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Christian Hain VISUALS Blog

"Bruder, mach mal billiger."

Seit ich angefangen habe, Videos professionell, also gegen Entlohnung, für andere zu produzieren, haben ich und viele Kollegen aus derselben Branche immer wieder mit ein und demselben Problem zu kämpfen, nämlich:

Der Beruf des Videografen ist scheinbar von vielen immer noch nicht richtig verstanden worden.

Was ich damit meine? Ganz einfach. Es besteht oftmals einfach keine Bereitschaft, für die Dienstleistung eines Videos zu zahlen; ob es sich dabei um einen Kurzfilm, Imagefilm oder einfach Rohmaterial handelt, spielt dabei keine Rolle.

Mit diesem Text will ich versuchen, etwas mehr Transparenz in die Arbeit eines Videografen zu bringen und so mehr Verständnis und Toleranz zu schaffen, wieso wir unsere Dienstleistung schlicht und ergreifend nicht umsonst anbieten können, aber auch hinterfragen, woher dieser Umstand meiner Meinung nach möglicherweise kommen kann.

1. Ursache

Wer "Video" sagt, muss auch "YouTube" sagen. Und was findet man auf YouTube? Haufenweise Videos aller Arten: Imagefilme, Teaser, Kurzclips, Interviews, Trailer, Kurzfilme, Musikvideos, Produkt-Videos und so weiter. Und das alles kostenlos.

Ich ziehe hier keine wissenschaftliche Studie zu Rate oder belege meine Aussage mit irgendwelchen Daten, aber rein gefühlstechnisch könnte ich mir vorstellen, dass das irgendwie zusammenhängt. Komischerweise sowohl bei älteren, als auch bei jungen Start Up-Klienten. Der Konsum von Videos auf YouTube ist so simpel und gleichermaßen für Unternehmen so gewinnbringend, dass oftmals maßlos unterschätzt wird, welche Arbeit in ein 3-Minuten-Video gehen kann.

Junge Start-Up-Unternehmen wollen meiner Erfahrung nach möglichst alles, aber bitte für umsonst. Sie haben zwar den eigenen Wert von audiovisuellem Content auf sozialen Medien für ihr Unternehmen erkannt, verlieren dabei aber oft den tatsächlichen, finanziellen Wert für ein Video aus den Augen.

Bei "alten Hasen" eines Unternehmens ist es meistens noch schwieriger, ihnen die Wichtigkeit von Videos im Jahr 2019 nahe zu bringen. Da wurden vielleicht mal Flyer oder Plakate gedruckt, aber das war's auch schon. Was da alles hinter einer Videoproduktion stecken kann, ist gewissermaßen Fremdland, das sie nur aus dem Fernsehen kennen.

Das alles sind nur Vermutungen und Einzelfälle, die sicher nicht auf jeden Kunden zutreffen und nicht über einen Kamm geschert werden dürfen.

2. Anfrage

Ich versuche hier mal einen üblichen Fall für einen kurzen Imagefilm für ein x-beliebiges Unternehmen durchzuspielen, weil das meiner Meinung nach für die meisten ein greifbares Beispiel darstellt. Und natürlich, weil heutzutage jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, einen Imagefilm haben muss. Klar.

Optimalerweise kommt eine Anfrage eines Unternehmens rein, das auf deine Arbeit gestoßen ist und für sich selbst gerne einen Imagefilm haben möchte. Entweder "es gibt noch keinen" oder "der letzte ist schon zu alt". Nach einem kurzen Blick in den Kalender stellt man fest, dass man im Zeitraum X noch Zeit für Aufträge hat und vereinbart mit dem Unternehmen einen ersten Termin, um das Projekt erstmals durchzusprechen und sich kennenzulernen.

Ab diesem Zeitpunkt beginnt man bereits damit, Ideen zu sammeln, wie man ein solches Video für dieses bestimmte Unternehmen umsetzen könnte und informiert sich im Optimalfall schon vor dem Gespräch über das Unternehmen selbst, seine Dienstleistungen und seine Firmenphilosophie.

Ein Treffen findet statt. Man lernt sich kennen und der Kunde schildert erstmals seine Vorstellungen von einem neuen Imagefilm. Diese Vorstellungen sind aber meistens mit "[...] oder so" und "[...] fänden wir auch ganz schön" bestückt. Und hier fällt schon auf: Da ist noch überhaupt nichts geklärt. Und das ist okay, schließlich ist es auch gewissermaßen der Job eines selbstständigen Videografen, kreative Konzepte und Ideen zu entwickeln, die den Kunden zufrieden stellen, denn der hat schließlich zu Recht meistens mit anderen Dingen zu tun. Ich schreibe das hier bloß, um zu verdeutlichen, dass allein im Vorgespräch, das gut und gerne schon 2 Stunden dauern kann, im Wesentlichen noch nicht viel geklärt wird.

Man schließt das Gespräch mit grundlegenden, aber für den Inhalt des Films gewissermaßen belanglosen Infos und verlässt das Unternehmen mit den Worten, dass man ein Angebot zukommen lasse. Die Fahrtzeit beträgt für Hin- und Rückfahrt 1 Stunde.

Zeitaufwand:

- Anfrage: 3 Stunden

3. Vorbereitung

Für einen mittel-aufwändigen Imagefilm ist ein ausgearbeitetes Storyboard nicht unbedingt von Nöten. Viele Aufnahmen und Shots ergeben sich oftmals schon vor Ort beim Drehen, insbesondere dann, wenn man den Luxus hat, beispielsweise zu zweit zu drehen.

