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Warum ich keine Gemeinde mehr brauche Peter Schneeberger

«Eigentlich habe ich während des Lockdowns meine Gemeinde gar nicht vermisst!», lautet die Bemerkung eines Freundes. Wie kommt es, dass ich vermehrt Christen begegne, die keine Gemeinde mehr besuchen oder ganz froh sind, hatten sie mehrere Wochen Ruhe von der Gemeinde.

Bei einigen mögen es seelsorgerliche Gründe sein. Sie wurden in der Gemeinde durch andere verletzt. Sie haben für sich entschieden, das tue ich mir nicht mehr an. Ich möchte mich als Leiter der Freien Evangelischen Gemeinden für das Unrecht, das Leitungspersonen oder Gemeindemitglieder dir angetan haben, entschuldigen. Doch bei vielen «Nicht-mehr-Gemeindegängern» (NmGs) sind andere Gründe entscheidend. Diese möchte ich hinterfragen!

Durch meine Tätigkeit als Leiter der FEG habe ich in vielen Teilen der Welt Christen getroffen. Es gibt keinen Teil der Welt, wo den Christen ein so säkularer Wind entgegenweht wie in Europa.

Es ist nicht mehr «in» eine Kirche zu besuchen. Es braucht also eine bewusste Entscheidung, anders zu sein als der Mainstream.

Ehrlich gesagt treffe ich ganz selten hingebungsvolle Solo-Christen (NmGs) an. Passt es zum hingebungsvollen und liebenden Jesus, eine halb angesteckte, einsame Flamme zu sein?

Gib Jesus und der Gemeinde eine Chance! Warum?

Daniel Böcking, stv. Chefredaktor der Bild-Zeitung, erwähnt einen Grund: «Doch erst jetzt [während des Lockdowns] habe ich begriffen, wie gross der Anteil von Religionsunterricht und Gottesdiensten an einem kindlich-christlichen Fundament ist. Danke für die Gemeinschaft, die uns aktuell so fehlt.»

Gemeinde ist ein Ort, wo ich die gelebte Realität des Glaubens immer wieder treffe. Die Hauptarbeit in unseren Gemeinden geschieht ehrenamtlich und viele sind daran beteiligt. Da gibt es natürlich auch Missverständnisse und das Gemeindeleben klappt nicht perfekt.

Gemeinde ist eine Charakterschulung des Annehmens, Vergebens und des Versöhnens. Ich sehne mich nach charakterstarken Christen. Die Gemeinde ist der beste Ort, dies zu lernen.

Und Gemeinde ist die beste Schule der Evangelisation. Wir unterstützen einander, damit unsere Freunde Nachfolger Jesu werden. Ist Gemeinde einfach? Nein, sondern sogar menschenunmöglich und daher nur mit Jesus zu schaffen!

Liebe Leserin und lieber Leser, darf ich dir zum Schluss ein Statement eines älteren Sonntagsschullehrers mitgeben? Er hat während mehr als 20 Jahren Kinder in unserer Gemeinde unterrichtet. Er hat unseren Kindern, mir und vielen in unserer Gemeinde vorgelebt und eingeprägt wie wichtig die Gemeinde ist. Der Sonntagsschullehrer: «Wir Christen sind Holzscheiter. Einsam und alleine verglühen wir vor dem Kamin schnell. Nur in der Glut des Ofens bleiben wir als Christen am Brennen. Wärme, Licht und Hingabe entsteht nur in der Gemeinschaft der Holzscheite».

Peter Schneeberger

Credits:

Erstellt mit Bildern von Debby Hudson - "We meet in this stone chapel every year at a conference. The windows stand open allowing the cool morning breeze in. There’s a special feeling being in an old building like this." • Ben White - "Elegant man on church stairs" • John Price - "untitled image" • Guido Jansen - "Flames in the fireplace"