Ministerium für Staatssicherheit kurz: "STasi"

"MfS" oder "StaSi"?

Das 1950 gegründete "Ministerium für Staatssicherheit" war das "Schwert und Schild" der diktatorischen Partei der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Das "MfS" galt als Geheimdienst der DDR, sowohl innerpolitisch als auch für Spionage im Ausland zuständig. Somit war es offiziell für die Sicherheit innerhalb der DDR zuständig.

"Die StaSi - Schild und Schwert der SED"

Jedoch wurde nicht nur die politische Sicherheit gewahrt, sondern auch die eigentliche Politik der SED. Einfach gesagt: Oppositionelle waren genauso im Visier der "StaSi" wie bekannte Terroristen oder etwaige Straftäter. Politische Gegner wurden ebenso weggesperrt, oft führte es zu zu Misshandlungen, Missbrauch und Folter während der Haft.

Fakten! Fakten! Fakten!

Wie schon erwähnt wurde das "Ministerium für Staatssicherheit" am 8. Juni 1950 unter dem Leiter Wilhelm Zaisser und dessen Vertreter, Staatssekretär Erich Mielke, gegründet. Unter Anleitung sowjetischen Militärs unterstand es keiner anderen Organisation der DDR (mit Ausnahme der SED) und konnte nahezu gesetzlos agieren. Zwischen Gründung und Auflösung wächst die Mitgliederzahl beständig. 1957, 6 Jahre nach Gründung, war die Rede von 14.000 Mitarbeitern, 1989, zur Zeit des Mauerfalls, waren es 91.000 Mitarbeiter. Doch die "StaSi" war ein Geheimdienst, somit dürfen die offiziellen Zahlen nicht trügen. Die wahre Waffe des "MfS" waren die "Inoffiziellen Mitarbeiter", kurz "IM"... Menschen wie Sie und Ich!

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Inoffizielle Mitarbeiter...

...waren Bürger der DDR, die ihr Leben ganz normal verbrachten. Sie gingen mit ihren Nachbarn ins Café, brachten ihre Kinder zur Schule, gingen noch zur Schule. Doch während all dieser alltäglichen Dinge hatten sie stets mindestens ein Auge auf das, was um sie herum geschah. Verschiedenen Quellen zufolge lässt sich die ungefähre Anzahl der "IM"s auf ungefähr 180.000 schätzen, das doppelte der offiziellen Mitarbeiteranzahl.

Jeder "Inoffizielle Mitarbeiter" hatte jeden Monat einen Bericht über das Bespitzelungsziel zu schreiben und zu beurteilen, inwiefern der "Verdächtige" systemgefährlich war oder später sein könnte. Nach diesen Mustern wurde nahezu die gesamte DDR-Bevölkerung gescannt und überwacht. Prinzipien unseres heutigen Grundgesetzes wurden rigoros missachtet. Briefe öffnen und lesen, Telefonate abhören, Wohnung durchsuchen. Das gehörte zum Tagesablauf eines jeden "IM".

Methoden zur "Anwerbung" eines potenziellen "IM"

"Inoffizielle Mitarbeiter" waren nicht von Anfang an in das Geschehen involviert, sie mussten erst einmal rekrutiert werden. Die ersten Schritte einer Anwerbung erfolgten durch andere Mitarbeiter des "MfS", die zu allererst Informationen über die betroffene Person ermittelten. Zur dieser Zeit kein sehr schweres Unterfangen... Weiter ging es mit einem Gespräch, in dem die ausgewählte Person einen Vertrag vorgelegt bekam, in dem er sich verpflichtete, die von ihm erforderten Informationen zu beschaffen. Sofern sich der Betroffene weigerte, griff die eigentliche Rekrutierungstaktik der "StaSi":

  1. Unterdrucksetzung durch personenspezifische Daten, wie kleinere Vergehen (Nicht-Erscheinen bei Nationalfeiertag)
  2. Unterdrucksetzung durch Bedrohung von Existenz (Verlust von Arbeitsplatz etc.)
  3. Bedrohung von Familienmitgliedern
„Meine Mutter hat ihre Arbeit verloren und später, als ich 1975 ausreisen durfte, ist meine Frau verhaftet worden, und man hat uns unsere Tochter weggenommen.“

Prinzipiell waren die "IM"s keine schlechten Menschen, die andere gerne bespitzelt haben. Es waren größtenteils bemitleidenswerte Personen, die durch Erpressung und Bedrohung keine andere Wahl hatten, als ihr Wohlergehen vor das anderer zu stellen.