Was allerdings mindestens vorbereitet werden muss, ist eine Shotlist, gewissermaßen ein Fahrplan, was an welchem Tag wann gefilmt werden soll. Eine solche Shotlist hält einen bei der Stange und lässt einen das Wesentliche nicht aus den Augen verlieren.

Wenn man das alles vorbereitet hat, packt man das Ergebnis meistens noch zusammenfassend in ein Exposé, das man dem Kunden zukommen lassen kann, damit er weiß, in welche Richtung sich das Projekt entwickelt.

Gehen wir davon aus, man skizziert für einige komplexe Einstellungen ein rudimentäres Storyboard, fertigt eine vollständige Shotlist an, verfasst ein kurzes Exposé für den Kunden und setzt sich noch schnell an den PC und erstellt auf Basis dieser Informationen ein Angebot, dann hat man nochmal gut und gerne 4 Stunden Arbeit investiert.

Zeitaufwand:

- Anfrage: 3 Stunden

- Vorbereitung: 4 Stunden

4. Dreh

Wenn man sich den bisherigen Zeitaufwand anschaut, fällt auf, dass, bevor auch nur ein einziger Clip gefilmt wurde, schon beinahe ein ganzer Arbeitstag in der Vorbereitung des Films steckt. Zeit, die der Kunde oftmals gar nicht so sehr auf dem Schirm hat. Entgegen der weitläufigen Erwartung, nimmt der eigentliche Dreh eines Videos vergleichsweise wenig Zeit des gesamten Projekts in Anspruch.

Wenn man eine ausreichend gute Zeitplanung und Shotlist mitbringt und nicht viele Abweichungen vom Drehplan auftreten, kann man einen kurzen Imagefilm relativ entspannt an einem Tag im Unternehmen abfilmen. Dazu gehören Interviews, Schnittbilder bzw. B-Roll, ggf. Drohnenaufnahmen etc. Hier ist eine gute Planung der Schlüssel für effizientes Filmen. Wenn man natürlich keinen roten Faden in seiner Arbeit hat, so kann es gerne mal passieren, dass man eventuell einen zweiten Drehtag ansetzen muss, was meistens auch Komplikationen für Unternehmen mit sich bringt. Setzen wir hier für eine Aufstellung einfach mal 9 Stunden an. Das ist mit Auf- und Abbau, kurzen Pausen, Wiederholungen von Interviews bzw. Audioaufnahmen und Puffer für ungeplante Aufnahmen durchaus realistisch.

Zeitaufwand:

- Anfrage: 3 Stunden

- Vorbereitung: 4 Stunden

- Dreh: 9 Stunden

5. Schnitt

Ab jetzt beginnt die eigentliche Magie. Das ist nämlich die Fähigkeit, die gefilmten Aufnahmen, Interviews, Audioschnipsel und Musik in einer kreativen Manier zu ordnen, zu verbinden und das, was man vorher vielleicht im Kopf oder auf Papier hatte, in die Tat umzusetzen. Die Post Produktion ist immer der aufwändigste Teil an einem gesamten Videoprojekt. Leider ist das auch gleichzeitig der Teil, der zuhause oder im Büro am PC passiert, von dem der Kunde überhaupt nichts mitkriegt.

Dabei kann allein schon die Musikrecherche, wenn man Pech hat, mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Es gibt für einen Imagefilm nämlich fast nichts schlimmeres, als unpassende Musik, die eine falsche Stimmung in ein Video transportiert. Das nur als Beispiel.

Zum Schnitt gehört zunächst das Sichten von Material; was lässt sich verwenden, was nicht? Welcher Clip passt an welche Stelle? Gibt es eine Story, die erzählt werden soll? Wie ist die Reihenfolge? Solche und mehrere Fragen stellen sich, bevor auch nur ein "Schnitt" gemacht wurde.

Um das Ganze auf das Wesentliche herunter zu brechen, kann man sagen, dass man für den Schnitt mindestens doppelt so viel Zeit als für den Dreh ansetzen kann. Mit dabei ist meistens schon eine Korrekturschleife, weil der Kunde in 90 % der Fälle immer noch Änderungswünsche hat. Änderungswünsche, die im schlimmsten Fall den ganzen Schnitt zunichte machen können, wenn man beispielsweise das Video auf den Beat der Hintergrundmusik geschnitten hat und jetzt, nach den Änderungen, das Bild nicht mehr zum Beat bzw. zum Ton passt. Mega ärgerlich.

Zeitaufwand:

- Anfrage: 3 Stunden

- Vorbereitung: 4 Stunden

- Dreh: 9 Stunden

- Schnitt: 18 Stunden

6. Projektabschluss

Es kommt zum Ende eines Projekts. Der Kunde hat seinen Imagefilm erhalten, Änderungswünsche wurden berücksichtigt, Dinge wie Colour Correction und Colour Grading wurden auf das Video angewandt, das Video ist bereit, veröffentlicht zu werden.

Wenn ein Projekt an der Stelle enden würde, so wäre das schön. Meistens ist aber hier noch nicht Schluss.

Viele Kunden vergessen, dass es sowas wie Nutzungsrechte gibt. Die Nutzungsrechte liegen beim Urheber, also bei uns als Videografen. Das gilt für den fertigen Film, aber auch für Rohmaterial. Wir sprechen hier von einem vom Videografen erstellten Werk, wenn man so will. Falls ein Kunde also Monate später, nachdem ein Projekt abgeschlossen ist, noch "ein paar von den tollen Drohnenaufnahmen" haben möchte, obliegt es dem Videografen, dieses Rohmaterial gegen Bezahlung herauszugeben oder nicht.

Zum Projektabschluss zähle ich jetzt noch das Schreiben der Rechnung und ein eventuelles Heraussuchen und Herausgeben von Rohmaterial, das vielleicht im Nachhinein noch angefragt wird. Wenn man gut organisiert ist und nicht lange suchen muss, sollte das alles nicht mehr als 1 Stunde in Anspruch nehmen.

