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Senigallia ein kultur kulinarisches abenteuer

Eigentlich sollte es ein ganz anderes Abenteuer werden. Wir wollten mit den Fischern von Senigallia sehr früh am Morgen aufs Meer hinaus fahren und Fische fangen. So war zumindest unser Plan. Nur Neptun, dem römischen Meeresgott, passte das gar nicht, setzte alle Hebel in Bewegung und braute sein eigenes Süppchen.

Sturmwarnung

Schwarze Wolken zogen über der Rotonda a Mare auf, die Vorboten eines heftigen Sturms.

Und wenig später geht es richtig los. Der Himmel öffnet seine Schleusen und wir flüchten von der Hotelterrasse in die Lobby.

So sieht Wetter aus.

Eine beängstigende Wetterfront zog auf, Blitze zuckten und Petrus öffnete seine Quellen. Es regnete so stark, dass innerhalb weniger Minuten viele Straßen und Wege in Senigallia im Nu unter Wasser standen.

Die Fischerboote konnten nicht auslaufen und die wenigen, die es trotzdem wagten, durften keine „Gäste“ mitnehmen.

Ich denke, klammheimlich waren alle froh, bei so einem Wetter nicht in See stechen zu müssen. Sagte natürlich keiner.

Fischerboote im Hafen an der Piazzale Nini Bixio.
Was hätten wir alles fangen können, wenn ...

Madonnina del Pescatore

Unser Shuttlebus zum Restaurant Madonnina del Pescatore verspätete sich, musste Umwege fahren weil viele Straßen unter Wasser standen.

Im Rausch der Sinne: Octopussalat, Seedorsch in Curry-Mandel-Soße, köstliche Nachspeisen und fein abgestimmte Weine und die Glückshormone fliegen einem nur so um die Ohren. Fantastisch. Der unaufdringliche, professionelle Service von Moreno's Frau Mariella, die einem gerne erklärt, was man so isst, sorgen für das i-Tüpfelchen im Madonnina del Pescatore.

Moreno Cedroni hat sich mit seiner Küche voll dem Meer verschrieben. Das spiegelt sich auch im Namen seines Restaurants – Madonnina del Pescatore (Madonna der Fischer) – wieder. Wen wundert's, hier geboren, das Meer vor der Haustür und Kochen im Blut, gepaart mit Talent und Inspiration und dem Mut neue Wege zu gehen, Regeln zu brechen und sich trotzdem der Tradition verpflichtet zu fühlen, schafft Moreno Cedroni Meisterwerke für Gourmetfreunde. Die zwei Michelin-Sterne hat er sich redlich verdient.

Rotonda a Mare

Zwischen Land und Meer liegt das Symbol des Tourismus von Senigallia, die „Rotonda a Mare“, eines der seltenen Beispiele italienischer Küstenarchitektur, auf die man hier besonders Stolz ist. Ein beliebter Ort um Partys zu feiern. Mehr als 400 Gäste finden hier Platz.

Phantasiebeflügelnd: Penelope am Porto Senigallia

Die Penelope von Senigallia wird im Volksmund auch als "die kleine Meerjungfrau von Senigallia" bezeichnet und oft mit Kopenhagens berühmter Meerjungfrau-Statue verglichen. Penelope stammt vom Künstler Gianni Guerra und stellt die Ehefrau von Homers Odysseus dar, die 20 Jahre lang sehnsüchtig auf die Rückkehr ihres Mannes wartete. Auf der Plakette der Statue steht: „Chiunque Tu sia ovunque Tu vada la Tua Penelope sia sempre con Te.“ Sinngemäß übersetzt:

„Wer auch immer du bist, wohin du auch gehst, deine Penelope ist immer bei dir“

Ein Symbol der unsterblichen Liebe und bei Hochzeitspaaren und Verliebten ein gern besuchter Ort. Die vielen Ketten mit Vorhängeschlössern sollen wohl das für „immer und ewig” untermauern.

Auf zur Kochschule

Bei einem Sternekoch waren wir ja schon. Jetzt wollen wir wissen, wo kommt der Nachwuchs her? Um das zu erfahren machen wir uns auf den Weg zum Istituto Alberghiero A. Panzini, der angesagten Hotelfachschule von Senigallia in der Via Capanna. Claudio Gasparini persönlich – Chef der Hotelfachschule – führt uns durch die heiligen Hallen und kocht zum Schluss mit seinen Schülern für uns auf.

Democooking at it's best!

Frische Sardellen, Venusmuscheln, Heuschreckenkrebse, Garnelen ... kommen auf den Tisch. Dazu frisches, selbstgebackene Focaccia (Fladenbrot).

Daniela Cercamondi kredenzt uns zu den Köstlichkeiten einen Verdicchio dei Castelli di Jesi von Stefano Antonucci – ein exzellenter 2015er Tropfen. Uns geht's gut.

Ein kleines Rezept gefällig?

Tagliatelle mit Venusmuscheln

Die Venusmuscheln einige Stunden in kaltes Wasser legen. Das Wasser mehrmals wechseln, um den Sand aus den Muscheln zu entfernen. Die Venusmuscheln aus dem Wasser nehmen und in eine breite Pfanne mit 2 Esslöffeln Olivenöl und einer angedrückten Knoblauchzehe geben. Sobald die Muscheln sich geöffnet haben, vom Herd nehmen und alle Muscheln, die sich nicht geöffnet haben, aussortieren. Das Wasser, das die Muscheln abgesondert haben, durch ein engmaschiges Sieb gießen und beiseitestellen. Ein halbes Glas Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und 2 Knoblauchzehen darin goldgelb anbraten und wieder herausnehmen. Etwas Weißwein uns Muschelwasser dazugeben und zum Kochen bringen. Mit Salz und Pfeffer würzen und die Venusmuscheln (ohne Schale) in diesem Fond kurz ziehen lassen. Zum Schluss mit reichlich frisch gehackter Petersilie bestreuen. Die Tagliatelle kochen al dente abgießen und in der Pfanne mit den Venusmuscheln sautieren. Dann direkt heiß servieren. Guten Appetit.

