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Wie alles begann Gründungsgeschichte des Tabors 1921

Urs Klingelhöfer, aktiver Heimleiter seit 1996

Am 11. Oktober 1921 treffen 23 Kinder, drei Diakonissen und eine Lehrerin im ehemaligen christlichen Kurhaus Schönbühl auf dem Wachthubel in Aeschi ein, welches zuvor für 100'000.– Fr. (zum Mobiliarpreis) gekauft werden konnte. Die Geburtsstunde der 100-jährigen Taborgeschichte. Der Start der Institution geht auf die Initiative des Predigers Hans Fröhlich, Vorsteher des noch jungen Werks, des Diakonissenwerks Siloah in Gümligen der freien evangelischen Gemeinde FEG, zurück. Er hatte ein grosses diakonisches Herz und wollte der Not von Kindern aus misslichen Verhältnissen eine Antwort entgegensetzen. Zudem sollte für christlich gesinnte Leute auch eine kurzfristige Erholungsmöglichkeit auf dem Land geschaffen werden.

Kurhaus Schönbühl 1921

Das Kurhaus Schönbühl wurde von diesem Moment an zur Kinderheimat Tabor. Das Tabor bekam ein eigenes Komitee, gehörte aber weiterhin zum Siloah und wurde in den ersten Jahren durch die Diakonisse Schwester Elise Siegenthaler geführt. Das Werk wuchs in den Folgejahren stark an und beherbegte zwischenzeitlich über 60 Kinder. Die Arbeit wurde Schwester Elise zu schwer und so wählte man 1925 den Prediger Ferdinand Maurer mit seiner Frau Rosa von der FEG Wil als neue Hauseltern.

Im Januar 1927 wurde das Hauptgebäude bis auf den ersten Stock wegen einem Kaminbrand in der Mansarde zerstört. Die Kinder wurden zwischenzeitlich im Ort und zum Teil im Siloah untergebracht und es erfolgte der Wiederaufbau samt Erweiterung. Das Tabor konnte in den Folgejahren das Hattenbühl pachten, stellte eigens einen Bauern dafür an. Zudem wurde 1933 die zweite Spezialklasse eröffnet für Kinder, die nicht die öffentliche Schule besuchen konnten, und 1934 das erste Schulhaus errichtet. Der Kanton Bern beteiligte sich mit einem bescheidenen Betrag an den Lohnkosten der Lehrpersonen und hätte später gerne Kinder mit einer Geistesschwäche dem Tabor zur Pflege übertragen, was das Komitee aber ablehnte, da man ein Herz für sozial benachteiligte Kinder habe.

Tabor-Gelände 1934

1936 konnte dann die Landwirtschaft Hattenbühl gekauft werden. Noch im selben Jahr verstarb der Hausvater im Dienst an Herzversagen. Das Komitee ernannte daraufhin die Hausmutter Alice Maurer (zweite Frau) und den Bauern Fritz Wüthrich zum neuen Leitungsgespann. Diese Kombination erwies sich aber nicht als hilfreich, für beide wurde die Last der Arbeit zu viel. 1941 wurden somit Philipp und Hélène Bez berufen, sie hatten bereits etwas Erfahrungen im dem bündnerischen Werk «Gott hilft» sammeln können.

Haupthaus 1928

In dieser Zeit wurde auch das System von Familien und Gruppen zu je 12 Kindern eingeführt, die jeweils von einer Tante und einer Gehilfin betreut wurden. Inzwischen hatte das Tabor eine eigene Trägerschaft als Verein bekommen und wählte 1946, nach weiteren Unsicherheiten in der Leitung, den bereits bewährten Lehrer der internen Schule, Samuel Brennwalder, und seine Frau Hedwig als neue Hauseltern. Mit ihnen kehrte wieder Stabilität in den Betrieb ein, zugleich brachten sie das Werk stark voran und verantworteten die grössten baulichen Erweiterungen und Erneuerungen. Zu dieser Zeit beteiligte sich auch der Kanton durch ein grösseres finanzielles Engagement vermehrt an privaten Institutionen und auch das Tabor kam somit in den Genuss staatlicher Beihilfen, musste aber den Ferienbetrieb für Kurgäste einstellen. Ohne die staatlichen Mittel wären die zwingend nötigen baulichen Massnahmen gar nicht möglich gewesen. 1966 umfasste das Tabor vier Schulklassen und sechs Wohngruppen, in denen gegen 60 Kinder betreut wurden. Dazu den grossen Garten und die Landwirtschaft.

Nach vorzeitiger Pensionierung übernahm dann 1971 das Ehepaar Ernst und Therese Schädeli aus der FEG Thun die Leitung. Der ehemalige Lehrer konsoldierte die Arbeit im Tabor und stand dem Werk 25 Jahre vor, bevor auch er in den vorzeitigen Ruhestand wechselte. In diesem Zeitraum wurde auch die nachgehende Fürsorge eingerichtet. Die Kinderzahl nahm wegen der Einführung der Sonderklassen deutlich ab, stabilisierte sich dann aber bei 30–35 Plätzen, was auch der Kanton als gute Grössenordnung begrüsste.

1996 wurde Urs Klingelhöfer, Sozialpädagoge und Heimleiter, gewählt. Erstmals wurde der Begriff Hauseltern nicht mehr als Leitungs- und Rollenkonzept angewendet, wenngleich auch der Ehefrau Ursula Klingelhöfer eine kleine Anstellung angeboten wurde. Das Tabor konnte sich in den letzten 25 Jahren kontinuierlich weiterentwickeln, wurde stark professionalisiert und 2006 durch die Jugend-WG in Frutigen erweitert. Auch die baulichen und betrieblichen Anforderungen wurden den zeitgemässen Standards angepasst. Geblieben ist bis heute, bei aller Modernisierung und Erweiterung, ein grosses Herz für junge Menschen und deren Entwicklung, gegründet aus der selbigen Gründungsmotivation – der christlichen Identität und dem daraus folgenden diakonischen Selbstverständnis.

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Öffentliche und FEG-Anlässe zur 100-Jahr-Feier:

  • Samstag, 11. September, 10.00–17-00 Uhr Spiel- und Familienfest für klein und gross
  • Samstag, 20. November Delegiertenkonferenz FEG CH