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Arbeit macht Spass Spass beiseite

FokusKöniz, Harry Pepelnar, August 2021

Juhu - endlich Montag

Schön, dass morgen Montag ist! Montag ist doch einer der schönsten Tage der Woche, die meisten von uns, dürfen wieder zur Arbeit. Ins Büro, in den Haushalt, ins Labor, Werkstatt, in die Ausbildung, Schule und so vieles mehr. Arbeit macht Spass, der Montag als Höhepunkt der Woche! - aber, ich glaube nicht, dass viele diese Aussage unterstreichen würden.

Arbeiten macht Spass – aber Spass beiseite. Hand aufs Herz. Für die meisten von uns trifft es doch wohl eher zu, dass wir mehr Sympathie für das Wochenende empfinden. Ja viele Menschen überleben den wöchentlichen Arbeitszirkus nur in der Erwartung auf das Wochenende. Ich kann mich gut an meine Jugendzeit erinnern, (Ein Lied von Polo Hofer: Samschtig 1981) ich konnte kaum erwarten bis Freitagabend war – dann war endlich das Leben wieder da. Das war doch leben, frei sein, frei haben – Weekend.

Und nicht die Arbeit von morgens bis abends, dass sich rumplagen mit dem Chef usw. wie es so schön heisst: der Arbeiter arbeitet und der Chef schefelt. (Was ja nicht stimmt) Und einer der ersten französischen Sätze die ich verstand war auch ein Lied von Polo Hofer: Travailler c’est trop dur.

Ein Durchschnittsschweizer arbeitet rund 120’000 Stunden seines Lebens. Wir arbeiten 40 Prozent unseres Wachzustandes in einem Beruf. Die anderen Zeiten des Wachzustandes arbeiten wir meist auch etwas, wie am Haus, am eigenen Auto, im Garten usw. Tatsächlich aber hat Arbeit zuweilen einen schlechten Ruf:

„Arbeit ist die Zuflucht jener, die nichts Besseres zu tun haben“ Oscar Wilde.

Ich frage dich einmal: Freust du dich auf deine Arbeit? Oder wartest auf den Lottogewinn, um endlich deinem Chef Adieu zu sagen?

Gibt es eine christliche Ethik der Arbeit? Entdecken wir in der Bibel Masstäbe die uns helfen? Hat es einen Zusammenhang, dass gerade die Länder, die christliche Wurzeln haben die fleissigsten und erfolgreichsten sind oder waren?

Nun, da Arbeit einen so grossen Teil unseres Lebens einnimmt, würde es sich doch lohnen darüber nachzudenken, ob das mit unserem Leben als Christ etwas zu tun hat.

Christ und Arbeit

Wie lebte man als Christ im NT in Bezug auf Arbeit? Man arbeitete. Bei den ersten Christen gab es solche die wollten nicht mehr arbeiten, sie wollten nur noch geistlich leben. Paulus weist sie dann massiv zurecht: 2.Thess. 3,10-13

Arbeit gehört also zum ganz normalen Leben der Christen.

Nun wollen wir mal grundsätzlich darüber nachdenken, was die Bibel über die Arbeit sagt. Ob die Arbeit einfach eine Folge des Sündenfalls ist und darum einfach ein notwendiges Übel. Oder steckt da mehr dahinter…?

Wir sind zur Arbeit geschaffen

Wir sind zur Arbeit geschaffen, das klingt vielleicht an einem Sonntag so ziemlich schräg.

Die Bibel beginnt doch so schön mit den Worten… am Anfang war……..die Arbeit. Gott hat gearbeitet. Er hat in einer normalen Arbeitswoche gearbeitet und die Welt erschaffen.

Und...die Arbeit hat ihm Freude gemacht, denn immer wenn er etwas fertig gemacht hat, dann hat er sich darüber gefreut. Gott hat die Welt geschaffen wie ein Künstler. Am Anfang hat Gott gearbeitet. Und darum ist Arbeit grundsätzlich nicht ein notwendiges Übel, dass irgendwann in diese Welt gekommen ist, sondern Arbeit als solches, hat einen höheren Ursprung. Wenn euch jetzt im Kopf so die schwierigen Seiten der Arbeit in den Sinn kommen, dann schiebt die Gedanken beiseite, die werden wir noch in einer anderen Predigt über Arbeit aufnehmen.

