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It's not the school - It is the learning Impuls für schule 2030

In Anlehnung an den Song "Nina Cried Power" von Hozier, von dem der Titel dieser Präsentation inspiriert ist, möchte ich noch 2 weitere Zeilen der Lyrics teilen:

It's not the openin' of eyes It's not the wakin', it's the risin'

Dies beschreibt meiner Meinung nach die Haltung, die für Veränderungen wichtig ist. Die jetzige Krisensituation öffnet uns die Augen. Aber dieses Erwachen allein bringt noch keine Veränderung. Erst das Aufstehen, sich an die Arbeit machen, die Probleme angehen - kann Bildung weiterentwickeln.

Ausgangspunkt muss eine Analyse der Lage sein. Daraus lassen sich dann die nächsten Aufgaben ableiten.

#COVID19 - empty classrooms

Unsere Welt wird im Moment von der Corona-Pandemie bestimmt und die Begriffe Krisenzustand - Lock down - physical distancing bezeichnen treffend die Situation, auch im Bereich Bildung.

Es wird eine Bildung vor und nach Corona geben. Soviel ist sicher.

Wie das “Danach” aussieht, können wir beeinflussen und gestalten. Dies ist für mich eine der wichtigsten Haltungen während der Krise. Nehmen wir diese Situation als Impuls zum Nachdenken über Bildung und als Startschuss für das Projekt #schule2030.

Analyse

Die Corona-Krise legt bisherige Fehler, falsche Entscheidungen und Versäumnisse offen. Diese zu erkennen und an ihnen zu arbeiten, ist die Aufgabe.

Bestandsaufnahme und Erkenntnisse:

  • nicht hinlänglich ausreichende technische Ausstattung der Schulen (Fakt)
  • fehlende Richtlinien für Konzepte den Einsatz von Technik betreffend, zur Integration von Schüler:innengeräten (BYOD) oder schuleigenen Geräte (z. B. Datenschutz)
  • eine große Anzahl von Lehrer:innen setzt sich hochmotiviert für ein Gelingen des #distancelearning ein - trotz widriger Umstände
  • fehlende Fortbildungen, die auf Möglichkeiten und Besonderheiten des "digitalen Lehrens und Lernens" vorbereiten (schon ein länger vorhandenes Problem)
  • Erkenntnis, dass Lehr-Lernprozesse nicht an Schule als Ort gebunden sind
  • Lernen wird als tatsächlich konstruktivistischer Prozess erlebt, der sich nur schwer zeitlich oder räumlich planen lässt
  • Lernen kann nicht wie bisher bewertet/benotet werden (gemeint sind auch Prüfungen)
  • Lernenden und Lehrenden fehlt der soziale Kontakt
  • Aufmerksamkeit ("engagement") ist keine Sache der Anwesenheit und Disziplin
  • Lernende müssen wirklich motiviert werden
  • Unterrichtsstoff und Arbeitsaufträge sind weniger an Lehrbücher gebunden als der "analogen Unterricht" glauben machte
  • Bildung ist ein zutiefst kommunikativer Prozess, der auf kollaborativen Prozessen beruht
  • e-learning kann "analogen Unterricht" nicht ersetzen, nur ergänzen
elearning als Lösung?

Aus dem gefühlten Nischendasein des digitalen Lehrens und Lernens im Vor-Corona-Stadium avanciert elearning unter Corona-Bedingungen zum Mittel für Bildung schlechthin. Alles muss digital organisiert werden - Input aller Art, Konferenzen, Meetings, Erarbeitungsphasen, Präsentationen, Feedback, Reflexion, … .

Keine Präsenzveranstaltungen. Kein f2f.

Auch wenn elearning jetzt in der Krise als #distancelearning, #remotelearning oder #digitaleLehre bezeichnet und eingesetzt wird, so entspricht es weder dem elearning vor der Krise, noch wird es dem nach der Krise gleichen.

Fazit: Bildung ohne Präsenz ist auf Dauer nicht zu leisten.

Antwort: Blended Learning

Optionen
Wenn Sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiß digitalen Prozess. (Thorsten Dircks)

Es geht also um den pädagogischen Prozess.

Um den didaktisch gestalten zu können, ist aber nicht nur pädagogisches und fachliches Wissen gefragt. Was von ebensolcher Relevanz ist, ist das Wissen über den Einsatz und die Möglichkeiten, die digitale Technologien bieten und wie man mit ihnen umgeht.

Warum dieser technologische Bereich im 21. Jahrhundert ein entscheidender ist, erleben wir gerade, wenn wir uns mehr oder weniger erfolgreich im digitalen Homeoffice organisieren oder wir sehen es bei unseren Kindern: wie digitales Lernen funktioniert - oder eben nicht.

