Comeback einer Legende bb stellt Nachfolger des Rainbow-Porsche vor

Es gibt Nachrichten, mit denen hat man nicht wirklich gerechnet. Im Sommer 2014 wurde eine solche Meldung publik gemacht: Die altehrwürdige Tuning-Schmiede bb feiert knapp 30 Jahre nach der Pleite ein Comeback unter der Ägide von Gründer und Mastermind Rainer Buchmann und zeigt neben einer Neuentwicklung auch viele der alten Schätze, zu denen vor allem der Rainbow-Porsche gehört!

Ich war wie elektrisiert, als ich davon erfuhr. Am 21. September wurde in die Klassikstadt Frankfurt geladen, jedermann war bei freiem Eintritt willkommen. Dieser Tag wurde direkt im Kalender eingetragen, denn das Event würde ich mir unter keinen Umständen entgehen lassen.

Die alte VHS-Kassette, auf der mein Vater damals die deutsche Action-Komödie „Car Napping“ aufgenommen hatte, war einer meiner größten Schätze in der Kindheit. Ich liebte den automobilen Hauptdarsteller, den Rainbow Porsche mit der einzigartigen Lackierung. Unzählige Male habe ich den Film wieder und wieder angeschaut, um den Anblick des Porsches und die Fahraufnahmen zu genießen. Und jedesmal wuchs die Angst, das die betagte VHS-Kassette nicht mehr will und Bandsalat produziert.

Und nun, nach all den langen Jahren, würde ich diese Skulptur auf vier Rädern endlich aus nächster Nähe und in voller Pracht erleben dürfen! Denn selbstverständlich war das Comeback von bb ohne den Polaroid-Porsche undenkbar. Sogar der Baron von Dalberg, so der "Künstlername" des menschlichen Hauptdarstellers in „Car Napping“, würde sich die Ehre geben. Bernd Stephan, der ihn verkörperte und dessen Filmdialoge ich inzwischen auswendig kannte, versprach, Geschichten und Anekdoten von den Dreharbeiten zum Besten zu geben. So wartete ich mit geradezu kindlicher Vorfreude auf diesen Tag.

Rainer Buchmann verstand es ausgezeichnet, all den Fans und Interessenten den Mund wässrig zu machen. Dem Regenbogen-Porsche sollte ein modern interpretiertes Äquivalent zur Seite gestellt werden. Ein ganz neues bb Modell, technisch mit modernen Features der heutigen Zeit ausgestattet und doch ganz in der klassischen Tradition, die Buchmanns Firma damals zu Weltruhm verhalf.

Immer wieder wurden Teaser-Bilder veröffentlicht, die mehr und mehr Details des neuen Traumwagens enthüllten.

Die Spannung wuchs also und dann war es endlich soweit. Ich machte mich zusammen mit meinem Bruder auf nach Frankfurt. Am Eingang erwarteten zwei VW Polos die Besucher. Diese entstammen einer exqusiten Kleinserie von 40 Fahrzeugen, die bb Anfang der 80er ganz offiziell im Auftrag von Volkswagen verwirklichte. Abgeleitet von der Studie Prisma wurden die beiden Modelle Polo Carat und Polo Paris entwickelt, von denen nun je ein Exemplar vor den Eingangstüren ausgestellt war. Doch so interessant die innovativen Kleinwagen auch waren, mich zog es hinein, denn ich konnte ihn bereits erspähen: Drinnen stand er, mein Traumauto aus Kindheitstagen: der Porsche 911 turbo targa mit den bunten Streifen, die ihn unverwechselbar und berühmt gemacht hatten. Der Firma Polaroid ist es zu verdanken, das dieses Fahrzeug entstand, den vielen Fans jedoch, das es ihn auch heute noch gibt. Auf der Suche nach einen Hingucker für den Messestand der Photokina 1976 wandte sich Polaroid an Rainer Buchmann. So wurde die Idee geboren, den bb-Umbau Porsche 911 turbo targa in Silbermetallic mit Streifen in den Polaroid-Farben zu verzieren. Kunstvoll schlängeln sie sich um die Karosserie und ziehen sich sogar über den charakteristischen Targa-Bügel. Keiner war sich damals bewusst, welch Kunstwerk so entstanden war, doch auf der Photokina entwickelte sich der Wagen zum absoluten Star. Als dann noch Bundespräsident Walter Scheel werbewirksam Platz nahm und tags darauf das Bild in allen Printmedien gedruckt wurde, kannte plötzlich jeder dieses Auto. Die Rolle im Film „Car Napping“, in dem auch diverse weitere Fahrzeuge aus den magischen Hallen von bb zu sehen waren, tat ihr übriges. Der Rainbow-Porsche war endgültig ein automobiler Held und unzählige Jungs wie ich träumten davon, ihn einmal selbst pilotieren zu dürfen.

