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Bei den Erzsuchern in der Sommerau von Werner M. Thelian

Die Oswaldikirche in der Sommerau bei Reichenfels erinnert an jene Zeit, in der im oberen Lavanttal noch der Bergbau nach Gold, Silber und Eisenerz florierte. Die Kirche, einst von Bergknappen erbaut, ist einem der populärsten Heiligen des Mittelalters geweiht.

Wenn man heutzutage in der schönen Zeit des Jahres in den Sommerauer Graben bei Reichenfels wandert, kann man sich kaum vorstellen, welche rege Betriebsamkeit hier früher einmal herrschte. Vor Jahrhunderten, im Mittelalter und noch in der frühen Neuzeit, waren es vor allem die Bergknappen, die hier zu den einst so ergiebigen Gold- und Silbervorkommen pilgerten. Aber auch Fuhrleute, Holzfäller und Bauern nutzten die alten Verbindungswege, um ihre in schwerer Arbeit erworbenen Produkte und Güter über die Berge und aus den Wäldern hinter in die Täler zu befördern. Noch heute erinnern so mancher Bildstock und so manches Wegkreuz im oberen Lavanttal daran, mit welchen Gefahren solche Arbeiten früher verbunden waren.

Vorbei am geheimnisvollen Teufelspredigtstuhl

Auf dem Weg in die Sommerau kommt man am sogenannten „Teufelspredigtstuhl“ vorbei, der sich direkt an der Straße durch den Graben befindet. Leicht könnte man ihn übersehen, hätte man die betreffende Stelle nicht schon vor einiger Zeit mit Hinweisen und einer Informationstafel ausgestattet. Und auch durch die Erwähnung in mehreren Büchern, in Zeitungen und Internetforen hat dieser Ort einige Bekanntheit erlangt.

Beim Teufelspredigtstuhl handelt es sich um einen wuchtigen Felsbrocken, der geheimnisvolle Zeichen trägt. Über das Alter der Symbole und Zeichen ist bisher ebenso wenig bekannt, wie über ihre Bedeutung und ihren ursprünglichen Zweck. Die Fachwelt rätselt noch heute.

Der sogenannte "Teufelspredigtstuhl" im Sommerauer Graben trägt geheimnisvolle Zeichen.

Manche, die sich mit dem Rätsel beschäftigt haben, sind der Meinung, dass es sich bei den in den Stein geschlagenen Zeichen um Markierungen und Hinweise fremdländischer Erz- und Mineraliensucher handelt. Die sollen vor etlichen Jahrhunderten in diese Gegend gekommen sein, um das Vorkommen und die Lage wertvoller Bodenschätze zu erkunden. In diesem Zusammenhang fällt dann oft der Begriff „Walenzeichen“, weil solche Erzsucher und Prospektoren meistens aus dem italienischen Raum kamen und deshalb als „Welsche“ oder eben „Walen“ bezeichnet wurden.

Die einheimische Bevölkerung, die eher selten mit diesen auf Geheimhaltung getrimmten Männern in Kontakt kam und auch gar nicht verstand, was sie machten und sprachen, sagte ihnen nicht selten magische Kräfte nach. Das fremdländische Aussehen und das vermeintliche Kauderwelsch, das sie von sich gaben, aber auch ihre Arbeitstechniken machten die Fremden mysteriös und geheimnisvoll.

Erzsucher im 16. Jahrhundert. Holzschnitt aus Georg Agricolas „De re metallica libri XII“, 1556 in Basel erschienen. Abb.: wikimedia.

Die Zeichen am Teufelspredigtstuhl wurden aber auch schon als verschlüsselte Botschaften ganz anderer Herkunft interpretiert. Als „Gaunerzinken“ nämlich, also als Hinweise, die früher manchmal Diebe, Bauernfänger und Betrüger hinterließen. Warum sie das machten? Um andere, ihnen nachfolgende Gauner über möglicherweise besonders vielversprechende Opfer zu informieren oder sie vor misstrauischen Bauern und bissigen Hunden zu warnen.

