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Annette Egger ANQ-Qualitätsausschuss Rehabilitation

Porträt

Annette Egger, MPH, Leiterin Qualitätsmonitoring, Gesundheitsdepartement Basel-Stadt

Annette Egger, welche Aufgaben haben Sie als Mitglied des ANQ-Qualitätsausschusses Rehabilitation (QA Reha)?

Der QA Reha ist ein beratendes Gremium. An unseren Sitzungen behandeln wir die Messergebnisse, deren Publikation sowie die Weiterentwicklung des Messplans. Der ANQ-Vorstand wählte mich 2011 als Kantonsvertreterin in den QA. Seit einer Reglementsänderung werden die QA-Mitglieder aber aufgrund ihrer Expertise gewählt – und nicht mehr aufgrund ihrer Anstellung bei einer Institution.

Aktuell setzt sich der QA aus elf Fachleuten zusammen, viele sind in leitender Funktion in einer Rehabilitationsklinik tätig. Ich habe einen anderen Hintergrund. Aus meiner Berufserfahrung in der Spitalversorgung des Kantons Basel-Stadt kenne ich neben der Rehabilitation auch die Psychiatrie und die Akutsomatik. So kann ich die gesamte stationäre Versorgungskette überblicken und aus einer Gesamtoptik zusätzliche Perspektiven in die Diskussion einbringen.

Sie engagieren sich seit knapp 10 Jahren im QA Reha. Welche Highlights gab es in dieser Zeit?

Die erste Publikation der Messergebnisse auf Klinikebene gehört klar zu den fachlichen Highlights. Darauf haben wir lange hingearbeitet. Auch die Entwicklung des ADL-Scores durch die Charité war ein Meilenstein. Seither lassen sich Messergebnisse zur Funktionsfähigkeit miteinander vergleichen. Das dritte Highlight betrifft die Zusammenarbeit im QA. Zu Beginn mussten wir uns als ein bereichsübergreifendes Gremium erst formieren. Heute gelingt es uns, die verschiedenen Sichtweisen einzubinden und zu nutzen.

«Die erste Publikation der Messergebnisse auf Klinikebene war ein echtes Highlight.»

Sie sind für das Qualitätsmonitoring in den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn und seit 2021 auch Zug zuständig. Gibt es Schnittstellen zur Arbeit im QA Reha?

Nein, Schnittstellen gibt es keine. Ich befasse mich zwar überall intensiv mit den ANQ-Messungen – aber immer mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Als Verantwortliche fürs Qualitätsmonitoring in vier Kantonen schaue ich die Ergebnisse von 32 Spitälern und Kliniken an und prüfe zum Beispiel, welche Unterschiede zum Vorjahr auftreten oder ob Auffälligkeiten einen Handlungsbedarf anzeigen. Im QA Reha geht es dagegen um die gesamtschweizerische Qualitätsentwicklung anhand von kodierten Daten, einzelne Kliniken und deren Messresultate sind zweitrangig.

«Ich befasse mich intensiv mit den ANQ-Messungen – je nach Aufgabe mit unterschiedlichen Zielsetzungen.»

2020 war coronabedingt äusserst schwierig. Inwiefern war die Arbeit im QA betroffen?

Wir hatten vier Sitzungen, zwei davon fanden digital statt. Dabei zeigte sich, dass das Gremium am Bildschirm gleich gut funktioniert wie am Sitzungstisch. Ein starkes Zeichen! Während des Lockdowns waren wir alle im Krisenmodus. Aus den Kliniken wurde mir zurückgemeldet, dass Projekte im Qualitätsmanagement zum Stillstand kamen und nur Routinearbeiten weitergeführt wurden. Das ist nachvollziehbar, aber dennoch schade. Denn das Qualitätsmanagement hätte mit seinem Know-how auch einen Beitrag zur Krisenbewältigung leisten können, zum Beispiel mit der Erarbeitung von coronaspezifischen Behandlungsprozessen.

Seit Januar 2021 gilt der neue ANQ-Messplan. Was wurde verändert und weshalb?

Der Messplan umfasst neu auch die psychosomatische und die paraplegiologische Rehabilitation. Um die Patientenkollektive angemessen abbilden zu können, wurde ein eigenes Setting mit spezifischen Assessmentinstrumenten entwickelt. Neu werden Hauptziel und Zielerreichung in allen Rehabereichen dokumentiert. Dass dies bisher nicht der Fall war, hat mich immer gestört. Ja, betreffend Messmethode haben wir noch Optimierungsbedarf, aber das kontinuierliche Verbessern ist eines unserer Grundprinzipien.

Wenn Sie in die Zukunft blicken: Welche Trends halten Sie für besonders relevant?

Ich erwarte, dass bereits vorhandene, standardisiert erhobene Daten in Zukunft noch stärker genutzt werden. Einen weiteren Trend sehe ich in der Ambulantisierung, die auch zu veränderten Strukturen, Prozessen und neuen Finanzierungsmodellen führen wird. Auch bin ich überzeugt, dass PROMs, die Patient Reported Outcome Measures, künftig noch mehr Gewicht erhalten – und eine noch patientenspezifischere Behandlung erlauben werden.

«Standardisiert erhobene Daten werden künftig noch stärker genutzt werden.»

Annette Egger ist eine ausgewiesene Kennerin des Gesundheitswesens. Ihr Berufsweg führte sie von der Logopädie über die neurologische Rehabilitation und der Tätigkeit in zwei Akutspitälern bis zum baselstädtischen Gesundheitsdepartement. Heute leitet sie das Qualitätsmonitoring der Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Solothurn sowie seit 2021 auch das Qualitätsmonitoring Zug. Per 2021 wurde sie als Vertreterin der Kantone in die Eidgenössische Qualitätskommission gewählt. Vor Kurzem schloss Annette Egger das 5-jährige berufsbegleitende Public-Health-Studium mit dem Master ab.

Bilder: © Geri Krischker / ANQ