Unterwegs auf dem Malerweg Eine 4-tägige Fotowanderung durch die Sächsische Schweiz

Im Sommer 2014 bin ich nach vielen Jahren zurück in meine ehemalige Heimat nach Sachsen gezogen. Damals hatten unsere Eltern zwar ab und an eine Wanderung mit uns in der Sächsischen Schweiz unternommen, doch für mich war das früher eher langweilig. Wie das jedoch manchmal so ist, entdeckt man erst in der Ferne, welche Reize diese Landschaft für einen bereithalten kann. Im Internet konnte ich viele aufregende Fotos und Zeitraffer-Aufnahmen bestaunen und je mehr ich mich draußen in der Natur aufgehielt, umso größer wurde der Wunsch die Sächsische Schweiz ganz neu zu entdecken.

Sonnenaufgang an der Teufelsmauer bei Thale (Harzvorland)
Aufstieg zur Seescharte (Alpen Österreich)

Auf verschiedenen Wanderungen im Harz oder auch bei 2 Alpenüberquerungen, hatte mich die Lust auf Mehrtageswanderungen gepackt und somit wollte ich dann auch an meinem neuen Wohnort im Sommer 2015 eine Mehrtageswanderung in Angriff nehmen. Was bietet sich da also mehr an als auf dem Malerweg vor der eigenen Haustür ein kleines Abenteuer zu wagen? Nun braucht so eine Mehrtageswanderung etwas Planung und ich musste beim Packen meiner Sachen auch die Fotoausrüstung mit einberechnen. Da kann schon einiges zusammenkommen.

Bei meiner Ausrüstung nahm ich folgendes mit: - meinen 9 Jahre alten 50l Rucksack - eine wasserdichte Ortlieb-Fototasche - einen Schlafsack - eine faltbare Isomatte - eine 2l-Trinkblase - eine 1l Wasserflasche - 1 Paar Wanderschuhe - 1 Paar FiveFingers für die kurzen Wege - 1 Stirnlampe - 1 Smartphone - diverses Kartenmaterial - 1 Stativ - 1 Sony a6000 + SEL 10-18/4 + SEL 24/1.8 + SEL 55-210/4.5-6.3 - Polfilter, Filterhalter + 0.9 ND Filter + 0.9 Verlaufsfilter - 3 Akkus, 1 Ladegerät, 1 Powerbank, 1 Fernauslöser, 1 Blasebalg, 1 Lenspen - Bekleidung (alles in reduzierter Menge, d.h. 1 Hose lang/kurz, 2 T-Shirts, 1 Fleece, Unterwäsche, Regenjacke/-Hose, Mütze) - Kulturbeutel + Outdoorhandtuch + Klopapier - ESSEN!!!

Erster Tag

An dem Morgen stand ich etwa halb 6 auf. Ich musste gar nicht aus dem Fenster schauen um herauszufinden wie das Wetter ist, ich hörte es - es regnete in Strömen. Mein Freundin nahm mich dann auf dem Weg zur Arbeit mit, sodass ich etwa 7 Uhr von Lohmen aus meine Wanderung begann. Auf dem ersten Stück durch den Uttewalder Grund ließ der Regen glücklicherweise etwas nach, sodass ich ein paar Bilder von dem satt-grünem Wald machen konnte.

Trotz des schwülen, regnerischen Wetters war ich an diesem Morgen voller Freude und ich genoss die Einsamkeit unterwegs und wie die dicken Wassertropfen von dem Blätterdach gleichmäßig auf den Waldboden fielen. Eines der Highlights auf dieser Etappe ist das "Uttewalder Tor". Dies ist ein Felsentor durch das der Wanderweg führt. In meiner Vorstellung sollten zu dieser Tageszeit die morgendlichen Sonnenstrahlen durch die Baumwipfel scheinen. Leider konnte ich nach den ersten zwei Bildern für eine ganze Weile gar kein Bild mehr machen, da es wieder anfing wie aus Kübeln zu gießen. Der Weg war dennoch sehr schön und die feucht-nasse Luft trug einiges zu der Atmosphäre bei.

In Wehlen entschied ich mich dann kurzerhand einer guten Kollegin einen Besuch abzustatten. Bei Tee und Müsli überbrückte ich zumindest einen Teil des Regenschauers im Trockenen.

