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„Es kann eine neue Arbeitskultur entstehen“ Chance Digitalisierung

Von Michael Ertel

Die Digitalisierung wühlt Wirtschaft und Gesellschaft auf – und Begriffe wie „Industrie 4.0“ sind in aller Munde. Klar ist: Die „digitale Transformation“ lässt alte Geschäftsfelder verschwinden und neue entstehen. Und in vielen digitalisierten Produktionsprozessen und Organisationsworkflows wird der Mensch durch Maschinenintelligenz ersetzbar sein. Wie wird sich unsere Arbeitswelt verändern? In welchen Bereichen werden die Human Resources weiterhin unersetzlich bleiben? Und welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die Führungskultur? Antworten gibt Volkmar Helfrecht, Vorstand des Managementberatungs-Unternehmens HelfRecht AG.

Sehr geehrter Herr Helfrecht, es wird durchaus kontrovers diskutiert, ob und in welchem Ausmaß die Digitalisierung Arbeitsplätze kosten wird. Wie lautet Ihre Prognose?

Volkmar Helfrecht: Ich bin mir sicher, dass auch in Zukunft vor allem viele kreative Tätigkeiten von Menschen erledigt werden: neue Geschäftsbereiche entwickeln, Start-ups ins Leben rufen, neue Formen des Zusammenlebens organisieren, ... . Es gibt zahlreiche Aufgaben, für die unkonventionelles Human-Denken weiterhin notwendig bleiben wird. Der zwischenmenschliche Kontakt spielt trotz aller Automatisierung auch im Geschäftsleben weiterhin eine tragende Rolle. Das ist der Gegenpol, wenn durch Vernetzung der Produktionen einzelne Organisationen in ihren Produkten und Dienstleistungen austauschbarer werden.

Wenn Menschen weiterhin gebraucht werden: Wie wird sich das Arbeiten tatsächlich verändern – beispielsweise auch in den Führungsetagen?

Volkmar Helfrecht: Neue Herausforderungen sehe ich beispielsweise in der Zusammenarbeit. Der Wunsch nach größerer Flexibilität bei den Arbeitszeiten, Arbeiten im Homeoffice und die sogenannten „digitalen Nomaden“ zeigen bereits diesen Wandel. In den Unternehmen wächst zudem der Wunsch nach mehr Mitgestaltung: Teams wollen gehört werden, mitentscheiden und fordern Flexibilisierung ein.

Und die Führung muss auf diese Erwartungen reagieren?

Volkmar Helfrecht: Natürlich. Sie ist insbesondere auf ihre Leistungsträger angewiesen und muss sich überlegen, wie sie deren Wünschen gerecht werden kann. Letztendlich ist auch hier die Vernetzung der Schlüssel: So wie sich durch soziale Medien und neue Kommunikationswege das Privatleben der Einzelnen miteinander digital vernetzt, so sollten sich auch die Teams besser vernetzen. Und dazu benötigen sie das richtige Werkzeug sowie ein neues Denken und Bewusstsein im Unternehmen.

Mit welchem Ziel?

Volkmar Helfrecht: Auch weiterhin wird man gemeinsam an Projekten und Change-Prozessen arbeiten, bei denen die Strategie, die Ziele und die Zukunftsausrichtung entscheidend sind. Ziele geben Orientierung – und die Leistungsträger wollen verstärkt daran mitwirken, um zukunftssicher agieren zu können. Mag sein, dass Strategien in vielen zunehmend digitalisierten Branchen kurzfristiger aktualisiert werden. Aber gerade deshalb gewinnen sie mehr an Bedeutung.

Volkmar Helfrecht

Heißt das: Durch die Digitalisierung werden auch die Zyklen für strategische Veränderungen immer kürzer?

Volkmar Helfrecht: Ja. Die Herausforderung besteht darin, dass trotz des ständigen Wandels klar sein muss, wohin der Weg geht und wer was macht. Das bedeutet letztendlich, dass noch mehr Sorgfalt notwendig ist, den aktuellen Organisationsstand festzuhalten und immer wieder anzupassen. Und jeder muss Zugriff auf diesen „Stand der Dinge“ haben.

Das klingt nach einer stärkeren, digitalen Vernetzung innerhalb der Unternehmen.

Volkmar Helfrecht: Wenn durch die Digitalisierung immer schneller neuer Wettbewerb, neue Produkte und neue Geschäftsfelder entstehen können, dann müssen sich auch die Unternehmen schneller neu erfinden können. Und dafür braucht es vor allem Kreativität und viele Ideen aus den Teams. Deshalb ist es von immenser Bedeutung, das Ideenmanagement gut zu organisieren, damit wertvolle Ideen planerisch weiterentwickelt und mit Informationen und Daten unterfüttert werden. Nur dann können daraus umsetzbare Ziele entwickelt werden.

Hierfür müssten alle ständig auf dem gleichen Informations- und Wissenstand sein.

Volkmar Helfrecht: Deshalb braucht es für ein vernetztes Zusammenwirken eine vernetzte Kommunikation. Jedes Teammitglied muss jederzeit auf die jeweils benötigten Daten und Informationen zugreifen können. Hier liegt die Chance der Digitalisierung: Verbunden mit dem notwendigen Wissen und dem Informationsaustausch kann eine neue Arbeitskultur entstehen, die deutlich effizienter ist, als das, was wir bisher gewohnt waren.

Created By
Michael Ertel
Appreciate

Credits:

Massimo Cavallo; Weissblick

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