Better not wake the baby – sleep is futile –

a short story

Das Leben ist hart. Draussen schneit es. Kälte zieht durch die Lüftungsschlitze ins Büro. Menschen an Computern, zermartern sich ihr Hirn. Tränensäcke, schlaffe Wangen, glasiger Bildschirmblick. Ab und zu flimmert ein Lächeln über die Lippen, nur kurz. Da: Einer hat eine Idee. Er schreibt, erst schnell, dann langsamer, er hält inne, löscht. Er setzt wieder neu an, hat aber eigentlich keine Ahnung, was er tut, er weiss nur, dass abends seine Geschichte erfasst sein muss, mit allem drum und dran. Daran leidet er, jeden Tag, er stellt sein Hirn für kein schlechtes Gehalt den anderen zur Verfügung, wegen einer viel zu hohen Miete und ein paar Missgeschicken aus seiner Vergangenheit. Nachts sind alle Katzen grau, glaubte er zumindest, seither zahlt er brav die Alimente.

Im Büro mögen sie ihn. Er ist umgänglich, gibt wenig Widerstand, das ist sein Weg, sich zu schützen, möglichst stromlinienförmig, damit die Irritationen an ihm vorbeiziehen mögen. Was sie natürlich nie tun. Schliesslich ist er ja eben still und ruhig und, wenn er will, ganz charmant dazu. Und meistens will er ja. Also verzweifelt er vor sich hin, unser Büromensch, schreibt ein paar Ideen auf, die Falten wie Zeilen auf der Stirn, macht halt ein paar Sachen und hat doch nie seine Ruhe.

Abends, wenn er nach Hause kommt, isst er allein. Nichts Grosses, nur eigentlich nur einen Snack, mehr erträgt sein Magen nicht. Er hätte nicht ins Büro gehen sollen, er ist müde, vielleicht krankmelden? Dann hätte er aber ein Arztzeugnis gebraucht und das wäre ihm zu viel Aufwand gewesen, am Arzt hätte es nicht gelegen, von denen kannte er genug. Jedenfalls ist er jetzt müde und hätte sich am liebsten nur noch aufs Sofa gesetzt. Aber da leuchtet kahl ein Bildschirm in der Ecke, davor die Tastatur, abgewetzt, Spuren von Tabak und Wein, wie eine verruchte Geliebte, die ohne Rücksicht und Geduld die Aufmerksamkeit dann einforderte, wenn ihr danach war, und nicht, wenn er dafür in der Lage gewesen wäre. Er seufzt, beisst in die Wurst, nimmt noch einen Schluck Bier und richtet sich die Hose im Schritt. «Na dann», sagt er sich leise, als ob er sich erst Mut zusprechen müsste, und begibt sich zum Schreibtisch, wo dieses verführerische Luder von einer Tastatur sitzt. Die Weinflasche bereits geöffnet daneben, legt sie sich ihm lüstern unter die Fingerspitzen. Er schliesst die Augen, lässt seinen rauchschwangeren Atem zwischen spaltbreit geöffneten Lippen entgleiten und beginnt, von den Knöcheln ausgehend, mit festem Druck, langsam, ganz langsam, die Tasten zu massieren.

Created By
Andreas Schwald
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Credits:

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