Zeitaufwand:

- Anfrage: 3 Stunden

- Vorbereitung: 4 Stunden

- Dreh: 9 Stunden

- Schnitt: 18 Stunden

- Projektabschluss: 1 Stunde

Gesamt: 35 Stunden

Ich will hier also nochmal ganz deutlich klar machen, dass in einen mittel-aufwändigen Imagefilm für ein x-beliebiges Unternehmen mit mittel-aufwändiger Vorbereitung round about 35 Stunden einfließen. Wenn man das jetzt mit einem Branchen-üblichen Tages- oder Stundensatz eines selbstständigen Videografen hoch rechnet, siedelt sich ein solcher Imagefilm schnell zwischen 2.500 und 3.000 Euro an.

Wer das hier jetzt als Rant gegen Unternehmen aufgefasst hat, der hat es nicht verstanden. Ich will mit dem Beitrag hier nur deutlich machen, wie viel Arbeit und Zeit in ein solches Projekt einfließt, und dass wir Videografen nicht nur "so Filmchen drehen" und dass ein Großteil der Arbeit abseits vom Dreh stattfindet. Wenn ihr als Unternehmen also nächstes Mal ein Videoprojekt plant, bringt bitte etwas mehr Verständnis mit und denkt nicht, nur weil es auf YouTube etwas kostenlos gibt, dass die Arbeit dahinter auch kostenlos ist.

Panoramen - Belgien

Kate und ich waren über das Osterwochenende in Belgien und haben dort einige Spots angesteuert. Hier will ich ein paar nice Panorama-Fotos hochladen, die ich gemacht habe, weil Instagram, Facebook und Co. dafür nicht so geeignet sind.

Brüssel
Dinant
Oostende
Gent

Auf meinem Instagram christian.hain_visuals kommen in den nächsten Wochen noch einige Fotos mehr dazu. Außerdem findet ihr auf meinem Mapify-Account (mapify.travel/chain) eine ausführlichere Beschreibung unserer Route, der einzelnen Stops auf der Reise und einige Infos, was es wo zu sehen gibt und wie mir so die einzelnen Orte gefallen haben. Schaut gerne mal bei beiden vorbei :)

Social Media Systems - Eine kurze lange Dankesrede

Ich muss ein wenig ausholen.

Als Kind kommen einem die vierundzwanzig Stunden eines Tages beinahe wie eine Ewigkeit vor. Man scheint unendliche Möglichkeiten und Freiheiten zu haben, seine Zeit zu gestalten. Wird man jedoch älter, beginnt sich diese Zeitspanne eines Tages wie Gummi ganz unvermittelt zusammenzuziehen; erst nur ein wenig, dann immer mehr und mehr und mehr - bis man schließlich gezwungen ist sich die Frage zu stellen:

"Was will ich eigentlich mit meiner Zeit hier anstellen?"

Die Schullaufbahn geht zu Ende und man findet sich als Jugendlicher vor der bis dahin wohl schwierigsten Entscheidung wieder, auf die einen mit sechzehn, siebzehn oder achtzehn Jahren wohl niemand vorbereiten kann: Wie geht es weiter?

Ausbildung? Studium? Ausland? Was ganz anderes?

Auch für mich kam diese Situation zwar erwartet, aber dennoch sehr plötzlich. Ich wusste ja überhaupt nicht, was ich wollte. Woher auch? Ich wusste nicht, was ich gerne mag, was ich vielleicht nur vorübergehend mag, was ich absolut nicht mag, wo genau meine Stärken und Schwächen liegen. Ich wusste nicht, wo ich mal stehen will im Leben, ob ich in meiner Heimat bleiben oder wegziehen wollte. All das waren Fragen, auf die ein Jugendlicher mit 16 Jahren keine Antworten haben kann. Punkt. Es gibt bestimmt Ausnahmen, aber seien wir doch mal ehrlich - an wie viele Menschen aus unserer Jugend können wir uns erinnern, die uns irgendwann in der neunten oder zehnten Klasse voller Euphorie mitgeteilt haben, dass sie den Beruf XY lernen wollen, das auch getan haben und zehn oder fünfzehn Jahre später immer noch genau so begeistert sind davon.

Es folgte, was folgen musste. Ich habe nach der zehnten Klasse das Gymnasium verlassen, weil mir mein Zeugnis sehr unmissverständlich mitgeteilt hat, dass Schule nichts mehr für mich war. Ich wusste nicht, was ich wollte, also habe ich eine Ausbildung angefangen. Zum Bürokaufmann. Schadet ja nichts. Besser als gar nichts. Und versteht mich nicht falsch, ich will hier keinen einzigen Beruf schlecht reden oder klein machen. Ich mochte meine Ausbildung. Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt, wichtige Dinge im Bürowesen gelernt, die allgemein für das Leben als Erwachsener wichtig und gut zu wissen sind und ich bin - was vielleicht am wichtigsten ist in diesem Zusammenhang - als Mensch gewachsen.

Die Ausbildung ging erfolgreich zu Ende. Mein Ausbildungsbtrieb teilte mir früh genug, sehr höflich und respektvoll mit, dass sie es für angemessen halten würden, wenn ich mich jetzt, da meine Ausbildung abgeschlossen wäre, anderweitig orientieren und in ein neues Unternehmen wechseln würde. War okay für mich, denn ich war ja nach einer erfolgreichen und sogar gut bestandenen Ausbildung motivierter denn je. Ich hatte ordentlich mein Selbstwertgefühl getankt und war bereit für alles Weitere.

