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Wechsel bei Danubia Ein Interview mit Richard Moosheer und Jonathan Mauerhofer

Jonathan Mauerhofer wird ab März unterstützter Mitarbeiter der Vision Europa. Die Ausbildung von Österreichern ist uns ein grosses Anliegen, denn gut ausgebildete Mitarbeiter sollen in Zukunft Gemeinden gründen und aufbauen.

Richard, seit über 30 Jahren förderst du die theologische Ausbildung in Österreich. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Unglaublich vieles! Die freikirchliche Gemeindelandschaft ist heute eine ganz andere als vor 30 Jahren. Es sind in den letzten Jahrzehnten viele Gemeinden gegründet worden in Österreich. 17 dieser Gemeinden haben sich 1992 zusammengeschlossen zum Bund Evangelikaler Gemeinden in Österreich (heute sind es 60 Gemeinden und 7 Gemeindegründungsprojekte). 2013 wurde es gar möglich, für die Freikirchen in einem Dachverband von fünf Bünden eine staatliche Anerkennung als Kirche zu bekommen. Eine unfassbare Entwicklung in einem Land, in dem es nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr als zehn freikirchliche Gemeinden gab. Die Frucht der Arbeit vieler Missionare aus der ganzen Welt. Damit ist Österreich aber noch lange nicht wirklich mit dem Evangelium erreicht worden – aber jetzt muss die Hauptlast für Gemeindegründung und Gemeindeaufbau mehr und mehr von den Missionaren aus dem Ausland weg zu einheimischen Geschwistern übergehen. Darum wurde theologische Ausbildung in Österreich schon sehr bald ein wichtiges Thema.

Vor 30 Jahren blühte die Arbeit von Biblische Ausbildung am Ort (BAO) auf. Es sollten nebenberufliche Gemeindeleiter, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ausgerüstet werden für ihren Dienst. 2004 wagten wir den Schritt zur Gründung der Evangelikalen Akademie Österreich (EVAK) mit dem Ziel, Einheimische auszubilden für den Dienst im eigenen Land. Die Anerkennung als Freikirchen hat dann den Weg geebnet, an eine an die Bibel gebundene universitäre Einrichtung zu denken, zunächst zur theologischen, später auch zur Ausbildung in anderen Fächern auf biblischer Basis. Gemeindegründung und seriöse theologische Ausbildung gehen in einem Missionsland Hand in Hand und führen mit der Zeit zur Mündigkeit und Selbständigkeit.

Richard, was sind die Hürden, die noch genommen werden müssen, damit Campus Danubia als Universitätsausbildung Wirklichkeit wird?

Wir arbeiten am zweiten Antrag. Den ersten zogen wir 2019 zurück, das Projekt war noch nicht reif genug. Damit der zweite Antrag möglich wurde, musste ganz viel umgedacht werden im Bereich Personal, Forschung und Lehrpläne. Der HERR hat gewaltig gewirkt, Mängel ausgefüllt, hochqualifizierte Menschen geschenkt, die bereit sind, das Projekt mitzuentwickeln. Der Antrag liegt nun bei der entsprechenden Behörde. Wenn er angenommen wird, werden wir wieder von Experten und Expertinnen besucht, die unser Vorhaben genauestens prüfen und am Ende hoffentlich eine positive Empfehlung aussprechen.

Du wirst im März pensioniert und übergibst den Stab an Jonathan Mauerhofer – was schätzt du besonders an Jonathan?

Jonathan ist mir ein Freund, ein hervorragender junger Wissenschaftler, Theologe und Historiker, aber auch ein Mann der Gemeinde und ein ernsthafter Nachfolger Jesu. Diese Kombination befähigt ihn optimal für die Leitung unseres theologischen Instituts.

Jonathan: Du bist ja schon mitten in der Arbeit. Was freut dich besonders daran?

Richard hat mich 2006 auf die neu gegründete Evangelikale Akademie in Wien angesprochen. Ich stand damals am Ende meines Theologiestudiums an der STH und suchte nach dem Willen des Herrn für mein Leben. Ich wusste um den dringenden Bedarf an gründlicher biblischer und theologischer Ausbildung in Österreich. So nahm ich diese Herausforderung mit Freude an. Damals konnte ich allerdings nicht erahnen, dass Richard mich einmal als Vizerektor der EVAK und schliesslich als seinen Nachfolger fördern, unterstützen und berufen würde. Die EVAK war ein Aufbauprojekt, ebenso auch das aktuelle Akkreditierungsprojekt Campus Danubia. Es ist ein besonderes Vorrecht, in dieser positiven und aufregenden Zeit des Aufbaus mitzugestalten die zugleich Geduld und Durchhaltevermögen fordert. Ich bin sehr dankbar dafür, dass Richard mir in den vielen Auf und Abs im Akkreditierungsprozess stets beratend und ermutigend zur Seite steht.

Jonathan: Was freut dich an der Zusammenarbeit mit der Vision Europa? Was sind deine Wünsche?

Mich freut das gemeinsame Anliegen für gut ausgebildete Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Gemeinden, das Anliegen für eine in der Bibel gegründete nächste Generation an Verantwortungsträgern sowie das Anliegen für die Gesellschaft, in der wir zum Licht und Salz gesetzt sind.

Mich freut die gemeinsame Verankerung in der Bibel als Wort Gottes als feste Grundlage für unser Leben und Wirken. Mein Wunsch ist, dass ich einen Beitrag zur Arbeit der Vision Europa leisten darf und die Zusammenarbeit zwischen Vision Europa und der theologischen Ausbildung in Österreich sich weiterhin als vielseitig segensreich für dieses Land erweist.

Jonathan: Richard wird ja noch unterstützend mitarbeiten. Was schätzt du besonders an ihm, was hast du besonders von ihm gelernt?

Richard hat mit seiner Familie in Österreich eine grosse Segensspur hinterlassen. Es ist ein Motivator und Unterstützer. Er ist einfühlsam, kann gut zu- und hinhören, ein begabter Seelsorger. Fest auf der Bibel gegründet, aber in seinen Meinungen nicht festgefahren. Er schätzt den persönlichen Austausch und gibt gerne Impulse aus seinem reichen Erfahrungsschatz weiter. Richard ist Stratege und Theologe und mit vollem Herzen Familienvater und Grossvater. Es gehört zu den grossen Segnungen in meinem Leben, mit Richard unterwegs sein und von ihm lernen und profitieren zu dürfen. Vor allem was seine Art, mit anderen Menschen umzugehen, betrifft, wie er sich selbst zurücknimmt, positiven Entwicklungen nicht im Wege stehen will und wie er stets danach strebt, andere für den Dienst im Reich Christi zu ermutigen.

2018 wurde Campus Danubia als gemeinsames Projekt der EVAK und zweier weiterer theologischer Ausbildungsstätten gegründet. Campus Danubia bietet vorerst ein Zertifikat in Theologie in Form eines Jahresprogramms an. Erstes Ziel ist eine staatliche Akkreditierung zur «Privatuniversität für Kirche und Gesellschaft (PKG)» Mit der Akkreditierung werden zwei Bachelor- und ein Masterprogramm im Bereich der Theologie angeboten. Langfristiges Ziel ist ein universitäres Angebot weiterer Fächer im Bereich der Sozial- und Humanwissenschaften auf biblischer Basis.