Volksaufstand

Die größte Krise erlebte das "MfS" während der Volksaufstände vom 17. Juni 1953. Infolgedessen wurden hintereinander zwei Minister ihres Amtes enthoben und teilweise aus der SED ausgeschlossen. Während der landesweiten Proteste stürmten Demonstranten viele "MfS"-Dienststellen und verprügelten und demütigten die "StaSi"-Mitarbeiter. Erst durch Eingreifen sowjetischer Militäreinheiten konnte der Protest niedergeschlagen werden.

Da jedoch die DDR-Regierung nicht anerkennen wollte, dass dies ein durch Systemunzufriedenheit gesteuerter Aufstand war, deutete es die Führung kurzerhand als faschistischen Putschversuch von westlicher Seite. Das wurde im Nachhinein zum Problem der "StaSi", da anscheinend Beziehungen der Bevölkerung zum "Terror" des Westens nicht verhindert bzw. aufgedeckt worden konnten.

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Das Ende der "StaSi"

  1. 9. November 1989: Mauerfall
  2. Anfang Dezember 1989: Das "MfS" wird offiziell aufgelöst, arbeitet jedoch unter dem Namen "Amt für Nationale Sicherheit" (AfNS) weiter an den gewöhnlichen Tätigkeiten.
  3. Mitte Dezember 1989: Das "AfNS" verkündet, großflächig "MfS"-Akten zu vernichten. Das möchte die nach wie vor entzürnte Bevölkerung verhindern und stürmt die ehemaligen "StaSi"-Einsatzzentralen in den großen ostdeutschen Städten. Nach weiteren Versuchen, eine Organisation ähnlich dem "AfNS" zu gründen (alle von der Bevölkerung blockiert), werden die Akten in die Obhut der "Freien Volkskammerwahl" zu geben.
https://www.justiz.sachsen.de/lstu/content/949.htm

"StaSi" heute?!

Wer meinte, die Zeit der Überwachung des einzelnen sei nun vorüber, hat sich stark getäuscht. Als im Juni 2013 der ehemalige NSA-Mitarbeiter Edward Snowden die Spionage- und Überwachungsmachenschaften des US-amerikanischen Geheimdienstes aufdeckt und publik macht, denken nicht wenige sofort an die "StaSi 2.0". Doch inwiefern ist es legitim, diese beiden Instanzen miteinander zu vergleichen? Da ja allein die Ausmaße die Überwachung das "MfS" komplett überschatten...

Viele Rechtswissenschaftler und Politiker lehnen diesen Vergleich jedoch ab. Sie seien der Auffassung, damals habe es sich "um eine Diktatur, nicht um eine demokratische Nation gedreht". Doch ist dort vielleicht der Punkt zu sagen: Genau das ist das Problem! Dass eine Diktatur versucht, seine Macht zu sichern und das Volk unter die Kontrolle des Staates zu bringen, das ist kein Neuigkeit. Dass jedoch ein demokratischer Staat, mit einem ähnlichen Grundgesetz wie unserem, solche Überwachung in noch größerem Ausmaße zu verantworten hat, ist mit unseren heutigen zivilisierten Ansichten nicht zu vereinen.

"Im Gegensatz zur Stasi kann die NSA auf neue Technologien setzen und somit Informationen in einem gigantischen Ausmaß sammeln."

Somit sollten wir diesen Artikel damit beenden zu sagen, jeder Mensch sollte aufpassen, was und wo er im weltweiten Zwischennetz surft. Jeder ist durchsichtig und das wissen wir, spätestens seit Edward Snowden oder der "StaSi"... Mit Sicherheit weiß die NSA jetzt schon, dass sie diesen Artikel gelesen haben, kennt ihre Telefonnummer, weiß wo sie sind, weiß, warum sie hier sind. Deshalb ist es an uns zu entscheiden, inwieweit wir es zulassen, dass eine neue "StaSi" mitten in einem demokratischen Land entsteht.

Credits:

Created with images by Max Moreau - "Penalty for improper use: 10 years" • claire1066 - "Stasi Prison"

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