K&G GO ICELAND • 4 ANOTHER DAY OF CHAOS

Zitat von Marc: Hey, ich glaube unsere Bremscheibe ist gebrochen aber keine Sorge, die Karre bremst noch ok...

Nichts ist wie geplant. Alles kommt immer anders als gedacht! Genau das merken wir hier gerade täglich. Unsere fein säuberlichen, deutschtümlichen Planungen in Form eines sauberen Hefters werden vom isländischen Wetter und ungeahnten Problemem zerstückelt. So imposant die Szenen hier wirken, eine flache Steppe ohne jegliche Wolkenstruktur ist für das menschliche Auge interessant aber eben nicht für unsere Fotokameras. Nachdem wir am ersten Tag bereits mehrere Wasserfälle mit Langzeitbelichtungen geqäult haben, haben wir dieses Thema so langsam ausgenudelt. Jetzt muss mal wieder die Sonne her.

DON'T BE GENTLE TO THE RENTAL!

Wir haben erfahren, dass dieses Jahr der Winter besonders hart und lang war und das gesamte Innere der Insel selbst für 4x4 Fahrzeuge gesperrt ist. Die Insel ist anscheinend noch zu feucht und selbst für Spezialfahrzeuge extrem gefährlich. Das Eröffnungsbild im Header dieses Beitrages zeigt mich nämlich bei der Autovermietung. Wir mussten das Auto reparieren lassen nachdem die Bremsklötze und die Bremscheiben an unserer Hinterachse den Geist aufgegeben hatten. Und wir hatten uns die ganzen Tage schon über diese komischen Geräusche an der Achse gewundert. Jedenfalls verbrachten wir gestern 3 Stunden auf der Couch der Autovermietung. Schlafend, ist doch logisch. Auf jeden Fall hatten wir genug Zeit mit dem Chef der Autovermietung zu quatschen und der hat uns so einige interessante Dinge über Island und die Touris erzählt.

16 4x4 Offroader hat alleine seine Autovermietung diesen Sommer mit geplatzem Motor verloren. Grund dafür waren zu schnelle Flussdurchfahrten von Möchtegern Offroadern. Die Insel hat total viele versteckte Seiten und nach den Erzählungen seinerseits sind wir schon ein bisschen traurig keinen 4x4 gebucht zu haben. Allerdings muss man auch sagen, dass wir in einem Fahrzeug mit 6 Personen und über 10 Koffern reisen und besonders wichtig für uns ist die Möglichkeit die Ausrüstung aufgebaut verstauen zu können. Ein Ronin oder ein Kamerakran ist nicht in 2-3 Minuten komplett aufgebaut. Wir würden extrem viel Zeit durch Auf- und Abbau verlieren und aufgrund der Fülle an Ausrüstung für die verschiedenen Sujets sind wir auch dahingehend limitiert, dass wir an jedem Spot etwas anderes brauchen.

Nachdem wir also über 3h auf einer Couch schlafend verbringen mussten, An- und Abfahrt zur Autovermietung noch dazu gerechnet, konnten wir endlich los. Allerdings kam dann der nächste Schock. Das anfänglich noch schöne Wetter zog schlagartig zu und wir wurden von einer extrem dicken Wolkendecke überrascht. Ab da ward die Sonne nie wieder gesehen!

35mm f2

Das obere Bild zeigt das Eintreffen der Wolkenfront zur Mittagszeit während das untere Bild die Wolken um Mitternacht herum zeigt. Das einzig schöne an einer derart dicken Wolkenschicht über die gesamte Nacht ist, dass man Langzeitbelichtungen auch ohne Graufilter erstellen kann. Selbst unsere teuersten und besten Graufilter von B&W sind auf manchen Belichtungen zu erkennen. Nicht ohne Vergleichsreferenz aber im direkten Vergleich ist es eben eine matte Schicht vor dem Objektiv. Ohne Graufilter ist die Qualität maximal und hier in Island zur Sommerszeit (also jetzt!) und mit richtig dicker Wolkenschicht kann man bei ISO100 mit f16 ca. 2 Sekunden belichten. Das passt perfekt für Wasserfälle und Flussläufe.

15-30mm f2.8

Zurück zu unserem Tagesablauf. Nachdem wir die Wolkenfront bedrohlich auf uns zurasen sahen, griffen wir zum Handy und riefen am Flughafen an. Unser bereits einmal verschobener Heliflug stand auf der Kippe. Und ja, er wurde wieder verschoben. Unser äußerst freundlicher Pilot rief extra beim nationalen Wetterdienst an und erkundigte sich nach den aktuellsten Wetterdaten. Wir surften gemeinsam Webcams durch nur um feststellen zu müssen, dass die Wolkenfront viel zu dick und viel zu tief war. Also dann eben irgendwann die Tage ab in die Luft.

Hier warten wir mal wieder am Flughafen auf unseren Heliflug.