Bis ich dann mit einer solchen Breitseite meine nächste Erfahrung machen musste, dass es körperlich weh tat.

Ich wechselte nach einigen Bewerbungen voller "Gerne möchte ich bei Ihnen mein Können unter Beweis stellen" und "Bei meiner Recherche bin ich natürlich sofort auf Ihr Unternehmen gestoßen" den Arbeitgeber. Drei Monate Probezeit. Neues Umfeld. Neue Branche. Kein Ding für mich. Dachte ich.

Der Arbeitsalltag nach einer Ausbildung, wenn man nicht mehr das unerfahrene Küken ist, das im Ausbildungsbtrieb großgezogen worden ist und das alle zusammen großgezogen haben, hat sich relativ trist gestaltet. Mein neues Unternehmen war wesentlich strikter und verbissener. Und hey, das ist okay und ich verstehe, dass das Arbeitsleben kein Ponyhof ist. Aber diese drei Monate waren doch eher Quälerei als alles andere. Ich habe wirklich versucht, mein Bestes zu geben, mich einzuarbeiten, die Arbeitsvorgänge zu verstehen und mich bestmöglich einzubringen. Bis dann eines Tages, kurz vor Ablauf der drei Monate Probezeit, mein Vorgesetzter im Büro auftauchte, den ich in den knapp drei Monaten zwei Mal gesehen und mit dem ich nur "Hallo" und "Tschüss" gewechselt hatte, und mir ganz nüchtern mitteilte, dass sie mich nicht länger behalten wollten. Dass meine Probezeit nicht verlängert werden würde und dass ich dann auch gleich meinen Schreibtisch aufräumen und gehen könnte. Tür zu.

Ich kann nicht annähernd beschreiben, wie sich in meinem Körper nach dieser Szene alles angefangen hat zusammenzuziehen. Meine Kolleginnen und Kollegen, die währenddessen natürlich die ganze Zeit im Raum anwesend gewesen waren, und ich wechselten verblüffte, völlig leere Blicke. Nachdem alle kurz so getan hatten, als seien sie über diese Nachricht zu Tode bestürzt, ging jeder wieder an seine Arbeit und ich begann stillschweigend meinen Schreibtisch aufzuräumen. Und mit den Tränen zu kämpfen. Die konnte ich verkneifen, bis ich am Parkplatz und in meinem Auto angelangt war. Dann konnte ich mich nicht mehr zurückhalten.

Im Nachhinein und Jahre später weiß ich, dass mich an dieser Aktion nicht mal der Verlust meines Jobs so sehr verletzt hatte, dass ich darüber weinen musste. Es waren schlicht und ergreifend zwei andere Dinge.

1. Ich war entsetzt darüber, wie mir diese Nachricht mitgeteilt wurde, nämlich völlig belanglos und völlig unmenschlich. Ich habe schon geschrieben, dass mir durchaus bewusst ist, dass der Arbeitsmarkt kein Ponyhof ist, aber es fühlt sich einfach nicht gut an wie ein verrostetes Zahnrad ausgetauscht zu werden, sobald es nicht richtig läuft.

2. Ich hatte gedacht, ich hätte die Kurve gekriegt. Hatte gedacht, ich hätte diese jugendliche Aussichtlosigkeit und Ungewissheit hinter mich gebracht und hätte endlich, nach Jahr um Jahr Schule, Frustriertsein und Nichtweiterwissen, ein Bein ins Leben bekommen. Weit gefehlt. Dieser Zeitpunkt hat für mich alles auf null zurückgesetzt.

Ich sah mich also mit einer Entscheidung konfrontiert. Eine Möglichkeit bestand darin, mich gemeinsam mit der animierenden, belebenden und lebensfrohen Bundesagentur für Arbeit auf die Suche nach einem neuen Job zu machen. "Gerne möchte ich bei Ihnen mein Können unter Beweis stellen." "Bei meiner Recherche bin ich natürlich sofort auf Ihr Unternehmen gestoßen." Wieder lügen, wieder und wieder, bis ich irgendwo eine Anstellung erhalten würde.

Die zweite Möglichkeit war, diesen Nullzustand, dieses absolute Tief, sinnvoll zu nutzen, und tatsächlich bei null zu starten. Hatte mir mein erlernter Beruf Spaß gemacht? Es geht, gibt schlimmeres. Hab ich gut verdient? War okay, für meine damaligen Ansprüche. Hat er mich erfüllt? Null. Keineswegs. Beruflich hatte ich mich natürlich weitergebildet, aber in mir selbst hat ein seelischer Stillstand stattgefunden, der an mir gefressen hat. Und dieses Gefühl, so hab ich mir zu diesem Zeitpunkt gesagt, möchte ich nicht wieder bewusst und willentlich herbeiführen.

Trotzdem, irgendwie musste es ja weitergehen. Es folgten ausführliche Recherchen zu Studiengängen, zu anderen Ausbildungsberufen. Diesmal auch etwas gewagtere Überlegungen als zuvor. Gespräche mit Freunden, mit Eltern. Da ich das Berufsleben zunächst gründlich satt hatte, entschied ich mich dafür, zu studieren. Doch was? Das wusste ich immer noch nicht. Fakt war, um studieren zu können, brauchte ich zumindest mein Fachabitur. Das hab ich dann in einem Jahr nachgeholt. Und diesmal, ich glaube es mir selbst kaum, mit einem Schnitt von 1,7. Ich bin kein Zahlenfreund und bin immer der felsenfesten Überzeugungen, dass Zahlen und Bewertungen, die auf Papier gedruckt sind, nichts über einen Menschen aussagen können. Aber ich war stolz auf diesen Schnitt. Einfach aus dem simplen Grund, dass ich wieder eine Art Ansporn gespürt hatte. Einen Grund, Gas zu geben. Nicht, damit ich irgendwann mal in einem "Traumjob" arbeiten oder steinreich werden könnte, sondern weil ich es für mich wollte. Und ab diesem Zeitpunkt wurden alle notwendigen Schritte Step by Step abgearbeitet.