Die Menschen sind Gottes Ebenbilder und das auch im Bereich der Arbeit.

Gott hat diesen Arbeitsauftrag an die Menschen weitergegeben: 1. Mose 1,28. Arbeit hat also einen göttlichen Funken! Und jetzt etwas ganz Wichtiges: diesen Arbeitsauftrag gibt Gott den Menschen im Paradies. Arbeit ist also nicht ein Produkt des Sündenfalls, wie einige vielleicht denken. Im Paradies bekommt der Mensch den Auftrag zu arbeiten und ich habe es auch schon gepredigt, dass wir auch im Himmel einmal arbeiten würden, halt ohne die negativen Folgen des Sündenfalls.

Das biblische Denken bringt ein neues Licht auf unsere Arbeit. Manche Menschen sehen in der Arbeit eine Strafe. Ich kann mich gut erinnern an meine Zeit als temporärer Bauarbeiter. Früh am morgen aufstehen, es regnet, raus auf die Baustelle in den Dreck und in den Staub. Das war für mich Strafe. Die Schubkarre voll Beton und bleibst auf dem Brett stehen….weil du nicht mehr weiter kommst…..

Könnten wir es auch so sehen? Arbeit ist ein Grundbedürfnis des Menschen wie Essen, Sex, Annahme usw.?

Die 92jährige Sayra Lebenthal, Familienoberhaupt des Maklerhauses Lebenthal und Co. in New York, arbeitet immer noch ganztägig als Maklerin am Telefon der Firma, die sie und ihr Mann 1925 gegründet hat. Seither hat sie zwölf Rezessionen, die verheerende Wirtschaftskrise von 1920, zwei Börsencrashs, zwei Kriege und zwei Ehemänner überlebt. Sie sagt: An Wochenenden und Feiertagen spüre ich auch die körperlichen Beschwerden, unter denen alte Frauen leiden. Am Montag vergesse ich sie und gehe zur Arbeit.

Wir sind geschaffen um zu arbeiten!

Das griechische Denken

Dass wir nicht so denken, dass Arbeit etwas mit unserem göttlichen Wesen zu tun hat, das hat mit dem griechischen Denken zu tun. Dieses hat unsere Gesellschaft massgeblich geprägt. Die Griechen sahen Arbeit als Fluch an. Die Götter haben nicht gearbeitet. Sie haben die Menschen dafür gebraucht. Aristoteles sah in einem Leben ohne Arbeit, eine Hauptbedingung für ein wirklich lebenswertes Leben. Für die Griechen gab es nur den Weg über die Kontemplation um Unabhängig von den Dingen dieser Welt zu werden. Flucht….

Von den Griechen haben wir dieses Denken übernommen, dass Arbeit ein notwendiges Übel ist und das grösste Ziel, Freizeit und nicht die Arbeit ist. Freiheit setzen wir oft mit keiner Arbeit gleich. Wobei wir da aufpassen sollten, wie wir Freiheit definieren. Freiheit hat Grenzen. Ein Fisch hat seinem Wesen nach Grenzen. Im Wasser ist seine Lebenswelt. Wenn er Freiheit mit ausserhalb des Wassers leben definiert, dann stirbt.

Von den Griechen haben wir auch übernommen, dass es unterschiedliche Arbeitsniveaus gibt. Prestige, hochgeistliche und niedrige Arbeiten. Und dann lieber keine Arbeit, als unter meinem Niveau arbeiten. Aber so hat Gott das laut der Bibel nicht vorgesehen. Die biblische Lehre ist einzigartig und zeigt uns den Reichtum der Bibel auf….