Digitalisierung - digitale Transformation - digitale Disruption

Digitalisierung, die technische Überführung analoger Abläufe in digitale, stellt kein Lösungskonzept für Bildungsprobleme dar. Digitalisierung muss an eine sich ständig verändernden Konzeption gekoppelt sein, die auf Wissen, Haltung und Skills sowie konnektivistischem Networking beruht. Dann wird schnell klar, dass wir in Bildung nicht vom rein technischen Aspekt der Digitalisierung reden, sondern von digitaler Transformation - einem schrittweisen Übergang von einer analogen in eine digital geprägte Welt. Dies bedeutet aber auch, dass beide Elemente - analoge und digitale - bedeutsam sind und es eine hohe Kompetenz braucht, um Wahl und Einsatz zu bestimmen. Die Kompetenzen zu erwerben, sich in dieser digital geprägten Welt zurecht zu finden, ist die Aufgabe von Schule.

Der Begriff der digitalen Transformation meint einen Übergangsprozess und suggeriert, wir erleben eine langsame, stetige, kontrollier- und steuerbare Umgestaltung.

Das ist ein Trugbild. Wir sind mitten in einem radikalen Wandel - also einer digitalen Disruption. Diese Entwicklung wird durch die Corona-Pandemie verschärft. Corona wirkt wie ein Katalysator, der die Entwicklungsrichtung nicht ändert, wohl aber beschleunigt.

Denkanstöße - Türen aufstoßen

Im Folgenden soll keine vollständige Liste entstehen, auch keine Reihenfolge, die abzuarbeiten wäre. Es handelt sich um Punkte, die meiner Meinung nach JETZT in den Fokus der Reflexion rücken müssen. Dabei steht nicht Kritik an Bildung unter Corona-Bedingungen im Fokus, sondern Kritikpunkte, die schon länger offensichtlich sind, aber bisher nicht (zumindest von Seiten der Politik) als dringlich wahrgenommen wurden.

Anwesenheitspflicht?

  • Schule braucht keine tägliche Anwesenheitspflicht
  • "Homeschooling"-Tage nach Alter abgestuft sollten möglich sein oder Teamtage zum selbstorgansierten Lernen

Zeitmanagement?

  • Ende der starren Schulstunden-Taktung
  • Projektzeit - tage- oder wochenweise
  • mehr Selbstverantwortung in der Planung und Durchführung für Schüler:innen (altersabhängig)

Bewertung?

  • Sind Noten noch zeitgemäß?
  • formative assessment als Grundprinzip der Bewertung
  • allgemeine und zentrale Leistungsstandserhebungen als Orientierung
  • Leistungsnachweise als Teil eines ePortfolios

Prüfungen und Abschlüsse?

  • nicht Abschlüsse, sondern Nachweise
  • statt Prüfungen Eignungstests
  • keinen allgemeinen Numerus Clausus, sondern Belege aus relevanten Bereichen
  • kein Sitzenbleiben

Lerngruppenstrukturen?

  • flexibel
  • altersgemischt
  • kleine Größe
  • themen- bzw. projektbezogene Zusammenstellung
  • Funktion Klassenlehrer:in ändern in Tutor:in - nicht gleichzeitig Lehrer:in des Teams

"Engagement" im Unterricht?

  • durch für Schüler:innen relevante, selbsterarbeitete Fragestellung
  • Lebensweltbezüge
  • Aktualität
  • SEL - Social Emotional Learning
  • Herausforderung

Disziplin und Erreichbarkeit?

  • verbindliche Vereinbarungen
  • echte Kommunikation statt Anweisungen
  • Selbstverpflichtung

Lehramtsstudium?

  • digitaler Workflow als selbstverständliche Arbeitsweise (WOL, Design Thinking)
  • Kenntnisse im Bereich "digitale Bildung" (Konzepte und Tools)
  • Etablierung eines "growth mindset"
  • Aufbau eines PLN

Referendariat?

  • stärkere Verzahnung mit LA-Studium
  • Fokus auf ePortfolio als Leistungsnachweis (keine Benotung)
  • flexible Dauer von 12-24 Monate
  • ePertfolio als Bewerbungsgrundlage bei Schulen
  • Fortsetzung vom LA-Studium: Workflow, PLN
  • LLL (lifelong learning) als Grundhaltung von Pädagogen

Fortbildung und Seiteneinstieg?

  • digitaler Workflow als Grundlage des LLL
  • PLN als Grundlage der professionellen Netzwerkarbeit nutzen
  • Mikrofortbildungen an Schulen verstetigen
  • außerschulische Perspektive und Kompetenzen durch Seiteneinsteiger nutzen

Lehrbücher?

  • Bildung in digitaler Welt = Wissen ist im Internet leicht und ohne große Barrieren zugänglich
  • Lehrende recherchieren und bereiten aktuelle Wissensbestände und Arbeitsweisen auf
  • erstellte Materialien als OER (Open Educational Resources) zur Verfügung stellen

Aufgabenformate?

  • offene Fragestellungen
  • komplexe Projekte
  • fächerverbindende Bearbeitung
  • größere Zeiträume zur Bearbeitung

Schule als sozialer Raum?

  • weg vom Verständnis als Aufbewahrungsort und reine Institution zur Wissensvermittlung
  • Freiräume für soziales Interagieren, SEL
  • Zusammenarbeit auch mit außerschulischen Akteuren
  • Lernen am dritten Ort

Dies alles sind Aspekte, die hinterfragt werden müssen. Sie gehören auf den Prüfstand, müssen diskutiert werden.