Das ist eine sehr lange Vorgeschichte. Aber ich halte sie für notwendig, um nachvollziehen zu können, warum Social Media Systems mein Leben so sehr bereichert hat.

Ich versuche gerade andere Worte zu finden, die das Folgende nicht wie einen billigen 0815-Werbespruch klingen zu lassen, aber es fällt mir wirklich nichts anderes ein als zu sagen:

Social Media Systems war genau das, was ich zu diesem Zeitpunkt, nach Abschluss meines Fachabis, gesucht habe. Und außerdem auch das, was ich gebraucht habe. Und darüber hinaus noch viel mehr, als ich erwartet hatte.

Woher soll man schon genau wissen, was einen erwartet? Egal, wie sehr man sich schlau macht über Ausbildungsberufe oder Unternehmen, ganz egal, wie viele Interviews man sich mit demotivierten Azubis anschaut, die selbstverständlich ihre Ausbildung bei XY angefangen haben, weil sie "schon immer das Unternehmen XY bewundert haben" und "schon seit ihrer Kindheit gerne den Beruf des XY lernen wollten" - nur die Praxis kann einem zeigen, was wirklich hinter den Fassaden steckt.

Deshalb war es auch zu Beginn meines Studiums von SMS prinzipiell keine andere Situation. Woher sollte ich schon genau wissen, was kommt? Die Studiengangsbeschreibung hatte ich gelesen, klar. Ich war auch zu Besuch an einem Tag der offenen Tür der Hochschule, wo auch SMS vorgestellt wurde. Ich erinnere mich, dass es dort eine kurze Einführungsveranstaltung in das Thema "Bildbearbeitung mit Photoshop" gab - und ich als alter Hobby-Grafik-Designer (der KEINEN blassen Schimmer davon hatte, wie man Photoshop richtig benutzt), dachte nur: Jou. Das isses. Ein sehr spontaner und banaler Gedankengang. Aber ich glaube, es hat sich einfach richtig angefühlt.

Meine erste Wahl - Eventmanagement und Technik - war also (im Rückblick: Gott sei Dank) aus dem Rennen. Ich hatte mich für das erste Semester SMS eingeschrieben. Einen Studiengang, den es in dieser Form deutschlandweit zum allerersten Mal gab. Das war wieder einer dieser Schlüsselmomente im Leben, die etliche andere Entscheidungen beeinflussen sollten. Ein Butterfly Effect im Leben des Christian Hain.

Ich will hier nicht aufschreiben, was ich in meinen sechs Semestern SMS-Studium alles gemacht habe, wie die Vorlesungen waren, ob die Themen spannend waren, ob es schwere Klausuren gab oder ob die Dozenten in Ordnung sind. (Sind sie. Sehr sogar.)

Aber ich will so viel sagen, dass das SMS-Studium zu genau dieser Zeit in meinem Leben an genau der richtigen Stelle war, wo ich es gebraucht habe. Im Laufe des Studiums und auch vorher schon während des Fachabis, ist aus einem weitesgehend orientierungslosen, unmotivierten, stellenweise nihilistischen Menschen ein engagierter, begeisterter, motivierter und von seiner Arbeit angespornter junger Mann geworden, der sein Leben in die Hand genommen hat.

Das war ein Satz, den vielleicht meine Mutter oder meine Oma hätten sagen können, deshalb ist es umso verblüffender, dass ich sowas von mir selbst sage. Aber es stimmt. So würde ich mich mittlerweile beschreiben. Das SMS-Studium hat mir mehrere Dinge gezeigt:

  • Du wirst gefördert, wenn du engagiert bist.
  • Deine Professoren und Dozenten behandeln dich nicht wie einen Niemand.
  • Dir wird von allen Seiten Mut zugesprochen, solltest du mal an dir zweifeln.
  • Wenn du dich einbringst, eröffnen sich gewaltige Möglichkeiten.
  • Die Dozentinnen und Dozenten glauben an dich und fördern dich.
  • Du wirst dazu erzogen eigenständig zu denken, zu begründen und zu handeln.
  • Du kannst Ideen einbringen, die nicht nach dem Motto "Lass die blöden Studierenden mal labern" abgetan werden, sondern deine Ideen, Vorschläge, Anregungen und Einfälle sind erwünscht.

Ich weiß nicht, inwiefern andere Studiengänge einem die oben genannten Punkte, um nur ein paar zu nennen, genau so bieten. Ich habe für mich aus dem Studium aber zumindest das Gefühl mitgenommen, dass ich mich, die Lehrkräfte und meine Kommilitoninnen und Kommilitonen beinahe wie eine große Familie ansehe, die sich gegenseitig unterstütz und motiviert.

Sogar so sehr fördert und unterstützt, dass ich mittlerweile, ungefähr zehn Jahre nach meinem ersten Tag als Bürokaufmann-Azubi, auf dem direkten Weg in die Selbstständigkeit bin. Ein Mindset, das vielleicht schon immer am besten zu mir gepasst hat, das aber erst noch geweckt und herausgekitzelt werden musste. Es war ein langer Weg bis hier her, aber jeder Schritt hat zum nächsten beigetragen und jeder einzelne davon hat sich gelohnt.

