Der Erfolg von heute ist der Standard von morgen HOFA im Interview

Christiane Schöner (CS), Schulleiterin, und Kathrin Kamprath (KK), stellvertretende Schulleiterin der Staatlichen Wirtschaftsfachschule und Bildungszentrum für Hotellerie und Gastronomie (HOFA Berlin) im Interview

Frau Schöner, Frau Kamprath, herzlichen Dank für Ihre Zeit. Welche sind Ihre Werdegänge und wer übernimmt welche Aufgaben in der HOFA?

CS: Frau Kamprath und ich sind beide neu an der HOFA. Wir sind als Persönlichkeiten völlig unterschiedlich und ticken doch ähnlich. Wir ergänzen uns sehr gut. Es gibt einerseits wie bei der vorhergehenden Führung eine klare Rollenverteilung. Zugleich gibt es Handlungsfelder, die uns gleichermaßen am Herzen liegen. Wir bewahren das Gute: so bin ich z. B. wie bisher Herr Reichl als sogenannter „Außenminister“ für die repräsentativen Aufgaben da und pflege die Kooperationen, die Herr Reichl initiiert hat. Lokal, national und international. Gleichzeitig ist es aufgrund meiner persönlichen Vita aber auch so, dass ich mich stark um die interne Weiterentwicklung kümmere. Ich bin ausgebildete Industriekauffrau und Studienrätin. Nach meinem Einsatz an einem Berliner Gymnasium und an einer Gesamtschule im Umland bin ich zu Karstadt in den Bereich Personal- und Organisationsentwicklung gewechselt, war dort fast 23 Jahre. 13 davon als Führungskraft, genauer gesagt als „Leiterin Regionaler Personalentwicklungen“.

Zu meiner großen Leidenschaft in meiner eigenen Beratungs- und Seminartätigkeit zählten die Fach- und Führungskräfte der Handelsgastronomie. Daher war es für mich mehr als reizvoll, als ich hörte, dass die Schulleiterposition an der HOFA Berlin neu zu besetzen war. Es folgten einige Orientierungsgespräche, z. B. mit Herrn Reichl, mit der Senatsverwaltung und auch mit Herrn Weiland, Präsident des DEHOGA Berlin, die mich dazu ermutigt haben, mich als Externe zu bewerben.

Christiane Schöner

KK: Ich arbeite seit 1987 im Schuldienst, bin Bankkauffrau und Studienrätin. Zuletzt war ich 15 Jahre lang am OSZ Gastgewerbe (Oberstufenzentrum) in Weißensee und als Fachleiterin besonders verantwortlich für den Ausbildungsgang „Köche Plus“. Hier an der HOFA bin ich neben den vielfältigen Aufgaben als stellvertretende Schulleiterin zuständig für den Fachbereich Betriebswirtschaftslehre. Die BWL ist seit Gründung der Hotelfachschule im Jahr 1963 unser wichtigster, zentraler Bereich bei der Weiterbildung zum/zur „Staatlich geprüften Betriebswirt/in“. Kompetenzorientierung steht hier an erster Stelle. Damit meine ich vor allem das Entwickeln von Kompetenzen wie Team- und Konfliktfähigkeit, Empathie, interkulturelles Verständnis und vernetztes, strategisches Denken auf hohem Niveau.

Wie sieht das Bildungsangebot der HOFA aus?

CS: Wir firmieren seit 2012/13 als „Staatliche Wirtschaftsschule plus Bildungszentrum für Hotellerie und Gastronomie“. Neben dem „Kerngeschäft“, der Weiterbildung zum/zur „Staatlich geprüften Betriebswirt/in“ (derzeit 9 Klassen, rund 250 Studierende) führen wir ebenfalls seit 2012/13 die einjährige Berufsfachschule (2 Klassen, rund 35 Schülerinnen und Schüler) und mit Start April 2016 zwei Willkommensklassen mit rund 25 Schülerinnen und Schülern. Es sind also eigentlich 4 Bildungseinrichtungen unter einem Dach, was uns platzmäßig, personell und finanziell vor große Herausforderungen stellt.

Sie bauen das Schulangebot aus. Ist das eine Reaktion auf sinkende Schülerzahlen?

CS: Wir stehen mit der Berliner HOFA in der Schullandschaft vergleichsweise noch gut da. Das hat natürlich etwas damit zu tun, dass wir in der Hauptstadt und damit begehrte Destination für junge Leute sind. Die Hotellerie-, Gastronomie- und Tourismusbranche boomt, es werden ca. 3.500 bis 4.300 Fach- und Führungskräfte, Spezialisten und Experten jährlich benötigt. Und unsere Schule hat sich einen guten Ruf erarbeitet.

Bildunterschrift: Schulleitung und Kooperationspartner bei der Zeugnisübergabe für Absolventen / Absolventinnen im Mercure Moa Berlin. T. Doppelstein, D. Hannemann, J. Tillack, C. Schöner, K. Kamprath, C. Niebuhr, P. Masaracchia, W. Weiland (v. l. n. r.)

Wie würden Sie Ihre Studierenden beschreiben?

KK: Die meisten von ihnen sind bestrebt, ein Maximum aus ihrer Weiterbildung herauszuziehen. Sie sind kritisch, fordernd und kommunizieren auf Augenhöhe. Für mich ist es eine Freude zu beobachten, wie sich unsere Studierenden über die Zeit entwickeln.

CS: Unsere Studierenden entscheiden sich bewusst für uns und unterbrechen ihr Erwerbsleben für ganze zwei Jahre für den Fachschulbesuch. Sie haben zum Großteil Familie und müssen sich das Studium selbst finanzieren. So kommt es vor, dass sie nach dem Unterricht noch mehrere Stunden arbeiten gehen. Ich bin dankbar dafür, dass unsere Kooperationspartner den Studierenden entsprechende Angebote unterbreiten. Gleichzeitig belastet eine solche Doppelbeanspruchung sehr. Viel Spielraum für zusätzliche unentgeltliche Unterstützungsaktivitäten innerhalb und außerhalb der HOFA bleibt da nicht. Was unsere Studierenden darüber hinaus auszeichnet, ist ihre lang anhaltende, oft auch emotionale Verbundenheit zur HOFA.

Was kann die HOFA noch besser machen?

CS: Zum Beispiel unser Alumni Netzwerk reaktivieren. Überall begegnen wir in entscheidenden Positionen unseren Absolventen. Das ist ein Netzwerk von unschätzbarem Wert – ein Schatz, den wir hüten und pflegen wollen.

Wir werden auch daran arbeiten, den Praxisbezug unserer Weiterbildung noch mehr zu erhöhen. Es ist uns ein überaus wichtiges Anliegen, unsere Kooperationspartner, Alumni und Studierende, die über viele Berufs- und Lebensjahre verfügen, verstärkt in die schulische Weiterentwicklung einzubinden, um so einen intensiven und nachhaltigen Austausch zu fördern. Ein weiterer Ausbau der HOFA Berlin zu einer innovativen Bildungseinrichtung wäre – so schätzt es der DEHOGA Berlin ein – „beispielhaft für das Zusammenwirken von Bildung und Wirtschaft“. Und im Übrigen gilt für uns alle: Der Erfolg von heute ist der Standard von morgen.

Created By
Grischa Puls
Appreciate

Credits:

Sabine Hauf - HAUF+FREUNDE GmbH, Schildt-Vogel

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