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Reif für die Insel Urlaub auf Madeira, der „Perle des Nordatlantiks“

VON STEVE REMESCH

Abseits vom Massentourismus und trotzdem nur knapp vier Stunden von Luxemburg entfernt liegt das Atlantik-Archipel Madeira – ein Paradies für Wanderer und Erholungsbedürftige, für kulinarische Genießer und Abenteuerlustige.
„Madeira ist die Ruhe selbst“, meint Fremdenführerin Ana Maria Rentroia. Die „Blumeninsel“ oder die „Insel des ewigen Frühlings“ nenne man sie daher auch, weil sie eben das ganze Jahr über in der Blüte sei. „Wir haben unseren eigenen Lebenswandel“, haucht sie fast hypnotisch. „Weit weg von der Hektik der Metropole Lissabon. Wir beschränken uns auf das Angenehme, die Ruhe, die Sanftheit. Die Insel ist ein Traum“.
Die Worte von Ana Maria sind ein Versprechen, das es erst einmal zu halten gilt. Schließlich ist Madeira auch nur eine Nordatlantik-Insel wie andere auch. Und doch ist Madeira anders. Drei Stunden und 50 Minuten Flugzeit von Luxemburg entfernt, hat die portugiesische Insel nur sehr wenig mit der weitaus bekannteren, 400 Kilometer südlich liegenden kanarischen Inselgruppe gemein. Doch was unterscheidet beide Urlaubsziele?
Kurz: Das Klima und der Massentourismus. Ersteres ist auf der portugiesischen Insel sehr mild. Zweiteren gibt es auf der „Perle des Atlantiks“ nicht. Tatsächlich liegen die Durchschnittstemperaturen in Madeira das ganze Jahr über um 20 Grad. Im August werden Höchstwerte um 26 Grad erreicht, im Januar 19 Grad. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei rund 70 Prozent. Von November bis Februar werden monatlich acht bis neun Regentage gezählt – weniger als halb so viele wie in Luxemburg. Im Sommer regnet es drei Monate so gut wie gar nicht.
Entdeckungstour im botanischen Garten.
Was auf den ersten Blick wie ein Nachteil für eine Urlaubsinsel erscheint, entpuppt sich tatsächlich als reinen Gewinn: Auf Madeira gibt es keine Sandstrände und das führt dazu, dass die Insel bislang von Billigreisen und Massentourismus verschont blieb.
Die Zielklientel sei eine andere als die der Kanaren, heißt es. Das Angebot richte sich, wie immer wieder betont wird, an anspruchsvolle Gäste, „die etwas anderes suchen“. Die Hälfte der 225 Hotels auf der Insel hat dann auch mindestens vier Sterne. Dennoch wehrt Madeira sich gegen das Image einer Luxus-Insel.
Reid's Palace Hotel
„Verwirklichen Sie ihren Traum“, wirbt die Tourismusagentur der autonomen Region Portugals. „Wenn Sie von einer verlorenen Oase inmitten des Meeres träumen, einem Zufluchtsort für die Seele, einem Refugium für den Körper, dann öffnen Sie die Augen, Sie haben sie gefunden“. Und dieser Rückzugsort soll für jedes Budget zugänglich sein.
Smaragdgrün leuchten die Hänge. Zerklüftete Felsen dominieren vor allem den Norden der Insel, hoch über subtropischen Wäldern. Zwei Drittel der Insel steht unter Naturschutz. Und das kommt auch den Wanderern zu gute. Denn für die ist Madeira das Mekka unter den Geheimtipps.
2000 Kilometer Wanderwege gibt es – sowohl für den Beginner, der einen weichen schattigen Weg sucht, wie auch für den ambitionierten Kletterer, der sich dem Adrenalinrausch rauer Felswände hingeben will.
Dass es auf der Blumeninsel derart viele Wanderwege gibt, die im übrigen auch für Mountainbiker geeignet sind, ist historisch bedingt.
Die Wege sind fast immer entlang von „Levadas“ angelegt. Dabei handelt es sich um ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, das die Machthaber bereits im 15. Jahrhundert von maurischen Sklaven anlegen ließen, und das das Regenwasser aus dem gebirgigen Norden der Insel in die landwirtschaftlichen Gebiete im Süden leitet.
Diese Bewässerungskanäle mit ganz unterschiedlichem Volumen haben, um große Distanzen auf der Insel überwinden zu können, nur ein geringes Gefälle.
Sie sind stets ihrem Umfeld angepasst, führen in den entlegensten Tälern durch reichhaltige Fauna, durch Lorbeer- oder Eukalyptuswälder und werden mitunter auch von spektakulären Wasserfällen oder gar Tunnels unterbrochen.
Wer die Höhepunkte der vielseitigen Landschaften in kürzester Zeit bewundern will, dem sei eine der vielerorts angebotenen Geländewagentouren empfohlen.
Nervenkitzel ohne größere körperliche Anstrengung bietet eine andere sehr bekannte Attraktion der Insel: Mit dem Korbschlitten, einem geflochtenem Sofa auf Holzkufen, zwei Kilometer weit über den Asphalt durch enge Gassen ins Tal rutschen.
„Jede Fahrt ist ein Abenteuer“, meint Miguel, einer von derzeit 153 hauptberuflichen „Carreiros“. Traditionell in weißer Leinenkleidung und Strohhut lenken sie die Schlitten ins Tal. Gesteuert und gebremst wird mit den dicken Gummisohlen ihrer Lederstiefel und indem der Schlitten quergestellt wird. Bei bis zu 40 km/h mutet das schon Mal sehr abenteuerlich an. Die zwei Kilometer lange Strecke über den abgeschliffenen Asphalt wird in knapp fünf Minuten bewältigt.
„Wir werden oft gefragt, Extrakreisel zu drehen“, erzählt Miguel. „Wer eine Extraportion Adrenalin will, der bekommt sie auch“. Und wer ein paar Worte Portugiesisch versteht, der erfährt während der Fahrt auch den neuesten Klatsch über die Kollegen und Nachbarn. Der gehört zwar im Prinzip nicht zur Attraktion dazu, aber untereinander plaudern ist nunmal das, was die „Tobbogan“-Piloten während der rasanten Abfahrt tun.
Die Korbschlitten gibt es seit der Mitte des 19. Jahrhunderts und sie dienten ursprünglich dazu den Wein aus den Bergen in die Stadt zu bringen. Der Nutzen als Personentransport lag nicht fern – mit weitaus größeren Schlitten, auf denen bis zu zehn Personen Platz fanden. Auch wenn er heute vor allem als Touristenattraktion gilt, soll es aber tatsächlich noch Einheimische geben, die den „Tobbogan“ für eine schnelle Abfahrt in die Stadt benutzen.
Der madeirische Wein ist übrigens eines der Kulturgüter der Insel. Es handelt sich um einen Likörwein mit einem Alkoholgehalt von rund 20 Prozent, der dem Portwein sehr ähnlich ist. Benutzt werden unterschiedliche Rebsorten, sodass der Geschmack von trocken (Sercial), über halbtrocken (Verdehlo) und halbsüß (Boal) bis süß (Malmsey) reicht.
Typisch für Madeira ist aber auch ein anderes Getränk: die „Poncha“ – eine frisch zubereitete Mischung aus je einem Drittel Rum, Honig und Fruchtsaft. Klassisch wird sie mit Zitronensaft angerührt. Besonders beliebt ist sie allerdings auch mit frischer Passionsfrucht oder anderen exotischen Früchten, von denen es auf der Insel mehr als genug gibt.
In der Zuckerrohrfabrik Engenho do Norte wird der Rum noch auf traditionelle Art und Weise gebrannt.
Süß angehaucht ist daher auch die madeirische Küche. „Für uns ist die reichhaltige Auswahl an Obst ein Segen“, meint Filipe Fernandes, der Chefkoch aus dem „Restaurante do Forte“ in der Altstadt von Funchal. Als Spezialität gilt das „Filete de Espada“. "Schwarzer Degenfisch mit überbackenen Bananen in einer Maracujasoße“, erklärt Filipe. Sein Leibgericht.
Wer allerdings denkt, auf einer abgelegenen Insel im Atlantik gebe es nur Fisch und Meerestiere, der liegt kulinarisch daneben. Die andere madeirische Spezialität klingt zwar zum Verwechseln ähnlich, hat aber mit Tiefseefisch nicht das geringste zu tun: „Espetada“ – mit grobem Salz und frischem Knoblauch eingeriebene Rindfleischstücke, die an einem etwa ein Meter langen Lorbeer- oder Metallstab über heißer Kohle gebraten werden.
Dazu werden „Milho Frito“, fritierte Würfel aus einer Maismehlpaste, und „Bolo do Caco“, ein mit Knoblauch und Kräuterbutter gefülltes Fladenbrot, serviert.
Vor einer Reise nach Madeira noch ein kleiner Tipp: Lästern Sie auf der Blumeninsel niemals über Cristiano Ronaldo. Auch wenn auf dem portugiesischen Festland oft und gerne über den Rekord-Fußballer als Heulsuse und arroganter Schnösel gespottet wird, in seiner Heimatstadt Funchal gilt er als der ganze Stolz der Insel. „Hier auf Madeira sind wir alle Cousins“, mahnt etwa Geländewagenfahrer Ricardo. Und den Cousin sollte man besser nicht beleidigen – versteht sich.

