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Hier kommen die Kinderbücher auf vier Hufen Denise Zink (36) bringt den Lesestoff direkt an die Haustür

Das Lesevergnügen kommt auf vier Hufen! Freimersheim (Rheinland-Pfalz) liegt idyllisch an der südlichen Weinstraße. 1000 Einwohner, pfälzischer Wein und nun hat das Dorf eine neue Attraktion seit der Corona-Pandemie: Ein Pony liefert den Kindern ihre Bücher aus.

Cisco bekommt seine Satteltaschen mit den Kinderbüchern
"Wir haben mit dem Pony geübt, so daß der Transport ihm nichts mehr ausmacht", sagt Denise Zink.
Denise Zink mit Tochter Nuria (4) und Pony Cisco. Foto: Swen Zink

Auf einer Weide am Ortsrand sattelt Denise Zink (36) den sechsjährigen Konik-Wallach Cisco. Geduldig lässt das Pony sich die Packtaschen anhängen. Darin sind verschiedene Kinderbücher. „Wir bringen unseren kleinen Leserinnen und Lesern die Lektüre direkt an die Haustüren, weil wir die Gemeindebücherei im Gemeindehaus immer wieder mal schließen müssen. Wegen der Pandemie-Vorschriften können die Kinder dann nicht an die Bücherregale kommen - also kommen wir zu ihnen“, sagt Denise Zink. Sie leitet seit 2020 ehrenamtlich die Bücherei

Beruflich ist sie bei einem großen Chemiekonzern beschäftigt und dort im Fuhrparkmanagement tätig. Es geht also - hier wie dort - um Bewegung. „In meiner Freizeit bin ich eine Pferdenärrin und mit den Tieren aufgewachsen. Cisco ist das Pony meiner kleinen Tochter Nuria (4). Sie ist ganz vernarrt in ihn und deshalb hatte ich die Idee mit dem Pony-Express“, erklärt Denise Zink.

Im Gemeindehaus von Freimersheim (Rheinland-Pfalz) ist die Ortsbücherei
Wegen der Corona-Pandemie ist die Gemeindebücherei zeitweise geschlossen gewesen.
Die ehrenamtliche Leiterin Denise Zink und ihr Team haben sich deshalb etwas überlegt, den Kindern eine Freude zu bereiten.

Kurz nach der Übernahme der Leitung der Ortsbücherei schloss die Corona-Pandemie in Freimersheim zwangsläufig die Türen für die vielen großen und kleinen Leseratten. 3000 Medien warten dort auf ihre Ausleihe. Denise Zink: „Monat um Monat wurde die Schließung verlängert - und unser Bücherei-Team hat sich Gedanken gemacht, wie wir dagegen etwas tun können. Kinder und Eltern sind zu Hause und möchten auf Bücher nicht verzichten, weiterhin Lesestoff ausleihen und sie wollen doch auch wieder etwas Schönes sehen.“

"Kinder und Eltern möchten auf Bücher nicht verzichten und wieder etwas Schönes sehen. Aus dieser Situation heraus entstand der Pony-Express."

Cisco erfüllt alle diese Vorgaben, vereint in einem Pony! Mutter Denise Zink hat ihre Tochter schon mit dem gesattelten Cisco vom Kindergarten abgeholt. „Die anderen Kinder freuen sich immer, wenn sie ihn sehen. Das Pony ist ein Sympathieträger.“

Der Pony-Express ist zu Zeiten der Pandemie bis zu einmal in der Woche unterwegs.

Denise Zink funktionierte den Sattel um, befestigte die Tragetaschen für den Büchertransport daran. „Das musste etwas ausgerichtet werden, damit es für Cisco gut zu tragen ist. Wir haben dann mit ihm geübt und er hat sich wieder sehr neugierig und gelehrig gezeigt, Karotten und Äpfel haben ihn zusätzlich überzeugt“, lacht Denise Zink.

Karotten bekommt Cisco auch immer nach erfolgter Bücherübergabe an den Haustüren der Kinder. „Wir machen den Pony-Express einmal pro Woche, nachdem unsere kleinen Leserinnen und Leser ihre Leihbücher per Telefon bei uns bestellt haben“, erklärt die Leiterin der Bücherei. Simon (3) bekam große Augen und ein strahlendes Lächeln, als er nicht nur sein Dino-Buch ausgeliefert bekam, sondern auch in die treuen Augen von Pony Cisco schauen konnte. Ziel erreicht, Buch ist da und ein Kind ist glücklich! „Deswegen machen wir die Aktion“, freut sich Denise Zink.

Simon (3) freut sich über das Dino-Buch und Pony Cisco! (Foto: Heike Dernberger)

Einen historischen „Pony-Express“ gab es schon vor mehr als 150 Jahren in den Vereinigten Staaten von Amerika. Mittels eine Übergabe von Reiter zu Reiter wurde der Postversand in Nordamerika sehr schnell organisiert. Diese geschichtlichen Hintergründe können interessierte Leserinnen und Leser bestimmt auch in der Gemeindebücherei Freimersheim nachlesen. „Am liebsten wieder persönlich vor Ort bei der Ausleihe“, sagt Denise Zink. „Wir öffnen wieder, aber der Pony-Express ist bei den Kindern sehr gut angekommen. Wir sind mit Cisco dann wieder weniger unterwegs und er kann sich auf seiner Weide ausruhen. Zwischendurch kann ich mir gut vorstellen, dass ab und an weiterzuführen, wegen der schönen Idee.“ Im Deutschen Bibliotheksverbands (dbv) ist begeistert über einfallsreiche Aktionen von Büchereien, die in der Pandemie das Lesen weiter fördern und zu den Kindern bringen.

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