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Es gibt keine Gegenwart Theophil Hedinger

Ich sitze im Gottesdienst. Die Begrüssung des Moderators und der Lobpreis sind bereits vorbei. Wir sind in der Predigt angelangt, die drei Punkte umfasst. Wir befinden uns in Punkt eins. Die vielen guten Sätze und praktische Beispiele – so treffend, und die passenden Bibelstellen. Einfach super! Wenn ich nur alles behalten könnte. Am Montagabend weiss ich oft nicht einmal mehr das Thema.

Weil Punkt 1 etwas langatmig wird, weiche ich kurz in Gedanken von der Predigt ab. Gibt es überhaupt eine Gegenwart? In der Schule haben wir drei Hauptzeiten gelernt: Vergangenheit Gegenwart und Zukunft. Zum Beispiel: Ich sitze im Gottesdienst, ist Gegenwart. Ich war letzten Sonntag im Gottesdienst, ist Vergangenheit. Ich werde am nächsten Sonntag den Gottesdienst besuchen, ist Zukunft. Jetzt sitze ich im Gottesdienst, aber der Lobpreisteil ist bereits Vergangenheit.

Jetzt leuchtet auf der Leinwand Punkt 2 auf. Moment, dann ist Punkt 1 auch bereits Vergangenheit – oder? Punkt 3 ist dann also Zukunft. Mmh, dann ist ja jedes Wort, das den Mund des Predigers verlassen hat, Vergangenheit. Und was er noch nicht gesagt hat: Zukunft. Punkt 2 beginnt spannend und ich freue mich an der Predigt bis zum Amen am Schluss.

Nach dem Mittagessen zu Hause lege ich mich auf das Kanapee und grüble weiter. Dann ist ja jede Minute, jede gelebte Sekunde meines Lebens unwiederbringlich – also Vergangenheit, und jede noch nicht gelebte Sekunde Zukunft. Dies gilt auch für eine Tausendstel-, eine Hunderttausendstel-Sekunde, ja bis ins Unendliche. Es gibt also gar keine Gegenwart!

Doch, es gibt eine Gegenwart. Die Bibel nennt es Ewigkeit. Wir leben auf dieser Erde in der Zeit. Hier, auf der Erde, gibt es tatsächlich, meines Erachtens, keine Gegenwart: nur Vergangenheit und Zukunft. Die Gegenwart können wir uns eigentlich nicht vorstellen. In der Gegenwart, oder Ewigkeit, gibt es keine Zukunft und keine Vergangenheit – eben nur die Gegenwart, keine Zeit. Dann sind mir auch gewisse Bibelstellen kein Problem mehr. Gott lebt in der Gegenwart, nicht in der Zeit, darum weiss er die Vergangenheit und die Zukunft, weil es diese bei ihm gar nicht gibt. Ein verrückter Gedanke, der unser kleines Gehirn übersteigt. Ausserhalb von Raum und Zeit. Wie die Unendlichkeit der Sterne stehen Gottes Gedanken höher als unser kleines Gehirn. Trotzdem liebt mich dieser Gott so unendlich, dass mein kleines Gehirn das gar nicht erfassen kann. Ich habe einen grossartigen gegenwärtigen Gott.

«Hee! Du schnarchst ja wie ein Walross!» Plötzlich bin ich wieder zurück in der Zeit, die keine Gegenwart kennt.

PS: Einige Bibelstellen, die ich jetzt besser verstehen kann:

Röm. 8,29: Schon vor aller Zeit hat Gott die Entscheidung getroffen, dass sie (die an Jesus glauben) ihm gehören sollen.

Off. 1,8 Ich bin das Alpha und das Omega (der Erste und gleichzeitig der Letzte, die Gegenwart), der Ursprung und (gleichzeitig) das Ziel aller Dinge, sagt Gott, der Herr …

Jeremia 1,5: Noch bevor ich dich im Leib deiner Mutter entstehen liess, hatte ich schon meinen Plan mit dir.

Eph. 1,4: Denn in Christus hat er uns schon vor der Erschaffung der Welt erwählt …

Theophil Hedinger, Mitglied der FEG Wilchingen, t.hedinger@physiotraining.ch

Credits:

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