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1873: Kärnten und das Lavanttal auf der Wiener Weltausstellung Von Werner M. Thelian

Vor über 145 Jahren nahmen auch Betriebe, Vereine und Institutionen aus Kärnten und dem Lavanttal an der größten Ausstellung teil, die man bis dahin je gesehen hatte. Über 50.000 Aussteller aus 35 Ländern präsentierten in pompösen Hallen und extravaganten Pavillons sechs Monate lang ihre Exponate und lockten insgesamt sieben Millionen Besucher an. Dennoch war das internationale Großereignis von Anfang an von Pleiten, Pech und Pannen überschattet.

Am 1. Mai 1873, einem Donnerstag, eröffnete Kaiser Franz Joseph höchstpersönlich die Weltausstellung. Damit wurde die kaiserliche und königliche Haupt- und Residenzstadt Wien für ein halbes Jahr zum Schauplatz einer spektakulären Großveranstaltung, die alles in dieser Hinsicht bereits Dagewesene von Anfang an weit in den Schatten stellte.

Weltausstellung der Superlative

Sie war die fünfte in der um die Mitte des 19. Jahrhunderts begonnenen Reihe der Weltausstellungen und die erste im deutschsprachigen Raum. Ihre Vorgängerinnen, die Weltausstellungen in London (1851 und 1862) und in Paris (1855 und 1867), übertraf sie in nahezu allen Bereichen.

Das Ausstellungsgelände im Prater und darüber hinaus war rund 233 Hektar groß und umfasste über 200 einzelne Ausstellungsbauten. Die meisten hatte man eigens für diesen Anlass geplant und gebaut. Die größten Bauwerke waren der fast einen Kilometer lange „Industrie-Ausstellungs-Palast“, die Maschinen- und die Kunsthalle sowie die beiden Landwirtschaftshallen. Dazu kamen die zahlreichen kleineren Pavillons, angefangen vom Pavillon des Kaisers bis hin zu den zahlreichen Pavillons der teilnehmenden Länder, verschiedenen Interessengruppen und der Gastronomie.

Geländeplan der Weltausstellung mit dem Industrie-Ausstellungs-Palast und der Rotunde, dem damals größten Kuppelbau der Welt.

Ein steirisches Weinhaus und skandinavische Schulhäuser waren am Gelände ebenso zu finden wie ein japanisches Teehaus, ein türkischer Basar, Leuchttürme und Minarette. Das mit Abstand prominenteste Bauwerk und zugleich der architektonische Mittelpunkt der gesamten Ausstellung war der damals größte Kuppelbau der Welt: die gewaltige Rotunde.

Insgesamt präsentierten etwa 53.000 Aussteller aus ganz Europa und aus Übersee ihre Exponate. Sie zeigten die neuesten Erfindungen, kunsthandwerkliche Erzeugnisse, technische Vorrichtungen und Maschinen, Industrieprodukte, Bodenschätze, Volkstümliches und vieles mehr. Hätte man damals sämtliche Exponate der Weltausstellung besichtigen wollen, hätte man dafür – nach Berechnungen des Ausstellungs- und Organisationsbüros – nicht weniger als 40 Tage benötigt.

Die Weltausstellung in Wien bot Besuchern aus aller Herren Länder eine Vielzahl an Novitäten und Erfindungen. Aber auch ein echtes Indianerdorf wurde aufgebaut.

Keineswegs in jeder Hinsicht ein Erfolg

Was man jedoch viele Jahre lang geplant und mit immensem Arbeits- und Kostenaufwand vorbereitet hatte, um der Welt erneut einen Beweis für die Bedeutung Wiens und Österreich-Ungarns zu liefern, war in mancherlei Hinsicht vom Pech verfolgt. Als man die Ausstellung am 1. Mai eröffnete, waren einige Großbaustellen noch längst nicht fertig. Dazu kamen die ungewöhnlich zahlreichen Regentage, an denen Teile des Ausstellungsgeländes buchstäblich im Dreck zu versinken drohten und kaum noch zu begehen waren.

