Loading

Grenzenlos Literatur 2019 Die Empfehlungen

"Ein Buch ist ein Ding unter vielen, ein totes Ding, bis jemand es öffnet." Jorge Luis Borges

Fünfmal im Jahr trifft sich eine Gruppe von LiebhaberInnen grenzenlos guter Literatur und tauscht sich über empfehlenswerte Lektüren aus. Nachfolgend die Liste der 2019 besprochenen Bücher:

Olof Alexandersson: Lebendes Wasser

Ennstahler 1996

Reinhard Urban: Über Viktor Schauberger und seine neue Technik um unsere Umwelt zu retten

Kurt Bauer: Die dunklen Jahre

Fischer 2017

Kurt Bauer (namengleich aber nicht ident mit dem Autor): Darstellung der Zeit 1938-1945 anhand von Zeitzeugen. Berührend, bedrückend, verstörend. Sehr interessant zu Lesen.

Benjamin Balint: Kafkas letzter Prozess

Berenberg 2019

Franz Meister: Max Brod hat sich nicht an das Testament Franz Kafkas gehalten und sein Werk eben nicht vernichtet. Dafür ist ihm die Literaturwelt dankbar. Doch Max Brod hat den Nachlass Kafkas der Nachwelt in vielen Teilstücken hinterlassen. Und über diesen zerstückelten Nachlass, um den bis dato gerichtlich heftig gestritten wird, geht es in Balint´s Werk. Nachkommen einer Freundin Brods kämpfen verbissen um ihr persönliches Stück Handschrift Franz Kafkas. Sie wähnen sich als die eigentlichen Erben und Hüterinnen und lassen keinen Einblick zu. Staaten, potente Archive, Anwälte rittern um Zugang und Einblick in Schweizer Safes, in denen unbekannte, vermeintliche Schätze schlummern. Ein verwirrender Prozess. Ob Franz Kafka vom Literaturhimmel zu uns herunterblickend, seine Freude daran hätte…
Bei Neudegg am Wagram

Zdenka Becker: Ein fesches Dirndl

Gmeiner 2019

Ilja Fiser: Eine in Tschechien geborene Slowakin, wächst in Bratislava auf, kommt jung nach Wien, verheiratet mit einem Österreicher. Sie beschreibt das Leben der nach dem Krieg geborenen, im Kommunismus, wie auch in Wien der 70er Jahre und wie sie die Österreicher sieht!!

Alex Beer: Der zweite Reiter

Blanvalet 2017

Heinz Stipsits: Ein sehr kurzweiliger Krimi aus dem Wien 1919. Der zweite Reiter ist der Auftakt einer Reihe von Krimis mit dem Rayonsinspektor August Emmerich. Trotz des eher schwachen Plotts gelingt es der Autorin ein buntes Bild des grauen Wiens nach dem 1. Weltkrieg zu zeichnen. Weitere Krimis mit den gleichen Protagonisten folgen.

Edmund Josef Bendl: Der Sonnblick ruft

Österr. Bundesverlag 1966

Franz Meister: Es lag unter den Weihnachtsbaum. Ich kann mir nicht mehr erklären, was für einen Bann dieses Buch ausstrahlte, als ich es erstmalig las. Dann habe ich es zwar Jahrzehnte aufgehoben, aber nie mehr wieder gelesen. Ich möchte es auch nicht mehr lesen, denn es besteht die Gefahr das Erinnerungsbild zu zerstören, das damals entstand und seither wach geblieben ist. Da ist das Bild des Großvaters, ein wortkarger großer starker älterer Mann, der nur selten ins Tal kommt, um seine Vorräte aufzufüllen. Und der Bernhardiner, der ihn begleitet. Der Enkel geht mit ihm hinauf auf den Sonnblick und erlebt dort den Großvater, den Gipfel und allerlei Wetterumstände im Observatorium. Es ist ein Buch, dass mir, dem damals bis heute aus der östlichen Auslaufzone der Alpen kommend, die wirklichen hohen Alpen näherbrachte. Erst sehr viel später las ich, das dieses tolle Jugendbuch dem Fundraising zur Rettung des Sonnblick-Observatoriums diente.
Feuersbrunn am Wagram