Rainer Buchmann selbst gefiel das Streifendesign zuerst nicht so richtig. So zeigte er sich auch gnadenlos und entfernte die nur aufgeklebten Streifen wieder, um den Porsche für weitere Umbauten weiter zu verwenden. Nur mit einem hatte er dabei nicht gerechnet: Fortan fanden in schöner Regelmäßigkeit Leute den Weg zu seiner Werkstatt, nur um Fotos zu machen von dem Polaroid-Porsche. Vielleicht waren es die traurigen Blicke dieser Leute, die unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen mussten. Oder es ging ihm einfach nur auf die Nerven, jedesmal aufs Neue erklären zu müssen, das es diesen Wagen so nicht mehr gibt. Jedenfalls entschloss er sich nach einer Weile, die Streifen wieder aufzubringen, diemal aber dauerhaft lackiert. Letzten Endes entstand sogar eine Kleinserie, denn einige Kunden bestanden darauf, genau so einen Wagen zu kaufen.

Mit leuchtenden Augen stand ich dann endlich vor dem Wagen. Es ist interessanterweise sogar der erste Rainbow-Porsche, der je gebaut wurde. Der aktuelle Besitzer hatte ihn erst kürzlich erworben und den Kontakt zu Buchmann gesucht mit der Bitte, den Wagen einer Generalüberholung zu unterziehen. Ich bewunderte alle Details in Originalgröße. Im Geiste verglich ich sie mit dem Modellauto in 1:18, das zuhause auf meinem Schreibtisch steht und kam zu dem Schluß, das auch das Modell gut gemacht ist.

Ein Besucher hatte es sogar dabei und machte Fotos vom echten Porsche und dem um Faktor 18 geschrumpften kleinen Bruder.

Es dauerte eine Weile, bis ich mich losreißen konnte und meine Aufmerksamkeit auf den Wagen richtete, der direkt hinter dem Rainbow Porsche stand. Es war die neueste Kreation, die schon so geschickt angekündigt worden ist: Der Moonracer. Auf den ersten Blick wirkte er wie der Zwilling des Rainbow-Porsches.

Er ist im gleichen Stil lackiert, aber doch unaufdringlicher. Statt poppigen Farben dominieren zurückhaltende Weiß- und Silbertöne. Rainer Buchmann hat auch für den Moonracer eine alte Kooperation wieder aufleben lassen. Zusammen mit Merck, damals schon Vorreiter bei hochwertigen Metallic- und Perleffektlackierungen, wurde abermals ein exklusiver Xirellic-Pigmentlack in weiß eigens für den Moonracer entwickelt. Wunderschön anzuschauen ist es, wie sich das Licht in den Pigmenten bricht und die auch heute noch betörende und zeitlose Form des Evergreens 930 zur Geltung bringt. Die Streifen in verschiedenen Silbertönen funkeln genauso wundervoll und unterstreichen den gleichwohl eleganten wie auch sportlichen Auftritt dieses Oldtimers im Neuwagenzustand. Rainer Buchmann wäre nicht er selbst, hätte er nicht ganze Arbeit geleistet. Es war eine Selbstverständlichkeit, das der Wagen von Grund auf neu aufgebaut wurde und im Detail auch diverse Modifizierungen erhalten hat. Diesmal widmete er sich sogar dem Motor und steigerte die Leistung dezent auf 330 PS. Im Innenraum hält schließlich die Moderne Einzug. War es damals DINFOS, das Digitale Informationssystem, mit dem er seine Umbauten aufwertete, so bedient er sich heute erneut modernster Technik. Ein bei Bedarf herausnehmbares iPad Mini ist geschickt in die Mittelkonsole integriert.