Überschattet wurde das Ausstellungsgeschehen aber auch vom großen Börsen-Crash, der im Mai 1873 insbesondere die Wiener Börse und damit Österreich-Ungarn betraf. Allein am 9. Mai, dem sogenannten „Schwarzen Freitag“, gab es 120 Insolvenzen – darunter eine große Bank – und dramatische Kursverluste. Im Sommer wurde Wien dann auch noch von einer Cholera-Epidemie erfasst, wobei über 3.000 Menschen erkrankten und mehr als 1.000 ihr Leben ließen.

Alles andere als der beste Zeitpunkt für einen sensationellen Publikumserfolg. Obwohl die Organisatoren der Ausstellung ursprünglich mit 10 bis 20 Millionen Besuchern gerechnet hatten, dann aber nur sieben Millionen kamen, blieben Wien und der Prater sechs Monate lang ein Hauptanziehungspunkt für Gäste aus nah und fern. Unter den Besuchern waren auch hohe Staatsmänner und gekrönte Häupter, die von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth zumeist persönlich begrüßt wurden: u.a. der deutsche Kaiser Wilhelm I. und die deutsche Kaiserin Augusta, Zar Alexander II., Italiens König Viktor Emanuel II. und Fürst Otto von Bismarck. Aber wohl kein anderer Weltausstellungstourist erregte im damaligen Wien solches Aufsehen wie der Schah von Persien, der mit großem Gefolge und exotischem Prunk angereist war.

Die Kärntner und Lavanttaler Teilnehmer

Unter den Teilnehmern der Wiener Weltausstellung waren damals auch Kärnten und das Lavanttal. Wie viele andere Regionen Österreich-Ungarns und der Welt präsentierte Kärnten seine Geschichte, seine Wirtschaft und Industrie, seine landwirtschaftlichen Erzeugnisse und seine Leistungen auf den Gebieten der Wissenschaft, der Technik und der Kunst.

Ein besonderer Schwerpunkt war der Bergbau bzw. die Entwicklung der Kärntner Montanindustrie. Um dieses Thema möglichst eindrucksvoll präsentieren zu können, hatte man sich zu einem gemeinsamen Auftritt der montanindustriellen Unternehmen mit dem naturhistorischen Landesmuseum aus Klagenfurt und dem Berg- und hüttenmännischen Verein entschlossen. Die daraus resultierende Kollektiv-Ausstellung wurde in einem eigenen Kärnten-Pavillon gezeigt und stieß bei den Besuchern auf großes Interesse.

Der Pavillon der Kärntner Montanindustrie.

Ein Rundgang durch den Kärnten-Pavillon

Der Kärnten-Pavillon auf der Wiener Weltausstellung befand sich im Ostteil des Ausstellungsgeländes und war zwischen Industriepalast und Maschinenhalle angesiedelt. Betrat man den Pavillon entweder durch das Haupttor oder einen der Nebeneingänge, konnte man gleich die kolossale, aus Gips gegossene Statue der „Carinthia“ sehen. Rund um sie herum verfolgte man die Absicht, dem Publikum einen Überblick über das gesamte Kärntner Berg- und Hüttenwesen sowie die damit in Zusammenhang stehenden Industriezweige zu ermöglichen.

Im Mittelpunkt standen Blei und Eisen, aber auch Kohle und andere Berg- und Bodenschätze fanden die ihnen gebührende Beachtung. Die Bleiberger Bergwerks-Union mit Firmensitz in Klagenfurt zeigte die breite Palette der Kärntner Erzeugnisse aus Blei: u.a. Schrote, Plomben, Bleiröhren und verschiedenste Arten von Munition. Hingewiesen wurde auch auf die Bedeutung bleihaltiger Farben, mit deren Herstellung sich damals die Bleiweißfabriken der Industriellenfamilie Herbert in Wolfsberg und Klagenfurt beschäftigten.

