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Rektorin oder Rektor? Die Universität Konstanz bekommt eine neue Spitze

Konstanz, 22.06.2017.

Text und Bilder: Fabian Vugrin, Layout: Julia Kohushölter.

Nach neun Jahren Ulrich Rüdiger bekommt die Universität Konstanz wieder eine neue Leitung. Zum ersten Mal könnte die Universität von einer weiblichen Rektorin geleitet werden.

Am 3. Juli 2018 wählen der Universitätsrat und der Senat der Universität Konstanz die neue Rektorin oder den neuen Rektor. Mitten in der heißen Phase der Exzellenzclustervergabe des Bundes muss, nach dem Wechsel Ulrich Rüdigers an die RWTH Aachen, eine geeignete Nachfolgerin beziehungsweise ein geeigneter Nachfolger gefunden werden.

Am vergangenen Montag stellten sich die zwei Kandidaten im Audimax vor. Zunächst mit einer knapp halbstündigen persönlichen Vorstellung und einer anschließenden ausführlichen Publikumsfragestunde. Es zeigten sich zwei Kandidaten, die – auf den ersten Blick – unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite der universitätsinterne Biologieprofessor Martin Scheffner, auf der anderen Seite die Dekanin der Medizinischen Fakultät Freiburg, Kerstin Krieglstein.

Prof. Dr. Kerstin Krieglstein

Letztere ist bereits seit 2007 an der Alberts-Ludwigs-Universität Freiburg tätig. Krieglstein studierte von 1982 bis 1987 Chemie und Pharmazie an der Philipps-Universität Marburg sowie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihre Habilitation absolvierte sie an der Universität Heidelberg im Bereich der Anatomie und Zellbiologie. Krieglstein möchte, wie auch Scheffner, den erfolgreichen Weg der Universität Konstanz weitergehen. Das heißt, die offene Zusammenarbeit mit den universitären Gremien beibehalten und verbessern.

Kandidiert auf den Posten der zukünftigen Rektorin an der Uni Konstanz: Prof. Dr. Kerstin Krieglstein

Auf die Frage, wie sie als Rektorin die voranschreitende Internationalisierung der Universität handhaben möchte, antwortet Krieglstein zunächst mit einem Vergleich aus Freiburg. Auch dort habe sie die Verknüpfung mit neuen Partnerschaften an der Medizinischen Fakultät bewirkt. In Konstanz sei der Studierendenaustausch aber nur ein Element der Internationalisierung. Es müsse überlegt werden, von welchen Partnerschaften die Universität profitieren könne. Dies fördere vor allem auch die Anziehungskraft des Standortes Konstanz. Denn: die Gefahr bestehe, dass Konstanz mit fehlender Internationalisierung als Provinzuniversität wahrgenommen wird.

Wo Krieglstein Möglichkeiten sieht, sich vor allem als externe Kandidatin zu engagieren, ist insbesondere in der Exzellenzinitiative. Bereits in Freiburg habe sich die Dekanin intensiv mit der Initiative beschäftigt. Ihr Vorteil sei dabei die externe Gutachtersicht.

Müsse sie eine Million Euro einsparen, so antwortet Krieglstein diplomatisch: Es gäbe keine inneruniversitäre Hierarchie - sie würde sich die Energiekosten vorknöpfen.

Ein Fragender spricht die vieldiskutierten Studiengebühren an. Derzeit müssen sowohl Studierende aus dem EU-Ausland, sowie Studierende eines Zweitstudiums in Baden-Württemberg Gebühren zahlen. Ein Nachteil, so Krieglstein, sei, dass damit eher wohlhabendere Studierende aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Grundsätzlich sei das aber ein Problem, das mit der Landesregierung diskutiert werden müsse.

Prof. Dr. Martin Scheffner

Ihr Gegenkandidat, Martin Scheffner, ist seit 2004 Professor für Zelluläre Biochemie an der Universität Konstanz. Seit 2007 ist er einer der Sprecher der Graduiertenschule Chemische Biologie, welche im Rahmen der Exzellenzinitiative gefördert wird. Scheffner studierte bereits 1982 bis 1987 selbst Biologie in Konstanz. Seine Doktorarbeit schloss er in Molekularer Genetik, ebenfalls in Konstanz, ab.

Ebenfalls Kandidat für das Rektorenamt: Prof. Dr. Martin Scheffner

Auch Martin Scheffner stellte sich den prüfenden Publikumsfragen. Die Frage, ob die Exzellenzinitiative durch den Rektorenwechsel gefährdet sei, kontert Scheffner damit, dass die Gesamtuniversität stark sei, und dies nicht auf eine Einzelperson zurück geführt werden könne. Die Universität Konstanz bleibe weiterhin eine ernsthafte Konkurrenz.

Nachdem die Abstimmung bezüglich der Weiterführung des Campus-Festivals mit 75% Zustimmung deutlich positiv ausgefallen ist, äußert sich auch Scheffner mit Blick auf die Unterstützung seinerseits für das Festival. Er wolle die Uni im Miteinander verbessern und mehr Lebensqualität auf den Campus bekommen.

Auch Scheffner wird die Frage gestellt, wo er eine Million Euro einsparen würde, wenn er müsse. Der Biologe antwortet mit dem Vorschlag einer kritischen Analyse. Diese solle feststellen, wo gespart werden kann und wo nicht.

Die derzeitigen Studiengebühren sieht Scheffner ein bisschen weniger problematisch als seine Konkurrentin. Im Zweitstudium seien diese sinnvoll. Denn es müsse die Frage gestellt werden wo Bildung beginne und wo sie aufhöre. Die zurzeit geltenden Gebühren hätten des Weiteren eine verträgliche Höhe. EU-Ausländer, die sozial schwächer sind, hätten außerdem die Chance auf Stipendien. Damit sei im Moment alles gut gelöst, so Scheffner.

Nach der Diskussion wird zunächst eines klar. Egal wie die Wahl ausgeht, Konstanz wird mit seiner neuen Führung für die Zukunft gut gewappnet sein. Mit Kerstin Krieglstein könnte jedoch neuer Wind aus Freiburg nach Konstanz gebracht werden. Sollte sie die Wahl gewinnen, würde die Universität Konstanz zumindest schon für eine kleine Schlagzeile sorgen: Krieglstein wäre die erste weibliche Universitätsrektorin in Baden-Württemberg.

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