Über den Touchscreen wird die neue Soundanlage bedient. So lässt sich der Innenraum in einem Konzertsaal verwandeln, wenn die 940 Watt voll ausgeschöpft werden und der Subwoofer unter dem Beifahrersitz druckvoll den Takt vorgibt. Apropos Sitze: Diese sind wie schon damals wieder edel bezogen. Statt Velours ist es heute jedoch nobles Leder und die Farben sind wie im ganzen Innenraum perfekt auf die Lackierung der Karosserie abgestimmt. Wer mag, kann nun mit dem iPad im Internet surfen, ratsamer ist es jedoch, einfach den freien Ausblick in den Himmel zu genießen. Denn selbst bei geschlossenem Dach ist dies möglich. Das herausnehmbare Targa-Element ist nämlich aus Glas gefertigt, was eine weitere Besonderheit von bb ist. Ich stehe einfach da und erkunde all die feinen Details des Moonracers wie beispielsweise den sandgestrahlten Schaltknauf aus Aluminium und die überall dezent eingeprägten bb Logos.

Da sehe ich ihn plötzlich. Das ist er also, Rainer Buchmann, der Vater all dieser ausgestellten Highlights. Eins merkt man sofort: Die Freude über das heutige Ereignis steht ihm ins Gesicht geschrieben. Das schwarze Hemd hängt lässig über der blauen Jeans. Auf der Brust prangt stolz das silbrig-graue bb Logo. Sein Haar ist ebenfalls ergraut, aber er wirkt immer noch dynamisch und junggeblieben. Überhaupt wird mir eins klar im Laufe des Tages: Rainer Buchmann meint es ernst mit dem Comeback. Sein Team, alle, die aktiv mitwirken an dieser Veranstaltung sind ausstaffiert mit bb-Kleidung. Alles ist wohlbedacht arrangiert und sehr professionell vorbereitet. Rainer Buchmann hat eine Vision und sieht wieder eine Perspektive mit bb. Und er trifft den Nerv der Leute. Zahlreiche Besucher wollen nicht nur die früheren Entwicklungen und Highlights hautnah erleben, sondern freuen sich auch, das neue Kind, den Moonracer getauften bb Porsche 911 turbo targa bestaunen zu dürfen.

Vor nicht allzu langer Zeit kam alles wieder ins Rollen, und der Moonracer entstand als Auftragsarbeit für einen Frankfurter Millionär, der als Kind genau wie ich den Regenbogenporsche liebte und nun in der glücklichen Situation ist, sich den Traum einer modernen Neuinterpretation leisten zu können. Bis zu 10 weitere gut betuchte Menschen sollen dies bald auch können, denn eine Kleinserie ist geplant. So wiederholt sich auch hier die Geschichte des Rainbow-Porsches. Ungefähr 380.000€ sollte man allerdings übrig haben, dann ist der Eintritt in den elitären Kreis der bb-Kundschaft machbar.

All diejenigen, die noch nicht ganz so viel Geld beiseite gelegt haben, können dafür den Traum in kleinerem Maßstab, nämlich in 1:43 verwirklichen.

Auch das zeichnet Rainer Buchmann aus: Optimismus und Vertrauen in die eigene Arbeit. So hat er im Vorfeld bereits eine umfangreiche Charge an Modellautos des Moonracers in Auftrag gegeben im Vertrauen darauf, das sie begeisterte Käufer finden werden. Tatsächlich gingen bereits an diesem Tag diverse Miniaturen sowohl des Moonracers wie auch des Rainbow-Porsches für einen Stückpreis von 50€ über den Ladentisch. Auch die brandneue Biografie konnte man hier kaufen, und Rainer Buchmann sowie der Autor Dr. Gernot Lingnau signierten fleißig alle erworbenen Exemplare.