Der Lavanttaler Bergbau und die auf ihm beruhenden Industriezweige waren im Kärnten-Pavillon in erster Linie durch die Unternehmen des Grafen Henckel von Donnersmarck vertreten. In diesem Teil der kollektiven Ausstellung konnte man u.a. Erze, mineralogische Besonderheiten, Roheisen, Wagenfedern, Kohle und Koks, Zementeisen und Stahl finden.

Gleich daneben stellte die Aktiengesellschaft der Hüttenberger Eisenwerke aus. Sie präsentierte nicht nur den Eisenbergbau selbst, sondern auch den Bergbau nach Braunkohle, den Grafit-Bergbau, die Torfmoore, Hochöfen und Raffinierwerke. Neben den großen Drei der Kärntner Montanindustrie – den Bleiberger, Lavanttaler und Hüttenberger Werken – stellten auch einige kleinere Unternehmen aus, die sich u.a. mit dem Abbau von Gold und Bleiglanz (Galenit) beschäftigten. Das naturhistorische Landesmuseum verdeutlichte die geologischen, mineralogischen und meteorologischen Besonderheiten Kärntens und bot zu diesem Zweck zahlreiche Karten, Schautafeln, Muster und Modelle auf. Gezeigt wurden auch Bausteine aus Kärnten, Straßenbaumaterial bzw. verschiedene Schottersorten, Tone, Ätzkalk und Quarze. Und natürlich durften die neun vom Museum bisher herausgegeben Jahrbücher nicht fehlen.

Obwohl die Wiener Weltausstellung als großartige internationale Schau, die vieles bewegte, in die Geschichte einging, war sie in finanzieller Hinsicht ein Desaster. Statt der ursprünglich vorgesehenen 6 Millionen Gulden hatte die Ausstellung insgesamt 19,1 Millionen Gulden gekostet. Die Einnahmen beliefen sich jedoch nur auf 4,2 Millionen Gulden.

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Wissenswertes über die Weltausstellung in Wien

  • Die Weltausstellung in Wien fand vom 1. Mai bis 2. November 1873 statt. Einige interessante Fakten rund um die Großausstellung:
  • Wien hatte im Ausstellungsjahr 1873 etwas mehr als eine Million Einwohner. Die Organisatoren der Ausstellung rechneten für die Ausstellungsdauer mit 10 bis 20 Millionen Besuchern aus aller Welt. Gekommen sind letztlich „nur“ etwa 7 Millionen, was einen großen finanziellen Verlust zur Folge hatte.
  • Auf dem 233 Hektar großen Ausstellungsgelände wurden rund 200 Einzelbauten errichtet. Hier präsentierten sich etwa 53.000 Aussteller.
  • Hätte man sämtliche Ausstellungsobjekte besichtigen wollen, wären dafür 40 Tage notwendig gewesen. Das haben damals die Beamten vom Ausstellungs- und Organisationsbüro berechnet.
  • Beim Besuch der Ausstellung war Eintritt zu bezahlen. Es gab verschiedene Kategorien und einen Extra-Eintritt für den Ausblick von der Rotunde. Im Laufe der Zeit wurden die Eintrittskarten günstiger, um mehr Besucher anzulocken.
  • Der besucherstärkste Tag war der letzte Ausstellungstag, an dem 106.000 Menschen kamen.
  • Weil man auf 20 Millionen Besucher hoffte, die Wiener Hotels aber nur 10.000 Personen gleichzeitig aufnehmen konnten, ließ man im Vorfeld der Ausstellung die Zahl der zu mietenden Privatzimmer erheben. Das Ergebnis: In Wien standen 18.237 privat zu vermietende Betten zur Verfügung. Weiters hoffte man, etwa 12.000 Personen in den Vororten unterbringen zu können.
Created By
Werner Thelian
Appreciate

Credits:

Wikimedia, ÖNB Zeitschriftenarchiv, Privat

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