Am wahrscheinlichsten jedoch ist, dass die Oberlavanttaler Felszeichen mit dem früheren Bergbau in der Gegend in irgendeinem Zusammenhang stehen. Der Sage nach soll der Fels übrigens von Satan selbst an diese Stelle befördert worden sein. Der Höllenfürst schleuderte den Brocken in seiner großen Wut, als er erfuhr, dass sich die Menschen im oberen Tal zum Christentum bekehrt hatten. So wird es jedenfalls seit Generationen überliefert.

Die alte Knappenkirche St. Oswald in Sommerau

Ist man schließlich etwas müde, aber wohlbehalten in der Sommerau angekommen, erhebt sich dort jener markante Bergkegel, auf dem die alte Filialkirche St. Oswald in der Sommerau steht. Die Kirche, in etwa 1.300 Metern Seehöhe errichtet, soll von Bergknappen erbaut worden sein und ist eine der ältesten Oswaldikirchen in Kärnten. Sie ist 1236 erstmals urkundlich erwähnt, aber manches spricht dafür, dass sie noch um einige Jahrzehnte älter ist und irgendwann im Laufe des 11. Jahrhunderts entstand.

Einer der romantischsten und zugleich geheimnisvollsten Plätze im oberen Lavanttal: Sommerau.

Oswald, dem die Kirche geweiht ist, war ein Heiliger aus England. Er wurde 604 als Sohn des heidnischen Königs Ethelfrieth von Northumbrien geboren, aber schon als Knabe von Mönchen erzogen. Später bekannte sich Oswald aus tiefster Überzeugung zum christlichen Glauben und ließ sich taufen. Als er nach dem Tod seines Vaters selbst den Königsthron bestieg, förderte er die Christianisierung seines Landes. Er stiftete Kirchen und Klöster und war ein frommer und mildtätiger Herrscher. Von Zeit zu Zeit sah er sich jedoch gezwungen, gegen heidnische Nachbarn in den Kampf zu ziehen. Im August 642 unterlag er mit seinem Heer. Oswald wurde auf dem Schlachtfeld getötet und dann von seinen Feinden enthauptet. Sein Kopf und sein rechter Arm wurden auf einem Pfahl aufgespießt und öffentlich zur Schau gestellt. Am Ort von Oswalds Tod sollen sich dann einige Wunder ereignet haben.

Bildnis des heiligen Oswald in einer englischen Handschrift des frühen 13. Jahrhunderts. Der heilige Oswald ist der Schutzpatron der englischen Könige, der Kreuzfahrer, der Schnitter (Mäher) und des Viehs. Er galt auch als Nothelfer und wurde u.a. um Schutz vor der Pest gebeten. Abb.: wikimedia.

Nachdem Oswald schließlich heiliggesprochen wurde, waren sein Schädel und u.a. die Knochen seiner Arme bald begehrte Reliquien. Heute befinden sich Oswald-Reliquien in mehreren englischen und deutschen Kirchen. Die Lebensgeschichte des Heiligen wurde aufgeschrieben und so weitergetragen. Oswald wurde zu einem der populärsten Heiligen des Mittelalters, dem man auch mehrere Lieder und Dichtungen widmete. Noch der bekannte mittelalterliche Dichter Oswald von Wolkenstein soll deshalb so stolz auf seinen Vornamen gewesen sein.

Aber zurück zur Oswaldikirche in der Sommerau. Wann man dort damit begann, Edelmetalle abzubauen, ist nicht genau bekannt. Allerdings weiß man, dass schon Kelten und Römer im oberen Lavanttal glitzernde Goldkörner aus Bächen wuschen. Der alte Gegendname „Sommerau“ weist zudem darauf hin, dass das heute eher entlegene Gebiet der Sommerau wahrscheinlich schon um das Jahr 1000 das Interesse bayerischer und fränkischer Siedler auf sich zog. Sie waren im Gefolge jener Grafen gekommen, die das Land im Auftrag von Kaiser Heinrich II. urbar machen und die Besiedelung vorbereiten sollten. Diese Bemühungen, die wohl mit den vorhandenen Bodenschätzen in Zusammenhang stehen, wurden im Auftrag des Bistums Bamberg fortgesetzt, das seit dem frühen 11. Jahrhundert im gesamten oberen Lavanttal reich begütert war.