Der Malerweg führt dann von Wehlen weiter zur Bastei, normalerweise auf einem gut ausgebauten Waldweg. Ich entschied mich jedoch dafür, einen Abzweig zu den "weißen Brüchen" zu nehmen. Dafür führte mich die Route aber erstmal wieder ein ganzes Stück bergab um dann sehr steil durch den Griesgrund wieder hinaufzusteigen. An den weißen Brüchen ging es wirklich radikal steil nach unten, sodass ich schon acht geben musste, wo ich langlaufe. Der Zugang zum Griesgrund war nicht leicht zu finden, doch Dank meines Smartphones fand ich schließlich den Weg und war total begeistert von dem Aufstieg durch den Griesgrund. Mir lief der Schweiß zwar in Strömen den Körper herunter, doch das machte mir in diesem Augenblick gar nichts aus. Hier ist ein Blick zurück in den Griesgrund.

Als ich wieder oben auf dem regulären Malerweg ankam, dauerte es nicht mehr lange und ich war auf der Bastei. Bei diesem Wetter rechnete ich eigentlich mit wenig Begängnis, doch Pustekuchen. Um die Mittagszeit drängten sich im Regen die Touristen über die Brücke und versuchten irgendwo einen Fleck zu finden, um ein Erinnerungsfoto zu machen. Nun kann ich den Leuten das Bedürfnis nicht verübeln, sich bei einer Reise in die Sächsische Schweiz die Bastei anzuschauen und es sind ja gerade die Aufnahmen der leidenschaftlichen Landschaftsfotografen, die bei den Menschen Begehrlichkeiten wecken.

Am anderen Ende der Brücke tat sich dann in dem regnerischen Grau in Grau plötzlich eine dramtatischerere Szenerie auf. Dabei habe ich dann schnell gehandelt, da ich keine Wasserschaden bei meiner Ausrüstung riskieren wollte. Mir gefiel der Blick zu den Schrammsteinen jedoch so gut....

Weiter ging es dann für mich die vielen Stufen herab in den Kurort Rathen. Auch hier tummelten sich viele Menschen, die trotz des schlechten Wetters Zeit in dieser faszinierenden Gegend verbringen wollten. Auf dem Weg durch Amselgrund und am Amselsee vorbei in Richtung Rathewalde hätte es auch ein paar sehr schöne Motive gegeben, doch da habe ich mich bei dem Regen etwas zurückgehalten. Nach dem Amselfall, ein an einem Gasthaus gelegenem Wasserfall, der nach einer viertel Stunde Stauung regelmäßig abgelassen wird, tat sich dann endlich mal eine Regenpause auf, die bis zum Abend anhalten sollte.

Glücklicherweise fand ich wenig später, etwas unterhalb des Wanderweges, einen weiteren, jedoch etwas versteckten Wasserfall. Die bunt glänzenden Steinchen im Vordergrund gefielen mir dabei besonders gut. Das feuchte Grün der bemoosten Steine tat dann das übrige dazu.

Rathewalde ist ein wirklich kleiner Ort, nördlich der Elbe, den man gut von dem Amselgrund aus erreicht. Bei besserem Wetter kann man hier in einem hübschen Freibad die Seele baumeln lassen. Ansonsten ist dieses Dörfchen für die meisten Wanderer eher eine Durchgangs-Station. Erstaunlich ist jedoch die Bauweise vieler kleiner Häuser, wenn man in den Ort reinkommt. So gibt es Häuschen, die direkt an einer Felsklippe gebaut wurden oder direkt auf einer Betonplatte über einem Bach errichtet sind. Von dieser Art der Häuser, fand ich auch dieses sehr interessant.

Außerhalb des Ortes ging es dann an einem Feld vorbei in Richtung Hocksteinschänke. Unterwegs konnte ich auf den verblühten Rapsfeldern unzählige Schmetterlinge beobachten und etwas an einem hübschen Rastplatz die Aussicht zum Lilienstein genießen.

Für etwa 1,5 km führt der Malerweg nach diesem Rastplatz an einer Landstraße entlang und man muss 2-3 Mal die Straße überqueren, bevor man wieder in den Wald kommt. Kurz nach der sogenannten Hocksteinschänke ging es für mich dann zu dem Hockstein. Dies ist auf den ersten Blick kein allzu besonderer Felsen. Oben gibt es einen Aussichtspunkt, von dem aus man nach Hohnstein und ins Polenztal blicken kann. Das besondere an dem Hockstein ist jedoch der Abstieg ins Polenztal. Dabei führt die Stiege direkt zwischen zwei Felsen durch eine enge Kluft entlang.

