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Abenteuer-Biertour in der fränkischen schweiz, teil 1

Die Akteure:

2 Flyer Bikes (Uproc 4 + Uproc 7) mit Ortlieb Handlebar-Pack.

Deftiges Essen und „sauguats“ Bier.

Und zwei in Ehren ergraute Genussbiker.

Eine Biertour an und für sich ist ja nichts Besonderes und hat mit Abenteuer schon gar nichts zu tun, es sei denn, man macht eines daraus. So wie wir, zwei in Ehren ergraute Genussbiker, die ein gutes Bier zu schätzen wissen. Die Idee spukte schon lange in meinem Kopf herum, draußen übernachten und auf Wald-, Feld- und Wiesenwegen Brauereien anzusteuern, die guten Hopfensaft haben. Keine Region eignet sich dafür besser, als das Frankenland. Dazu muss man wissen, Franken hat mit über 300 Brauereien die höchste Brauereidichte der Welt und ist die Heimat der Biere. Die Gemeinde Aufseß schaffte es sogar zu einem Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde mit vier Brauereien für, sage und schreibe 1.500 Einwohnern.

Natürlich können wir in sechs Tagen keine 300 Brauereien heimsuchen, daher haben wir uns aus der Region Fränkische Schweiz drei ausgeguckt, die wir unbedingt ansteuern wollen und alles Weitere wird sich ergeben. Manche werden jetzt fragen, warum machen wir das? Draußen übernachten, ohne Unterkunft und ohne großen Plan. Die Antwort ist ganz einfach. Ab und zu tut es einfach gut, aus dem Alltagstrott auszubrechen, den Tag auf sich zurollen lassen, keine Termine einhalten zu müssen und möglichst unerreichbar zu sein. Ist jedem zu empfehlen, der mal Stress abbauen will.

Aller Anfang ist schwer?

In unserem Fall nicht wirklich, denn die Räder vom Heckträger zu heben, Lenkertasche und Stativ zu befestigen ist nun wirklich kein Ding. Und die Fahrt von München nach Weißenohe - hier beginnt unsere Biertour - war weiß Gott nicht anstrengend, aber hungrig und durstig machte sie schon. Natürlich haben wir den Platz, wo wir unseren Bulli sicher abstellen können, sehr sorgfältig gewählt: direkt vor der Klosterbrauerei Weißenohe. Außerdem macht es ja richtig Sinn, bevor wir kräftig in die Pedale treten, unseren Tank, äh Bauch zu füllen.

Im Wirtshaus der Klosterbrauerei verbringen wir mehr Zeit als geplant. Wen wundert's, das Bier schmeckt, wir dürfen selbst hinter der Theke stehen und unsere Maß (für Nichtbayern, das ist ein Bierkrug, der sich mit einem Liter Bier befüllen lässt) zapfen, essen Fränkische Bratwürste mit Kraut, drei Stück für nur 5 Euro 10, die hervorragend schmecken, und planen so ganz nebenbei, wie wir auf Wald-, Feld- und Wiesenwegen zur nächsten Brauerei kommen.

Dabei hilft uns eine Übersichtskarte und die kostenlose BayernAtlas App, die wir jedem, der in Bayern unterwegs ist, nur wärmstens empfehlen können. Die App zeigt die amtlichen, topografischen Karten, Tracks können aufgezeichnet und archiviert werden. Mehrere Darstellungsarten stehen zur Wahl: u. a. Luftbilder, topografische Karte und historische Karte.

Als wir aufbrechen, ist schon später Nachmittag und Mitte Oktober wird es schon früh dunkel. Kaum sind wir aus Weißenhohe heraus, müssen wir unsere Stirnlampen aus dem Rucksack holen. Vor dem Weiler Weinsberg verlassen wir den asphaltierten Weg und biegen ab in einen schlammigen Feldweg, der durch den Wald Richtung Teufelstisch* führt. Bis zu „unserer“ Streuobstwiese müssen wir 140 Höhenmeter und ca. 950 Meter zurücklegen. Das schaffen wir, mehr rutschend als fahrend mit der E-Power unserer Uprocs, besohlt mit fetten Schwalbe Nobby Nic 27,5+, nicht ganz locker, aber wir schaffen es. Ohne E-Motor hätten wir schieben müssen.

* Der Legende nach hat ein Mönch des benachbarten Klosters Weißenohe oben auf dem Berg Feuer und Schwefel gesehen. Als er oben angekommen war, sah er den Teufel dort oben auf dem Tisch sitzen und musste dann mit ihm um sein Leben spielen. (Quelle: Wikipedia)

Unsere erste Nacht auf einer Streuobstwiese mit Biwaksack und Zelt.

