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Gemeindebau zwischen Ohnmacht und der Kraft Gottes Doris Meister, Groane Italien

Ja, es war ein spezielles Jahr, das gerade hinter uns liegt. Wir hatten uns wie gewohnt Gedanken zu den Jahresschwerpunkten gemacht und dann das Wort «connessi» (verbunden) auf das Herz bekommen. Die Verbindung zu Gott und den Mitmenschen entdecken, pflegen und vertiefen. Als Bild wählten wir eine vernetzte Welt und einen Stecker.

Nicht im Entferntesten haben wir daran gedacht, dass wir die Beziehungen untereinander und zur Welt um uns herum nur noch durch ein Strom- oder Telefonkabel pflegen würden! Es folgten Monate mit einer strikten Ausgangssperre, ein einigermassen entspannter Sommer (die Masken waren jedoch unser ständiger Begleiter und erinnerten bei jedem Treffen daran, dass wir eine Gefahr für den anderen sein könnten). Dann die zweite Welle und wieder empfindliche Einschränkungen. Ab Ende Oktober durfte man erneut niemanden einladen oder besuchen gehen.

Statt bei den Menschen sass ich da plötzlich allein in meiner Wohnung und versuchte mich als Informatik-Video-Streaming-Kommunikations-Fachfrau zu entwickeln. Allein, versteht sich. Ohne technische Ausrüstung und ohne Leidenschaft für diesen Arbeitszweig. Ohnmacht machte sich breit. Wird die Gemeinde diese Krise durchstehen? Werden die Einzelnen aus der Quelle des Glaubens schöpfen können und in ihrem Glauben bestehen bleiben? Können wir die Gemeindeleitung aus der Ferne wahrnehmen?

Der Vers in Markus 4,26 hat mich in jener Zeit begleitet: «Mit dem Reich Gottes», so erklärte Jesus weiter, «ist es wie mit einem Bauern, der die Saat auf seinem Acker ausgestreut hat. Er legt sich schlafen, er steht wieder auf, ein Tag folgt dem anderen; und die Saat geht auf und wächst – wie, das weiss er selbst nicht. Ganz von selbst bringt die Erde Frucht hervor…» Mir waren plötzlich die Hände gebunden, ich konnte das Wachstum nicht so fördern, wie ich das wollte oder in der Vergangenheit getan hatte.

Aber ist das wirklich meine Aufgabe? Ist diese Ohnmacht vielleicht eine Chance, mich wieder neu auf Gottes Kraft zu stützen? Ist es eine Gelegenheit, ungesunde Gedanken- und Verhaltensmuster auch als Missionar und Gemeindeleiter aufzuspüren und zu entlarven? Ja genau, das ist es!

Im Rückblick kann ich sagen, dass Gott auch im Jahr 2020 die Gemeinde gebaut und bewahrt hat. Wir konnten Saat ausbringen, zwar auf andere Art und in grosser Schwachheit. Aber die Kraft Gottes hat Wachstum geschenkt und verhindert, dass Halme knicken oder verdorren. Da und dort sahen wir unerwartet etwas aufwachsen. Auch Samen, die lange einfach im Boden lagen, begannen plötzlich zu keimen – ganz ohne unser Dazutun.

Auch im neuen Jahr 2021 und verstärkt durch die Mitarbeit von Davide und Debora Carritiello wollen wir den Auftrag Gottes, Jünger zu machen, treu sein.

Vielen Dank für eure Unterstützung im Gebet und durch Gaben in dieser herausfordernden Zeit.