SUCHE FRIEDEN ISRAEL 2017 - Gymnasium St. Michael (ahlen)

22 Schülerinnen und Schüler, 3 Kolleginnen und Kollegen treffen sich erst morgens in Ahlen und finden sich abends in Akko (Israel) wieder. Dazwischen liegen Zugfahrt, Flug und Busfahrt und schon die ersten Eindrücke beispielsweise der Al-Jazzar-Mosche zeigen die Unterschiede. Auf diesem Blog berichten wir von unseren Eindrücken und unserer Suche nach Frieden im Heiligen Land.

Akko (Acre)

Donnerstag, 20. April: Als wir zum ersten Mal den Bus verließen, bekamen wir sofort erste Eindrücke von dem Land, der Kultur und den dort praktizierten Religionen. Ebendiese zeichneten sich schon durch das Stadtbild aus, in welchem man sowohl eine Moschee als auch eine Kirche vorfand. Eine erste Begegnung mit Facetten des Judentums hatten wir schon im Hotel, da das Essen koscher war und wir auf den sogenannten "Shabbat Elevator" stießen, welcher während des Sabbats ohne manuelle Betätigung in jedem Stockwerk hält, was uns erkennen ließ mit was für einer Hingabe die Religionen hier alltäglich praktiziert werden. Trotz der anstrengenden Anreise ließen wir es uns nicht nehmen, die Stadt in den Abendstunden auf eigene Faust etwas zu erkunden und schließlich noch unsere ersten Eindrücke miteinander zu teilen.

Am nächsten Morgen begannen wir mit einer Erkundungstour durch die Kreuzfahrerstadt Akkos, einen riesigen unteriridischen Komplex von Tunneln und Räumen. Dieser ließ uns die Geschichte und den Einfluss der Kreuzfahrer nachvollziehen und stellte dabei auch das alltägliche Leben der früheren Bewohner dar. Anschließend hatten wir die Möglichkeit uns eigenständig in die Stadt zu begeben, was zur ersten Begegnung mit der kulinarischen Seite Israels führte und unsere Liebe zur Falafel weckte, welche diese Reise doch sehr prägen sollte.

Nazareth

Nach unserer kurzen Begegnung mit Akko führte es uns nach Nazareth, wo wir zuerst die Verkündigungsbasilika besuchten, welche sich an dem Ort befindet, an dem der Überlieferung zufolge der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria erschien und ihr ihre Schwangerschaft mitteilte. Besonders interessant waren die verschiedenen Mariendarstellungen aus aller Welt, welche die nahe Umgebung der Kirche zierten.

Tabgha, See Genezareth

Am Abend desselben Tages erreichten wir die Begegnungsstätte Beit Noah, welche sich in unmittelbarer Nähe der Brotvermehrungskirche befindet. Diese Unterkunft war allerdings etwas anders, denn dort schliefen wir in großen Zelten unter Selbstversorgung, auf einem Gelände in der Natur und mit einer Vielzahl an Menschen und Tieren. Diese Begegnunsstätte war umgeben von religiösen Orten, welche uns dort handelnde Geschichten der Bibel näherbrachten. Dort feierten wir den ein oder anderen Gottesdienst und führten zahlreiche Gespräche über die Bedeutung von Religion im Kontext unseres Lebens und unserer Gesellschaft. Hierbei war vor allem "So habe ich da noch nie drüber nachgedacht" eine recht häufige Aussage.

Wie wir Lydia Eisenberg kennenlernten.