Elmar Bereuter: Felders Traum

Piper 2018

Franz Meister: Die Biographie über Franz Michael Felder folgt nahezu streng der Autobiographie. Dies ist wohl der größte Makel, denn es wäre verdienstvoller gewesen mehr über Zeit und Umstände ergänzend zu berichten, als „nur“ die Autobiographie in zeitgemäßer Sprache nachzuerzählen.

Eleonore Büning: Sprechen wir über Beethoven: ein Musikverführer

Benevento 2018

Kurt Bauer: Kurzweilige Geschichten aus dem Leben Beethovens, Werksrezeption, Erörtern offener Fragen, z.B. Beethovens erstem Liederzyklus „Die ferne Geliebte“ und wem dieser wohl gewidmet war, etc.

Jean Clair: Kurze Geschichte der modernen Kunst

Piet Meyer Verlag 2019

Alma Culik: Wirklich eine kurze aber prägnante Geschichte!
Großriedenthal

Javier Sáez Castán, Miguel Murugarren: BESTIARIO UNIVERSALE DEL PROFESSOR REVILLOD

Logos 2017

Alma Culik: Eine amüsante Graphic Novel..

Laetitia Colombani: Der Zopf/ La Tresse

Hachette 2017

Regina Prachner: Drei Frauenschicksale, verflochten wie der titelgebende Zopf, obwohl sich diese drei Frauen, aus verschiedenen Erdteilen und verschiedenem sozialen Umfeld, nie begegnen werden und nie voneinander erfahren werden.

Fjodor Michalowitsch Dostojewskij: Verbrechen und Strafe

Fischer 1865

Heinz Stipsits: In der Übersetzung von Swetlana Geier! Ein großartiger psychologischer Kriminalroman. 5 Sterne Plus! Sehr zu empfehlen.
Neudegg am Wagram

Annie Ernaux: Der Platz

Suhrkamp 2019

Franz Meister: Er wollte, dass sie es einmal besser hat. So ermöglicht er ihr, was ihm selbst nie möglich war. Und dann liegt der Vater tot im Bett und evoziert Gefühle zwischen Trauer, Zorn, Liebe und Abrechnung. Es ist der Stil, die Sprache, die hier den Takt angibt. Nüchtern und doch emotional, jedoch nicht sentimental, wird die Biographie des Vaters aufgerollt.

Franz Michael Felder: Aus meinem Leben

Jung&Jung 2019

Franz Meister: Von einem der sich durch Lesen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit seiner dörflichen Umgebung befreit hat. Von einem, der Schicksalsschläge durchlitten hat und sich dadurch nicht brechen ließ. Einer, der bis heute, speziell im Westen Österreichs, verehrt wird. Seine Autobiographie, nun neu aufgelegt, muss man vor dem Hintergrund wann er wie über sein Leben geschrieben hat, lesen und staunen.

Dick Francis: Gegenzug

Diogenes 1992

Peter Mlczoch: Im transkontinentalen Rennexpress quer durch Kanada fährt ein Gauner mit, dem man in England nichts nachweisen konnte. Deshalb begleitet ihn ein vifer Securitymann als Beobachter, der die Machenschaften des Gauners enttarnt und ein größeres (Zugs-) Unglück verhindern kann. Ein sehr spannender Thriller eines englischen Autors, dessen Bücher stets Krimis im Rennsportbereich betreffen.
Blick vom Wagram

Franzobel: Das Floß der Medusa

btb 2016

Heinz Stipsits: Großartiger Roman über die wahre Geschichte der Medusa und dem gebauten Rettungsfloss, auf dem 160 Menschen 13 Tage ohne Steuerung auf dem Atlantik trieben, ehe nur noch 15 Personen gerettet werden. Sehr dicht erzählt und immer ganz nahe an der historischen Wahrheit.