Im Winter war ich schonmal an diesem Ort gewesen und es ist wirklich eine Herausforderung gewesen, in dieser Enge mit Stativ zu fotografieren. Ich hoffe dass ihr dennoch ein Gefühl für den Weg bekommt.

Unten angelangt, geht es dann an der Polenztalschänke vorbei in den sogenannten "Bärengarten". Dieses Seitental, unterhalb von der Burg Hohnstein, kommt zu seinem Namen aus der Zeit von August des Starken. Um den fürstlichen Jagdgesellschaften auch große Raubtiere "anbieten" zu können, wurden hier tatsächlich Bären gehalten. Heut ist es einfach ein idyllisches kleines Nebental durch das ein kleiner Bach fließt.

Der Wanderführer weißt in seinem Text nach diesem kleinen Tal auf einen Besuch der Stadt Hohnstein hin. Hier thront eine alter Burg über der Stadt und dem Polenztal und man kann auch hier sehr schön Kaffeetrinken. Da ich die Stadt bereits kannte, bog ich oben in Richtung Brandaussicht ab. Auf diesem Abschnitt ist ein weiteres Highlight die Gautschgrotte. Sie erreicht man, wenn man eine kleine Abzweigung nimmt und sie ist eine der größten "Höhlen" der Sächsischen Schweiz. Mitunter kommt es bei stärkeren Wintern vor, dass riesige Eiszapfen von den Felswänden herabhängen und man dann sogar in der Sächsischen Schweiz am Eis klettern könnte.

Nun kann ich nicht behaupten, dass ich auf der Strecke, die ich bis dahin zurückgelegt hatte, keine Erschöpfung empfand. Ich hatte noch das ganze Essen im Rucksack und meine Füße wurden langsam müde. Ich hoffte, dass ich auf der Brandbaude ein freies Bett finden würde, da an diesem Tag und für die kommende Nacht nicht an das Übernachten unter freiem Himmel zu denken war.

Etwa 30 Minuten vor meinem Tagesziel fing es dann wieder kräftig an zu regnen. Zu faul, meine Regenklamotten wieder anzuziehen, suchte ich erstmal unter einem Baum etwas Schutz. Erst als der Regen etwas nachließ, ging ich das letzte Stück weiter. Glücklicherweise war dann für mich noch Platz im Matratzenlager - ich war der einzige . Ich war glücklich nach ca. 11 Stunden gut angekommen zu sein.

Nach einem wirklich leckerem Abendessen auf der Terrasse, hatte sich das Wetter noch von seiner wechselhaften Seite gezeigt was mir sowohl von der Hafersäckeaussicht als auch von der Brand-Baude noch einige spannende Aussichten bescherte.

Wie ihr seht, hatte ich am Abend fantastische Bedingungen für besondere Landschaftsfotos. Im Normalfall wäre ich bei diesen zwischenzeitlichen, heftigen Regengüssen nicht draußen gewesen. Zu beobachten, wie nach dem Regen die Abendsonne rauskam und die Nebelschwaden aus den Wäldern stiegen war einfach wunderschön. Glücklich und geschafft, kroch ich danach in meinen Schlafsack.

Zweiter Tag

In der Nacht und auch früh am Morgen hatte es noch starke Regenschauer gegeben, sodass ich nicht für den Sonnenaufgang aufgestanden bin. Trotzdem bin ich schon kurz nach 6 Uhr losgelaufen.

Da in der Übernachtung auch ein Frühstück enthalten war, hat mir der Koch ein Lunchpaket für Unterwegs zusammengestellt. Das war echt nett und vor allem sehr lecker. Wenn man den ganzen Tag in der Natur ist, verwandelt sich ein lecker belegtes Brötchen schnell in einen richtigen Festschmaus ;-).

Der Regen hatte glücklicherweise aufgehört, doch die feuchte Luft hing noch dick und schwer im Wald. Es war fabelhaft. Die Vögel zwitschernden schon munter und ich war ganz allein. Es ging die Brandstufen hinab ins Tal, ehe ich wieder nach Waitzdorf aufsteigen musste. Während des Abstiegs nahm ich mir die Zeit, die Stimmung auf ein paar Fotos festzuhalten.

Der Aufstieg nach Waitzdorf glich auf dem ersten Stück einem Weg durch den Regenwald. Die Luft war so schwül und feucht, der Weg dicht bewachsen und steil, dass mir schon nach kurzer Zeit der Schweiß den Körper herablief. Es war unglaublich. Gemächlich stapfte ich mit meinem schweren Rucksack zur Waitzdorfer Höhe, wo ich mir ein Frühstückspäuschen gönnte.

