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Tagungsdokumentation Investieren und Profitieren Fachtagung am 12. September 2019 in Rostock

Eine gemeinsame Veranstaltung von:

Fachkräfte sind begehrt und auch in Mecklenburg-Vorpommern in einigen Branchen inzwischen rar. Um geeignetes Fachpersonal zu finden und im Betrieb oder Unternehmen halten zu können, müssen Personalverantwortliche neue Strategien entwickeln. Dazu sind verschiedene Bausteine notwendig, z. B. das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, passende Recruiting Methoden und Employer Branding. Erste Unterstützungsangebote für Unternehmen, die neue Wege gehen möchten, gibt es bereits. Informieren Sie sich dazu auf unserer Fachtagung. Investieren und profitieren Sie!

Dr. Maher Fakhouri (l.), Koordinator des IQ Netzwerks Mecklenburg-Vorpommern, und Frank Röntgen (r.), Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer zu Rostock, begrüßen die Gäste.

Fachvortrag

Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt in der Rostocker Region

Anke Diettrich | Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rostock

Forum 1

Internationale Fachkräfte in regionalen Unternehmen – Informationen, Instrumente, Kontakte

  • Katja Striegler | migra e.V., Rostock
  • Carmen Ziegler | Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern e.V., Schwerin
Katja Striegler (l.) von migra e.V., Rostock und Carmen Ziegler (r.) vom Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern e.V., Schwerin

Bei der Anwerbung und Beschäftigung von Fachkräften aus dem Ausland ergeben sich viele Fragen und Herausforderungen.

  • Wie schreibe ich Stellen so aus, dass sie auch ausländische Fachkräfte ansprechen?
  • Welche (aufenthalts-)rechtlichen Fragen sind zu beantworten?
  • Wie verständigen wir uns?
  • Was heißt B1 Deutsch und reicht das aus, um gut zusammen zu arbeiten?
  • Ist der Beruf im Herkunftsland eigentlich der gleiche, wie hier?
  • Wie manage ich ein vielfältiges Team?
  • Was tue ich bei Vorurteilen in meinem Unternehmen?

Zur Unterstützung bei der Beantwortung dieser Fragen hält das IQ Netzwerk Mecklenburg-Vorpommern verschiedene Angebote vor:

Allgemeine Informationen kann man der KMU-Toolbox entnehmen. Nach verschiedenen Themenschwerpunkten sortiert werden hier Erläuterungen zu den wichtigsten Fragen gegeben.

Das Teilprojekt „Regionales Fachkräftenetzwerk/Arbeitgeberhotline“ unterstützt Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bei (aufenthalts-)rechtlichen Fragen und informiert zu Themen, wie Gewinnung, Einstellung und Beschäftigung von Zugewanderten.

Die drei Teilprojekte IQ Servicestelle „Vielfalt in der Arbeitswelt“ haben das Ziel interkulturelle Handlungskompetenzen zu erweitern und Prozesse der interkulturellen Öffnung zu begleiten. Dafür bieten Sie als offene und Inhouse-Veranstaltungen Trainings, Workshops und Vorträge zu interkulturellen und Vielfaltsthemen an. Darüber hinaus begleiten sie durch Beratung, Schulung und Moderation interkulturelle Öffnungsprozesse bzw. die Umsetzung von Diversity-Management Konzepten in Organisationen und Unternehmen.

Forum 2

Attraktiver Arbeitgeber – Wege und notwendige Kompetenzen um zukunftsfähig zu bleiben

  • Sebastian Megow | Geschäftsführer Marketing, H2F Kommunikationsagentur, Rostock
  • Berit Heintz | Leiterin Geschäftsbereich Aus- und Weiterbildung, Industrie- und Handelskammer zu Rostock
Berit Heintz, Leiterin des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung in der Industrie- und Handelskammer zu Rostock
Sebastian Megow, Geschäftsführer Marketing in der H2F Kommunikationsagentur, Rostock

Berit Heintz stellt die Fachkräfteinitiative „Durchstarten in MV“ des Ministeriums für Wirtschaft, Bau und Tourismus Mecklenburg-Vorpommern und der Industrie- und Handelskammern Mecklenburg-Vorpommerns vor.

Sie betont, dass die Auszubildenden immer als Teil der Fachkräftesicherung zu sehen sind und verweist auf die Broschüre „Der Fachkräfte-Check für Ihr Unternehmen“.

Frage aus dem Publikum: Wie wird die Berufsorientierung in den Schulen sichergestellt?

