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Erdbeeren von A bis Z Vom Anbau bis auf die Zunge

Die runden, roten, saftigen Früchte sind fast in aller Munde. Doch bis eine Erdbeere auf der Zunge liegen und gekostet werden kann, braucht es von Anfang an das richtige Zusammenspiel von Mensch und Natur. Das Abc der Erdbeeren bringt es an den Tag.

Angebaut wird die Erdbeere hierzulande auf 208 Hektaren in der Ostschweiz und auf 172,5 Hektaren im Mittelland sowie in weiteren Gegenden. Die Beerenproduzenten setzen die Stecklinge meistens Ende Winter. Die Pflanzen Ende der Saison auszugraben und im kommenden Jahr neue Stecklinge anzupflanzen, ist ertragreicher, als die eigentlich mehrjährigen Pflanzen zu überwintern. Zudem kann das Land so auch noch anderweitig genutzt werden.Die richtige Menge an Wasser ist für die erfolgreiche Ernte Gold wert: nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Beginnt die Pflanze zu blühen und Früchte anzusetzen, wird sie mit Stroh unterlegt. Das schützt die Erdbeeren vor der Erde, und auch Schnecken dringen schlechter zu ihnen durch. Die Pflanze weist oft verschiedene Reifestadien gleichzeitig auf: Blüten, grüne Beeren sowie genussreife Früchte, die in der Sonne glitzern.

Beliebt: 2,2 Kilogramm Erdbeeren isst jede Schweizerin, jeder Schweizer im Durchschnitt pro Jahr. Die Erdbeere ist die beliebteste Beerensorte der Schweiz und die drittwichtigste einheimische Tafelfrucht, wie der Landwirtschaftliche Informationsdienst (lid) in einer Mitteilung festhält.

Chemie ist beim Beerenanbau oft mit von der Partie. Gerade Fungizide gegen Pilzbefall sowie Mittel gegen Schädlinge wie im heimischen Garten etwa Schneckenkörner kommen zum Einsatz, damit die Beeren gedeihen. Aber auch Nützlinge wie Raubmilben würden vermehrt eingesetzt, erklärt Barbara Schwab Züger, Betriebsleiterin Beerenland Walperswil.

Dummerweise gibt es Menschen, die gegen Erdbeeren allergisch sind.

Erotik. Erdbeeren sind rot wie die Liebe und zart wie ein Kuss. Deshalb gehört die Erdbeere im Sektglas oft zu einem romantischen Anlass: Der Alkoholgehalt wird durch die Fruchtsüsse gesteigert, der Promilleschub im Blut lässt Hemmungen fallen. Erdbeeren bergen tatsächlich Spurenelemente und Vitamine, die Müdigkeit bekämpfen und die Fruchtbarkeit steigern können. Allerdings langfristig und nicht mit ein oder zwei Beeren im Glas.

Folien spielen beim Anbau von Erdbeeren eine immer grössere Rolle. Tunnel aus Folien schützen die Pflanzen und Früchte vor Schäden durch Starkregen oder Hagel. «Die Tunnel verbessern die Planbarkeit. Gerade wenn sie Grossverteiler beliefern, müssen die Produzenten kontinuierlichen Nachschub gewährleisten können», erklärt Barbara Schwab Züger. Weiter könnten so die Beeren auch bei Regen geerntet und Schädlinge mit Nützlingen gezielt bekämpft werden. Die Folien für die Tunnel sind aus Plastik und werden mehrmals benutzt. Diejenigen, welche auf der Erde verwendet werden, sind gemäss der Fachfrau immer öfter kompostierbar. Und: «Sie sind je nachdem aus weissem oder schwarzem Kunststoff, werden bereits beim Anpflanzen ausgelegt und nach der Ernte entsorgt.»

Die Gattung Erdbeere gehört zur Unterfamilie der Rosaidea, also der Rosengewächse. Die Frucht ist eine Sammelnuss. Die eigentlichen Früchte nach biologischer Definition sind die Samen, die kleinen Körnchen an der Aussenhülle der roten Scheinfrucht, die gerne zwischen den Zähnen stecken bleiben.

Heilmittel Erdbeere: Die roten Früchte enthalten mehr Vitamin C als Zitrusfrüchte. Auch liefern sie unter anderem Eisen, Kalzium, Magnesium, Folsäure und Kalium. Ihr hoher Gehalt an Salicylsäure soll bei Rheuma, Migräne und Gicht helfen. Sie gelten zudem als fiebersenkend. Forscher vermuten, Erdbeeren könnten bereits in der Steinzeit als Heilmittel eingesetzt worden sein. Schriftlich belegt ist die medizinische Verwendung der Früchte seit dem Mittelalter.