Das Wetter ist noch unruhig, Zeit für einen Museumsbesuch. Schließlich ist Senigallia auch die Stadt, in der die Kunst zuhause ist. Mich interessiert besonders die Fotoausstellung „Le Temps Retrouve“ von Robert Doisneau (1912 - 1994) im Palazzo del Duca. Wobei allein schon der Palazzo einen Besuch wert ist.

Berühmt wurde Doisneau für seine Bilder aus den Straßen von Paris und dafür, wie er Menschen des Alltags ablichtete. Die Ausstellung „Le Temps Retrouve“ – Die wiedergefundene Zeit – zeigt seine besondere Art zu fotografieren, den Moment einzufangen, auch wenn sein wohl berühmtestes Bild, ein küssendes Paar in Paris, kein Schnappschuss, sondern eine inszenierte Auftragsarbeit für das Magazin Life war.

Zu dieser Ausstellung passt ein Zitat von Mark Twain:

Life is short. Break the rules. Forgive quickly. Kiss slowly. Love truly.

Museumsbesuche machen hungrig. Zum Glück gibt es ganz in der Nähe der „Penelope von Senegallia“ ein Meeresfrüchte-Restaurant der Spitzenklasse, das Uliassi an der Banchina di Levante, direkt an der Misa, die hier ins Meer fließt.

Uliassi

Mauro Uliassi

Mauro Uliassi und sein Team kochen für uns auf und zeigen, dass auch das Uliassi die zwei Michelin Sterne nicht umsonst bekommen hat. Ein Blick in die Küche zeigt, dass alle mit Freude und Herz bei der Sache sind und das schmeckt man.

Wie kann es anders sein, Meeresfrüchte in allen Variationen stehen auf der Speisekarte. Da gibt es Venusmuscheln mit geräucherten Spaghett, Tagliatelle mit Tintenfisch und Algen-Pesto, Rotbarbe im Brotmantel und und und.

Ein Vertauungsspaziergang durch Senigallia tut jetzt gut

Chiesa della Croce

Sehenswert, die Chiesa della Croce (Kirche des Kreuzes) auf der Via Gherardi.

Besuch beim Papst

Museo Palazzo Mastai in der Via Mastai 14.

Zu den berühmten Bürgern der Stadt gehört auch Papst Pius IV, 1792 unter dem Namen Graf Giovanni Maria in Senigallia geboren. Das erste Stockwerk im Museum Palazzo Mastai ist ihm gewidmet.

Summer Jamboree

Einmal im Jahr – im August – findet in Senigallia ein Festival der amerikanischen Musik und Kultur aus den 40er und 50er Jahren statt, das Summer Jamboree, das jedes Jahr Rock'n'Roll-Stars und Fans aus der ganzen Welt anzieht. Wir treffen den künsterlischen Leiter Angelo di Liberto – alias ”The King of rockabilly in Italy“ – in seinem Vintage Shop in der Via Corfù 3.

Frei nach dem Motto ”Altes ist besser als Neues“ findet man in seinem altmodischen Laden Goodies aus längst vergangener Zeit. Wer nach solchen Dingen sucht, oder einen Expertenrat braucht, ist hier richtig. Wer den Shop betritt, spürt sofort die freundliche Atmosphäre und sollte sich auf keinen Fall den Sound der originalen Rock-Ola entgehen lassen. Back To The Forties. Let's Rock'n'Roll Baby.

Wer es noch nicht weiß, es gibt auch ein Winter Jamboree, denn in Senigallia tanzt man auch den ganzen Winter über Rock'n'Roll. Die Stadt ist eben nicht nur im Sommer eine Reise wert.

Bei Marco

M & M (Marco und Manuel) mit Spaß bei der Sache.

Nach so viel Fisch ist ein deftiges Abendessen auch nicht schlecht und dafür geht es zur Osteria Palazzo Obarberini, ein familiengeführtes Restaurant. Mit typischen Gerichten aus der Region erfreuen Marco und Silvia ihre Gäste. Manuel Giobbi vom Weingut Mazzola kam persönlich vorbei, um uns seine edlen Tropfen zu servieren. Zugegeben, Trauben in dieser Form schmecken mir am besten.

Auch ein Spaziergang am Abend ist sehr empfehlenswert.

Am letzten Tag unserer Reise, tat das Wetter so als wäre nichts gewesen. Strahlend blauer Himmel mit ein paar Wolkentupfern und ein Sandstrand ohne Touristen. Traumhaft. Uns bleiben zwei Stunden, um die Situation zu genießen.

Bevor wie zum Flughafen müssen, gönnen wir uns noch ein paar Gaumenfreuden auf der Terrasse vom L'Angolino sul Mare, gelegen an der Lungomare G. Marconi 38, direkt am Strand. In den nächsten Tagen müssen die überschüssigen Kalorien wieder abtrainiert werden.

Ciao Senigallia

Vielleicht klappt es ja das nächste Mal mit dem Fische fangen. Trotzdem, ein Abenteuer war es allemal, halt ein kulinarisches.

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Credits:

Herbert Worm