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Ahorn & Berg Newsletter vom 23.03.2020

Liebe Schulgemeinschaft des Beruflichen Schulzentrums Ahornberg!

In besonderen Zeiten braucht es besondere Maßnahmen. Daher gehen wir neue digitale Wege mit euch und probieren derzeit an unserer Schule viel aus. Wir wollen mit euch in Kontakt bleiben, auch ohne Kontakt im Schulgebäude. Neben vielem anderen soll dazu auch dieser Newsletter dienen.

Warum haben wir dafür den Titel „Ahorn & Berg“ gewählt? Die beiden Begriffe, die der Ortsname unserer Schule beinhaltet, sind symbolisch für uns Gegensätze. Der Ahornbaum steht für Lebendigkeit, ständige Veränderung im Aussehen, stetiges Wachstum und vor allem im Herbst für kräftige, bunte Farben. Der Berg dagegen ist eher einfarbig, steht für Beständigkeit, Stabilität und ist weithin sichtbar. Genau solche Gegensätze wollen wir uns regelmäßig zum Thema dieses Newsletters machen!

Aktuell bedeutet das, dass wir in der Corona-Krise einerseits die Gefahren und Probleme aufzeigen wollen. Andererseits ist es uns aber auch ein großes Anliegen mit Hilfe dieses Newsletters den Blick zu lenken auf: Wie kann ich mein Immunsystem stärken? Was hilft mir, um gut durch diese Zeit zu kommen? Wie kann ich gestärkt in die Zukunft blicken? usw. Das große Thema dieses Newsletters ist dazu das „Tagebuch schreiben“.

Bleibt gesund! Euer Redaktionsteam (Petra Geymeier und Ann-Mirjam Böhm)

Quelle: Pixabay

Informationen von der Schulleitung:

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Studierende,

eine Woche ist vergangen, seit die Schulen geschlossen wurden, um das neuartige Coronavirus einzudämmen. In dieser einen Woche ist viel passiert und wir alle haben ständig neue Nachrichten verarbeiten müssen, die mit der Ausbreitung des Virus zusammenhängen. Bei vielen von uns sind Ängste entstanden, Angst vor dem Virus aber auch Angst um die eigene Ausbildung. Was wird aus unseren Praktika, den Noten und den Prüfungen?

Die Angst vor dem Virus kann ich Ihnen nicht nehmen, ich kann nur eindringlich darum bitten, den Empfehlungen und Anweisungen zu folgen: Händewaschen, zuhause bleiben und alle nicht zwingend erforderlichen sozialen Kontakte vermeiden.

Die Angst um Ihre Ausbildung ist nur allzu verständlich. Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Studierende, Sie sind nicht alleine, die Situation ist in ganz Deutschland gleich, alle Schülerinnen und Schüler, alle Studierende, alle Auszubildenden machen sich die gleichen Sorgen um ihre Zukunft. Ich kann Ihnen aber versichern, es wird auf jeden Fall Lösungen geben. Auch, wenn wir alle nicht wissen, ob die Schulen am 20.04.2020 wieder mit dem normalen Unterricht beginnen können, ob die Praxiseinrichtungen wieder geöffnet sein werden und wie Schulabschlüsse und auch Berufsabschlüsse erfolgen können. Vielleicht werden die Prüfungen verschoben werden müssen, vielleicht werden sie auch anders aussehen als sonst, aber die Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie die Auszubildenden dieses Jahrgangs werden auch im Jahr 2020 einen Abschluss machen können.

Sie sind wichtig, Sie werden als Fachkräfte dringend gebraucht!

Bleiben Sie über die sozialen Medien miteinander in Kontakt, machen Sie sich gegenseitig Mut, helfen Sie einander bei der eigenständigen Bearbeitung von Aufgaben aber treffen Sie sich nicht. Irgendwann wird auch diese Pandemie zu Ende sein und dann sehen wir uns hoffentlich gesund und munter wieder.

Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Alles Gute wünschen

Monika Nestvogel, Schulleiterin der Berufsfachschulen

Thea Wachter, Schulleiterin der FAK für Sozialpädagogik

Quelle: Bundesregierung

Drei Fragen zu Corona:

(Beim Klick auf die folgenden Buttons werdet ihr auf externe Seiten weitergeleitet.)

Stärkung des Immunsystems durch das Schreiben eines Tagebuchs

Intuitiv hat Frau Geymeier am letzten Schultag alle Schüler*innen und Studierenden beauftragt, ihre Gedanken und Eindrücke der nächsten Zeit in einem Tagebuch festzuhalten. Erst einmal in loser Form, unter Berücksichtigung künstlerischer Aspekte, damit wir nach Beendigung der Aufzeichnungen ein, in jeder Hinsicht, wertvolles Buch gestalten können.

Ihr werdet euch jetzt fragen, was das mit euerem Immunsystem zu tun hat. Dies kann euch niemand besser erklären als Eric Kubitz. Auf seiner Homepage www.contentman.de findet man so manches über Schreiben, Tagebücher und Techniken des Automatischen Schreibens. Der gelernte Journalist, Heilpraktiker für Psychotherapie und Online Marketer schreibt selbst Tagebuch und das seit Jahren.