Nun verlief der Weg erstmal wieder gemächlich auf einem bequemen Waldweg weiter. Allmählich begann dann auch der Himmel aufzubrechen und die ersten Sonnenstrahlen fielen durch die Baumwipfel. Wenig später traf ich die ersten Menschen an diesem Morgen. Zwei Frauen standen gebeugt in einer reich gefüllten Blaubeerweide. Ich hielt an und plauderte ein wenige mit ihnen. Die Blaubeeren sammelten sie für die Zubereitung eines Schnapses. Nach den kräftigen Regenschauern leuchtete das grün noch kräftiger und die dunklen Blaubeeren stachen richtig heraus. Welch ein herrlicher Moment!

Weiter ging es in den Kohlichtgraben. Vor ein paar Jahren war ich mit Verwandten im Frühjahr schonmal durch den Kohlichtgraben gewandert. Damals lag hier teilweise noch Schnee, Eiszapfen hingen an ein paar Felsen, die in dem dunklen Tal nur schwer von den Sonnenstrahlen erreicht werden und auch sonst war es links und rechts des Weges recht kahl. Diesmal ging es jedoch durch ein üppig bewachsenes Tal, mit einem plätscherndem Bächlein und einem wild anmutenden Weg.

In dem Örtchen Kohlmühle angekommen, hatte sich der Tag zu einem richtig warmen Julitag entwickelt. Von der Wärme hatte ich in dem kühlen Tal gar nichts weiter bemerkt und so zog ich erstmal ein paar Lagen meiner Kleidung aus. Von Kohlmühle aus führt der Malerweg entlang der Sebnitz (ja, so heißt der kleine Fluss) und einer Bahnlinie, zwischen Weidewiesen und alten, fremd anmutenden Mehrfamilienhäusern. Fremd anmutend deshalb, da diese Gegend so verlassen wirkt, dass man sich fragt, warum hier Mehrfamilienhäuser gebaut worden.

Nach etwa einer Stunde bog der Weg nach rechts ab und es ging eine steile Forststraße hinauf nach Altendorf. Als der Weg wieder aus dem Wald führte, hörte ich mit einem Mal ein ohrenbetäubendes Dröhnen. Nachdem ich für eine gefühlte Ewigkeit nur Vogelgezwitscher, plätscherndes Wasser und das Knirschen meiner Wanderschuhe auf dem Weg gehört habe, war ich erstmal richtig erschrocken über den Lärm der 2 Kampfjets, die im Tiefflug über die Sächsische Schweiz donnerten. Ich stellte mir vor, mit welchem Gefühl man leben muss, wenn diese Geräuschkulisse zum Leben dazugehört und jedes Mal Unheil verkündet. So schnell wie die Flieger da waren, sind sie auch wieder verschwunden. Nur der Lärm hallte noch eine ganze Weile nach.

In Altendorf führt der Weg an einer beschaulichen Einfamilienhaus-Siedlung vorbei und man hat schon eine schöne Aussicht auf den Falkenstein und die Schrammsteine. Kurz nach dem Ort machte ich meine 2. ausgiebige Pause. Am späten Vormittag rief mein Magen nach einem kleinen Snack und da ich wusste, mein Tagesziel ist die Schrammsteinaussicht, hatte ich mir diese Zeit auch genommen.

Nach dieser Pause ging es hinab ins Kirnitzschtal zur Ostrauer Mühle. An der Ostrauer Mühle gibt es auch einen kleinen Campingplatz direkt an der Kirnitzsch, der gerade im Sommer gerappelt voll ist. Dieses Mal jedoch tummelten sich nur wenige Camper auf diesem Platz und überhaupt hatte ich an diesem Vormittag nur wenige Wanderer angetroffen. Es war aber auch mitten in der Woche und ich lief azyklisch. Im Wanderführer wäre nämlich in Altendorf ein Etappenziel gewesen.

Nun ging ich also auf der anderen Seite des Tals wieder bergauf Richtung Ostrau-Falkenstein. Oben angelangt, traf ich eine Wanderin, mit der ich über den Elbleitenweg hinauf zur Schrammsteinaussicht gewandert bin. Es war sehr unterhaltsam und nach den vielen Stunden des alleine-Laufens, war es auch mal wieder recht angenehm, sich mit jemandem auszutauschen. Dadurch verging die Zeit auch schneller und ich kam gegen 13 Uhr nach einem schönen Aufstieg auf der beliebten Schrammsteinaussicht an.