Karl Markus Gauss: Abenteuerliche Reise durch mein Zimmer

Zsolnay 2019

Kurt Bauer: Vergnügliches Antidot zum Aufräume-Wahn. Weitschweifiges Erzählen, schön zu lesen. Ein Plädoyer für das Sammeln schöner Dinge.

Miriam Gebhardt: Wir Kinder der Gewalt

DVA 2019

Martina Sattmann: Fünf Schicksale von Menschen, die während des Weltkriegs gezeugt bzw. geboren wurden. Besatzungskinder, die ihren Vater nie kannten, vergewaltigte Mütter, die sich schwer taten, die Kinder anzunehmen. Einzelschicksale, die an der Ablehnung ihrer Umwelt zerbrachen oder die Kraft besaßen sich durchzukämpfen. Ein Bild, das ein kaltes Schlaglicht auf die Fünfziger- und Sechzigerjahre wirft.
Ruppersthal

Arno Geiger: Unter der Drachenwand

DTV 2018

Heinz Stipsits: Großartiger Roman der das Jahr 1944 herbeizaubert. Der Autor Arno Geiger, Jahrgang 1968, beschreibt sehr genau und präzise das Leben und die Beziehungen seiner Protagonisten am Mondsee und auch in Wien. Sehr schöner Erzählstil, verdichtet durch parallele Handlungsstränge, die teilweise aus echten Briefen entstam-men. Sehr zu empfehlen.

Natalia Ginzburg: Anton Cechov

Wagenbach 2018

Alma Culik

F. K. Ginzkey: Hatschi Bratschi Luftballon

Forum 1922

Heinz Stipsits: Politisch völlig unkorrekte rassistische Kindergeschichte - erstmalig 1904 erschienen, und seither mehrfach be- und überarbeitet. Der Autor erhielt 1957 den Staatspreis für Literatur…
Stetteldorf

Volker Hagedorn: Der Klang von Paris

Rowohlt 2019

Kurt Bauer: Das Musikleben in Paris 1830-60. Intrigen, Kämpfe, Erfolge und Misserfolge im Kampf um die Oper. Offenbach und Meyerbeer als Platzhirsche. Wagner als Verlierer, dazwischen Chopin, Rossini und Berlioz. Sehr informativ und schön zu lesen.

Brigitte Hamann: Berta von Suttner

Brandstätter 2006

Martina Sattmann: Durch Liebe zu dem adeligen Arthur Gundacker von Suttner lebte die Comtesse Berta von Kinsky in Armut. Schreiben und Lesen, das Verfassen von Artikeln und die politische Arbeit hielt sie über Wasser, bis ihr mit dem Roman „Die Waffen nieder“, der schriftstellerische Durchbruch gelingt. Ihre freundschaftliche Verbindung mit Alfred Nobel bewog den Chemiker, seinem immensen Reichtum aus der Erfindung von Dynamit, als Basis zur Waffenproduktion, teils für die Friedensbewegung zu stiften.

Peter Handke: Wunschloses Unglück

Suhrkamp 1972

Ilja Fiser: Buch aus der Frühzeit Handkes (geb. 1942), das den Selbstmord seiner Mutter thematisiert. Die sprachliche Brillanz Handkes in der Beschreibung der Gefühle, die ihn bewegen, ist zutiefst berührend. Seine slowenische Mutter stirbt mit 51 Jahren nach einem sehr bewegendem, durch viele Tiefpunkte gekennzeichnetem Leben.
Stettenhof

Michel Houllebeck: Serotonin

Dumont 2018

Alma Culik

Gerhard Jäger (1966-2018): Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

Heyne 2016

Heinz Stipsits: Ein spannendes Sittenbild eines österreichischen Bergdorfes im Jahr 1950/1951. Interessanter Plot mit einer Rahmenhandlung aus der Gegenwart mit Rückblicken in die Nachkriegszeit. Sehr zu empfehlen! Der seit 2007 im Rollstuhl sitzende Autor ist leider im November 2018 an einer Hirnblutung verstorben.