„Wie Sie sich denken können, finde ich das so ziemlich die beste Hausaufgabe, die Sie Ihren Schüler*innen und Studierenden mitgeben können.“

Als wir ihn per E-Mail darum baten, seine Inhalte für diesen Newsletter verwenden zu dürfen, war er begeistert. Und er ergänzte:

„Ohne Übertreibung leben wir gerade in höchst historischen Tagen. Die Welt hat sich in wenigen Wochen mehr verändert als in den vergangenen Jahrzehnten. Sie können sich sicher sein, dass Ihre Schüler*innen und Studierenden Ihnen später sehr dankbar sein werden, wenn sie diese Wochen schriftlich fixieren. Und zwar von Hand, ohne die digitale Atemlosigkeit.“

Die Erinnerungen, die wir hier für die Zukunft sammeln, werden tatsächlich sehr wertvoll sein. Aber Tagebuchschreiben hat auch eine psychologische Dimension. Es kann uns nämlich schützen. Was vielleicht etwas altbacken klingt ist nach aktuellster Forschung absolut gesundheitsfördernd.

Warum überhaupt Tagebuch schreiben?

Dazu schreibt Herr Kubitz auf seiner Homepage Folgendes:

"Das Schreiben von täglichen Notizen zum eigenen Leben ist prima erforscht: Der ´Urvater´ der Tagebuchforschung ist James Pennebaker, Psychologe an der University of Texas. Er hat schon in den 90er Jahren die Wirkung des Schreibens eines Tagebuches wissenschaftlich untersucht. Zunächst an 50 amerikanischen Studenten. Alles gesunde, kluge Menschen – die zu seiner Überraschung schon viele schlimme Dinge erlebt hatten: schwere Unfälle, Missbrauch im Familienkreis und der Verlust von nahe stehenden Menschen. Diese Studenten sollten eine Viertelstunde lang einen Tagebucheintrag über ihre tiefsten Gefühle und Gedanken schreiben.

Und siehe da: Einige der Versuchspersonen nahm das sichtlich mit. Sie verließen teils mit Tränen in den Augen den Raum – aber kehrten am nächsten Tag wieder, um weiter zu schreiben. Das war aber nicht die einzige Überraschung: Die Teilnehmer, die sich sich ihre Sorgen ´vom Herzen´ geschrieben hatten, litten in den folgenden Wochen signifikant weniger unter Grippe und Erkältungen und fühlten sich nachweislich besser als die Kontrollgruppe, die nur belanglose Dinge aufgeschrieben hatte. Pennebaker schloss damals daraus, dass das „Herausschreiben“ von Sorgen und Nöten den Körper (und damit vermutlich auch die Seele) widerstandsfähiger macht.

Das berühmteste Tagebuch ist natürlich das der Anne Frank: Und wer sich heute die Geschichte der Widerstandskämpferin noch einmal anschaut, wird sich innerlich vor ihr verbeugen. Würden wir so tapfer handeln? Wir können es nur hoffen. Und es gibt nicht wenige Historiker, die der Meinung sind, dass Anne Frank ohne ihr Tagebuch kaum so stark geblieben wäre. Übrigens, interessantes Detail: Über lange Zeit hinweg formulierte Frank ihre Einträge als fiktive Briefe an verschiedene Mädchennamen und spielte darin selbst die eigenwillige Joop, die in den Briefen ihr aufregendes Leben schilderte. Damit nahm Anne Frank intuitiv eine psychologische Praxis auf, die erst seit kurzem in der Psychotherapie zur Bewältigung von Traumatischen Erlebnissen eingesetzt wird. Dies beruht auf dem narrativen (erzählerischen) Beschreiben der eigenen Geschichte."

Quelle: www.contentman.de (Hervorhebungen durch das Redaktionsteam)

An dieser Stelle ein herzliches Dankschön an Herrn Kubitz, für die wertvollen Impulse und die spontane Unterstützung unseres Tagebuchprojektes.

Quelle: Pixabay

Ein Zitat von Anne Frank, dessen Inhalt an Aktualität nichts verloren hat:

„Wie schön und gut wären alle Menschen, wenn sie sich jeden Abend die Ereignisse des Tages vor Augen riefen und prüften, was an ihrem eigenen Verhalten gut und was schlecht gewesen ist.“

Ausschnitt aus dem aktuellen Tagebuch einer Ahornberger Studierenden:

Einblick in die ersten Seiten ihres Tagebuches gewährt uns auch eine Studierende der Fachakademie für Sozialpädagogik in Ahornberg (der Name ist dem Redaktionsteam bekannt). Diese sehr persönlichen Aufzeichnungen mit anderen zu teilen ist keine Selbstverständlichkeit. Vielen Dank!

