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Wie geht es den Älteren im Stadtteil? Leben in Zeiten der Pandemie

Soziale Nähe schaffen - physisch Abstand halten

Wie geht es unseren älteren Mitmenschen im Stadtteil, in Zeiten der Pandemie? Was wissen wir von ihnen? Wie soll das gelingen, soziale Nähe schaffen und dabei physischen Abstand halten? Das ist nur eine kleine Auswahl an Fragen, mit denen wir uns beschäftigen wollen. In der Stadtteilgruppe, im Beirat, im Gespräch mit alten und jungen Menschen aus dem Stadtteil.

In Horn-Lehe leben 26.469 Menschen. (Stand: 31.12.2019)

Fast jede(r) Vierte gehört zur Altersgruppe 65plus: 6.389

An die 1.000 Menschen leben in den sieben Pflegeheimen und Senioren-Einrichtungen des Stadtteils. Legt man die Zahlen des Statistischen Landesamts zugrunde, dann werden 581 stationär betreut, die übrigen ca. 400 Personen über 65 Jahre leben demnach in Senioreneinrichtungen, zählen jedoch in der Statistik zu den Alleinwohnenden.

So wohnen die 6.389 Menschen der Altersgruppe 65plus:

33% leben in eigener Wohnung,

49% zu zweit,

9% wohnen im Mehrpersonen-Haushalt,

9% werden in der stationären Altenpflege betreut.

Wo drückt der Schuh?

O-Ton

Leiter einer Begegnungsstätte im Stadtteil (Juli 2020)

Viele Unsicherheiten: Es gibt fast im Wochentakt neue Regeln, die erst einmal wieder neu verinnerlicht werden müssen. Die Menschen fragen mich täglich, was ist erlaubt, und was nicht. Dann gibt es natürlich auch zahlreiche Menschen, die setzten sich „stumpf“ über die Corona Regelungen hinweg.

Deprivation: Menschen, die sich noch mehr zurückziehen. Psychische Krisen, wo die Coronakrise nochmal als Verstärker dieser Krisen wirkt. Menschen die sich vollkommen abkapseln, zurückziehen und restlos vereinsamen.

Angst um bestehende Kontakte (z.B. über Treffs und Kreise aus Vor-Coronazeiten). Werden die bestehenden Kreise eingehen, die alten Kontakte sich auflösen?

Meine persönliche Befürchtung (...) ist, dass tatsächlich sehr viele Gruppen / Treffs / Aktivitäten / Engagements von Ehrenamtlichen eingehen werden und nach der Coronakrise wieder völlig neu aufgebaut werden müssen.

In Zeiten der Pandemie sind die sozialen Kontakte stark eingeschränkt. Die Einsamkeit nimmt zu. Und sie macht krank. Deswegen müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, was wir im Stadtteil tun können, um unsere Älteren am sozialen Leben teilhaben zu lassen.

Entscheidend ist das Wohnumfeld

"Für ältere Menschen hat das direkte Wohnumfeld für die Alltagsgestaltung eine hohe Bedeutung. Das Quartier, der Kiez, der Stadtteil oder das Dorf sind Orte des Wohnens, des sozialen Austauschs und der gesellschaftlichen Teilhabe für ältere Menschen." (Achter Altersbericht, S. 31)

Was können wir tun?

Der Runde Tisch, den der Beirat organisieren will, muß zunächst einmal möglichst umfassend Informationen über die Lebenssituation der Generation 65plus im Stadtteil zusammentragen. Dazu ist es notwendig, dass wir die Vertreterinnen und Vertreter der professionellen Altenhilfe - Heime, ambulante Pflegedienste, Sozialstationen, Begegnungsstätten, Sozialdienste - und die vielen ehrenamtlichen Initiativen - Kirchen, Sportvereine, Bürgerverein u.a. - zusammenbringen.

Neben Sport und Kultur kann die digitale Mediennutzung in den Mittelpunkt rücken.

"Mit der Verbreitung digitaler Kommunikationstechnologien und der Nutzung des Internets sind auch für ältere Menschen neue Möglichkeiten entstanden, Kontakte mit anderen Menschen aufzunehmen oder zu pflegen. (...) Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass nicht alle älteren Menschen in gleichem Maße von den Chancen digitaler Kommunikationstechnologien profitieren: Personen mit hoher Bildung und gutem Einkommen haben häufiger Zugang zu digitalen Kommunikationstechnologien, zeigen höhere Kompetenzen im Umgang mit ihnen und haben einen stärkeren Nutzen mit Blick auf soziale Integration als Menschen mit einem niedrigeren Bildungsstand und geringerem Einkommen." (Quelle: Ältere Menschen und Digitalisierung. Achter Altersbericht. Erkenntnisse u. Empfehlungen, S. 24)

Veröffentlicht am 01.10.2020 / Für den Inhalt verantwortlich: Detlev Busche