Eine Technologie des 21. Jahrhunderts passt nicht mit einer Pädagogik aus dem 20. Jahrhundert und einer Schularchitektur aus dem 19. Jahrhundert zusammen. Das führt zu negativen Effekten. Das sollte uns aber nicht davon abschrecken, nach guten Lösungen zu suchen. (Andreas Schleicher)

https://www.news4teachers.de/2019/02/schleicher-im-interview/

Suchen wir nach Lösungen für Projekt #schule2030!

Es ist allerdings nicht die Zeit der überstürzten Entscheidungen, um sofort Lösungen zu präsentieren, sondern es muss sich auf Konzepte konzentriert werden, die jetzt einsetzbar sind, aber auch nach der Lock-Down-Zeit Bestand haben ...

... und den pädagogischen Prozess in das Zentrum der Betrachtungen stellen.

Konzepte

Konzepte, die einen Leitfaden zur Gestaltung von Lehr-Lernszenarien bieten, für Entscheidungen zur Auswahl und zum Einsatz von Tools, für Reflexion und Evaluation.

Konzepte, die “mitwachsen” - sich neuen Herausforderungen und Entwicklungen anpassen.

Konzepte also, die uns dazu bringen, die richtigen Fragen zu stellen.

Die Welt, für die unser Bildungssystem geschaffen wurde, existiert nicht mehr. … wir müssen Lernende so ausbilden, dass sie anpassungsfähig und versatil, also vielseitig und beweglich sind. (Fadel, Billig, Trilling)

Fage, Charlesl/Bialik, Maya/Trilling, Bernie(2015): Die vier Dimensionen der Bildung. Was Schülerinnen und Schüler im21. Jahrhundert lernen müssen. Deutsche Übersetzung von Jöran Muuß-Merholz(2017). Hamburg: Verlag ZLL21 e.V.

Welche Konzepte und Ideen sollte man sich genauer anschauen?

TPCK-Modell - Orientierungsrahmen für Lehrende zum Einsatz von digitalen Medien im Unterricht

4K - zwar kein Modell oder Konzept, aber: ohne die geht's nicht!

Dagstuhl-Dreieck - Perspektiven zum Einsatz digitaler Medien

Diese Übersicht soll einen Denkanstoß geben und als Diskussionsgrundlage dienen, festgefahrene Routinen in Frage zu stellen und der Haltung "Das haben wir schon immer so gemacht ..." entgegenzutreten.

Wichtiger Grundsatz für Bildung im 21. Jahrhundert: Lifelong Learning in Netzwerken und eine kritische Haltung einnehmen, um Entwicklungen

  • zu hinterfragen
  • zu prüfen
  • zu begleiten
  • zu beeinflussen.
Netzwerke sind die neuen Lernorte

Lernen bedeutet nicht Anwesenheit und Disziplin.

Lernen ist nicht an einen Ort, sondern eher an Neugier, Motivation, Einstellung gebunden.

Lernen ist zwar ein individueller kognitiver Prozess, der aber wiederum an Netzwerke gebunden ist - also die Gemeinschaft braucht.

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie wird dies überdeutlich. Lernprozesse sollen und werden (wie gut oder auch nicht will ich hier nicht diskutieren) außerhalb der Schule organisiert. Aber sehr deutlich wird, dass neben technischen Schwierigkeiten und inhaltlichen Überlegungen immer wieder der fehlende Kontakt thematisiert wird. #physicaldistancing macht uns die Wichtigkeit sozialer Nähe klar.

Netzwerken will gelernt sein!

Das Verständnis von Lernen als Prozess der Selbstorganisation wird jetzt die Grundlage des Arbeitens - für Lehrende und Lernende. Und auch hier zeigt sich eine Schwäche des aktuellen Systems Schule - Selbstorganisation war in den wenigsten Fällen immanenter Bestandteil des schulischen Lernens und nachhaltig verankert.

Selbstorganisation - unter normalen Bedingungen schon schwierig - verlangt unter rein digitalen Bedingungen noch größere Übung.

  • Passende Werkzeuge müssen ausgewählt sein.
  • Ein digitaler Workflow muss sich etabliert haben.
  • Mein PLN muss verlässlich funktionieren.

Schon diese 3 Aussagen zeigen, dass "digitaler Unterricht" oder "digitale Lehre" einer Einarbeitungszeit bedarf - für Technik (Werkzeuge), Skills (Workflow) und Netzwerk.

Networking is more about 'farming' than it is about 'hunting'. It's about cultivating relationships. (Ivan Misner)
Projekt #schule2030

Nehmen wir uns jetzt die Zeit, die uns diese Krise verschafft. Denken wir Schule neu! Viele "altehrwürdige" Abläufe gehören auf den Prüfstand. Aktueller denn je wird dies im Moment am Beispiel der Prüfungen und damit auch Benotung deutlich.

Nehmt Strukturen nicht als gegeben und unabänderlich hin. Lasst uns in Diskussionen treten und nach Lösungen suchen - sinnvoll, praktikabel, zeitgemäß.

Wir brauchen Resultate, keine Ausreden!
Created By
Ines Bieler
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Credits:

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