Die Würde der Arbeit

Als ich in Murten Pastor war, beobachtete ich oft Milos, den Hauswart der katholischen Kirche, die gleich neben unserer FEG war. Ich sah ihn sehr viel und sprachen oft miteinander. Da kniet er wieder in den Blumenrabatten, oder schneidet die Hecke, oder schaufelt den Schnee oder weiss ich was….. mir ist der Milos in den Sinn gekommen, weil ich den Eindruck habe, immer wenn ich ihn arbeiten sehe, bekam Arbeit eine Würde. Vielleicht würde so mancher höher qualifizierte das nicht so sehen. Aber Milos hat begriffen das Arbeit mit Würde zu tun hat. Vielleicht habt ihr das auch schon gehört von Menschen die nicht mehr arbeiten können sagen, dass ihnen diese Würde fehlt.

Die Würde der Arbeit oder dass der Mensch mit Arbeit gewürdigt ist, ist nur in der Bibel zu finden. Die Bibel sieht in der Arbeit von Beginn an, ein Element was uns von Tieren und Pflanzen unterscheidet. Bei der Schöpfung bekommt nur der Menschen einen Arbeitsauftrag. Die Tiere und Pflanze sind einfach da um sich zu vermehren und zu sein.

Aber der Mensch bekommt einen Arbeitsauftrag. Interessant ist ja die Tatsache, dass Gott Mond und Sonne beim Namen nennt und dann aber dem Menschen den Auftrag gibt, die Tiere zu benennen (1. Mose 2,20). So quasi, Mensch arbeite jetzt doch weiter, wo ich Gott angefangen, resp. aufgehört habe. Arbeit hat mit dieser grundsätzliche Würde zu tun. Natürlich wird diese Würde gestört durch Macht, Egoismus, Kompensation, falsche Motive - dem Sündenfall.

Dieses Denken der Bibel über die Arbeit soll unser Lebensstil als Nachfolger sein. Jesusmässig leben heisst anfangen von der Bibel her über die Arbeit zu denken. Diese Wertschätzung der Bibel zu sehen. Luther hat das wirklich verstanden:

Wie melkt Gott die Kühe? Indem er die Magd beruft!

Die Würde der Arbeit liegt in der göttlichen Grundberufung. Wie reinigt Gott eine Küche? Indem er die Hausfrau, den Hausmann beruft. Wie baut Gott ein Haus, in der Maurer, Elektriker beruft. Wie füllt er eine Zeitung? Indem er Journalisten, Fotografen, Grafiker beruft... usw.

Das ist das Verständnis der Bibel von Arbeit: Würde.

Was ändert sich wenn du so in deinen Arbeitsalltag starten würdest?

Arbeit als Berufung ansehen und zwar von Gott! Und damit gibt es auch nicht diese Unterscheidung zwischen geistlichen Berufen und ungeistlichen Berufen. Ich bin genauso berufen in meinen Beruf als Pastor, wie du als Buschauffeur, Lehrer, Pflegerin, Elektriker usw….Die Würde der Arbeit zu verstehen sprengt auch die Grenzen der Prestigeberufe. Ich arbeite nur für die Anerkennung, nur für den hohen Zahltag… nein es gibt da keinen Unterschied zwischen Bankangestelltem und Gärtner… alles hat mit Würde zu tun.

Vielleicht noch ein spezieller Gedanke der dieses einzigartige biblische Denken über Arbeit unterstreicht:

Wenn Gott in die Welt käme, wie würde er aussehen? Für die alten Griechen vielleicht wie ein König und Philosoph. Die alten Römer hätten vielleicht einfach einen gerechten und edlen Staatsmann erwartet. Aber wie kommt der Gott der Hebräer in die Welt? Als Zimmermann!

Berufen zur Arbeit

Meine alltägliche Arbeit im Auftrag Gottes zu sehen, verändert mein Denken zur Arbeit. Es gibt ja dieses eine Wort in Bezug zur Arbeit: Beruf. Von daher kommt auch das Wort “berufen”.

Der Mensch wird zuerst herausfinden müssen, wozu er berufen ist. Gott hat die Menschen berufen, mit ihren Gaben und Fähigkeiten diesen Auftrag der Bebauung weiter zu führen. Also Berufung nicht nur im geistlichen Sinn, sondern umfassend. Jesusmässig leben heisst, du bist berufen, in deinem Beruf den Auftrag Gottes zur Schaffung einer Welt weiter zu arbeiten.