Kurz vorm Ende dieses Beitrags möchte ich allerdings nochmal in aller Deutlichkeit sagen, weil es mir sehr wichtig ist, dass ich hiermit niemanden beleidigen oder irgendein Berufsbild diskreditieren will. Alles, was ihr oben gelesen habt, spiegelt meine Empfindungen, Erlebnisse und Einstellungen wider; eine Geschichte aus meinem Leben.

Das Ganze ist jetzt am Ende doch etwas mehr ausgeartet, als ich ursprünglich geplant hatte. Trotzdem hoffe ich, dass jeder, der es bis hier her geschafft hat (Glückwunsch dazu), etwas für sich mitnehmen kann. Vielleicht Menschen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden wie ich damals. Oder vielleicht welche, die durch meine Geschichte einen kleinen Schubs zur Tür hinaus bekommen, der manchmal schon ausreichend ist, um Lawinen loszutreten. Oder einfach Menschen, die jetzt um eine Geschichte aus dem echten Leben reicher geworden sind.

Tech-Check: Canon EOS 80D

Keine Panik! Ich will hier nicht mit technischen Details um mich werfen; ganz abgesehen davon, dass ich davon überhaupt nicht genug Ahnung habe und dass andere Seiten das viel besser können als ich. Ich will hier über meine Erfahrungen sprechen, die ich mit gewissem Equipment gemacht habe - in diesem Fall mit der Canon EOS 80D.

Im Dezember 2018 habe ich mir die 80D zugelegt - meine erste eigene DSLR. Eigentlich die gesamte letzte Jahreshälfte in 2018 habe ich die EOS 60D benutzt, die Kamera von meinem Quasi-Schwiegervater, der sie nie wirklich genutzt hat außer auf Familienfeiern. Also hat meine Freundin sie für mich geklärt und ich konnte mit der 60D und dem 18-135 mm Kit-Objektiv starten.

Liebe Grüße an der Stelle und vielen Dank, dass ich die Möglichkeit hatte, die 60D in Ruhe auszutesten und mich an eine DSLR zu gewöhnen! Wahrscheinlich rührt es auch daher, warum ich wieder nach einer Canon gesucht habe, als das Thema "Eine neue Kamera muss her" aktuell wurde. Absolut nicht, dass ich irgendwas gegen Nikon, Sony, etc. hätte, ich denke, es lag einfach daran, dass ich mich von Anfang an an die Benutzung einer Canon gewöhnt habe.

Im Laufe der Zeit haben sich bei der 60D einige Eigenschaften gezeigt, die ich dauerhaft einfach vermisst habe. Um ein paar zu nennen:

  • Keine Full-HD-Video-Aufnahmen bei 60 fps
  • Langsamer Autofokus
  • ISO nur bis maximal 800 relativ rauschfrei - alles drüber praktisch unbrauchbar

Was genau mir noch gefehlt hat weiß ich gar nicht mehr genau, das ist jetzt ein bisschen zu lange her. Nach einiger gründlicher Recherche und vielen fundierten technischen Reviews bin ich auf die 80D gestoßen; eine Kamera, die genau die Punkte oben erfüllt hat.

Von der Handhabung her ist sie fast identisch mit der 60D. Knöpfe, Schalter, Menüführung, alles lässt sich eindeutig mit der 60D vergleichen. Die 80D ist außerdem genauso griffig wie die 60D, damit meine ich, sie liegt sehr gut in der Hand, ist aber definitiv keine unauffällige kleine Kamera für die Handtasche.

Die zwei Punkte, weswegen ich mir die 80D hauptsächlich gekauft hatte, waren der schnelle Autofokus von dem ich gelesen hatte und die Videos bei 60 fps in Full-HD für anständige Slow-Motion-Shots; die 60D konnte 60 fps nur bei 720p und das war mir auf Dauer ungenügend.

Der Autofokus der 80D hat mich beim ersten Mal testen einfach aus den Socken gehauen. Von der 60D war ich es gewohnt, dass der Fokus mehrere Sekunden brauchte, um einen Punkt zu finden - wenn er überhaupt einen gefunden hat. Das hat viele Aufnahmen und Shots versaut, weil beispielsweise ein Motiv in der Zeit, in der die Kamera versucht hat zu fokussieren, schon wieder aus dem Bild verschwunden war. Extrem ärgerlich.

Zuhause im Wohnzimmer habe ich bei schwacher Beleuchtung den Autofokus der 80D ausprobiert. Den Auslöser halb durchgedrückt - zack! - gestochen scharfer Fokus. Wirklich ein riesiger Fortschritt im Vergleich zur 60D.

Auch die 60 fps bei Full-HD-Auflösung habe ich mittlerweile schon oft verwendet und die Bildqualität ist überragend. Mir fällt gerade ein, dass ein weiterer Grund für die 80D das Fokus-Tracking war. Auch das funktioniert einwandfrei und extrem zuverlässig. Das Face-Tracking sitzt, wie ich bisher festellen konnte, in 99,9 % aller Fälle und auch das Fokus-Tracking von Objekten ist (Achtung, es wird kurz technisch) dank den 45 Autofokus Kreuzsensoren einfach on point.

Auch für Fotos hat die 80D sehr viel mehr Möglichkeiten geboten. Ich kann nun mit wesentlich höherem ISO-Wert arbeiten, ohne das lästige Bildrauschen ab maximal ISO 800 zu bekommen. Genau weiß ich es gerade nicht, weil ich den ISO nur in den seltensten Fällen maximal ausreize, aber ein ISO-Wert von 1.600 ist locker drin; für mich reicht das schon aus.