Hier oben genoss ich ausgiebig die Aussicht, machte ein kleines Zeitraffer-Video und ließ mir die Sonne auf den Bauch scheinen. Es war einfach herrlich! Viele Wanderer kommen hier hoch und bestaunen diese Felsen und den weiten Blick in die vordere Sächsische Schweiz. Ob Eltern mit ihren Kindern, Rentner oder Natur-Enthusiasten, diese Aussicht ist immer begehrt. Aus fotografischer Sicht war dies nun nicht die ideale Zeit, zu der ich dort oben war. Daher wollte ich zum Sonnenuntergang und am folgenden Morgen zum Sonnenaufgang erneut auf die Schrammsteinaussicht gehen.

In der Zwischenzeit hatte an einem stillen Plätzchen ein Nickerchen gemacht und am Nachmittag die Umgebung erkundet. Über den Schrammstein-Gratweg bin ich bis zur Breiten Kluft und wieder zurück gelaufen. Unterwegs kam ich noch mit einem Paar ins Gespräch, die in der Gegend Urlaub machten. Zum ersten Mal waren sie in der Sächsischen Schweiz und schon total begeistert. Ich konnte sie gut verstehen. Denn wenig später stand ich wieder ganz vorne auf der Schrammstein-Aussicht und konnte einen fabelhaften Sonnenuntergang bestaunen. Auch hier waren zwei Freunde unterwegs, die vor ihrer Weltreise, unbedingt nochmal das Elbsandsteingebirge kennenlernen wollten. Wenn so ein Tag endet, den man komplett in der Natur verbracht hat, ändert sich ganz schnell die Wahrnehmung und auch das Zeitgefühl. Wieviele Gesichter so ein Tag haben kann, wird mir im Alltag nur selten auf diese Weise bewusst. Früh am Morgen war es noch frisch, mit feuchter Luft und trüb und dunkel. Dunst hing in den Wäldern und man spürte förmlich noch den nächtlichen Regen. Am Abend hatte sich das Blatt dann gewendet und es wurde ein richtig schöner Sommerabend. Hier und da ein paar Wölkchen, Wärme und ein herrlicher Sonnenuntergang.

Dabei entstand dieses Bild.

Nun wäre so eine klare, warme Nacht nur halb so schön, wenn ich nicht noch die Gelegenheit genutzt hätte, die Milchstraße zu fotografieren.

Um diese Zeit draußen zu sein ist das eine. Das andere ist, einen guten Ort zu finden, von wo aus man die Milchstraße fotografieren kann. Das gestaltete sich gar nicht so leicht. Glücklicherweise hatte ich noch einen Fleck entdeckt, der sich eignete und bei dem ich nicht Gefahr lief, in die Dunkelheit zu stürzen. Begleitet von den Geräuschen der nachtaktiven Tiere, ist mir dieses Bild als Panorama geglückt, auf welchem man Richtung Zirkelstein und Kaiserkrone blickt.

Dritter Tag

Irgendwann in der Nacht hatte ich dann auch mal die Augen zugemacht. Unter einem Zelt aus Sternen zu stehen und später einzuschlafen, hat schon etwas magisches! Lang war die Nacht jedoch nicht. Denn mitten im Juli geht die Sonne schon um 5 Uhr auf und als Landschaftsfotograf, möchte man schon mindestens eine halbe Stunde vorher am Ort der Wahl sein. So wie ich aus dem Schlafsack gekrochen war, merkte ich, dass das mit dem Sonnenaufgang ein Glücksspiel wird. Der Himmel hatte sich in den wenigen Stunden komplett zugezogen und der Wind ist ganz schön frisch geworden. Glücklicherweise bin ich trotzdem aufgestanden und hatte mein 7 Sachen zusammengepackt, denn es dauerte nicht lange und die ersten Regentropfen kamen runter. Regen hatte ich ja nun schon reichlich gehabt, daher musste ich auch nicht lange nach den Regensachen in meinem Rucksack suchen. So stand ich also früh um 5 Uhr auf der Aussicht, hadernd, hoffend und geduldig....denn was wollte ich denn machen, ich war halt nun mal dort oben. Gott sei Dank war der Regen nur ein kurzer Schauer und das Warten hatte ich bezahlt gemacht. Während über mir und Richtung Westen noch dunkle und bizarre Wolken entlangzogen, zeigte sich die Sonne im Osten kurz am Horizont und ließ die Felsen in warmen Tönen erstrahlen.