Für mich ging es nun weiter auf Entdeckungsreise durch die wunderschön restaurierten Räumlichkeiten der Klassikstadt. Früher wurden hier Mayfahrt-Landmaschinen produziert. Die alten, vom Putz befreiten Backsteinwände sind nun auch von innen zu sehen und tragen zu einer ganz besonderen Atmosphäre bei. Es ist ein schönes und stilvolles Domizil für die vielen automobilen Schätze, die hier zu sehen sind.

So findet sich in einer Reihe mit dem Rainbow-Porsche und dem Moonracer ein weiterer bb Porsche.

Auch dieses Modell baut wie der neue Moonracer auf einem 911 SC Targa auf, und doch wirkt er ganz anders. Die Karosserie hat tiefgreifende Änderungen erfahren. Die Front ist im wahrsten Sinne flachgelegt. Statt der typischen Kotflügel mit den aufrecht stehenden Scheinwerfern integrierte bb die Scheinwerferanlage des Porsche 928 in die flache Front. Die Türen wiederum wurden verbreitert und gehen in ein Heck im Turbo-Look über. Eine Kuriosität findet sich im Innenraum. Um damals schon mobil erreichbar zu sein, spendierte bb dem Porsche ein Autotelefon. Der Hörer wurde hierbei aber nicht in der Mittelkonsole, sondern über den Köpfen der Passagiere im zusätzlich eingebauten Dachmittelsteg integriert.

Auch ein Mercedes 500 SEC von bb machte aufgrund seines einzigartigen Daches von sich reden. Die Magic Top betitelte Konstruktion war bis dato einzigartig. Gibt man per Knopfdruck den Befehl, beginnt ein faszinierendes Schauspiel. Um dem Dach die nötige Bewegungsfreiheit zu geben, senken sich zuerst die Seitenscheiben ein wenig ab. Nun gleitet das Dach leise surrend nach hinten, während die B-Säulen und die Heckscheibe wie von Geisterhand bewegt unter dem Kofferaumdeckel verschwinden. Zum Schluss legt sich das Dach auf den Kofferraumdeckel und alle 4 Passagiere des großen Coupes dürfen sich die Frisur vom Wind zerzausen lassen.

Ein absolutes Meisterwerk der Ingenieurskunst! Das die Prozedur auch während der Fahrt stattfinden kann, versteht sich natürlich von selbst. So aufwändig wie diese Entblätterung war auch der gesamte Umbau, was sich entsprechend im Preis niederschlug. Die Rechnung betrug damals ca. 140.000 DM, doch dafür konnte man sich sicher sein, das wohl teuerste, aber auch effektivste „Schiebedach“ der Welt zu besitzen.

Neben dem stattlichen Mercedes sieht ein weiterer VW Polo Paris geradezu zierlich aus. Trotzdem wird auch hier auf den ersten Blick klar, das es kein gewöhnlicher Kleinwagen ist. In einen weißen Perleffekt-Lack getaucht, sieht er wirklich schick und edel aus. Die Frontpartie trägt einen veränderten Kühlergrill und die recht ausgeprägte Spoilerlippe geht seitlich nahtlos in auffällige Kotflügelverbreiterungen über, die dem Wagen einen selbstbewußten Auftritt verleihen.