Empfehlen würde ich die 80D jederzeit; zumindest für jeden, für den das Fotografieren und Filmen nicht ausschließlich ein Hobby und Zeitvertreib ist, sondern der sich schon intensiver damit beschäftigt. Mit einem Wert von knapp 900 Euro auf Amazon im Neuzustand (nur Body), ist das keine Anschaffung, die sich mal eben aus der Portokasse zahlen lässt. Für Einsteiger und Neuanfänger reicht ein günstigeres Kameramodell definitiv auch aus. Die Basics lernt man auch an Kameras, die eventuell nicht so viele Spielereien bieten. Außerdem entwickelt sich meiner Meinung nach aus der Not, nicht wirklich viele Features an einer Kamera zu haben, die Erkenntnis dessen, was einem persönlich wichtig ist und in welche Richtung eine Arbeitsweise geht.

In meinem Fall war es gut, mit der 60D angefangen zu haben. Durch die Arbeit mit dieser Kamera hat sich herausgestellt, was mir fehlte, was ich persönlich auch für meine Arbeit mit der Kamera brauchte - und so ist eben die Canon EOS 80D dabei herausgekommen. Die Entscheidung habe ich bis heute keinen Tag bereut.

Aller Anfang ist schwer

Ich will ehrlich sein: ich darf und kann von mir nicht behaupten, dass ich ein ungeschlagener Meister meines Fachs bin. Ich arbeite aktiv mit Kameras, mit Videos und Fotos seit einem knappen Jahr. Gemessen an der Zeit, die andere, weltbekannte Foto- oder Videografen mit diesem Handwerk verbracht haben, gleicht das einem Windhauch.

Nichtsdestotrotz behaupte ich, dass ich schon so viel Erfahrung in diesen Bereichen gesammelt habe, um davon etwas zu erzählen oder weiterzugeben.

In der Galerie oben seht ihr einige meiner ersten Fotos mit einer DSLR. Und wie ihr seht, sind das keine wirklich guten Fotos. Überbelichtet, unterbelichtet, unscharf... Die Liste, was alles beim ersten Umgang mit Kameras schiefgehen kann, scheint fast endlos zu sein. Ich habe letztes Jahr (relativ) oft die Kamera mitgenommen zu allen möglichen Anlässen. Als ich dann nach Hause gekommen bin und voller Enthusiasmus meine neuen Fotos am Laptop anschauen wollte, ist mir erst aufegefallen, was für unfassbar beschissene Bilder das waren. Wie oben schon geschrieben, meistens unscharf, ausgebrannt, viel zu dunkel und oft auch einfach eine schlechte oder langweilige Komposition.

Nicht nur einmal habe ich dann, enttäuscht von mir selbst, die Fotos gelöscht, die Kamera ins Regal gestellt und erstmal eine Weile nicht mehr angefasst. Und dann bin ich wieder auf Instagram über die unzähligen Wahnsinns-Fotos verschiedenester Fotografen gestolpert und habe mich gefragt: Was zur Hölle machen die anders als ich? Warum sind deren Fotos so scharf? Warum sehen die Farben so toll aus? Warum dies, warum das?

Nach einiger Zeit voller Selbstzweifel hat sich mir dann endlich eine Antwort offenbart, die eigentlich, wie in vielen Lebensbereichen, auf der Hand lag: Mir hat es schlichtweg an Übung gefehlt.

Egal zu welcher Fotografin oder zu welchem Fotografen man aufblickt, egal ob wir von einem Weltstar-Fotografen oder dem Hobby-Fotografen aus der Nachbarschaft schwärmen, der auf seinem Account so tolle Fotos postet: Jeder einzelne von ihnen hat irgendwann mal da angefangen, wo du gerade stehst.

"Man hat Zeit dafür, sich für jedes Foto Zeit zu nehmen."

Das zu verstehen und zu akzeptieren ist eine riesige Erleichterung für einen selbst, wenn man bisher an seinen Arbeiten nur zweifeln konnte. Übung macht den Meister. Einer der ältesten Sprüche, die ich kenne, aber auch hier bewahrheitet er sich wieder ganz von alleine.

Angestachelt von diesem Gedanken (und einigen Tutorials, How-To's und Tipps für Einsteiger-Fotografen) habe ich die Kamera aus dem Regal geholt und wieder losgelegt. Zuerst im Wald, beim Spazierengehen, komplett alleine. Egal, ob mir gerade danach war, Bäume und Pflanzen zu fotografieren oder nicht: Im Wald und alleine hat man absolut keinen Stress. Man hat Zeit dafür, sich für jedes Foto Zeit zu nehmen, genau die Einstellungen an der Kamera auszuprobieren, sich mit verschiedenen Einstellungen vertraut zu machen und die Ergebnisse zu vergleichen. Und auch dabei wird einiges an unbrauchbaren Fotos rauskommen, glaube mir. Aber, und das garantiere ich dir auch, du wirst bereits einen Unterschied merken.

Nach viel Übung und viel Zeit kamen Ergebnisse, die wesentlich zufriedenstellender waren.

Wenn man das ein paar Male gemacht hat und recht selbstbewusst im Umgang mit der Kamera geworden ist, dann kann man sich anderen Bereichen der Fotografie widmen, die eventuell mehr Skill erfordern als ein Stillleben. Man darf einfach nur nicht aufhören, zu machen.

Noch heute befinde ich mich selbstverständlich in einem Lernprozess, habe viele Dinge und Situationen noch nie fotografiert oder gefilmt. Aber ich habe mir die Zeit dafür genommen, mir die Basics beizubringen und Erfahrungen zu sammeln um mittlerweile, wenn mich jemand fragt "Kannst du für uns XY fotografieren/filmen?", sagen kann: "Ja. Kann ich."

