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Ein Tierrechtsaktivist fordert zum Nachdenken auf Ed Winters zu Gast bei der veganen Hochschulgruppe Konstanz

Text: Niklas Lemperle, Layout: Leonie Thiel.

Der weltweit bekannte Tierrechtsaktivist Ed Winters war vergangenen Donnerstag auf Initiative der veganen Hochschulgruppe an der Uni Konstanz zu Gast. In seinem Vortrag erzählte der unter dem Namen Earthling Ed bekannte Londoner seine persönliche Geschichte des Veganismus. Von einem Vortrag, der jeden Fleischesser besonders nachdenklich stimmen sollte.

„Ich wurde natürlich nicht als Veganer geboren“, sagt Winters mit einem Schmunzeln. Fleisch essen war in seiner Familie genauso normal, wie in den allermeisten Familien in Großbritannien auch. Im Alter von zwölf Jahren sei er noch der festen Überzeugung gewesen, dass alle Vegetarier schwach und dünn seien. Auch noch vor fünf Jahren, hätte er niemals daran gedacht, Vegetarier oder sogar Veganer zu werden. „Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, wie eine Pizza ohne Salami und Schinken schmecken soll“, erzählt er.

Erst ein Online-Artikel der BBC, der über den Unfall eines Hühner-Transportlasters berichtete, hat ihn darauf aufmerksam gemacht, welche Qualen Tiere nur für den Genuss der Menschen erleiden müssen. Er schaute sich Dokus zum Thema an und sah, wie grausam Schweine, Rinder, Hühner, etc. behandelt werden. Es hätte bei ihm „Klick“ gemacht. Er konnte es nicht länger mit seiner Moralvorstellung vereinbaren, sich weiterhin von Fleisch und Milchprodukten zu ernähren. Am Anfang hielt ihn seine Angst davor, deswegen verunglimpft zu werden, noch davon ab, sich mit anderen über seine neue, vegane Ernährungsweise auszutauschen. „Dann sah ich auf Netflix die Doku „Cowspiracy“ und konnte nicht mehr anders, als andere auf diese Doku aufmerksam zu machen und über Veganismus zu reden“, berichtet er.

In diesem Zusammenhang räumt Winters auch mit dem Gerücht auf, der Anbau von Soja für vegane Produkte führe zur Zerstörung von Regenwald. Soja, für dessen Anbau Flächen in Regenwäldern gerodet werden, würde fast ausschließlich für die Herstellung von Tierfutter genutzt. Winters versucht im Verlauf seines Vortrags, Argumente für eine pflanzenbasierte Ernährung anzuführen. „Tierische Landwirtschaft hat einen großen Anteil an den globalen Emissionen. Zudem wäre die Möglichkeit, alle Menschen auf der Welt mit Essen zu versorgen, auf der Grundlage einer fleisch- und milchlosen Ernährung viel eher gegeben“, sagt er und verweist auf entsprechende Zahlen. Das Geschmacksargument von Fleischkonsumenten lässt Winters nicht durchgehen. „Taste or life?“, fragt er rhetorisch in die Runde und verweist darauf, dass veganes Essen mindestens genauso gut schmecke. Dass unsere Vorfahren gejagt haben und Tiere auch andere Tiere essen, ist für Winters ebenso kein Argument für den Verzehr von tierischen Produkten.

„Nur, weil wir etwas schon immer gemacht haben, ist es nicht automatisch richtig. Unsere Vorfahren haben sich gegenseitig umgebracht, Löwen bringen sich gegenseitig um, das sollte nicht der Maßstab sein“

„Nur, weil wir etwas schon immer gemacht haben, ist es nicht automatisch richtig. Unsere Vorfahren haben sich gegenseitig umgebracht, Löwen bringen sich gegenseitig um, das sollte nicht der Maßstab sein“, sagt er dazu. Auch mit dem Mythos, Veganer würden nicht genügend Vitamine und Nährstoffe bekommen, räumt Winters auf. Die Einnahme von Vitamin D-Präparaten würden Ärzte – zumindest für den Winter – auch Fleischessern empfehlen. Vitamin B12 sei oft nur in Fleisch enthalten, weil die Tiere entsprechende Präparate bekommen. Alle anderen Nährstoffe seien ausreichend in pflanzenbasierter Nahrung vorhanden.

Für Winters steht fest: Nur, weil wir Menschen dazu in der Lage sind, Tiere zu domestizieren, sollten wir sie nicht quälen und töten. Schließlich haben wir die Möglichkeit, uns auch mit Linsen, Bohnen, Sprossen und Co. mehr als ausreichend zu versorgen und sind nicht auf den Konsum tierischer Produkte angewiesen. Man möge sich abschließend dazu einmal das Beispiel der Milch vor Augen führen. Völlig selbstverständlich trinken wir die Muttermilch einer fremden Art. Winters Vortrag stimmt nachdenklich und lässt an Konventionen zweifeln, an die wir so sehr gewöhnt sind, dass wir sie viel zu wenig hinterfragen.

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Campuls Hochschulzeitung
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Erstellt mit einem Bild von OSPAN ALI - "untitled image"