Hans Kammerlander: Zurück nach Morgen

Eigenverlag Hans Kammerlander 2019

Kurt Bauer: Bericht über die Besteigung(sversuche) aller 14 8000er Gipfel. Atemberaubende Fotos, erfreulich unheroischer Text
bei Wagram am Wagram

Erich Kästner: Das Schwein beim Friseur

Cecilie Dressler Verlag 1962

Heinz Stipsits: Köstliche und lustige Kurzgeschichten eines großartigen Autors.

Eduard von Keyserling: Landpartie

Manesse 2018

Kurt Bauer: Tolle Literatur, Darstellung einer versunkenen Welt in Ostpreussen. Doch auch sozialkritisch.

György Konrad: Die Heimkehr

Suhrkamp 1988

Franz Meister: Exemplarisch für eines jener Bücher, die ich noch gut von einem in Erinnerung habe, der heuer verstorben ist. Was mich an diesem Buch besonders in Bann gezogen hat: Jahrzehnte später werden jene Tage memoriert, die das Ende des Schreckens bedeuteten. Ohne Häme und Hass erzählt Konrad von seinen Gedanken über den toten Soldaten, dem er auf dem Weg aus Budapest begegnet. Später wird erst klar, dass die Gefahr im Holocaust unterzugehen, gebannt ist. Ich bin Konrad mehrfach begegnet. Erstmalig in einem Hotelfoyer in Budapest, weil sein Haus vom ungarischen Geheimdienst verwanzt war. Umstandslos willigte er ein einen Text über den Kampf gegen das Donaukraftwerk Gabcikovo-Nagymaros, insbesondere die österreichische Verstrickung in diese großräumige Umweltzerstörung zu verfassen. Im Gegenzug sollten wir Bücher von ihm nach Budapest schmuggeln. Beides gelang.
Königsbrunn am Wagram

Arthur Koestler: Sonnenfinsternis

Europ. Buchklub 1960

Peter Mlczoch: Eine faszinierende Abrechnung mit dem Kommunismus unter Stalin. Einem ehemaligen prominenten Politbüromitglied soll der Schauprozess gemacht werden. In seiner Zelle reflektiert Rubaschow die Ideologie - seine Glaubensüberzeugung - deren Axiom „der Zweck heiligt die Mittel“, er nun infrage stellt.

Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut

DTV 2018

Alma Culik: Eine westeuropäische Stadt, ein kleines Mädchen ohne Namen und eine unverständliche Sprache, scheinbar verlassen aber nicht bettelnd, findet einen Weg mit anderen verlassenen Kindern weiter zu kommen.

Beatrix Kramlovsky: Die Lichtsammlerin

hanserblau 2019

Alma Culik: Eine interessante Geschichte über Emigration und das Leben von drei starken Frauen einer Familie nach dem zweiten Weltkrieg in Österreich und Australien.
bei Gösing am Wagram

Michaela Lindinger: Hedy Lamar

Molden 2019

Martina Sattmann: Ein wunderschönes Gesicht, dass der Besitzerin zum Verhängnis wird, da die Öffentlichkeit nie die Qualitäten als Erfinderin wahrnehmen möchte.

Leo Lukas: Das (große) Leo Lukas Lesebuch - mit Noten

Ueberreuter 2018

Andreas Pöll: „Glücklich ist (isst), wer genießt, was nicht zu verdrängen ist.“ Autobiographische Sammlung von Texten aus vier Jahrzehnten. Gedichte, Radioglossen, Reisesatiren, Erzählungen, Mikrodramen

Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen

btb 2015

Reinhard Urban
Feuersbrunn am Wagram

Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers

btb 2017

Reinhard Urban

Nicholas Mailänder: Er ging voraus nach Lhasa - Peter Aufschnaiter

Tyrolia 2019

Kurt Bauer: Sehr interessante Darstellung des Lebens von Peter Aufschnaiter in Tibet, Nepal und Indien. Basierend auf neu erschlossenen Primärquellen.