Bei unseren Heli-Recherchen mussten wir aber leider auch feststellen, dass wir einen gehörigen Fehler in unserer Planung gemacht hatten. Geplant war für morgen in den hohen Norden zu fahren. Und damit war wirklich die nordöstlichste Spitze von Island gemeint. Alle Umstände sprachen aber dagegen. Sowohl das Wetter als auch die Fahrtzeiten hin und zurück. Immerhin kommen in 3 Tagen unsere Modelle aus Deutschland und wir hätten in dieser Zeit 9h nach Norden und wieder 9h zurück zum Flughafen zurücklegen müssen. Und das bei miesem Wetter. Nein danke! Also eilten wir zurück ins Hostel um dort am Rechner mit WLAN unsere Planungen komplett neu zu setzen.

Ein Hostelzimmer für 4 Personen und Gemeinschaftsbadezimmer für 12 Personen... Island :-)

MAN MUSS EBEN SPONTAN SEIN!

Die neue Destination war schnell gefunden und zwar im Südosten der Insel, nahe genug an Reykjavik um den Heliflug jederzeit antreten zu können und perfekt gelegen um die Gegend um Hekla zu bereisen. Also buchten wir gestern ein Ferienhaus für die kommenden 6 Tage und stornierten alle anderen Hostel in dieser Zeit.

Es war die richtige Entscheidung. Wir haben jetzt fast einen vollen Tag mehr Zeit zum Produzieren und haben den Süden der Insel mit seinen farbenfrohen Landschaftsketten und Hügellandschaften direkt vor der Nase. Außerdem haben wir ein Ferienhaus mit Küche und eigenem Bad. Wir brauchen alle mal etwas Privatsphäre. 4 Kerle auf 16 Quadratmetern ist schon eine Herausforderung. Stockbetten und Gemeinschaftsbad mit 8 anderen Hostelgästen kommt noch dazu. Wir müssen uns auch mal wieder gesund ernähren. Dauernd nur Müll in sich rein zu stopfen weil man weder Besteck noch Zeit hat, das geht auf die Dauer nicht gut.

Voller neuerlichem Tagendrang dank gebuchtem Ferienhaus und dem Ausblick auf etwas mehr Luxus in Form eines eigenen Doppelzimemrs sprangen wir ins Auto und düsten los. Die immer noch suppig-dicke Wolkendecke juckte uns selbst dann nicht, als sich Wolken in Wolken mit Regen verwandelten. Ist halt Island und wir sind ja alle dick angezogen und die Kameras sind auch nicht aus Zucker.

Wobei ein Tipp am Rande. Wir mussten leider schmerzlich feststellen, dass man am Abend des Tages seine Ausrüstung wirklich grundlegend reinigen sollte. Regen und Spritzwasser von Wasserfällen sammelt sich auf den Objektiven und bildet am darauffolgenden Tage nette "Effekte". Absofort steht bei uns jeden Abend ein kompletter Check der Ausrüstung an. Jede Frontlinse wird sauber gewischt.

Auf jeden Fall fotografieren wir hier bei jedem Wetter. Egal ob Regen oder Sonne, es kommt einfach auf den Sensor. :-)

Mitten im Nichts ein herrenloser 4x4... völlig normal hier!

Voller Euphorie wurden wir dann übermutig. Wenn schon Wolken, dann doch direkt ins Gebirge. Wenn die Steppen und flachen Ebenen so trostlos langweilig auf dem Foto aussehen, dann macht man eben, was man nicht denkt... man fährt dort hin wo man richtig Wolken vermutet. Und genau das haben wir dann auch gemacht. Navi angeworfen und direkt die höchste normale Passstraße herausgesucht und losgedüst.

Und wir wurden belohnt. Mit tollen Wolkenformationen und einem immer wieder aufbrechenden Himmel. Es war zwar extrem kalt aber es sah auch extrem schön aus. Szenen wie aus Mittelerde und dem Hobbit. Keine Menschenseele und nur alle 30 Minuten mal ein Auto in der Ferne.

Dort oben haben wir dann endlich das volle Programm auspacken können. Video, Foto, Foto, Foto, Foto... :-)

Wie man deutlich sehen kann, ist es absolut Windstill. Tolle Spiegelungen in der Wasseroberfläche.

Es ist gar nicht so einfach gerade beim Videofilmen auf einen so trostlosen und relativ weißen Himmel zu belichten. RAW-Entwicklung... (ausgenommen die RED)... Fehlanzeige. Das macht die Arbeit echt deutlich schwieriger. Wenn nix im Himmel mehr drin ist, dann ist auch wirklich nix mehr drin. Kurz mal die Lichter retten ist halt nicht drin.

35mm f2

NOT MACHT ERFINDERISCH!

Unsere Panasonic GH4 hat sich in das absolute Timelapse Wunder verwandelt. Überall wo wir hinkommen packen wir die kleine Kamera aus und werfen den eingebauten TimelapseMode an. Die Kamera fotografiert lustig vor sich hin während wir arbeiten und wenn wir fertig sind, dann beenden wir die Aufnahme und die GH4 rendert direkt in der Kamera ein 4K 24fps Video. Echt genial!

