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Neugierige Angsthasen Michael Dufner

Wir haben im Garten herzige Zwerghasen. Leider sind sie total scheu und lassen sich nicht so gerne streicheln, was für meinen Sohn, dem sie gehören, nicht immer so einfach ist. Denn die Meerschweinchen seiner Schwester sind auch herzig, lassen sich dagegen ohne Scheu streicheln - was sie noch herziger macht, da sie anfassbar sind.

Als ich kürzlich den Hasenstall umgebaut habe, ist etwas Spannendes passiert. Die sonst so MEGA scheuen Hasen wurden von ihrer Neugier übermannt. Sie kamen mir ganz nah, ja, einer schnupperte sogar an meiner Hand, an meinen Schuhen, und mir kam es vor, als wolle er unbedingt sehen, was ich da mit seinem Stall mache. Spannend. Kann Neugier die Angst, die Scheu überwinden? Funktioniert das vielleicht auch bei uns?

Ich stelle in meiner Beratungsarbeit und in meiner eigenen Arbeit als Leiter auch oft fest, dass ich aus Angst gewisse Dinge nicht anpacke. Angst davor, was die Leute dann denken könnten. Oder die Angst vor den garantierten Entrüstungsmails und -telefonaten gewisser Personen.

Ich merke meist erst in der Reflektion und im Gespräch mit Jesus, dass mich schon wieder die Angst kontrolliert. Zum Beispiel, wenn ich aus Angst die Kontrolle zu verlieren, alles noch mehr kontrollieren möchte, statt dass ich Jesus vertraue. Wie kann ich darin wachsen?

Gebet oder die Bibel - das ist ja alles nicht schlecht. Nein, ich glaube Nachfolge heisst, wachsen im Bewusstsein, was das Evangelium für mich bedeutet. Ich möchte zunächst nicht unvernünftig, nicht blind, sondern im Glauben und Vertrauen aus Gottes Kraft handeln. Ich glaube, in der Nachfolge geht es nicht so sehr darum, dass wir wachsen müssen im Wissen über Jesus, das Das Kreuz, mein Zugang zu der Liebestat von Jesus, soll zunehmen.

Das ist mir in der Geschichte aus 1. Mose 3,7 neu bewusst geworden. Adam und Eva verstecken sich, weil sie sich aus Angst vor Gott versteckt haben. Als Gott fragt: «Adam, wo bist du?», antwortet Adam: «Ich hörte deine Stimme und fürchtete mich…». Krass, wenn ich mich verstecke, dann will ich nicht, dass mich jemand findet, und so würde ich NIE antworten. Adam macht es aber, und das wurde mir zum Vorbild. Angst versteckt sich, Angst hat Angst entlarvt zu werden. Angst spricht nicht. Aber weil wir frei sind, berufen sind, im Licht zu leben (2Petr 1,9), müssen wir nicht im Versteck bleiben wie «Angsthasen», sondern können mit Jesus reden. Ich will lernen, mich nicht vor schlechten Erfahrungen leiten zu lassen. Ich will lernen, den Möglichkeiten die Gott schenkt, mehr zu vertrauen als den «eventuellen» Reaktionen, welche ich mir vorstelle. Ich will die Kraft des Evangeliums immer mehr entdecken und Jesus darin erleben. Meine Neugier, das Evangelium zu erleben, ist stärker als Angst oder Scheu.

Michael Dufner, michael.dufner@feg.ch