Hilary Mantel: Jeder Tag ist Muttertag

echomedia. Reihe: Eine Stadt. Ein Buch 2018

Andreas Pöll: Im Buch wird eine schwierige, neurotische Mutter-Tochter-Beziehung beschrieben.
bei Kirchberg am Wagram

Susanne Krejsa MacManus: Der Detektiv der fruchtbaren Tage

Verlagshaus der Ärzte 2019

Ilja Fiser: Biographie von Prof. Knaus, gemeinsam mit Ogino, Entdecker der fruchtbaren Tage (Stunden) der weiblichen Eizelle. Diese Entdeckung wurde vehement bestritten, stellte sich aber als richtig heraus.

Karl May: Durch die Wüste

Deutsche Buchgemeinschaft 1962

Peter Mlczoch: Kara Ben Nemsi ist ein Superheld des 19.Jahrhunderts. Die Reisebeschreibungen durch die arabische Welt sind spannend geschrieben und auch heute noch als Abenteuerroman lesbar. Literatur meiner Jugend

Herman Melville: Bartleby, the Scrivener: A Story of Wall Street

Erstveröffentlicht 1853; Penguin Classics 2016

Heinz Stipsits: „Bartleby is both: very sad and very funny, but criticism on it is largely humorless.“ Großartige und sehr skurrile Geschichte eines Schreibers und Kopisten, der eines Tages mit den Worten „I would prefer not to,“ jeglichem Gehorsam abschwört und ohne Erklärungen sich vollkommen isoliert und letztlich ein tragisches Ende nimmt. Sehr zu empfehlen.
Feuersbrunn am Wagram

Herman Melville: Benito Cereno

Erstveröffentlicht 1855; Penguin Classics 2016

Heinz Stipsits: Spannende Seemansgeschichte (Novelle) des Kapitäns eines spanischen Sklavenschiffes, das manövrierunfähig im Pazifik von einem amerikanischen Segler gefunden wird. Der amerikanische Kapitän bietet dem Spanier seine Unterstützung an und dann ereignen sich höchst sonderbare Zustände auf dem Sklavenschiff bis zum völlig überraschenden Schluss. Großartig geschrieben, sehr anspruchsvolle Sprache. Sehr zu empfehlen.

Robert Menasse: Die Hauptstadt

Suhrkamp 2017

Regine Prachner: Ein Schwein treibt in der Europäischen Hauptstadt Brüssel sein Unwesen, sinnbildlich für den Konflikt zwischen den European Pig Producers (EPP) und der European Peoples Party (EPP). Der abrupte Schluss lässt viele Fragen offen und hinterlässt einen sehr frustrierenden Nachgeschmack.
Heinz Stipsits: Trotz des deutschen Buchpreises und Mega-Marketing des Verlages sowohl für den Autor und sein Werk ist das ein sehr schwaches Buch. Endloses „namedropping“ und unzählige „Fakten“, die nicht alle richtig zitiert wurden, kann und mag man den Handlungsfäden nicht wirklich folgen.

Albert G. Miller: Fury

Engelbert Verlag 1960

Heinz Stipsits: Spannender Jugendwestern. Fury, ein Wildpferd .. Geht geht ohnedies gut aus!
Am Wagram

Jojo Mojes: Ein ganz neues Leben

Rororo 2017

Andreas Pöll: Wie lebt man weiter, wenn man den liebsten Menschen verliert..