Leider hatten wir gestern den Filterhalter im Zimmer vergessen und mussten erfinderisch werden. :) Gaffa hält die Welt zusammen, nicht???

Das Stopmotion-Wunder in Aktion.

Es gibt in Island wirklich beeindruckende Szenerien. Man glaubt schon viel gesehen zu haben und doch zeigt die Insel direkt dann, was sie noch so kann. Noch später am Abend oder vielmehr in der Nacht hatten wir Windstille. Genau in diesem Moment kamen wir an einem Bergsee vorbei und nutzen diese Gelegenheit für Aufnahmen in Wasserhöhe. Ruhiges Wasser und dann muss der Kameraboden die Wasseroberfläche berühren. Sonst ist das nur halb und das ist dann nicht so dolle.

Ich hab ja gestern schon geschrieben dass wir die meiste Zeit im Auto verbringen. Mehr Zeit als im Bett oder beim Fotografieren. Und weil man so viel Zeit irgendwie tot schlagen muss, machen wir alle immer irgendwie total viel Blödsinn. Ich glaube es gibt nicht viele Blödeleien und Veräppelungen die wir uns noch nicht versucht haben anzutun. Der Klassiker ist das Anstellen der Sitzheizung trotz Hitze und Sonnenschein. Oder der stinkende Turnschuh an der Kopflehne des Fahers angebracht. Notbremsung beim Trinken einer 2l Flasche CokaCola ist ebenfalls sehr angenehm. Ich bin gespannt was meinen Mitfahrern in den nächsten 10 Tagen noch an schelmischen Dingen einfällt.

Philip hat am Abend schön einen Keks in Marcs Koffer zerbröselt und Marc dann als Antwort direkt mal Philips Zahnpasta mit Chillipulver befülllt. So muss der Tag beginnen :-)

35mm f2

Ich muss mal was über die nächtliche Lade-Orgie schreiben. Wir haben für die Sony Videokameras 22 Akkus mit und im Durchschnitt brauchen wir ca. 14 volle Akkus pro Tag. Die restlichen Akkus von den Canon Kameras, der Panasonic und der ActionCam kommen natürlich auch dazu. Das bedeutet, dass die Akkus stundenlang laden und sogar zwischendurch immer wieder gewechselt werden müssen. Wir versuchen das Laden der Akkus sogar noch vor dem BackUp zu beginnen und stellen uns mehrere nächtliche Wecker. Wecker klingelt und dann müssen kurz 4-5 Akkus in den Ladeschalen gewechselt werden. Dann wird wieder weiter geschlafen. Wir laden ca. 6 Akkus bzw. Geräte gleichzeitig. Akkus laden wird oft unterschätzt. Aber gerade bei so hammer langen Arbeitstagen mit einem derartigen Pensum wie in Island muss man das mit Sinn und Verstand machen. Ohne geladene Akkus dazustehen wäre denkbar schlecht.

35mm f2

So sieht es übrigens in unserem Auto aus. Und zwar während wir auf Achse sind. Haufenweise Kameras gestapelt. Platz für uns selbst gibt es manchmal weniger als für die Ausrüstung.

Wobei wir auch schon beim lustigen Teil des gestrigend Abends wären. So gegen halb 2 Uhr in der Früh haben wir uns dann auf den Rückweg zum Hostel gemacht und wir hatten uns wirklich einen Schluck verdient. Auf dem Flug nach Island hatten wir uns im Flugzeug der WOWAir 3 Flaschen Hochprozentigen gegönnt. Darunter auch der widerlichste Whiskey aller Zeiten. Mehr Fehlaromen als richtige Aromen.

Und dann ging die Flasche rei um. Bis Reykjavik war sie auch schon leer!

Das Zeugs war so fürchterlich, dass wir probieren mussten, es mit Cola zu mischen. Leider "Pisswarme" Cola. Das machte die Mischung schlimmer und kein Stück trinkbarer. Allerdings gab es jetzt mehr Menge zu trinken und das verlängerte den Spaß.

Auf so einem Trip gehört der Spaß dazu. 14 Tage eingesperrt in einem Auto, dem Wetter und der Umwelt ausgeliefert. Viel Stress und viel zu wenig Zeit für sich selbst... da muss man die Tage auch einfach mal genießen.

In diesem Sinne gehen wir jetzt dann direkt mal schlafen. Das haben wir uns verdient und NEIN, bevor jemand fragt, die Betten sind nicht zusammen. Das sind und bleiben Einzelbetten.

Krolop & Gerst halt :-) Bis morgen, LIEBEN GRUß

Martin

35mm f2
Created By
Martin Krolop
Appreciate
(C) Krolop & Gerst www.krolop-gerst.com/blog

Made with Adobe Slate

Make your words and images move.

Get Slate

Report Abuse

If you feel that this video content violates the Adobe Terms of Use, you may report this content by filling out this quick form.

To report a Copyright Violation, please follow Section 17 in the Terms of Use.