Damals verkündete das Prospekt zu dem Fahrzeug, das mit dem Polo Paris eine „mehr auf weibliche Eleganz und Understatement ausgerichtete Version“ kreiert werden sollte. Weiterhin wurde, wie bei bb üblich, nicht auf technisch hochwertige Ausstattung verzichtet. Das DINFOS war deshalb Pflichtprogramm. Vor allem an diesem System zeigt sich rückblickend, wie weit voraus Rainer Buchmann und seine Leute damals schon waren. Das digitale Informationssystem wurde von den etablierten Herstellern gar nicht richtig verstanden und ob der angeblichen Gefahr der Ablenkung sogar als lebensgefährlich gebrandmarkt. Trotzdem war das revolutionäre System der Vorläufer und Wegbereiter für die heutigen Bordcomputer. Schon damals schafften es die Techniker bei bb, sämtliche wesentlichen Fahrzeugfunktionen und auch Pegelstände vollständig in DINFOS zu integrieren und dem Fahrer so umfangreiche Infos über sein Fahrzeug zu liefern.

Ein weiteres Highlight des kleinsten VW´s war die Zentralverriegelung mit einer kleinen Infrarot-Fernbedienung. Ein Knopfdruck auf den feuerzeug-ähnlichen Sender genügte und die Türen öffneten sich. Selbst an eine automatische Wiederverriegelung nach 10 Sekunden hatten die Entwickler gedacht. In der Serienfertigung hielt dies erst viele Jahre später Einzug.

Diese Entwicklungen waren es, die bb eine außergewöhnliche Reputation verschafften. Es ging Rainer Buchmann nie darum, ein Auto einfach nur optisch aufzumotzen. Er wollte immer mehr und die Ideen sprudelten. Ein weiteres hervorragendes Beispiel für seinen Erfindergeist sind kleine Helferlein, die heute selbst in Kleinwagen meist schon serienmäßig verbaut werden, damals aber eine absolute Sensation darstellten. Wieder war es die Kooperation mit dem Hersteller der Sofortbildkameras, Polaroid, aus der großes entstehen sollte. Buchmann kam auf die Idee, die Autofocus-Sensoren der Kamera für eine elektronische Einparkhilfe zu verwenden. Nach langer Tüftelei gelang dieser Geniestreich tatsächlich und so wurde bereits in den 80ern von bb der Grundstein gelegt für eine Technik, die aus den modernen und oft auch unübersichtlichen Autos von heute nicht mehr wegzudenken ist.

Auch einem weiteren Aspekt widmete er sich und fand eine Lösung, die es vorher noch nie gegeben hatte. Er wollte die Bedienung all der mittlerweile elektronisch gesteuerten Komfortfunktionen wie Sitzverstellung und Fensterheber so einfach und sicher wie möglich gestalten. Also brüteten sie wieder so lange bei bb, bis es schließlich gelang, über das normale Hupenkabel und 6 in das Lenkrad integrierte Tasten bis zu 32 Funktionen zu steuern. Somit konnten die Hände dort bleiben, wo sie beim Fahren hingehören: Am Volant.

In einem kleineren Nebenraum fanden die Besucher ein weiteres Highlight, das bb viel Publicity einbrachte: die Motorradstudie BMW Futuro. Im offiziellen Auftrag von BMW zeigte Buchmann, wie er sich die Zukunft auf zwei Rädern vorstellt. Eine futuristische, strömungsgünstige Verkleidung war über einen Gitterrohrrahmen aus Alu gestülpt. In einer für Zweiräder angepassten Version war auch hier DINFOS eingebaut. Ebenso nahm bb einen Trend vorweg, der heute absolut im Fokus steht: Gewichtsreduzierung durch konsequenten Leichtbau und Downsizing im Motorenbereich sowie Turbo-Aufladung. Nur zur Erinnerung: Die Studie Futuro wurde bereits Ende der Siebziger entwickelt!

Im gleichen Raum stand dann auch ein großer Monitor. Dort lief in Dauerrotation der Film Car Napping. Neben seiner visionären Seite und dem Erfindergeist verstand Rainer Buchmann es schon immer, seine Produkte medienwirksam zu präsentieren. Der Film Car Napping, in dem gleich einige seiner Fahrzeuge glanzvolle Auftritte hatten, war ein wahrer Geniestreich. Rainbow-Porsche und CW311, davon sprachen nach dem Film plötzlich alle. Auf unzählige Titelseiten renommierter Fachmagazine schafften es die Wagen und brachten Rainer Buchmann und seiner Firma bb Weltruhm ein.