Bevor mein Weg mich weiterführte, ging ich auf der Karte meine Route durch. Ich machte die Länge der Tour von 2 Dingen abhängig. Das erste war meine körperliche Verfassung. Auch wenn ich viel zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs bin, die 2 langen Wandertage spürte ich schon deutlich in meinen Füßen. Hinzu kam, dass mein alter Rucksack zwar für diese Tour die richtige Größe und den praktischsten Aufbau hatte, das Tragesystem aber für das Gewicht auf Dauer nicht geeignet war.

Die zweite Sache war das Wetter. Regen und Temperaturen um die 20-24 Grad sind kein Problem gewesen. Laut Wettervorhersage sollte es aber an den nächsten 3 Tagen über 35 Grad werden. Bei aller Liebe zum Wandern, wollte ich mir das nicht antun. Da ich in 3 Tagen auch mit meiner Freundin noch Verwandte besuchen fahren wollte, stand für mich fest, dass ich noch maximal 2 komplette Tage wandern würde. Dies führte mich zu der Entscheidung, an einigen Punkten den Malerweg zu verlassen und andere Wanderwege zu nehmen.

Das surreale Wolkenbild hielt noch über den Gratweg der Schrammsteine hinweg an.

Der Weg durch den Wald gab dann erstmal keinen Blick in die Ferne her. Von der Affensteinpromenade nahm ich dann den Abzweig zur Carolaaussicht. Es ging auf dem Weg auf und ab. Als ich nur noch etwa 15 Minuten zu meinem "Frühstücksplatz" hatte und mitten auf einer langen Treppe war, fing es doch tatsächlich nochmal an zu regnen. Anfangs waren es nur ein paar Tropfen, doch wenige Minuten später goss es dermaßen aus Eimern, dass ich mich schließlich genötigt sah, unter einem Baum Schutz zu suchen und mir meine Regensachen überzustreifen.

Ich überlegte hin und her, ob ich wirklich zum Carolafelsen laufen sollte, oder mir diesen Abstecher spare. So stand ich da unter dem Baum, der Regen prasselte und dicke Tropfen vielen von der Baumkrone. Ich habe keine Ahnung wie lange ich dort wartete.

Schließlich hatte ich mich doch dazu entschieden zum Carolafelsen zu laufen. Das Glück war auf meiner Seite. Denn so wie ich oben angelangt war, hörte es auf zu regnen und der Himmel riss auf. Zügig schwebten die Wolken über die Landschaft dahin und die Sonnenstrahlen, die sich durch die Wolkenlöcher ihren Weg bahnten, veränderten die Stimmung binnen Augenblicken. Das sich schnell wechselnde Lichtspiel machte es gar nicht so leicht, ein Bild zu machen, das die Stimmung so wiedergibt, wie ich es empfunden habe. Es war jedenfalls grandios. Bei diesen Vorraussetzungen schmeckte mir mein einfaches Frühstück gleich doppelt so gut!

Auf dem Weg ins Kirnitzschtal machte ich nochmal einen Abstecher zu dem kleinen Prebischtor, in der Hoffnung, nochmal eine andere Perspektive zu finden und dabei gutes Licht zu haben.

Die Ruhe auf der oberen Affensteinpromenade lud mich dann auch ein, ein paar intimere Aufnahmen vom Wegesrand zu machen. Warme Sonnenstrahlen nach so einem Regenguss bringen immer wieder kleine, feine Stimmungen zu Tage.

An dem kleinen Prebischtor bin ich immer gerne, weil dort auf kleinstem Raum die Faszination des Elbsandsteingebirges für mich zu finden ist. Dieser Felsbogen, mitten neben dem Weg, unwirklich anmutend und dann direkt daneben diese mächtige Buche mit ihrem riesigen Wurzelwerk. Da musste ich einfach nochmal hin ;). Innerhalb des vergangenen Jahres war ich nun schon 3x hier gewesen. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, wie sich ein Ort mit den Jahres- und Tageszeiten verändert und welche Rolle das Licht auch dabei spielt. Doch schaut selbst....

Wie schon am Vortag, wurde es nach einem grauen Morgen ein richtig schön warmer Sommertag. Der Weg führte mich schließlich hinab zum Beutenfall und dort entlang der Kirnitzsch zum Lichtenhainer Wasserfall. Zwischendurch hatte ich mich noch mit dem klaren und kühlem Wasser der Kirnitzsch erfrischt. Das tat gut :). Kurz vor 12 Uhr kehrte ich dann im Gasthaus "Lichtenhainer Mühle" ein und machte eine ausgiebige Mittagspause.