Die Inlandversorgung mit Erdbeeren aus Schweizer Produktion liegt gemäss Landwirtschaftlichem Informationsdienst bei rund einem Drittel. Die gesamte Anbaufläche sei mit rund 512 Hektaren im Jahr 2018 konstant. Das entspricht 517 Fussballfeldern. Die Fläche mit Witterungsschutz wie Folientunneln habe sich jedoch um rund 30 Prozent erhöht. Die Anbaufläche von Bio-Erdbeeren nahm seit 2017 um 14,5 Prozent auf 31,5 Hektaren zu.

Kalorien hat die süsse Frucht kaum: auf 100 Gramm etwa 35 kcal. Zum Vergleich: Bananen haben 85 kcal pro 100 Gramm. Erst Zutaten wie Rahm, Vanillecreme, Glace oder Sekt machen die roten Früchte zu einer sündigen Versuchung. Erdbeeren wirken aber auch harntreibend und eignen sich deshalb gut zum Entschlacken und um «Hüftgold» loszuwerden.

«Läset» gibt es bei Erdbeeren keine. Sie werden nicht wie Trauben abgelesen, sondern gepflückt. Darum gibt es rund um die süssen Früchte auch kein Volksfest wie den «Läset-Sunntig» in Spiez oder die Vendemmia im Tessin. Aber an der Solennität, dem Stadtfest von Burgdorf, ist es Tradition, entweder vor oder nach dem Kinderumzug Erdbeerkuchen zu essen. Zudem veranstalten diverse Produzenten in Eigenregie Erdbeerfeste.

Milchshake mit Erdbeeren ist schnell gemacht und ideal, um Foodwaste zu vermeiden: Erdbeeren, die auf der Kippe zur Entsorgung sind, rüsten, im Mixerbecher oder mit dem Pürierstab vermusen. So viel kalte Milch dazu, dass die Masse schön durch ein dickes Röhrli flutscht, nach Belieben Vanilleeis oder eine Messerspitze Ingwerpulver oder dünn geschnittene Minze dazu – und fertig ist das, was heute auch Smoothie genannt wird. Ein bisschen Joghurt oder Puderzucker bringt ebenfalls Frische rein. Fröhliches Mixen!

Nachreifen kann eine Erdbeere nicht. Am besten schmeckt sie leuchtend rot von der Pflanze an der Sonne frisch gepflückt von der Hand in den Mund. Aufbewahrt werden sollten Erdbeeren nur kurz, allenfalls trocken im Kühlschrank. Werden sie nach zwei Tagen nicht verwendet, können sie püriert und tiefgefroren aufbewahrt werden; so schmecken Erdbeeren auch im Winter über Vanilleeis, zu Griessbrei oder Panna cotta.

Diese Erdbeeren in Lyssach sind auf Dämmen mit Folie gewachsen. Auch Stroh schützt sie.

Ojeminee, es gibt so viel mehr über Erdbeeren zu berichten, als das Abc Buchstaben zählt! Der Buchstabe S ist bereits belegt. Dabei wäre da doch noch S wie Songs oder Strawberry. «Strawberry Fields» von den Beatles oder «Strawberry» von Coldplay – gerade total in und süffig wie eine Erdbeerbowle.

Die Preispolitik der Grossisten gibt immer wieder zu reden. Produzenten und Konsumentinnen werfen etwa der Migros vor, die importierten Erdbeeren würden zu einem Schnäppchenpreis verkauft, dagegen hätten die Schweizer Erdbeeren preislich keine Chance. So kostete 2018 dieselbe Menge an einheimischen Erdbeeren mindestens doppelt so viel wie importierte Erdbeeren.

Quark ist ein idealer Begleiter der Erdbeere. Gemeinsam ergeben sie eine Erdbeerquarktorte. Oder eine Creme oder eine Glace.

Diese Wagen erleichtern die Erdbeerernte. Zäune schützen hier in Oberburg vor Diebstahl.

Räuber machen auch vor saftigen Erdbeeren nicht halt. Und zwar solche mit zwei oder vier Beinen. Deshalb sind Erdbeerfelder oft durch elektrische Zäune geschützt.

Selberpflücken von Erdbeeren ist in:

«Die Erdbeeren kosten viel weniger, nicht einmal die Hälfte des Ladenpreises», sagt eine Kundin in einem Erdbeerfeld bei Burgdorf. «Sie sind auch so noch ziemlich teuer, aber hier bin ich selber schuld, wenn faule oder unreife Beeren dabei sind», ergänzt sie und streckt ihren Rücken, der nach einer halben Stunde Feldarbeit schmerzt. Eine weitere Pflückerin fügt hinzu, dass sie lieber hier Erdbeeren ernte als in ihrem Garten: «Die waren so anfällig auf Krankheiten und waren so von Tieren begehrt, dass ich zu viel Chemie einsetzen musste.»