Eine der schönsten Eigenschaften dieser Kunstform ist meiner Meinung nach die unendliche Vielfältigkeit, in der man sie ausüben kann; dass man niemals stillsteht und sich seine Arbeiten, sein Können und auch sein Auge immer weiterentwickelt. Aller Anfang scheint immer schwer, aber der erste Schritt ist bekanntlich auch immer der schwierigste.

(Disclaimer: Ein Jahr später liebe ich es immer noch, Natur zu fotografieren.)

Burg Eltz und das erste Travel Video

Am 17.07.2018 an dem Geburtstag meiner Freundin haben wir einen Ausflug zur Burg Eltz in der Eifel unternommen - ein Ziel, das schon lange auf unserer Bucket-List stand. Unter dem Hashtag #burgeltz auf Instagram sind hunderte, wenn nicht tausende Fotos zu finden, die diese malerische Burg umringt von Felsen und Wäldern zeigt - und nur ungefähr zwei Stunden von uns entfernt.

Zu dieser Zeit hatte ich durch mein Studium schon ein paar Erfahrungen im Bereich Filmmaking gemacht. Ein Kurzfilm wurde als Prüfungsleistung produziert und mit Daniel von @koerberkunst hatte ich ein cooles Projekt zum Thema 3D-Druck medial begleitet.

Wirklich frei in Sachen Gestaltung war ich bis dahin aber noch nicht gewesen. Wenn man Projekte und Videos für andere Partner produziert, muss man sich immer an gewisse Vorgaben, Vorstellungen und Richtlinien halten. Das geht von der Musik über Colour Grading bis hin zu Schnitttechniken.

Das Ganze habe ich mir zum Anlass genommen, ein Travel Video von unserem Tagesausflug zur Burg Eltz zu machen. Nur wie soll man das machen, ohne Kamera, ohne Gimbal oder sonstiges fancy Equipment?

Richtig, mit einem Handy.

Ich habe also mein erstes Travel Video mit meinem iPhone 6S gemacht - und war erstaunt über die interne Stabilisierung im Handy. Ich war natürlich gestaltungstechnisch nicht sonderlich frei was die Einstellungen der Kamera anging, aber soll ich euch was sagen? Das war mir zu der Zeit überhaupt nicht schlimm. Ich war sogar froh darüber, mich lediglich auf mein Auge verlassen zu können, das mir schöne Motive und Szenen herausgesucht hat und mich nicht darum kümmern zu müssen, dass ich alles an der Kamera richtig eingestellt hatte.

Das Lied, welches ich für das Burg Eltz Travel Video benutzt habe, habe ich immer noch in einer Spotify Playlist und wann immer dieses Lied zufällig mal kommt, erfüllt es mich mit Euphorie. Ich denke zurück an diese schöne Zeit, an diesen schönen Tag und ich denke an mein erstes, komplett freies Video, was ich ganz nach meinen Vorstellungen erstellt habe.

Erste Berührungen

Vor langer, langer Zeit, ca. in 2011 glaube ich, hatte ich das erste Mal eine Spiegelreflexkamera in der Hand: eine alte Pentax von einem Kumpel im Urlaub. Damals, als ich von Dingen wie Blende, ISO und Belichtungszeit noch überhaupt keine Ahnung hatte. Wenn ich mich richtig erinnere, haben wir damals hauptsächlich im Automatik-Modus fotografiert, was heute natürlich nicht mehr denkbar wäre.

Alte Urlaubsbilder - Shoutouts an Christian "Texas Omma" Breidenstein

Im Nachhinein sind das natürlich keine visuellen Meisterwerke - weder von mir, noch von meinen Freunden, die damals die Kamera genauso in der Hand hatten wie ich. Wenn ich jetzt, Jahre später, an die Zeit zurückdenke und mir diese Fotos anschaue, huscht mir allerdings ein Lächeln über mein Gesicht. Niemand, bis auf meinen Kumpel Breidi, hatte Ahnung von Kameras oder den Einstellungen - und das war okay so. Es ging um das Gefühl.

Und darum geht es immer noch - um das Gefühl. Egal, ob ich heute Videos filme oder Fotos mache, ich höre immer noch auf mein Bauchgefühl, wenn es um Motive und Kompositionen geht. Selbstverständlich habe ich mittlerweile Kenntnisse über Fotografie-Theorien und ich bin auch der Meinung, dass sie generell eine gute Grundlage bieten und man um sie nicht drum herum kommt. Aber wenn das Gefühl im Bauch und das Motiv durch den Sucher nicht stimmt oder nicht richtig aussieht, dann wird der Auslöser nicht gedrückt.

Foto von @koerberkunst

Hi, mein Name ist Christian Hain und ich bin ein aufstrebender Foto- und Videograf aus Herborn, Mittelhessen.

In Berührung gekommen mit der Fotografie und Videografie bin ich hauptsächlich und ernsthaft über mein Studium "Social Media Systems" an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen.

Fotos habe ich schon immer gerne geschossen und ich war auch immer begeistert von Videos und Filmen und welche Gefühle diese in einem auslösen können. Egal ob das Filme, Kurzfilme, Musikvideos oder anderes kreatives Zeug war. Dass ich diesen Weg allerdings selbst auch mal beruflich einschlagen würde, war mir bis vor Kurzem überhaupt nicht klar.

Created By
Christian Hain
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Credits:

Erstellt mit Bildern von Steve Johnson - "untitled image" • Szabo Viktor - "untitled image" • Alexandre Boucher - "untitled image" • John Schnobrich - "untitled image" • Kelly Sikkema - "untitled image" • Jakob Owens - "untitled image" • Jakob Owens - "untitled image" • Mediamodifier - "clapper hollywood cinema" • Nik MacMillan - "untitled image" • www_slon_pics - "despaired businessman business" • geralt - "positive can selbstbestimmung" • guille pozzi - "untitled image"

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