Von dort folgte ich dann wieder dem Malerweg zum Neuen Wildenstein (Kuhstall). Der Aufstieg ging nur noch langsam voran. Auch wenn es an diesem Tag noch gar nicht so viel Strecke war, die ich zurücklegte und ich auch einige Pausen bis dahin gemacht hatte, spürte ich die 2 vollen Tage auf Achse in meinen Füßen. Das besondere für mich bei dieser Anstrengung war, dass man auch langsam voran und ans Ziel kommt. Am Kuhstall war gerade früher Nachmittagsbetrieb. Viele ältere Wanderer, junge Familien und Sandstein-Abenteurer tummelten sich bei diesem markanten Felsentor.

Ganz nach oben war ich nicht gegangen. Stattdessen ging ich die Stufen hinab in den kleinen Zschand. Hier führt der Malerweg normalerweise wieder zurück ins Kirnitzschtal. Ich bin hingegen geradeaus zum kleinen Winterberg gelaufen. Sowie ich den Malerweg verlassen hatte, war ich wieder allein. Nur eine Familie und später ein junges Paar begegneten mir auf der Strecke bis kurz vor dem großen Winterberg.

Ich fand es erstaunlich, dieses Gebiet zu dieser Jahres- und Tageszeit zu erleben. Zuletzt war ich im Februar und April hier gewesen.Das eine Mal war es ein trüber und nasskalter Wintertag gewesen. Es hing eine richtige Glocke über den Schrammsteinen und Affensteinen. Beim zweiten Mal hatte der Frühling noch gar nicht begonnen, seine Pracht zu zeigen. Nun war alles grün und üppig. Schäfchenwolken schwebten sanft über den kleinen Zschand und die Sonne strahlte so warm sie nur konnte an diesem frühen Nachmittag. Es war ein ganz anderer Anblick.

Mit diesen Eindrücken ging es dann weiter bergan zu dem Gasthaus auf dem großen Winterberg. Kurz vor dem "finalen" Anstieg ruhte ich nochmal meine müden Glieder auf einem Baumstumpf aus, als ich plötzlich eine Truppe Männer, ohne Gepäck, aber in moderner Sportbekleidung, schnurstracks an mir vorbeilaufen sah. Originell bedruckte T-Shirts deuteten daraufhin, dass sie in dieser Gegend wohl einige Touren unternehmen wollten. Auf der einen Seite konnte ich nur müde über sie lächeln, nach dem Motto, was wissen die schon von echter Anstrengung und haben sie wirklich bei diesem zügigen Schritt einen Eindruck von der Natur bekommen. Auf der anderen Seite kam ich mir wie ein Lastesel vor, der auf Grund seines Hobbys alle möglichen Unsinnigkeiten antut. Kaum schlafen - mitten in der Nacht schlafen gehen, nachdem man im Stockdustern durch die Wallachei gestolpert ist um ein paar Sternenfotos zu machen und ein paar Stunden später schon wieder aus dem Schlafsack steigt, weil eventuell irgendwo ein schöner Sonnenaufgang auf einen wartet. Hinzu kommt die Fotoausrüstung....durch die a6000 nun ja nicht so schwer wie eine DSLR-Ausrüstung, doch wesentlich schwerer als meine kompakte Knipse, die ich bis vor 2 Jahren noch für solche Ausflüge dabei hatte.

Als ich letztendlich im Schildkrötentempo das Gasthaus erreicht hatte, bestellte ich mir erstmal einen Eisbecher und hoffte, dass meine erwählte "Kipphornaussicht", genügend Spielraum für eine abendliche und nächtliche Fotosession bot.

Nur ein kleiner Fußmarsch weiter, durch einen wunderbaren Buchenwald, erreicht ich die Aussicht und Erleichterung machte sich in mir breit. So hatte ich mir da vorgestellt. Ein famoser Ausblick und ein alter, wetterbearbeiteter Tisch mit Bank. Was wollte ich mehr, um einen schönen, letzten Abend auf meiner kleinen Tour zu erleben.

So viel bleibt mir nun gar nicht mehr zu dem 3. Tag zu schreiben. Viel ging mir auf dieser Aussicht durch den Kopf.