Die Kirche St. Oswald selbst wurde wohl noch vor dem Jahr 1072 erbaut und der Überlieferung nach reich ausgestattet. Noch Jahrhunderte später zählte die kleine Oswaldikirche zu den am besten dotierten Kirchen des Lavanttals und Kärntens. Sogar einen eigene Pfarrer soll es hier gegeben haben.

Die Sommerauer Kirche, dem hl. Oswald geweiht

Noch im 18. Jahrhundert machte die Kirche durch ihre finanzielle Ausstattung auf sich aufmerksam. Als nämlich 1734 die Leonhardikirche in St. Leonhard dringend ein neues Turmdach benötigte, liehen die Bewohner der Sommerau den Nachbarn weiter unten im Tal die beträchtliche Summe von 1.000 Gulden. Und auch für die St. Leonharder Kunigundekirche wurden einige Jahre später rund 6.400 Gulden vorgestreckt. Diese Freigiebigkeit der Pfarre Sommerau blieb jedoch keineswegs auf die Region beschränkt. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts sollen immerhin 3.000 Gulden in ein neues Priesterhaus in Klagenfurt investiert worden sein.

Was die Überlieferung noch verrät

Nach alter, von Generation zu Generation weitergegebener Erzählung soll die Oswaldikirche in der Sommerau einst über einem unterirdischen See errichtet worden sein. Der See wurde aus einer nahen Quelle gespeist, deren Wasser früher goldhaltig gewesen sein soll.

Alten Erzählungen nach wurde die Sommerauer Kirche einst über einem unterirdischen See erbaut.

Beim ersten Anblick der Oswaldikirche fällt einem zunächst vor allem der mächtige, querrechteckige Turm auf, der ein niederes Pyramidendach trägt. Im Turm befindet sich bis heute ein alte Glocke, die aus dem Jahr 1689 stammt.

Im 17. Jahrhundert wurde der Innenraum der Kirche mit barocken Gewölben versehen, die eine frühere, flache Holzdecke ersetzten. Über dem quadratischen Chorraum hat sich noch das spätgotische Netzrippengewölbe aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erhalten. Auf dem Schlussstein im Gewölbe befindet sich die Jahreszahl 1533, und über den spitzbogigen Fenstern sind die Jahre 1612 und 1726 verewigt.

Die heutige Innenausstattung der Sommerauer Kirche stammt teilweise aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der Seitenaltar wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts angefertigt und trägt eine Madonnenstatue. Der Hochaltar wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts aufgestellt und zeigt Figuren der Heiligen Georg, Rochus und Sebastian. Auch eine Holzstatue des Apostels Jakobus d. Älteren und eine Statue des heiligen Oswald haben dort Platz gefunden. Interessant ist u.a. auch ein Bildnis, das Kaiser Heinrich II., den Gründer des Bistums Bamberg, und seine Gemahlin Kunigunde zeigt.

Seit jeher ist die Oswaldikirche in der Sommerau ein beliebtes Ziel von Wallfahrern. Vor allem am Oswalditag, der am 5. August, dem Todestag des Heiligen, gefeiert wird, sind zahlreiche Pilger auf dem Weg zur Kirche. Seit jeher findet hier am ersten Sonntag im August der „Oswaldikirchtag“ statt, der zu den traditionsreichsten Festen im oberen Lavanttal zählt.

Created By
Werner Thelian
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Credits:

Erstellt mit Bildern von Werner M. Thelian • Riccardo Mion - "untitled image" • Adam Bixby - "untitled image"