Antwort: Es gibt Unterstützungsangebote der Industrie- und Handelskammer zu Rostock (Voraussetzung ist ein enger Kontakt zu den Kontaktlehrerinnen und -lehrern für Berufsorientierung an den Schulen):

  • Tag der Ausbildung in den Unternehmen
  • Einsatz von IHK-Ausbildungsbotschafterinnen und -botschaftern (Auszubildende aus dem 2. oder 3. Ausbildungsjahr, die ihre persönlichen Erfahrungen an die Schülerinnen und Schüler weitergeben.)
  • Nutzung „Digitaler Schwarzer Bretter“ in den Schulen, um die Lernenden mit dem Thema Berufsorientierung vertraut zu machen
  • IT-Olympiaden
  • Berufsorientierungs-Zertifikatslehrgang an der Universität

Sebastian Megow spricht zum Thema "Attraktiver Arbeitgeber – Wege und notwendige Kompetenzen um zukunftsfähig zu bleiben" und führt folgende Punkte an:

  • Emotionale Intelligenz ist der Schlüssel zur Attraktivität
  • Den Wert der Arbeitgebermarke machen die Führungskräfte aus
  • Vor allem responsive Organisationen werden sich durchsetzen
"Anpassungsfähige Organisationen werden sich durchsetzen" Sebastian Megow

Forum 3

Mitarbeitende gewinnen und entwickeln – Neue Möglichkeiten der Förderung und Unterstützung von Unternehmen durch die Arbeitsagentur

  • Doreen Hogh-Benkwitz | Teamleiterin und Weiterbildungskoordinatorin, Agentur für Arbeit Rostock
  • Berit Schmecht | Beraterin im Arbeitgeberservice, Agentur für Arbeit Rostock
Doreen Hogh-Benkwitz (l.), Teamleiterin und Weiterbildungskoordinatorin in der Agentur für Arbeit Rostock, und Berit Schmecht (r.), Beraterin im Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Rostock

Um eine Fachkraft zu sein und zu bleiben, muss man auf der Höhe der Anforderungen des Arbeitsmarktes sein und dem Arbeitsmarktwandel trotzen. Helfen kann dabei das Qualifizierungschancengesetz, welches es seit dem 1. Januar 2019 gibt.

Im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes hält die Agentur für Arbeit folgende Maßnahmen vor:

  • vergrößertes Weiterbildungsangebot
  • mehr finanzielle Mittel zur Förderung einer Weiterbildung oder Qualifizierung für Arbeitsuchende, Arbeitnehmende und Arbeitgebende
  • mehr Beratungen zu Weiterbildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten für Arbeitsuchende, Arbeitnehmende und Arbeitgebende

Dies wirkt sich für Arbeitnehmende, die die Möglichkeit haben, sich weiterzubilden, wie auch für Arbeitgebende, die besser qualifiziertes Personal beschäftigen können, positiv aus.

„Wir suchen immer nach Möglichkeiten, wie wir unsere Kundinnen und Kunden mit Hilfe unserer Werkzeuge unterstützen können. Sprechen Sie mit uns, kommen Sie auf uns zu.“ Doreen Hogh-Benkwitz

Frage aus dem Publikum: Können die Qualifizierungen und Weiterbildungen erweitert und entwickelt werden?

Antwort von Berit Schmecht: Zeichnen sich gehäufte Bedarfe in bestimmten Bereichen ab, können entsprechende Weiterbildungen entwickelt werden. Es gibt keine Maßnahmen für Einzelne.

Das Angebot über modulare Weiterbildungen und Teilqualifikationen zu einem anerkannten Berufsabschluss zu gelagen, wird für Geringqualifizierte oder für Menschen in besonderen Lebenslagen in der Diskussion kritisch betrachtet und teils für nicht realisierbar gehalten.

Forum 4

Tipps und Praxiserfahrungen bei der beruflichen Integration von Geflüchteten im Unternehmen

  • Ellen Boettcher | Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge, Berlin
  • Christian Schröder | Human Resource Manager, Fleesensee Schlosshotel GmbH, Göhren-Lebbin

Christian Schröder, Human Resources Manager im Schlosshotel Fleesensee und Regionalbotschafter für Mecklenburg-Vorpommern für das Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge, berichtet über Praxiserfahrungen bei der beruflichen Integration von Zugewanderten im Unternehmen. Für ihn ist die Beschäftigung ausländischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gerade im Hotel- und Gaststättengewerbe, vollkommen normal. Als er im Mai 2017 im Schlosshotel Fleesensee beginnt, gibt es dort keine ausländischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Heute hingegen arbeiten im Unternehmen Menschen aus 17 Nationen.

Laut Christian Schröder gibt es kein Rezept dafür, dass die Zusammenarbeit funktioniert – Geduld und Empathie sind auf beiden Seiten nötig. Das Gelingen hängt von der Einstellung jedes Einzelnen ab. Wichtig ist es, als Chef alle gleich zu behandeln und auch persönliches Engagement zu zeigen. Gerade auf dem Land müssen Arbeitgebende z.B. die Mobilität ihrer Mitarbeitenden ermöglichen. Ablehnung anderer entsteht oft aus Erfahrungsmangel. Als Arbeitgeber oder Arbeitgeberin sollte man seiner Belegschaft positive Erfahrungen mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland ermöglichen. Mehr Weltoffenheit kann man anmahnen, Brücken muss man bauen.