Péter Nádas: Leni weint

Rowohlt 2018

Franz Meister: Péter Nádas hilft uns zu Erklärungen, warum sein Ungarn sich nun der Herrschaft einer kleptokratischen Clique ausgeliefert hat und es nur begrenzt gelang dem Slogan der illiberalen Demokratie zu widersprechen. Mit ein Grund liegt in der Tradition einer Mentalität, der er auf dem Land, in seinem Dorf, immer wieder begegnet ist. Nádas Kunst liegt darin und mit Literatur auf Erklärungen hinzuweisen, ohne einem Anspruch auf Vollständigkeit genügen zu wollen. Auch wenn ich selbst kein Ungarisch spreche, so wirken die vorliegenden Übersetzungen stringent in Tonfall und Phrasierung. Ein weiteres Plus für dieses Buch.

Michael Ondatje: Kriegslicht - warlight

A. Knopf New York 2018

Alma Culik: England 1945, nach dem Krieg. Zwei Geschwister werden scheinbar von den Eltern verlassen und werden von Freunden der Eltern betreut. Ein Reigen von interessanten Personen erzieht auf unkonventionelle Art die Teenager ..
Gösing am Wagram

Leonardo Padura: Der Nebel von Gestern

Unionsverlag 2010

Regina Prachner: Ex-Detektiv Mario Conde, Buchhändler und Antiquar, stößt auf eine unschätzbare Bibliothek und das Bild einer Bolero-Sängerin aus dem vorrevolutionären Kuba, die ihn faszinieren. Auf seinen Recherchen nach dieser Sängerin führt er zurück in diese glamouröse Zeit eines Batista und Mayer-Lansky, die Zeit der Revolution und der Castro-Ära - und der Zeit danach, in das heutige Kuba, wo jeder zu überleben versucht, wie er kann.

Robert Praller: Wofür es sich zu leben lohnt

Fischer 2012

Reinhard Urban: Kritische Weltsicht unserer Gesellschaft

Bohumír Prokůpek: Národní park Podyjí

Asco Praha 2012

Nadja Meister: Aus dem Nachlass des Photographen Prokupek entstand ein Fotoband über den Nationalpark Thayatal, tschechisch: Podyji, der die Schlucht der Thaya und ihrer Nebentäler unübertroffen porträtiert.
Bei Ruppertsthal

Melanie Raabe: Der Schatten

btb 2018

Ilja Fiser: Ein Thriller ohne Mord, trotzdem sehr spannend und mit vielen Wendungen. Interessant auch der Blick der Hauptfigur auf Wien, die Stadt, in die sie aus Berlin zieht. In Berlin hat sie alle Brücken abgebrochen um in Wien neu zu starten. Eine Bettlerin in der Fußgängerzone sagt ihr voraus, dass sie zur Mörderin werden wird an eine Person namens Arthur Grimm am 11 Februar des Jahres …

Dolores Redondo: Alles, was ich dir geben will; Todo desto te daré

Edititorial Planeta 2016

Regina Prachner: Der unerwartete Tod des Ehemanns eines angesehenen Schriftstellers bringt das bis dato geheime Doppelleben des Verstorbenen an den Tag. Das ungleiche Trio, gebildet von einem mißtrauischen pensionierten Kriminalinspektor - Noguera-, dem erschütterten ästhetischen Schriftsteller Manuel und Lucas, einem Priester und Schulkollegen des Verstorbenen, beginnt aufgrund von Ungereimtheiten um den Unfalltod von Álvaro, undercover zu recherchieren und stößt auf ein Geflecht von Machtmissbrauch, Gewalt, Intrige, Skrupellosigkeit bis zur Selbstzerstörung, nur um Macht und Ansehen einer alten Adelsfamilie zu bewahren.