Auch ich liebe diesen Film und bis heute schaue ich ihn mir immer wieder an. Deshalb freute es mich ganz besonders, das Rainer Buchmann auch mit Bernd Stephan Kontakt aufgenommen hatte. Dieser ließ es sich nicht nehmen, die Besucher mit seiner Anwesenheit zu beehren. Am späteren Nachmittag fand eine Gesprächsrunde statt, in der Bernd Stephan sich noch einmal an die Dreharbeiten erinnerte. Eine der beliebtesten Szenen des ganzen Films ist, als seine Leute nachts das Lager des Porsche-Händlers in Paris leer räumen und anschließend mit den 40 geklauten Sportwagen über den Champs Elysee vorbei am Arc de Triomphe donnern. Am Steuer saßen übrigens die Eigentümer der Porsche, für die es ein wahres Highlight war, so Teil des Films zu sein. Für den Dreh eine Straßensperrung zu bekommen, wäre wohl recht utopisch gewesen. Also drehte man die Szene einfach unter normalem Verkehr, was man im Film auch sieht. Unter anderem fand sich zum Beispiel ein Renault 5 zwischen den ganzen Porsche. Was der Fahrer wohl gedacht haben muss, als plötzlich mehrere Dutzend der Zuffenhausener Ikonen an ihm vorbeirasten?

Der amüsante Dialog der beiden Motorrad-Polizisten im Film („Was ist denn da los?“ – „Ich weiß auch nicht, vielleicht eine Rally?“ – „Aber die ist doch gar nicht angemeldet.“ – „Uns sagt ja auch keiner was.“) entstand übrigens erst nachträglich, nachdem sich echte Polizisten ebenfalls wunderten, was da gerade los war.

Wenn schon über Car Napping geredet wurde, kam man an einem Thema nicht vorbei. Neben dem Rainbow-Porsche gab es einen zweiten automobilen Helden: Den CW 311.

Bis heute fragen sich viele, was mit diesem legendären Flügeltürer passiert ist. Hier brachte Rainer Buchmann etwas Licht ins Dunkel und bestätigte, was teilweise schon in einigen Internetforen zu lesen war. Das Fahrzeug befindet sich im Besitz des Sultans von Brunei. Rainer Buchmann hatte sogar versucht, Kontakt mit ihm aufzunehmen, allerdings waren die Mühen nicht von Erfolg gekrönt. Doch ganz aufgeben will Buchmann noch nicht, er versprach, dran zu bleiben, um den Wagen für Ausstellungszwecke vielleicht doch noch nach Deutschland zu bekommen. Schön wäre es allemal, denn das Fahrzeug hat bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt.

Auch im Film kann Mario, der für das knacken der Autos zuständig ist und hierfür manchmal angeblich nur einen Fingernagel braucht, nicht widerstehen. Das erste Mal sieht er den Flitzer, während er mit seinem Partner, dem Signore Robert Mehring alias dem Baron von Dahlberg, in einem Straßencafé sitzt. „Ein Wahnsinnsauto! Das muss ich haben!“, entfährt es ihm, als der CW 311 vorbeifährt. Doch der vor seiner Karriere als Gebrauchtwagenhändler als Designer tätige Robert Mehring greift gleich ein: „Finger weg, das ist ein Einzelstück.“ „Das gibt´s doch nicht.“ wundert sich Mario, und Mehring klärt ihn auf: „Ich hab´s entworfen.“

Doch gegen die Faszination seiner eigenen Kreation sind Mehrings Worte machtlos. Kurz darauf kommt Mario mit dem CW 311 in das Lager gefahren. Er steigt aus, knöpft sein Sakko zu und meint nur ganz unschuldig mit einem Schulterzucken: „Ich konnte nicht anders. Ich musste ihn einfach haben.“

Also wird auch der CW 311 über die Grenze geschafft. Hierfür stellt der Drucker des Teams Mehring einen weiteren falschen Pass aus, der ihn in die Identität des rechtmäßigen Besitzers Dr. Buchbinder aus Frankfurt schlüpfen lässt, die eine Anspielung auf Rainer Buchmann ist.