Ich habe den Malerweg abgekürzt und bin ihn nicht vollständig gelaufen. Den linkselbischen Teil habe ich komplett ausgelassen und auch den schönen Teil über die Goldsteinaussicht habe ich nicht gemacht. Wettermäßig habe ich mir im vorhinein auch einiges anders gedacht und auch für die Tage unterwegs habe ich gemerkt, kann ich nicht "nur" fotografieren. Erstens komme ich dann nicht voran und zweitens ist man dann einfach in der Mittagssonne mit hartem Licht oder schwierigem Helligkeitsunterschieden im Wald ausgesetzt. Es war meine erste Tour, die ich explizit mit Fotografie verknüpft hatte. Ich war in keiner Gruppe unterwegs und auch nicht auf andere Leute angewiesen. Gleichzeitig habe ich meine "neue" alte Heimat auf ganz andere Weise verknüpft, als ich es mit einzelnen Tagestouren erreicht hätte. Die Synapsen haben sich verknüpft. Etwa 60 km bin ich an diesen 3 Tagen gelaufen +-. Dabei wurde ich richtig vertraut mit der Natur, mit den Geräuschen und auch mit meinen Gedanken. Die Kopfhörer für meinen MP3-Player hatte ich zwar mit, sie blieben jedoch unbenutzt im Rucksack, bis zu der Fahrt mit der S-Bahn.

Was bleibt sind reichhaltige Eindrücke von diesen 3 Tagen und auch wenn das Wetter nicht perfekt war....im Nachhinein hätte ich es nicht anders haben wollen. Gerade diese Witterungswechsel haben der Tour vor meiner Haustür eine Prise Abenteuer verliehen.

Nun lass ich euch ganz ohne weitere Worte die Bilder des Abends, bzw. der Nacht genießen.

Vierter Tag

Die Nacht war kurz und die zugige Wind hatte mir auch die letzte Ruhe genommen. Doch so ein Morgen, lange vor Sonnenaufgang zu erleben, entschädigt einen doch auch für die Strapazen. Wenn man die Berge im Rücken hat und am Abend zuvor den Sonnenuntergang sehen konnte, bleibt einem am Morgen nur der Blick mit der Sonne. Die ersten Sonnenstrahlen entdeckt man ganz weit hinten auf den Erhebungen, bevor das Licht nach und nach immer näher kommt. Der kühle Wind ließ zwar noch nichts von dem heißen Tag erahnen, doch wenigstens der Himmel ließnicht das kleinste Wölkchen blicken.

Meine 7 Sachen zusammengepackt, begann ich ohne ein Frühstück meinen Abstieg nach Schmilka. Die ersten 2/3 des Weges ging es einfach, und mit brennenden Sohlen, die asphaltierte Winterbergstraße hinab. Dabei kam ich der Deutsch-Tschechischen Grenze immer ganz nah. Es ist schon etwas belustigend, wie so ein Stein einen Wald in 2 Länder teilt. Mein Magen fing die letzten Schritte vor Schmilka merklich zu knurren an und ich hatte weder Muße noch das passende Licht, nach Fotomotiven Ausschau zu halten. Also ging ich, so schnell mich meine müden Füße trugen, Richtung Ortschaft. Es war ein merkwürdiges Gefühl, nach 3 Tagen wieder in die Zivilisation zu kommen. Umso glücklicher war ich, dass es hier gleich einen Bäcker gab, der zu dieser Uhrzeit schon geöffnet hatte.

Mit tropfendem Zahn folgte ich den verlockenden Düften und fand mehr als nur eine Bäckerfiliale vor. DAS war eine Bäckerei wie aus dem Bilderbuch. Riesige, wagenradgroße Kuchen, Brötchen und Gebäck unterschiedlichster Sorten und Brot mit einer Kruste, die zum Dahinschmelzen war. Nach einem kurzen und netten Gespräch mit dem Bäcker ließ ich mir mein Frühstück richtig gut schmecken und wartete auf mein Fähre.

Epilog

Die Sächsische Schweiz beherbergt einen der kleinsten Nationalparks in Deutschland. In diesem Jahr feiert der Malerweg, der Wanderer durch diese einzigartige Landschaft führt, sein 10-jähriges Jubiläum. Die Täler und Felsen dieser Region erfüllen unzählige Menschen mit ebenso unzähligen Wünschen, Träumen und Abenteuern.

Ich möchte euch zum Abschluss noch ein kleines Video zeigen, das Bilder zeigt, die ich im Jahr 2015 in der Sächsischen Schweiz machen durfte. Viel Freude beim Anschauen!

Created By
Philipp Zieger
Appreciate

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