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Gott schreit nicht Michael Dufner

Vielleicht geht es dir auch so, dass deine Termine, deine Umstände laut schreien: «Michi, du musst noch, du solltest noch, du hast noch nicht…!» Oder vielleicht sind es auch die Kids, die laut sind und herumbrüllen. Vielleicht ist es dein Ego, das nach mehr Zeit für dich selbst ruft, oder deine Work-Live-Balance…
Michael Dufner, michael.dufner@feg.ch

Bei mir ist es sogar oft alles zusammen. So komme ich z.B. nach einem gewaltig gefüllten Tag nach Hause. Vier Stunden Autofahrt, zwei davon im Stau. Sitzungen, die gut waren, aber mich auch forderten. Situationen und Umstände, die mich einfach nervten. Und dann bin ich endlich zu Hause! ENDLICH!!! Klar, ich muss noch einige Dinge kurz erledigen, aber das geht auch in der Jogginghose, mit einem Glas Wein – einfach im Relaxmodus. Doch als ich zu unserem Wohnzimmer hochkomme und die Tür öffne, springen mir unsere Kids entgegen. Klar, schön! Aber im Moment einfach zu viel! Alle schreien durcheinander, alle wollen noch etwas. Ich soll Hausaufgaben anschauen, für eines Prüfungen unterschreiben, die Tochter möchte mich umarmen, und wieder jemand anderes will ein Bild auf meinem Computer suchen und ausdrucken. Dabei habe ich noch nicht einmal meine Tasche abgestellt und meiner Frau «Hallo» gesagt.

Ich könnte schreien. Ich könnte in die Luft gehen. Ich könnte mich umdrehen und grad wieder abhauen. Ich könnte…….. Ja, genau, was könnte ich? Wie soll ich in solchen Situationen reagieren? Oder ist es schon zu spät? Hätte ich mich besser im Auto schon darauf vorbereiten sollen? Mit angespannter Stimmung und unterdrückten Gefühlen kommuniziere ich den Kids, dass sie jetzt mal warten und sich beruhigen sollen, dass ich jetzt erst mal ankommen möchte. Doch eigentlich wollte ich ja wieder gehen oder etwas machen, bei dem meine Kinder keinen Anspruch auf mich geltend machen könnten. Aber o.k.. Ich gehe zu meiner Frau und begrüsse sie in der Hoffnung, Auferbauung zu ernten, zu hören, wie genial ich sei und was ich doch alles schaffe.

Es genügt wohl, wenn ich schreibe, dass es anders kam. In solchen Momenten hätte ich sehr gerne einen Zauberstab oder ein mächtiges Donnern als Backup. Einfach etwas, was wirklich schnell und effizient wirkt. Doch in der Geschichte, welche ich am Morgen las, war es anders. Es war die Geschichte von Elia, der nach einer wirklich anstrengenden und aufwühlenden, herausfordernden Zeit Lösungen wollte und brauchte. Er war beim Berg Horeb und suchte Gott. Doch dieser kam nicht im Erdbeben, er kam auch nicht im Feuer oder im Sturm. Er war im kleinen, leisen Säuseln. Ein kaum hörbares Säuseln. Elia erkannte Gott und bedeckte sofort sein Angesicht.

Kein Zauberstab, kein Donnern, sondern ein Hinhören, Stillwerden, sich neu zeigen lassen, was Gottes Wahrheit ist:

Nicht meine Wahrnehmung, nicht meine Gefühle, nicht meine Wahrheiten sollen mein Leben leiten und gestalten, sondern diejenigen von Gott.

Leider gelang mir das an diesem Abend nicht. Ich kam nicht an, ich kapselte mich eher ab. Ich machte zwar, was von mir verlangt wurde. – Schliesslich bin ich ja Vater und will ein guter Vater sein. Aber ich zog mich innerlich zurück. Ich trank mein Glas Wein, erfüllte meine Pflichten, unterschrieb Tests und korrigierte Schülerarbeiten. Erst am nächsten Morgen, als ich mit Jesus darüber redete, wurde ich auf mein Verhalten aufmerksam gemacht: Sein Säuseln war da – doch ich wollte es nicht hören. Er zeigte mir – in Gedanken – den anderen Weg. Ich hätte mich auch freuen können, ich hätte das Vorrecht wahrnehmen und mir bewusst machen können, dass ich bewahrt wurde auf der Fahrt. Ich hätte erkennen können, wie schön es ist, wenn fünf Kinder sich freuen, dass man nach Hause kommt. Ich hätte meinen Sohn, der mir seine Prüfung zum Visieren gab, loben und aufbauen können, statt einfach zu unterschreiben. Ja, der Gedanke war da – aber ich wollte nicht.

Als ich mir das bewusst wurde, tat es mir weh und leid. Ich betete zu Jesus und er half mir. Er richtete mich wieder auf. Und er und zeigte mir: Die nächste Möglichkeit zum Üben wird bestimmt kommen.

Ja, ich will lernen, sein Reden, sein Flüstern, sein Säuseln noch öfter und besser zu hören, vielleicht schon im Auto als Vorbereitung, aber sicher auch in den Momenten, wo ich konkret auf sein Reden mit meinem Handeln antworten kann.