Vorbehalte gegen ausländische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gibt es teilweise nicht nur durch die Geschäftsführung oder die Belegschaft, sondern auch von Seiten der Kundinnen und Kunden. Einige kleine und mittlere Unternehmen sind bereit dazu, bei der Einstellung von Zugewanderten auch Risiken in Kauf zu nehmen. Denn es droht bei manchen nicht-deutschen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Gefahr der Abschiebung. Teils sind die Probleme, die bei zugewanderten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gesehen werden, auch bei Einheimischen vorhanden (z.B. Mobilität, Arbeitsmoral, Durchhaltevermögen). Christian Schröder vom Schlosshotel Fleesensee wünscht sich, dass es einfacher für ihn und sein Unternehmen wird, ausländische Fachkräfte einzustellen und dass die Menschen in der Region sich dafür öffnen.

Fachvortrag

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Leonie Gebers | Staatssekretärin, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Berlin

"Digitalisierung schafft neue Jobs, auch wenn bisherige Stellen verloren gehen werden. Die Arbeit wird uns aber in Zukunft nicht ausgehen." Leonie Gebers

Der Arbeitsmarkt ist im Wandel. Die Digitalisierung ändert bereits jetzt Arbeitsplätze und deren Anforderungsprofile massiv. Der demographische Wandel sowie Abwanderungs- und urbane Konzentrationsprozesse prägen weiterhin spürbar den Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern.

Die großen Trends sind erkannt, so dass nun Politik und Gesellschaft herausgefordert sind, den Wandel in MV wie im gesamten Bundesgebiet bedarfsgerecht zu begleiten.

Leonie Gebers, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, warnt vor zu viel Digitalisierungs-Pessimismus, denn die „Arbeit wird uns nicht ausgehen - Arbeitsplätze werden verloren gehen, aber es werden auch neue entstehen!“

Sie erläutert, dass die Bundesregierung auf Maßnahmen wie das neue Fachkräfte-Einwanderungsgesetz setzt, um zusätzliches qualifiziertes Personal zu gewinnen. Aber auch Qualifizierung und Weiterbildung der deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wie auch der Migrantinnen und Migranten spielen eine wesentliche Rolle. Wesentliche Faktoren und Rahmenbedingungen auf einen Blick:

  • Arbeitsmarkt: Der kräftige Anstieg sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung geht auch zu einem erheblichen Teil auf die Beschäftigung ausländischer Personen zurück
  • Fachkräfteengpässe: Diese sind regional und branchenspezifisch (z.B. Handwerk, Gesundheits- und Pflegeberufe) vorhanden.
  • Strukturwandel: Arbeitsplätze werden wegfallen, aber auch neue entstehen. Die Herausforderung ist, Jobabbau und Fachkräftebedarf gleichzeitig zu begegnen.
  • Alle Potenziale nutzen: Aus dem Inland, aus der EU und aus Drittstaaten.
  • Fachkräfte aus dem Ausland: Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz erleichtert Zuwanderung aus Drittstaaten. Neben Hochqualifizierten können künftig auch Fachkräfte mit Berufsausbildung in Deutschland arbeiten. Es herrscht keine Beschränkung mehr auf Engpassberufe. Verfahren zur Anerkennung ausländischer Qualifikationen/Berufsabschlüsse werden verbessert. Ebenso wird die Einreise nach Deutschland für die Suche nach einem Arbeitsplatz erleichtert.
  • Duldungsgesetz: Perspektiven für gut integrierte bzw. ausbildungswillige Geduldete durch Verbesserungen bei der Ausbildungsduldung und einer neuen Beschäftigungsduldung werden geschaffen. Engagierte und Motivierte sind willkommen und sollen eine Chance erhalten.
  • Verfahren optimieren: Angewandte Verfahren werden evaluiert und verbessert unter Berücksichtigung der Erfahrungen aller Beteiligten.

Podiumsdiskussion

Dr. Dirk Ehlers (l.), Chief Operating Officer der CENTOGENE AG, Rostock und Frank Röntgen (r.), Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer zu Rostock
Markus Biercher, Geschäftsführer Internationales in der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg und Louisa Maria Giersberg, Moderatorin
Leonie Gebers, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Berlin und Dr. Andreas Crimmann, Referatsleiter im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern
Heike Fehlberg, Akquise und Integration internationaler Fachkräfte in der Helios Kliniken GmbH, Schwerin
Dr. Maher Fakhouri, Koordinator des IQ Netzwerks Mecklenburg-Vorpommern, Rostock

Moderation

Louisa Maria Giersberg

freie Journalistin