Das ändert meine Einstellung zur Arbeit. Es ist im groben Kontrast zum Verstehen der Postmoderne in der Arbeit nur ein Instrument ist zur Selbstverwirklichung und Lohn zu sehen. Nein, es ist ein grosser Lohn, dass Gott mich als Buschauffeur, als Maler, als Unternehmer beruft.

Wenn Christen keinen schöpfungsgemässen und geistlichen Sinn ihrer täglichen Arbeit sehen, dann wird die Nachfolge Christi, ein Doppelleben. Am Sonntag ist Gott dran und in meiner Arbeit nicht.

Wir sind berufen Ordnung ins Chaos zu bringen...leider schaffen wir Menschen auch Chaos... aber eben, dass ist ein weiteres Thema.

Arbeit als Dienst für Gott sehen

Die Berufung von Gott in die Arbeit macht, dass ich die Arbeit gut machen will.

Du kannst Gott loben wenn du eine Kartoffel schälst - wenn du sie gut schälst. Du kannst Gott loben, wenn du einen Tisch schreinerst - wenn du ihn gut schreinerst. Du kannst Gott loben, wenn du ein Predigt schreibst - wenn du sie gut schreibst.

Der Berufsmusiker John Coltrane hat ein Jazzalbum hervor gebracht “A Love Supreme”. Im Beiheft schreibt er:

Im Jahr 1957 durfte ich durch die Gnade Gottes ein inneres Erwachen erleben, das mich in ein reicheres, volleres, produktiveres Leben führte. Damals bat ich Gott dankbar und demütig, mir das Vorrecht und das Können zu geben, andere Menschen durch meine Musik glücklich zu machen, und ich finde, Er hat es mit in seiner Gnade geschenkt. Ihm allein die Ehre…

Dieses Plattenalbum ist eine bescheidene Opfergabe, ein Versuch, durch unsere Arbeit genauso “Danke, Gott” zu sagen mit unseren Herzen und unserer Zunge. Möge er den Menschen zu jedem guten Werk Seine Hilfe und Kraft geben.

Arbeit als Akt der Liebe

Eine Schuhverkäuferin sagt über ihre Arbeit: "Wenn ich die Leute so beraten kann, dass sie später gut zu Fuss durchs Leben kommen, das gibt meiner Arbeit Sinn."

Von dieser Verkäuferin möchte ich gerne bedient werden. Von Gott berufen zu sein, verändert meine Einstellung zur Arbeit.

Ich möchte Gott durch meine Arbeit ehren, in dem ich meinen Nächsten durch meine Arbeit liebe und ehre.

Und Arbeit nicht nur darin sehe, dass ich mich selbst verwirkliche und Karriere mache. Arbeit sehe ich nicht nur als Möglichkeit Geld zu verdienen, sondern als Berufung mich für den Nächsten nützlich zu machen. Und ich betrachte mit Wertschätzung meine Arbeit.

Arbeit ist eine Lebensform mit der wir uns für andere nützlich machen...und in der andere sich nützlich für uns machen. Wir säen mit unserer Arbeit: Gott gibt das Gedeihen….

Nimm den Stuhl, auf dem du gerade bequem sitzt…. Hättest du ihn fertigen können?.... Wo hättest du das Holz bekommen?.....Indem du einen Baum fällst? Aber dazu hättest du erst die nötigen Werkzeuge basteln müssen. Und ein Fahrzeug zum Abtransport des Holzes. Ein Sägewerk hättest du auch bauen müssen. Und die nötigen Strassen. Kurz: ein ganzes Leben oder zwei für einen einzigen Stuhl.

Gott hat eine Kultur geschaffen. Der Unterschied zwischen Kultur und Wildnis ist: Arbeit. Du bist zur Arbeit geschaffen.

Egal, ob du Strafzettel, Software oder Bücher schreibst, die beste Methode, deinen Nächsten zu lieben, könnte darin bestehen, dass du schlicht und einfach deine Arbeit gut machst.

Vielleicht hat dich diese Predigt dazu ermutigt, diese Arbeitswoche jeden Tag mit einem Dankgebet zu beginnen? Oder am Montag zu danken, dass du deine Beruf gefunden hast?

Fortsetzung folgt....

Credits:

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