Jack meets Herbert Die Suche nach Familie Friedmann

Am ersten April-Wochenende kam es zu einer außergewöhnlichen Begegnung in Enns-Kristein zwischen Jack Hersch und Herbert Friedmann. Jack, der Sohn des vom Todesmarsch von Mauthausen nach Gunskirchen in Kristein geretteten David Hersch begegnete dem Enkel seiner Retter.

Das Treffen

Der Aufruf vor einigen Monaten, näheres über die Familie Friedmann zu erfahren, trug Früchte. Aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung und eigenen Recherchen konnte Kontakt mit dem Enkel Herbert Friedmann, der im Waldviertel lebt, aufgenommen werden und es wurde ein Treffen der beiden arrangiert.

„Wie waren deine Großeltern, was waren das für Menschen?“ „Und es sei crazy, verrückt, was da passiert ist“, so der Amerikaner Jack Hersch.

Herbert Friedmann führte durch das Haus, die Scheune, den Dachboden, erzählte Geschichten von Ignaz und Barbara Friedmann. Wo mag sich sein Vater in der Scheune versteckt haben, wie konnte das trotz der im 1. Stock einquartierten SS organisiert werden, wie überlebte David Hersch eine Woche im Freien mit 8 Kartoffeln und einer Decke am Kristeinerbach? Fragen über Fragen, die Stück für Stück vor Ort beantwortet werden.

Für Jack ist diese Spurensuche persönlich sehr wesentlich, denn ohne Errettung seines Vater David Hersch durch die Friedmanns säße er nicht da, eine Sichtweise, die er öfter erwähnt. Eine außergewöhnliche mutige Tat der Kristeiner Baumeisterfamilie mit weitreichenden Folgen. Drei Wochen von 16. April bis 5. Mai 1945 verbinden diese beiden Männer und ihre Geschichten.

Jack Hersch & Herbert Friedmann ©MKÖ

Die Geschichte von David Hersch und Fam. Friedmann

Als am 16. April ein Marsch in Richtung Gunskirchen von Mauthausen abging, gelang dem 20jährigen David Hersch in Kristein die Flucht. Versteckt im Gebüsch des Kristeinerbaches wurde er von Barbara Friedmann gefunden und in der Dunkelheit von ihrem Mann Ignaz auf seinem Pferdewagen unter einem Waschtrog in ihre Scheune gebracht. So retteten sie Davids Leben.

Jack Hersch wurde erst nach dem Tod seines Vaters David so richtig auf dessen Geschichte aufmerksam. Einige Male zog es ihn nach Enns, um für sein Buch über die Rettung seines Vaters zu recherchieren. Dieses wird vermutlich 2018 vorerst in Englisch erscheinen.

v.l.n.r. Fam. Schlackl, Hr. Friedmann, Hr. Hersch & Fam. Käferböck ©MKÖ

Ein Personenkomitee macht sich seit kurzem in Enns auf Spurensuche, auch mit dem Interesse, diese Geschichte von Mut und Zivilcourage und die Geschichte der Todesmärsche ins Ennser Geschichtsbewusstsein zu rücken. Nur sehr wenige bewiesen damals solchen Mut zur Menschlichkeit. Geplant ist, an der Stelle der Rettung am Ende der Zuckerfabriksmauer ein Zeichen der Erinnerung und Ermutigung zu setzen. Nähere Informationen bei Fritz und Gabriele Käferböck (gabriele.kaefer@aon.at)

© MKÖ

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