Loading

Die Predigt Just in time? Oder hat Gott etwa Verspätung? 2. Petrus 3,8-10

Eine Predigt von Martin Bachmann, Pastor der FEG Schiers

Wer kennt nicht den Taktfahrplan der SBB? Alles ist genauestens geregelt und durchgetaktet. Alles scheinbar deshalb, weil der Kunde nicht so lange warten möchte. Doch was, wenn dann auf einmal ein Problem auftaucht? Eine Weiche klemmt oder der Triebwagen eine Störung hat? Dann ist auf einmal nichts mehr mit getaktet und langes Warten ist angesagt. In diesem Moment fallen unsere ganzen Pläne ins Wasser und der Terminkalender gerät durcheinander. Dieser Fakt ist leider nicht nur am Bahnhof zu beobachten. Wir sind eine Instantgesellschaft, die alles sofort braucht, und warten geht nicht.

Erstaunt es da, dass dieses Phänomen selbst im Glaubensleben sichtbar wird? Wir meinen, Gott müsste doch immer sofort handeln! Ich habe doch gebetet und Gott hat doch versprochen, dass er unsere Gebete erhört? Wieso erfüllt Gott nicht sofort seine Verheissungen? Doch dies scheint keine Modeerscheinung zu sein. Schon vor 2000 Jahren gab es in der Gemeinde Jesu gewisse Verunsicherungen betreffend Gottes Verheissungen. Petrus greift in seinem zweiten Brief diese Situation auf:

Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzögert nicht die Verheissung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Busse finde. Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel zergehen mit grossem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden nicht mehr zu finden sein. (2. Petrus 3,8–10)

Hat Gott etwa Verspätung?

Ich denke, viele Menschen haben sich schon diese Frage gestellt: Kommt Gottes Gericht nun wirklich? Erstaunlich finde ich, wie schnell die erste Gemeinde unruhig wurde. Zwischen der Auferstehung und diesem Brief liegen vermutlich gut 30 Jahre – mehr nicht! Und bereits gibt es Menschen, die sich fragen – ja was ist denn nun? Kommt Jesus wieder oder hat er uns vergessen? Und Petrus versucht den Menschen klar zu machen, dass Gott zu seinen Verheissungen steht. Er hat mit Sicherheit keine Verspätung – jedoch sprengt seine Zeitvorstellung die unsrige und sein Zeitplan kennt andere Dimensionen. Wenn wir warten müssen oder seine Verheissungen sich etwas verzögern, heisst das nicht, dass er Verspätung hat! Er kommt immer zur rechten Zeit!

Das Problem sind viel eher wir Menschen! Wir haben den Eindruck, dass doch alles möglichst schnell gehen sollte. Doch ist es wirklich so schlimm für uns, wenn wir etwas warten müssen? Ist es eine Zeit-verschwendung, wenn Gott noch etwas wartet mit der Erfüllung seines Zeitplans? Corrie ten Boom hat es auf den Punkt gebracht:

«Du verlierst keine Zeit, wenn Du auf Gott wartest.»

Interessant an unserem Text ist, dass Petrus ein Argument aufwirft, weshalb Gott seine Verheissungen noch nicht erfüllt. Und dieser Grund hat mit dem Wesen Gottes zu tun. Mit seiner Liebe zu uns Menschen und dem tiefsten Wunsch, dass niemand verloren geht. Mission und Evangelisation liegen tief im Wesen Gottes verborgen und es lohnt sich, darüber nachzudenken.

Mission - Herzschlag Gottes

Vom Anfang der Bibel bis zum letzten Kapitel spürt man diesen Herzschlag Gottes. Er hat Sehnsucht nach den Menschen. Er wünscht sich nichts mehr als eine Beziehung mit uns zu haben. Dafür war er bereit alles zu geben. Wie gross muss doch diese Liebe Gottes sein? Zu ertragen, dass sein geliebter Sohn am Kreuz stirbt – und das nicht, weil er es verdient hat! Sondern, weil Gott schon viel weiter als das Kreuz gesehen hat. Er hat einen Ausweg gefunden für unsere schwierige Situation.

Und genauso schlägt sein Herz auch heute noch für dieses Thema, denn Gott sucht auch heute noch nach dem Menschen. Gott möchte, dass alle Menschen ihn erkennen dürfen. Sein Herz schlägt voll und ganz für die Mission! Hast du ihn schon erfahren dürfen? Hast du schon erlebt, was es heisst, wenn Gott mit seiner Liebe in dein Leben eintritt? Was es heisst, geliebt und akzeptiert zu sein?