Auf unserer Reise begneten wir viele interessante Personen, unter Anderem den "Bossfahrer" Tarek. Dazu gehörte auch die aus Wales stammende Jüdin Lydia Aisenberg. Unser "Bossfahrer" Tarek brachte uns in das kleine Städtchen Mishmar Ha Emek im Norden Israels. Mishmar Ha Emek ist ein sogenanntes Kibbuz mit knapp 1.300 Einwohnern. Unter einem Kibbuz versteht man eine sozialistische Siedlung, also eine SIedlung mit gemeinsamem Eigentum und direkter Demokratie. Lydia empfing uns mit einem improvisiertem und offenen Stuhlkreis in ihrem Vorgarten, wo wir mit Kaffee und Keksen versorgt wurden. Also der perfekte Start. Sie erzählte uns mit originalem englischem Akzent ihre Lebens-, sowie die Geschichte ihres Kibbuzes. Jedoch sollte dies nicht das Hauptthema des Tages werden, denn Lydia ist ein Peaceworker und schreibt Artikel über den Konflikt zwischen Israel und Palästina. Als 1967 die Green Line zwischen Israel und Palästina gezogen wurde, sollte nicht nur ein Waffenstillstand entstehen, sondern auch eine "klare" Grenze zwischen beiden Staaten. Diese Linie wurde auf einer Karte gezogen, unabhänging von den örtlichen Gegebenheiten, was zu einigen Komplikationen führen sollte. Um dies zu verdeutlichen, erzählte Lydia uns von dem Phänomen Barta'a. Dieses Städtchen war zur Zeit der Grenzziehung zu klein um auf einer Karte abgebildet zu sein, weshalb die Greenlien geradewegs durch sie hindurch gezogen wurde und somit nicht nur eine komplette Stadt zweiteilte, sondern auch Familen auseinader riss. Palästinensische Einwohner Barta'as dürfen den Graben, welcher die Stadt teilt, nicht überqueren. Allerdings ist diese Stadt nicht der einzige Fall in dem die Green Line sich als ein Problem herausstellt.

Bethlehem

Am ersten Vormittag in Abrahams Herberge in Bethlehem teilten wir uns zunächste in drei Gruppen auf, welche entweder die deutsche Schule Talitha Kumi, eine Diskussion über die Rolle der Frau in Palästina oder ein Flüchtlingslager besuchten. All diese sollten am Abend dann von der gesamten Gruppe diskutiert und auch hier im Folgenden kurz vorgestellt werden:

Talitha Kumi

Am Mittwoch traf eine Gruppe von sieben Schülern den Direktor der deutschen evangelisch-lutherischen Schule Talitha Kumi in Beit Jala, welche eigentlich viel mehr ist als eine Schule. Da die Grenze zwischen der Zone unter palästinensischer und der unter israelischer Verwaltung direkt auf dem Schulgelände verläuft, ist sie vielmehr zu einem Ort der Begegnung geworden. Dies meint allerdings nicht ausschließlich Begegnungen zwischen Kindern und Jugendlichen verschiedener Zonen, sondern auch zwischen Christen und Musimen. Auch der Name der Schule, welcher übersetzt "Mädchen, steh auf!" bedeutet, ist dort Programm: Seit sie 1851 von Kaiserswerther Diakonissen gegründet wurde, steht die Mädchenbildung im Vordergrund. Besonders in solch einer patriarchal geprägten Gesellschaft, wie sie oftmals in Palästina erlebt werden kann, halten wir dies für sehr wichtig. Auch vom Bildungsniveau her liegt die Schule weit vorne: Neben dem Kindergarten, der Grundschule und der Azubischule gibt es dort sogar durchschnittlich 10 Schüler im Jahr, welche das deutsche Abitur machen. Dies hat uns besonders fasziniert, da dafür Deutsch auf Muttersprachniveau gesprochen werden muss und viele Fächer vorgegeben sind. Zwar ist das Abitur dort nicht exakt dasselbe wie bei uns, da wir eine größere Fächerauswahl und weniger Vorschriften haben, jedoch bewundern wir die Schüler, die sich dieser Herausforderung erfolgreich stellen, sehr. Leider stellte sich die geplante Diskussion eher als ein Vortrag über die Vorteile der Schule heraus, aber wir als Schüler erlebten trotzdem einen interessanten und lehrreichen Vormittag.

Report Abuse

If you feel that this video content violates the Adobe Terms of Use, you may report this content by filling out this quick form.

To report a Copyright Violation, please follow Section 17 in the Terms of Use.