Bei der Grenzkontrolle auf dem Weg nach Italien bewundern zwei Kontrolleure das auffällige Einzelstück, halten aber die Idee, nach Italien zu fahren, für fragwürdig: „Mit so einem Auto nach Italien zu fahren, das ist ein Risiko. Der kommt sicher mit der Bahn zurück.“ Das der Wagen bereits gestohlen war, ahnten sie freilich nicht…

Auch wenn der originale CW 311 nicht vor Ort war, fand doch ein Kölner bb-Fan den Weg in die Klassikstadt und diesen Weg nahm er mit einem Isdera Imperator 108i unter die Räder. Dieser in einer Kleinserie gebaute Wagen basiert auf dem Einzelstück, was man auf den ersten Blick erkennt. Sogar den Mercedes-Stern trägt er vorne auf der spitzen Nase. Dieser Umstand wurde damals von Mercedes geduldet, da der CW 311 ein unglaublich positives mediales Echo erzeugte. In dessen Glanz konnte sich auch Mercedes sonnen. Somit ist der CW 311 der einzige Wagen mit Stern, der nicht in Stuttgart entwickelt worden ist. Hierfür zeichnete Eberhard Schulz verantwortlich, der schließlich auch Isdera aus der Taufe hob.

Mein Bruder und ich nutzten die Zeit noch und schlenderten durch die weiteren Räumlichkeiten der ehemaligen Landmaschinenfabrik. Ein wahres Füllhorn an weiteren Highlights wird hier geboten. Im Parterre haben sich unter anderem kleine Dependancen von Lamborghini und McLaren angesiedelt. In diesen kann man die neuesten Modelle der Hersteller bewundern. Doch der Fokus liegt, wie der Name schon impliziert, auf klassischen Automobilen. Gläserne Werkstätten bieten hier ihren Service an und auch eine Sattlerei findet sich, in der noch das goldene Handwerk zelebriert wird, um Sitze oder andere Teile wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Selbst ein Uhrmacher hat sich eingemietet. Verschiedene Einzelhändler mit hochwertigen Angeboten aus den Bereich Car Audio oder auch Modellautos haben sich in der Klassikstadt niedergelassen. In der oberen Etage finden sich Konferenzräume in verschiedenen Größen, die man für Veranstaltungen mieten kann. Benannt sind sie alle nach berühmten Rennfahrern wie Jochen Rindt oder Ayrton Senna. Doch viel interessanter für Besucher sind die gläsernen Garagen dazwischen. Besitzer von hochwertigen und klassischen Fahrzeugen können diese mieten. Parkt der Wagen in einer solchen Garage, hat der Eigentümer die Gewissheit, das sein Schatz bei idealen klimatischen Bedingungen sicher aufbewahrt wird. So hat die Klassikstadt fast schon musealen Charakter und regelmäßige Besuche lohnen sich immer wieder, da der Fahrzeugbestand regelmäßig wechselt.

Absolut empfehlenswert ist im übrigen auch die Werkskantine. So nennt sich das Restaurant der Klassikstadt. In stilvollem und liebevoll dekorierten Ambiente werden hier vorzügliche Speisen kredenzt. Dazu gibt es eine erlesene Weinkarte.

Der 21. September 2014 war ein unglaublich toller Tag und das Comeback von bb rundum gelungen. Es war ein klasse Erlebnis, den Rainbow-Porsche hautnah zu erleben und einen umfangreichen Einblick in die Welt von bb zu bekommen. Nicht nur ich dürfte sehr gespannt sein, was die Zukunft noch bringen wird. Jedenfalls hat Rainer Buchmann als Ausblick schon verkündet, spätestens 2016 eine ganz neue Entwicklung zu präsentieren, die gespickt sein wird mit neuen Technologien. Wenn das keine Ansage ist…

Text und Bilder von Michael Reiss

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Michael Reiss
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Credits:

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