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Mein oder dein? Serie Leidenschaft

Wir sind in der Geschichte von Mose. Mich beeindruckt es, dass Mose nicht seine eigene Grösse suchte, sondern Gottes Grösse, seine Absicht, seinen Plan mit seinem Volk zu seinem Lebensziel machte. Kann ich das auch lernen?
Michael Dufner

Einen Schlüssel sehe ich im Wunsch von Mose, Gott zu sehen (2Mo 33,13). Sein Wunsch war in erster Linie die Beziehung zu Gott, und daraus folgte Gottes Auftrag und Moses Erkenntnis. «Wenn dein Angesicht nicht mitgeht, dann führe uns nicht von hier hinauf» (also ins verheissene Land, V.15).

Das klingt so easy. Doch in meinem Alltag erlebe ich es als wirkliche Herausforderung. Wenn das Leiden gross ist, die Not wächst, Krankheiten, Frust und Depressionen kommen, wenn Unklarheiten den Alltag bestimmen oder einfach alles grad ohne Perspektive wirkt: Dann reicht es nicht, von diesem Schlüssel zu wissen. Dann ist es wichtig zu erfahren, dass die Beziehung zu Gott das Wichtigste ist. Ich mache Mut, nicht erst in der Krise die Beziehung zu suchen, sondern wenn es uns gut geht.

Die Perspektive aus der Beziehung

Ich sehe zwei gute Übungsmöglichkeiten aus der Geschichte von 2Mo 33:

  1. Mose zieht sich zurück. Er nimmt sich Zeit - Zeit, mit Gott Beziehung zu leben. Ich bin oft bei Jesus, weil ich etwas brauche, wenn ich ein Ziel habe und Jesus benötige, dieses Ziel zu erreichen, weil ich es nicht allein kann. Doch habe ich auch Zeiten, wo ich einfach bin, wo ich einfach die Nähe und Gemeinschaft suche, lebe und geniesse? Mose lebte aus dem Wunsch, Gott ganz nah zu sein, sein Angesicht zu sehen. Wenn dieser Wunsch grösser ist als die Umstände, dann können Umstände Chancen sein, Gott vertiefter zu erleben und in der Leidenschaft aufzublühen.
  2. Mose hat sich mehr für Gottes Pläne und Ziele eingesetzt. – Er hat eben Gottes Pläne zu seinem Leben gemacht. Auch Jesus hat das so aufgegriffen und uns gelehrt, wir sollen beten: "Nicht mein Wille, sondern dein Wille soll geschehen." (Lk 22,42; Mt 6,10)

Gott bietet Mose an, das halsstarrige Volk zu vernichten und mit ihm ein neues Volk zu gründen (2Mo 32). Ein grösseres, mächtigeres, besseres Volk. Eines das nicht nörgelt, das nicht murrt, das tut, was es soll…(vielleicht)? Aber Mose lehnt ab und fleht Gott an, sein Volk zu verschonen. Hier erkennen wir dieses Herz, das Gott mehr liebt als den Auftrag. Mose hat verstanden: Gottes Volk ist sein Volk. Gottes Reich ist sein Reich. Er denkt nicht an sich selbst, sondern denkt ausgerichtet auf Gott.

Austausch gefällig?

Ich liebe meine Kinder. Morgens haben wir ein cooles Ritual. Wir stehen etwas früher auf, um am Cheminée gemeinsam Stille Zeit zu machen. Ich trinke einen Kaffee, die Kids ihre Schoggimilch, und ich lese aus der Bibel. Anschliessend tauschen wir aus und beten für den Tag.

Aber… so romantisch, wie es sich anhört, ist es oft nicht. Die Kids streiten, piksen sich während des Betens, nerven mich. So kommt es vor, dass ich ein Machtwort sprechen muss und die Kinder wieder aufs Zimmer schicke. Stockwütend sitze ich da. - Ich habe einfach gehandelt ohne Jesus zu fragen. Es wurde mir zu viel.

Da kam mir der folgende Gedanke. «Was, wenn Gott jetzt sagen würde: ‘Michi, ich werde deine Söhne einfach austauschen, dir neue geben, die viel anständiger sind als die jetzigen.’? – Ohhohh! NEIN, Jesus, das will ich nicht! Es sind meine Kinder!»

Schlagartig wird klar: Mose war nicht einfach nur Leiter des Volkes Gottes. Er war nicht einfach Mitarbeiter und führte Gottes Auftrag aus. NEIN. Er war Teilhaber, ihm «gehörte» das Volk, er fühlte sich zu 100% als Teil des Volkes, es waren seine Mitmenschen/Kinder/Geschwister.

Jenseits der Perfektion

Im Reich Gottes, in der Beziehung zu unserem Vater im Himmel, zu Jesus Christus und zu dem Heiligen Geist geht es nicht einfach um einen Job, den "man" macht. Jesus sagt in Lk 15: "Was mein ist, ist dein…" Dazu hat er uns erlöst, damit wir frei sind, trotz allen misslichen Umständen Teilhaber (1Petr 2,9) an seinem Reich. Das begeistert mich! Ich will lernen, meine Ziele loszulassen und noch mehr aus dem Vorrecht zu leben, dass ich ein «Miteinverleibter» in Gottes gewaltigem Reich bin (Eph 3,6). Deshalb muss nicht alles perfekt sein in meiner Familie oder in meinem Leben. Die Beziehung und die Begeisterung für sein Reich leuchtet und ist Orientierung für solche, die auch kein perfektes Leben haben.

Credits:

Erstellt mit Bildern von CMDR Shane - "untitled image" • Moses Vega - "untitled image" • Veri Ivanova - "Old pocket watch"