Mission - die Hoffnung der Verlorenen

Doch Mission ist auch die einzige Hoffnung für die Verlorenen. Paulus beschreibt es im Brief an die Römer so:

Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? (Römer 10,14)

Die Argumentation von Paulus leuchtet ein. Wie sollen die Menschen von Gott hören, wenn keiner ihnen von diesem wunderbaren Jesus erzählt? Gott hat sich dazu entschieden, dass er mit uns Men-schen sein Reich bauen möchte. Er liebt es, mit uns Menschen unterwegs zu sein. Er möchte mit dir gemeinsam diese Hoffnung in die Welt hinaustragen.

«Wenn Gott dich als Missionar beruft, dann wäre selbst König eine Degradierung für dich.» (Charles Spurgeon)

Was macht dieses Thema der Mission mit mir? Sehe ich die Verlorenen mit den Augen von Jesus? Ist es mir eine Not, ein Anliegen, dass möglichst viele diese Zeit der Gnade nützen dürfen? Es gibt eigentlich nur zwei Positionen bei diesem Thema.

«Jeder Mensch ist ein Missionsfeld oder ein Missionar» (Corrie ten Boom).

Was bin ich?

Mission – Thermometer für die Gemeinde

Nicht zuletzt ist das Thema der Mission ein gutes Thermometer für den Gesundheitszustand einer Gemeinde. Eine Gemeinde, die ihren Missionsauftrag nicht ernst nimmt, lebt voll und ganz an ihrer «Bestimmung» vorbei! Sie gleicht dann einer dieser «Soda-Brücken» die ohne Zu- und Wegfahrt dastehen. So nach dem Prinzip: ich bin einfach «so-da». Genau gleich wie Mission im Wesen von Gott tief verankert ist, sollte Mission auch nicht eine Aufgabe einer Gemeinde sein, sondern ihr Wesen.

Eine So-da Brücke

Wie sieht es bei uns aus? Wie sehr schlägt der Missionspuls in unserer Gemeinde? Sehe ich das Warten Gottes als einen Fehler in seinem Zeitplan oder erkenne ich darin eine Chance für all die Men-schen, die Jesus noch nicht persönlich kennen?

Gott hat keine Verspätung! Er ist voll in seinem Zeitplan! Doch eins stellt Petrus zum Schluss klar. Dieses Warten wird ein Ende haben und dann werden sich Gottes Verheissungen erfüllen. Jedoch weiss niemand von uns, wann diese Gnadenzeit vorbei ist. Also nutzen wir sie doch aus!

Amen

Familie Martin und Regula Bachmann sind seit 2014 in Schiers

Die FEG Schiers

Die Gründung der Gemeinde war das Resultat eines Prozesses, der sich eigentlich über etliche Jahre zog. Menschen aus dem Tal fanden an Evangelisationen im Rheintal zu Jesus und suchten nun einen Platz, wo sie ihren Glauben, gemäss ihrem Verständnis, vor Ort ausleben konnten. So kam es am 9. Juli 1981 zur Gründung der FEG-Schiers. Bei diesem «Startschuss» waren bereits 29 Gründungsmitglieder aktiv dabei. Schnell reifte der Wunsch nach einem eigenen Versammlungsort und so konnte bereits 1983 eine alte Liegenschaft an der «Unteren Mühle» erworben werden. Mit viel Kraft, einer grossen Vision und noch grösserem Gottvertrauen wurde ein Gebäude erstellt, das noch heute gute Dienste erweist. Wurde früher an der «Unteren Mühle» Korn für Brot gemahlen, so geht es bei der FEG-Schiers auch um das Thema Brot. Um die hoffnungsvolle Botschaft von Jesus, der von sich selber sagt: «Ich bin das Brot des Lebens.» Und für diese lebensverändernde Nachricht setzte sich dazumal und auch noch heute die Gemeinde ein.

Durch diesen Einsatz durfte die Gemeinde Wachstum erleben und trotz zwischenzeitlichen, starken Turbulenzen ein Licht im Tal sein. Heute besuchen ungefähr 110 Erwachsene und 30 Kinder am Sonntag den Gottesdienst. Eine besondere Freude ist das hohe Engagement und die grosse Verbindlichkeit der Jugend. Diese Verbindlichkeit drückt sich nicht nur im Besuch des Jugendprogrammes aus, sondern auch in der Bereitschaft zur Mitarbeit in anderen Bereichen.

Seit 2014 engagiert sich Familie Bachmann als Pastorenfamilie in der Gemeinde.

Nächstes Jahr feiern wir 40-jähriges Jubiläum und wir sind gespannt, was Gott für die Gemeinde bereithält. Genau wie am Anfang soll es auch noch nach 40 Jahren um dieses Brot des Lebens gehen.

Credits:

Erstellt mit Bildern von Nycholas Benaia - "untitled image" • Carolyn V - "untitled image" • Aaron Burden - "untitled image" • Ben White - "Handing over a ticket" • Priscilla Du Preez - "untitled image"