Loading

Raketenstart im Kinderwagen Daniel Vassen

Unser jüngster Sohn war nicht einmal 1½ Jahre alt, als er mitten im Wald eine Rakete starten liess. Er konnte kaum einen ganzen Satz sprechen, und doch tönte es aus dem Kinderwagen: «Däh, nün, acht … Yeah!» Warum mich das beeindruckt hat? Weil Silas unsere neue Gebetspraxis, die wir in einem Familiengottesdienst mit Regula Lehmann und ihrer Familie kennengelernt hatten, schon verinnerlicht hatte.

Wir verbringen so viel mehr Zeit mit unseren Kindern zu Hause als in der Kirche, dass es für mich klar ist: Wie wir zu Hause leben, beeinflusst unsere Kinder nachhaltig. Nicht nur, aber auch beim Thema Glauben. Als ich die Grundgedanken von «Orange leben» zum ersten Mal hörte, war es nicht nötig, mich mit vielen Argumenten für diese Einsichten zu gewinnen. Doch auch für mich als Pastor stellt sich immer wieder die Frage: Wie mache ich das praktisch? Wie lese ich mit meinen Kindern die Bibel? Wie bete ich mit meinen Kindern? Manches haben meine Frau und ich schon von unseren Eltern gelernt. Aber wir freuen uns, wenn wir von anderen lernen können.

Und so nahmen wir aus dem Familiengottesdienst diese konkrete Anregung für eine kreative Gebetsmöglichkeit in unser Leben auf. Die Idee des Raketen-Gebets (siehe Infobox) stammt aus dem «Familien-Aufsteller» von Regula Lehmann. In unserer Familie hat das mit dem Raketen-Gebet sofort eingeschlagen. Fast jeden Morgen, bevor die Kinder zur Tür raus in die Schule gehen, starten wir gemeinsam eine Rakete. Dann stehen wir als Familie im Kreis und beten miteinander. Jeder macht mit und bringt maximal zwei kurze «Ein-Satz-Gebete» ein. Wir haben das Raketen-Gebet auch gemeinsam mit befreundeten Familien gemacht. Oder am Ende einer Familienandacht in den Ferien. Eines bleibt immer gleich: Unsere Kinder sind voll dabei und wetteifern (oder streiten sogar) darum, wer denn nun die Spitze der Rakete bilden darf.

Unser Familienalltag ist nicht perfekt. Nicht immer ziehen wir durch, was wir uns vorgenommen haben. Während der Corona-Zeit habe ich mit unserem älteren Sohn angefangen, einmal pro Woche den «Guten Start» vom Bibellesebund zu lesen. Ich wollte eine Gewohnheit prägen. Zwei Wochen hat es funktioniert, danach ging es unter. Wir haben nur kurz darüber gesprochen. Plötzlich kam er auf mich zu und schlug vor, den «Guten Start» als Familie am Frühstückstisch zu lesen. Ob Raketen-Gebet, «Guter Start» oder andere Methoden: Ich glaube, wir sollten nicht unterschätzen, welchen Unterschied täglich fünf oder zehn Minuten «Glauben zu Hause» im Leben unserer Kinder machen. Wer klein beginnt und eine Kultur prägt, kann sogar erleben: Auch Kinder können die Initiative ergreifen.

«Raketen-Gebet»: Jemand fängt mit Beten an und streckt dazu seinen rechten Arm aus. Die nachfolgenden Beter bringen ihre Bitte, ihr Lob oder ihren Dank ebenfalls laut vor Gott und legen ihren ausgetreckten Arm dazu. Wenn der Letze gebetet hat, zählen wir laut bis zum Countdown und lassen die Gebetsrakete durch gleichzeitiges Arme-Hochwerfen und Hurrarufen steigen.

Aus: Regula Lehmann, Der Familien-Aufsteller. 52 Impulse für Zukunftsgestalter.