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Ein Herz mit Hand & Fuss Hansjörg und Margrith Sprenger Ilanz

Im November 2002 gab es in der Surselva nach extremen Regenfällen Hochwasser und Schlammlawinen. Schwer betroffen war Rueun, ein Nachbardorf von Ilanz. Als Andreas Saurer, der im Emmental wohnt, die Bilder sah, bewogen sie ihn zum Handeln. Er fragte nach, wo Hilfe gebraucht wurde.

Im Dorf liefen die Aufräumarbeiten gut, aber auf der Alp oberhalb waren die Schäden ebenfalls enorm. Die Arbeiten konnten dort jedoch erst im nächsten Frühsommer beginnen. So bot Andreas eine Gruppe Handwerker und Maschinisten auf und organisierte im folgenden Juni eine Einsatzwoche. Die «Rolling Church» wie sich die Einsatztruppe nannte, sah nicht nur die materielle Not, sondern hatte auch ein Herz für die geistlichen Anliegen dieser Menschen. Es blieb nicht bei diesem Einsatz. Nachdem die Arbeiten in Rueun abgeschlossen waren, kamen andere Alpen der neu fusionierten Gemeinde Ilanz/Glion zum Zug. Nach und nach wuchs das Vertrauen und freundschaftliche Beziehungen entstanden. Seit 8 Jahren bin ich als Pfarrer der FEG Ilanz selber Teil des Einsatzteams. Diese praktischen Arbeiten machen mir Spass und haben mir wertvolle Kontakte ermöglicht.

Wie nehmen Behördenvertreter von Ilanz diese Einsatztruppe wahr?

Damian Cadalbert war in den letzten Jahren als Mitglied des Gemeindevorstandes und als Alpchef direkt involviert.

Für dich bedeutet die ganze Organisation viel Arbeit. Was ist das Wertvolle an diesen Einsätzen?

Der Unterhalt der Alpen ist für die politische Gemeinde eine grosse Herausforderung. Heute schaffen die wenigen Bauern das nicht mehr allein. Durch diesen freiwilligen Einsatz werden die Bauern in ihrer Arbeit entlastet. Mit der Instandstellung der Einrichtungen und Entbuschungen der Weiden entsteht ein Mehrwert für die Gemeindealpen, was nicht bedeutungslos ist.

Wie hast du die Zusammenarbeit erlebt, was ist speziell an diesen Leuten?

Ich habe schon mit Zivilschützern, Schülern und Studenten gearbeitet. Da diesen der Bezug zur Landwirtschaft und zur Bedeutung der Alpen nicht so bewusst war, war die Zusammenarbeit eher schwierig. Diese Handwerker und Bauern sind bodenständig, ihnen ist jede Arbeit recht, und sie sind mit Herzblut dabei. Die gute Kameradschaft und das friedliche Miteinander sind schön mitzuerleben.

Wie erlebst du den Glauben dieser Leute?

Als Katholik musste ich bis 25 jeden Sonntag in die Kirche. Mit dem System der Kirche habe ich Mühe. Ich glaube an Gott und danke ihm für alles Gute. Der Glaube dieser Christen ist für mich überzeugend. Sie können auch ausserhalb der Kirche den Glauben teilen. Beim Chäs-Teilet im Emmental erlebte ich einen Gottesdienst mit Menschen verschiedener Generationen und Kulturen. Diese Natürlichkeit und Herzlichkeit hat mich tief bewegt.

Vielen Dank für das Interview!

Hansjörg Sprenger, h.sprenger@bluewin.ch

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