Auch ökologische und pädagogische Gründe führen die Frauen ins Feld: Frischer würden die Früchte kaum auf den Tisch kommen, es brauche keine langen Transporte mit dem Lastwagen oder gar dem Schiff und dem Flugzeug. Und: «Wenn ich mit den Enkeln die Früchte selber pflücke, wir sie dann auch mit ihnen verarbeiten, dann schmecken sie einfach am besten, und wir hatten im wahrsten Sinne des Wortes ein süsses gemeinsames Erlebnis.»

In Lyssach können Erdbeeren selber gepflückt werden.

Tonnenweise werden in der Schweiz Erdbeeren geerntet. Im Jahr 2016 waren es trotz nicht optimaler Bedingungen rund 9200 Tonnen. «Das Jahr 2018 war dank guter Witterung ein gutes Erdbeerjahr», sagt Barbara Schwab Züger, fügt aber hinzu: «Leider hagelte es einmal auch bei uns, doch der Schaden hielt sich in Grenzen.»

Der Umsatz mit Erdbeeren im schweizerischen Detailhandel lag zwischen Januar und Oktober 2016 bei 112 Millionen Franken. Auf die Erdbeeren folgten Himbeeren mit einem Umsatz von 64 Millionen Franken. Auf Rang drei lag gemäss Landwirtschaftlichem Informationsdienst mit knapp 57 Millionen Franken die Heidelbeere.

Vlies schützt die jungen Pflanzen vor Frost von oben und sorgt gleichzeitig dafür, dass der Boden wärmer ist. Dank diesen besseren Bedingungen sind die Erdbeeren früher reif. Der Vorsprung beträgt gemäss dem Inforama Koppigen rund 14 Tage.

Waldbeeren sind nicht die Vorfahren der heutigen Erdbeeren. Diese kamen aus Chile und Nordamerika und wurden von den Europäern ziemlich gleichzeitig wie diese Erdteile entdeckt. Die Waldbeere war wegen ihrer Süsse, ihres Geschmacks und ihrer Heilkraft seit jeher sehr begehrt. Aber klein und anfällig. Gegen diesen geschmacksintensiven Winzling erschien die «Schöne von Chile», die um 1714 nach Europa kam, wie die Königin der Erdbeeren. Doch es dauerte einige Zeit, bis diese importierte Pflanze ertragreich war. Unter anderem wurde in der Bretagne entdeckt, dass sie aus Männchen und Weibchen besteht und dementsprechend eine Befruchtung der Blüten nötig ist, damit Beeren wachsen. Deshalb setzen heute viele Produzenten während der Hauptblütezeit Bienenstöcke in die Erdbeerfelder. Im geschützten Anbau kommen Hummeln zum Einsatz, da sie auch bei tieferen Temperaturen aktiv sind.

Auch eine grosse Walderdbeere ist klein.

X-beliebig liesse sich dieses Alphabet der Erdbeeren erweitern. Oder wussten Sie, dass diese süsse Frucht in Italien «fragola», in Frankreich «fraise», auf Arabisch «alfarawila», in Schweden «jordgrubbar» und in Russland «klubnika» heisst? Oder dass der «typische» Geschmack von Erdbeeren künstlich aus Holzspänen hergestellt wird?

Yakult dient hier nur als sprachliche Brücke: Dabei handelt es sich um eine Variante von Joghurt, und da ist die Erdbeere die Königin. Erdbeerjoghurt essen die Schweizerinnen und Schweizer von ganz jung ohne Zähne über bissfest jugendlich und erwachsen bis sehr alt und wieder ohne Zähne am liebsten! Ungefähr jedes fünfte verkaufte Joghurt in der Schweiz ist gemäss der Branchenorganisation Swissmilk eines mit Erdbeergeschmack.

Auf der Zunge sollte die süsse, saftige Frucht ein bisschen verweilen, bevor sie hinuntergeschluckt wird. Denn die Zunge erfasst alle Geschmacksrichtungen.

Impressum

Text, Fotos und Realisation: Susanna Fricke-Michel

Grafiken: Landwirtschaftlicher Informationsdienst

Projektleitung: Iwon Blum

Gesamtverantwortung: Robert Hansen, Chefredaktion www.derarbeitsmarkt.ch

Kontakt: redaktion@derarbeitsmarkt.ch / michel-fricke@gmx.ch

© «der arbeitsmarkt», Juli 2018

Created By
Fricke Susanna
Appreciate

Credits:

Susanna Fricke-Michel

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