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Sonnig mit Aussicht auf Berge Ein Heimatporträt

Text: Eva Eß, Fotos: Eva Eß, Layout: Nico Talenta

Es ist ein warmer Wintertag. Der Himmel ist strahlend blau und die Sonnenstrahlen glitzern im Schnee. Eine Labrador-Hündin rekelt sich vergnügt in den weiß bedeckten Wiesen. Das halbe Dorf ist auf den Beinen und genießt bei einem Spaziergang über den Höhenweg die wärmende Sonne auf der Haut. Ich stapfe die letzten Meter hinauf und halte für einen Moment inne, um die Aussicht zu genießen. Ich atme einmal tief aus und sauge die frische Bergluft in mich hinein. Es ist schön, zu Hause zu sein.

Wenn ich von zu Hause spreche, dann meine ich den ländlichen Ort Scheidegg in Bayern, oder wie man auf westallgäuerisch sagen würde: Schoidegg. Der Markt gehört zum Landkreis Lindau und liegt auf einem Hochplateau über dem Bodensee. Als staatlich anerkannter Kneipp- und heilklimatischer Ort begegnet man, neben der recht überschaubaren Bevölkerung von gut vier tausend Einwohnern, auch einigen Touristen – hauptsächlich im fortgeschrittenen Alter. Klingt einerseits idyllisch, aber kann auf der anderen Seite auch langweilig sein. Das dachte ich besonders im Alter von 14 bis 17 Jahren, als ich das Kühe-Zählen auf der Weide satt hatte und es kaum erwarten konnte, die weite Welt zu entdecken.

Nach dem Abitur bin ich, um zu studieren, direkt nach Konstanz gezogen und habe sozusagen die Bodensee-Seite gewechselt. Neue Freunde, eine neue Wohnung und ein neues Leben haben auf mich gewartet, aber mit dem See zu den Füßen hatte ich immer ein Stück Heimat bei mir. Zugegeben, die Größe von Konstanz ist überschaubar und für viele ist das Leben hier auch nichts anderes als das auf einem großen Dorf. Für mich war es trotzdem ein Fortschritt und ich genieße die Freiheiten, die das Studierendenleben mit sich bringt. Wenn aber wieder einmal die Nebelschwaden über Konstanz hereinbrechen, träume ich mich ein paar Höhenmeter weiter nach oben in meine Heimat, wo das Wetter die Farbe grau nicht kennt und stattdessen der schönste Winter herrscht.

Wenn ich an zu Hause denke, denke ich außerdem an meine Familie und Freunde, an unsere weiße Labrador-Hündin Kaja und an die Nähe der Berge. Ich erinnere mich an alte Kindertage und freue mich, wenn ich in den Garten unserer Nachbarn schaue und meine Freundin aus Kindergartenzeiten sehe. Hin und wieder gehen wir zusammen mit unseren Hunden spazieren und reden darüber, wie schnell die Zeit vergeht und wie alt wir inzwischen schon geworden sind.

Jetzt stehe ich hier oben und habe auf der einen Seite die Aussicht auf Wald und Berge und auf der anderen Seite den Blick auf Scheidegg. Mein Heimatdorf. Ich bin hier immer noch zu Hause, aber inzwischen gibt es mehrere Orte, die ich so nennen darf und ich hoffe, dass noch weitere hinzukommen. Wenn ich den Hang hinunterschaue, sehe ich meine Schwester und mich, wie wir mit unseren Nachbarsfreunden im Schnee toben, rodeln oder über Heuballen hüpfen. An dieser Stelle wurde über die Jahre eine neue Wohnsiedlung gebaut. Die Kinder haben sich eine andere Spielwiese gesucht und wir benutzen sie sowieso nicht mehr.

Ja, die Zeit, sie verfliegt tatsächlich und mit ihr tritt eine Veränderung nach der Nächsten ein. Und das ist gut so.

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Campuls Hochschulzeitung
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