Joseph Roth: Die Rebellion

Wallstein 2019

Franz Meister: Andreas Pum, ein Kriegsinvalide, hat Glück: Er bekommt eine Lizenz als Drehorgelspieler und darf in den Hinterhöfen aufspielen und Geld zum Lebensunterhalt sammeln. Das Glück meint es doppelt gut mit ihm, als sich eine Witwe anbietet, ihn als Mann anzunehmen. Bis dahin ist die Obrigkeitshörigkeit breit und ausgeprägt. Doch dann ändert sich alles mit einem schlag. Angepöbelt setzt er sich zur Wehr und gerät in die Mühlen des Obrigkeitsstaates. Er verliert alles: Weib und Lizenz, endet im Gefängnis, wo er halluzinierend, a la Liliom, dahinscheidet. Roth pur, in Sprache, Sujet und Stil. Und diese Ausgabe weist ergänzende Materialien zur Entstehungsgeschichte der Geschichte auf, die Roth-Freunde erfreuen.
Stetteldorf am Wagram

Jaroslav Rudis: Winterbergs letzte Reise

Luchterhand 2019

Franz Meister: Rudis at best! Ein unterhaltsames, lustiges aber auch tiefgründiges Buch über einen, dem die Erinnerung an eine Schlacht, die er selbst nicht erleben hat können, nicht aus dem Sinn geht. Und einem der ihn auf dem Weg zu den Schauplätzen begleitet, die mit der Schlacht verbunden sind. Da kommt man zwangsläufig auch in die Hauptstadt, wie im Norden Böhmens Wien genannt wird, und klopft in der Kapuzinergruft die Särge durch, weil angeblich deren Inhalt längst an Japaner verkauft worden sein könnte. Diese vermeintliche Störung der Totenruhe (in den Särgen sind ja nur Teile der Habsburger endgelagert) wird mit Lokalverbot quittiert. Sarajewo gibt es zweifach - als Ort in Bosnien und als Café nahe zum Hauptbahnhof in Wien. Zeitgemäßer böhmischer Humor! Sehr empfehlenswert.

Roman Sandgruber: Rothschild

Molden 2018

Inge Fiser: Glanz und Untergang des Wiener Welthauses

Judith Schalansky: Atlas der abgelegenen Inseln

Mareverlag 2009

Günter Exel: „Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde“: Judith Schalansky ist nicht nur eine begnadete Buchgestalterin, sondern auch eine passionierte, akribisch forschende Erzählerin von Geschichten, die sie auf fünfzig in allen Ozeanen dieser Welt beheimatete Inseln aufspürt. So entstehen 100 Seiten fordernder Strenge - links eine Textseite mit geographischen Daten und einem literarischen Text, rechts eine kartographische Darstellung -, die in knapper Form ein Panoptikum aus Geschichten und Begebenheiten umfasst, historisch belegt und zugleich poetisch erzählt.
Stetteldorf am Wagram

Judith Schalansky: Verzeichnis einiger Verluste

Suhrkamp 2018

Günter Exel: „Wie alle Bücher ist auch das vorliegende Buch von dem Begehren angetrieben, etwas überleben zu lassen, auf Vergangenes zu verweisen, Vergessenes zu beschwören, Verstummtes zu Wort kommen zu lassen und Versäumtes zu betrauern.“ Das Thema des Verlustes zieht sich durch alle Geschichten in diesem von Judith Schalansky nicht nur geschriebenen, sondern auch gestaltetem Buch. Von Sapphos nur in Fragmenten erhaltenen Liebesliedern bis zum erst im 21. Jahrhundert abgebrochenen Palast der Republik reicht der Bogen der Geschichten, die jede ihre eigene Perspektive, ihren eigenen Klang haben.

Andreas Schindl: Paurs Traum

Braumüller 2018

Regina Prachner: Aufwändig recherchierter historischer Roman über den Utopisten Leopold Paur, der seine ideale Traumstadt mit Hilfe eines noch zu erfindenden Heilmittels gegen die Syphilis, das er aus einem Schimmelpilz zu entwickeln gedachte, finanzieren wollte.