Madeira gilt als eine der schönsten Inseln Europas und hat sich in den vergangenen Jahren als Urlaubsparadies fit gemacht. Nicht ohne Erfolg: 2015 wurde das Archipel bei den „Tourismus-Oskars“, den „World Travel Awards“ als beste Inseldestination ausgezeichnet.

Direktflüge von Luxemburg aus werden von Luxair Tours angeboten – traditionell montags und seit diesem Jahr im Frühling auch am Freitag, im Sommer am Mittwoch und im Herbst am Samstag. „Das erlaubt unseren Kunden jetzt auch einen zehn- oder elftägigen Urlaub in Madeira“, erklärte Justin Striby von Luxair Tours kürzlich bei einer Pressereise auf der Blumeninsel. Der luxemburgische Anbieter hat insgesamt 16 Hotels im Angebot, mit dreieinhalb bis fünf Sternen. In der „Excellence“-Broschüre mit den Unterkünften der Oberklasse gibt es zwei Hotels, in der Familienbroschüre „Happy Summer“ ebenfalls zwei und im günstigeren „Summer Specials“-Programm eines. Das preiswerteste Angebot macht Luxair Tours auf seiner Onlineplattform „Book and Fly“ – eine Woche Madeira ab 436 Euro.

Die Fotos entstanden bei einer von Luxair Tours unterstützten Pressereise Ende April 2016.

Credits:

Steve Remesch

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