Mit draußen übernachten, bewegt man sich in Deutschland in einer Grauzone. Darf man, darf man nicht? Die Antwort: Es kommt darauf an. Wichtig ist, dass man andere Menschen nicht stört und denjenigen, dem das Land gehört, um Erlaubnis fragt. Ohne Erlaubnis: strafbar ist es nicht, sondern nur eine Ordnungswidrigkeit. Allerdings, die rechtliche Lage ist alles andere als eindeutig. Übernachten im Freien ohne Zelt (Biwakieren) wird meist geduldet. Ein paar Regeln sollte man aber beherzigen: keine Spuren hinterlassen, den Müll wieder mitnehmen, niemanden stören (Tiere, Menschen), offenes Feuer nur, wo es absolut sicher ist, es nicht unbeaufsichtigt lassen und sicher wieder löschen, Verbotsschilder beachten.

Goldener Oktober am frühen Morgen.
Den Teufelstisch lassen wir links liegen und fahren über Waldwege weiter Richtung Neusles.

Total verschlammt, trotzdem willkommen!

Neusles haben wir angepeilt, weil uns in der Klosterschänke Weißenohe das Töpfereicafé Kunzmann wärmstens empfohlen wurde. Zwei Frauen machen dort einen superguten Kaffee, sagte man uns. Das würde passen, denn nach sechs Kilometern Tretarbeit durch Wald und Flur auf nüchternen Magen, käme eine Tasse heißen Kaffees gerade recht. Leider waren um diese Zeit Fenster und Türen noch fest verrammelt. Auf dem Land ist es wohl auch nicht mehr so, wie es früher einmal war. Nicht jeder steht mit den Hühnern auf.

Hungrig fahren wir weiter Richtung Haidhof. Es bleibt uns ja nichts anderes übrig. Nachdem wir auch noch über einen schön schlammigen Feldweg pflügen müssen, der deutliche Spuren hinterlässt, trübt sich unsere Stimmung etwas. So wie wir jetzt aussehen, lässt uns doch keiner mehr irgendwo rein. Wie weit werden wir fahren müssen, um einen anständigen Kaffee zu bekommen?

The Unexpected

Aber es kommt anders. Wir haben mal wieder die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Als wir in Haidhof einrollen, sehen wir rechter Hand ein schmuckes Hotel mit Namen Schloßberg. Unser erster Gedanke, da brauchen wir gar nicht anhalten und wollen schon vorbeifahren. Dann sehen wir, dass die Eingangstür offen steht und ein Typ sich an der Tür zu schaffen macht. Na ja, fragen kostet ja nichts. Also fahren wir hin und ich frage, ob wir, so wie wir aussehen ein Frühstück bekommen könnten. Die Antwort: "Macht nichts, kommt's rein". Der Typ war kein Geringerer als der Seniorchef des Hotels, Erwin Weisel.

Wir bestellen als Frühstück ein Haferl Kaffee und ein belegtes Brötchen und kaum sind wir fertig, gesellt sich Erwin zu uns, der inzwischen auch seine Arbeit an der Tür erledigt hat. Wir kommen ins Gespräch, erzählen ihm von unserer Biertour und dass wir auf dem Weg zum Nikl-Bräu sind. Erwin: "Wir brau'n a unser eigens' Bier, brobiert's halt amol" – in einem Fränkisch light, damit auch wir's verstehn und stellt jedem von uns ein Seidla (halben Literkrug) mit einem Schluck seines Schloßberg Dunkel Spezial auf den Tisch. Als er merkt, dass es uns schmeckt, füllt er unsere Krüge voll. Dabei hatten wir uns vorgenommen, vor 12 Uhr keinen Alkohol zu trinken.

Es kommt noch besser. Erwin war in seinem Element, und da er nicht nur Bier braut, sondern auch alle möglichen Sorten Schnaps brennt, dürfte jetzt wohl klar sein, was kommt. Wir mussten auch einige seiner edlen Tropfen probieren und natürlich seine „Wunderwaffe“ den Kalmus, gewonnen aus Kalmuswurzeln, die auch in der Heilkunde Verwendung finden. Erwin schwört auf die Wirkung seines Kalmus Likörs und uns fehlte danach auch wirklich nichts.

Hier in der Fränkischen Schweiz scheinen die Uhren schneller zu ticken. Mittlerweile ist es zwölf Uhr und wir sitzen immer noch in der Wirtsstube vom Schloßberg. Wir sollten uns langsam wieder auf unsere Räder schwingen und warten auf Erwin, der mal kurz raus ging. Zurück komm er mit zwei großen Tellern, darauf Leberkäs mit Kartoffelsalat. Wie konnte es anders sein, auch den Leberkäs macht man hier natürlich selbst und der schmeckt einfach mega gut. Alles klar, die Flyer müssen noch eine Weile warten und wir werden wohl unsere Route nach Pretzfeld etwas modifizieren müssen.

Weiter geht's zu Nikl-Bräu.

Unser Track vom Schloßberg Hotel zur Nikl-Bräu auf dem BayernAtlas:

Auf diesem Abschnitt mussten wir einen Teil der Strecke auf Asphalt zurückgelegen, denn wir wollten zu unserem einzigen Termin, den wir auf der Tour fest vereinbart hatten, nicht zu spät kommen.

Fortsetzung folgt!

Nikl-Bräu wir kommen!

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Credits:

Herbert Worm

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