtäter wird dann auch gleich dem Untersuchungsrichter vorgeführt, der über eine Inhaftierung entscheiden wird.

Am Container kehrt wieder Ruhe ein.

Ein ehrlicher Finder bringt eine weitere Brieftasche.

Ein anderer bekam die seinige gestohlen.

Ab 1.15 Uhr strömt eine endlose Kette von Lastwagen und Transportern auf den Glacis. Das Fest ist für dieses Jahr endgültig vorbei.

Eine Umarmung gibt es für einen Polizisten, der ein verlorenes Mobiltelefon wiedergefunden hat.

Die Freude ist groß. Die Kollegen amüsiert es. Auch sie wollen nun einen Knuddel.

1.35 Uhr: Die Polizisten brechen zu einer letzten Kontrollrunde auf.

An einem Stand wollen Feierlustige dann doch nicht nach Hause und halten die Angestellten von den Reinigungsabeiten ab. Die alleinige Präsenz der Polizisten überzeugt sie dann doch nach Hause zu gehen.

Auch an der Ecke der Allée Scheffer mit der Avenue de la Faiëncerie ist es ruhig. Hier war in der Vergangenheit der Schueberfouer-Brennpunkt schlechthin.

Und eigentlich wollen die Beamten gerade ihre Zelte am Glacis abbrechen, als ein Notruf eingeht.

Es heißt, eine junge Frau sitze am Boden und flehe nach Hilfe. Auf dem Weg zum Schauplatz des Geschehens treffen die Beamten auf eine weitere junge Frau.

Passiert ist nichts. Beide gehören offenbar zusammen und sind lediglich stark betrunken.

Die Mädchen wollen zu Fuß durch den Stadtpark nach Hause gehen. Die Beamten überzeugen sie, dass das in ihrem Zustand kein guter Plan ist.

Nach einem kurzen einsichtigen Augenblick, will eines der Mädchen dann doch lieber im "Gotham" weiterfeiern. Allerdings kann es bereits jetzt kaum noch aufrecht stehen.

Die Überzeugungsarbeit der Polizisten trägt schließlich Früchte: Die Mädchen steigen in ein Taxi, das sie sicher nach Hause bringen wird.

Auf dem Weg zurück zum Container werden die Beamten, dann von weiteren angetrunkenen Jugendlichen angesprochen. Sie sind ausgesprochen nett und freundlich zu den Polizisten.

"Früher habe ich immer gegen euch gepöbelt", erzählt einer von ihnen. "Aber heute bin ich einfach nur dankbar, dass ihr da seid". 

Um 2.20 Uhr geht die Schueberfouer 2016 dann doch für die Polizisten vom "Lima Fouer" zu Ende. Für einen der Beamten ist in weniger als sechs Stunden Dienstbeginn an seiner üblichen Dienststelle. Auch das ist Polizeialltag.

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Steve Remesch
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