Susanne Schnabl: Wir müssen reden - warum wir eine neue Streitkultur brauchen

Brandstätter 2018

Peter Mlczoch: Ein Buch, das ein großes gesellschaftliches Thema - die Spaltung in „Blasen“, die nicht miteinander reden - aufzeigt und analysiert. Aber keine einfachen Rezepte anbietet - außer eben: miteinander zu reden.
Mitterstockstall

Edward Snowden: Permanent Record

S. Fischer 2018

Martina Sattmann: Der durch einen „Verrat“ am US-Geheimdienst berühmte Edward Snowden war schon von Anbeginn der Computer für den persönlichen Gebrauch fasziniert von Technik und Software. Im Staatsdienst entdeckt er Sicherheitslücken, aber auch Spionage am Volk. Er veröffentlicht diese 2013 und lebt seither im russischen Exil.

Thomas Stipsits: Kopftuchmafia

Ueberreuter 2019

Heinz Stipsits: Leider ...

Olga Tokarczuk: Unrast

Kampa 2019

Alma Culik: Eine interessante ungewöhnliche Erzählerin, Nobelpreisträgerin für 2018. Ihre Unrast hat mir sehr gefallen.
Mitterstockstall

Gerhard Trumler und Mella Waldstein: Kamp und Zwettl; Die Bernsteinflüsse: Großer Kamp · Kleiner Kamp · Purzelkamp · Mühlkamp · Zwettlfluss

Bibliothek der Provinz 2019

Nadja Meister: Der Stil Trumlers, Landschaften photographisch in Szene zu setzen, oder besser zu warten, bis die Landschaft sich für ihn passend in Szene gesetzt hat, ist nahezu unübertroffen. Der Herr hat Zeit und nimmt sie sich. Und dazu passend die Texte von Mella Waldstein. Komplementär zur Bildpracht schlichte Worte. Ein gelungenes Werk.

Eric Vuillard: 14. Juli

Matthes und Seitz 2019

Franz Meister: Geschichte nacherzählt, nicht als Aneinanderreihung von Fakten, sondern als atmosphärisches Bild. Bemüht an den überlieferten Darstellungen eine Neuschöpfung. Die Tage vor und um die Erstürmung der Bastille in Paris. Wir wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist, doch im Moment des Geschehens selbst, ist Ungewissheit dominant. Das spürt man im Lesen und macht dieses Buch, wie auch andere des Verfassers, so lesenswert.

Doris Wagner: Nicht mehr ich

Knaur 2019

Ilja Fiser: Autobiographie einer jungen Ordensfrau, die ihren Weg von ihrem Eintritt in den Orden nach der Matura bis zum Austritt, acht Jahre später. Die internen Abläufe werden beschrieben. Eine zugeordnete Oberin ist ihre Ansprechpartnerin, die die offene Persönlichkeit manipuliert, bis sie in den Orden eintritt. Es wird mit Angst und Schuld gespielt. Sexuelle Missstände führen zum Austritt. Das Buch beschäftigt sich mit spirituellem Missbrauch in der Kirche, der als systemimmanent dargestellt wird. Ein Gespräch mit Kardinal Schönborn führt zum Eingeständnis dieser Zustände.
Kirchberg am Wagram

Renate Welsh: Kieselsteine

Czernin 2019

Franz Meister: Viele kennen Renate Welsh als Autorin von Kinder- und Jugendbücher. Hier legt die Autorin ein Buch für alle Altersgruppen vor. Sie erinnert sich an bedeutende Tage ihrer eigenen Kindheit, an Vater und die Großeltern. Und Jahrzehnte danach gelingen Welsh Liebeserklärungen an die verstorbenen Großväter und Großmütter.
Stetteldorf am Wagram

Vielen Dank an Inge und Ilja Fiser für die Beherbergung der Literaturtreffen

Fotos aus der Serie "Wagram" von Nadja Meister

Grenzenlos Literatur ist ein Projekt des Vereins Grenzenlos St. Andrä-Wördern

Created By
Franz Meister
Appreciate

Credits:

Nadja Meister