Der Anfang meines Coronatagebuchs

Wie alles begann... Eigentlich war der Anfang vom Ende schon im Januar, als die Welt beziehungsweise Amerika kurz davor war, den 3. Weltkrieg zu starten. Im Februar fing dann plötzlich Australien an zu brennen, ohne Aussicht, wie das Feuer aufzuhalten war. Als ob das aber nicht schon genug gewesen wäre, ging es gleich weiter mit den Katastrophen und ja, hier sind wir: Im März 2020 mit einer weltweiten Pandemie, auch genannt Coronavirus, bzw. Covid 19.

16.03.2020, 08:34 Uhr

Ich bin grade aufgewacht und kann noch gar nicht ganz verarbeiten, was gerade passiert: Alle Schulen einschließlich meiner wurden geschlossen und statt dass ich jetzt in Religionspädagogik sitze, habe ich bis vor wenigen Minuten geschlafen. Bis nach den Osterferien werde ich auf jeden Fall frei haben. Bisher hat mir der Virus eher weniger Sorgen gemacht, da ich in meiner unmittelbaren Umgebung nichts davon gespürt habe, doch jetzt mache ich mir Gedanken, wie die Abschlussprüfungen laufen sollen, wenn der Unterricht ausfällt.

16.03.2020, 19:00 Uhr

Nachdem am Freitag schon die Grenzen von Deutschland nach Tschechien geschlossen wurden, ziehen immer mehr EU-Länder nach und verschotten sich komplett. Die Lehrer kommunizieren mit uns über Emails, wir sollen uns die geschickten Unterlagen selbst erarbeiten.

17.03.2020, 13:39 Uhr

Ich möchte einen Brief versenden, doch aufgrund von Krankheit ist die Post geschlossen. Sind sie „nur“ krank? Oder sind sie mit dem Virus infiziert? Vielleicht haben sie auch Angst, sich anzustecken. Der Virus übernimmt die Schlagzeilen. Auch die Fußball Europameisterschaft wird auf nächstes Jahr verschoben. Alles was passiert, fühlt sich an wie das Drehbuch eines schlechten Zombieapokalypse Films. Ich verbringe die Zeit mit meiner besten Freundin, die im Nachbarort wohnt. Der Virus ist bei uns nicht wirklich ein Thema.

18.03.2020, 09:02 Uhr

Seit heute steht das öffentliche Leben in Bayern offiziell still: Kinos, Clubs, Bibliotheken, Thermen, Spielplätze und noch vieles weitere wurde vorläufig für einen Monat geschlossen. Der Katastrophenfall wurde ausgerufen. Ich hoffe, dass keine Ausgangssperre verhängt wird, obwohl es vielleicht sinnvoll wäre. Ich weiß nicht, was ich über die Situation denken soll. In den Medien wurde viel Panik gemacht, in den Supermärkten gibt es aufgrund von Hamsterkäufen kein Toilettenpapier und auch keine Tiefkühlpizzen oder Konservendosen mehr zu kaufen. Was davon ist sinnvoll, was übertrieben?

18.03.2020, 12:59 Uhr

Ich nutze die Zeit, um Schulsachen fertig zu machen, und mir die Unterrichtsmaterialien zu erarbeiten. Später werde ich wieder zu meiner besten Freundin gehen, solange das noch möglich ist. Eine andere Freundin von mir hat heute Geburtstag. Sie ist bedrückt, weil sie weder essen gehen kann noch etwas anderes. Sie tut mir leid und ich tröste sie damit, dass sie ihn ja nachfeiern kann, wenn der ganze Wahnsinn hier vorbei ist. Allerdings habe ich mittlerweile schon öfter gehört, dass es möglich ist, dass dieser Zustand noch mehrere Monate bis sogar Jahre anhalten kann. Ich weiß nicht genau, welche Meldungen ich glauben kann.

Wir würden uns freuen, wenn dieser Beitrag weitere Schüler*innen, Studierende und ebenso Lehrer*innen dazu inspiriert, in dieser herausfordernden Zeit zum Stift zu greifen. Wer seine Aufzeichnungen anschließend in Buchform bringen möchte, wendet sich bitte an unsere liebe Kollegin Bettina Meier: me@berufliche-schulen-ahornberg.de . Sie hat alle notwendigen Informationen in einem sehr schönen Arbeitsblatt zusammengefasst und gibt dieses gern auf Nachfrage weiter.

Kreative Köpfe gesucht:

Schüler*innen, Studierende und Lehrer*innen: Wer von euch möchte gerne einen Beitrag schreiben für unseren nächsten Newsletter Ahorn & Berg? Wer ist auch bereit einen Ausschnitt aus seinem Tagebuch zu veröffentlich (wir haben uns dazu entschieden, Tagbucheinträge grundsätzlich zu anonymisieren)? Wer möchte uns gerne eine Rückmeldung zu unserem Newsletter geben? Schreibt uns! Wir freuen uns über eure Nachrichten: ge@berufliche-schulen-ahornberg.de oder boe@berufliche-schulen-ahornberg.de

Euer Redaktionsteam (Petra Geymeier und Ann-Mirjam Böhm)

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Credits:

Erstellt mit Bildern von Lina Trochez - "Brindar siempre lo mejor de ti." • Aaron Burden - "Writing with a fountain pen" • Calista Tee - "untitled image"