Köln bei Nacht 19. Dezember 12016

Welches Jahr haben wir?

"Neunzehnter Dezember Zwölftausendundsechzehn? Haha, Tippfehler!" wird wahrscheinlich das erste sein, was dir durch den Kopf ging, wenn du den Untertitel gelesen hast. Aber weit gefehlt: es ist weder ein Tippfehler, noch bin ich verrückt. (Ok, da sind die Meinungen gespalten, wenn wir ehrlich sind.) Also, kein Tippfehler und total kaputt ist der Sven auch nicht? Warum dann um 10.000 Jahre daneben datieren? Ich bin neulich auf ein Video von kurzgesagt - in a nutshell gestoßen, in dem auf den Holozän-Kalender von Cesare Emiliani aufmerksam gemacht wurde. Er schlug 1993 vor, zu unserer Zeitrechnung 10.000 Jahre hinzuzuaddieren um die Geschichte der ganzen Menschheit zu erfassen. Ich finde, es klingt einleuchtend und tatsächlich gefällt mir die Idee so gut, dass ich sie jetzt im privaten Umfeld konstant umsetzen möchte. Und wann, wenn nicht jetzt, wenn der Jahreswechsel so kurz bevor steht, könnte man besser auf so ein Thema aufmerksam machen?

Und die Bilder?

Okay, okay. Genug vom philosophischen Blablabla. Es war der 19. Dezember 12016, als Björn und ich uns trafen, um endlich mal wieder zusammen Fotos zu schießen. Geplant waren unter anderem Langzeitbelichtungen von der neuen Haltestelle am Heumarkt, sowie vom Parkhausdach des Kaufhofs in der Kölner Innenstadt, damit wir von dort aus die Verkehrsadern der Stadt ablichten können (Spoiler: wir kamen nie an.)

ƒ/3,5 - 1/160s - ISO 3200 - 18mm
ƒ/4,0 - 1/125 - ISO 2500 - 18mm
ƒ/11 - 30s - ISO 200 - 22mm

Das Hintergrundbild besteht aus sieben Fotos (alle ƒ/11 - 30s - ISO 200 - 35mm), die via Lightroom vereint wurden. Die lange Belichtungszeit wurde durch zwei ND-Filter (0,6 und 0,9 kombiniert) erreicht.

Björn hatte sich zum Glück informiert, inwiefern Fotografieren in den Bahnhöfen der KVB erlaubt ist. Ich gebe ehrlich zu, ich hätte das nicht gemacht und gerade, als ich fröhlich erzählte, mich im Zweifelsfall einfach rausschmeißen zu lassen, standen plötzlich zwei sehr freundliche KVB-Service-Mitarbeiter vor beziehungsweise hinter uns und wollten unsere Genehmigung sehen. Blöd nur: eine richtige Genehmigung hatten wir nicht. Björn hatte von der Dame, mit der er gemailt hatte, lediglich den öffentlich einsehbaren Leitfaden erhalten. Nach kurzer Rücksprache des Personals mit ihren Kollegen der KVB-Sicherheit durften wir aber weiter fotografieren, da wir nicht gegen den Leitfaden verstießen (es sind nur "große Stative" verboten). Wir waren bereits weitestgehend fertig, packten zusammen und zogen weiter Richtung Kaufhof.

Darf man das?

Auf dem Weg zum Parkhaus erwähnte Björn beiläufig, dass die Idee vom eben jenem Parkhausdach zu fotografieren letztens auch in einer Fotozeitschrift veröffentlicht wurde - schön blöd. Die sind sicher richtig begeistert, wenn wir da auftauchen würden. Wir überlegten kurz, ob wir den Pförtner fragen sollten, aber da wird nur wenig Lust auf eine Unterredung hatten und noch weniger heiß darauf waren, beim Aufbau auf dem Dach unterbrochen oder gar des Hauses verwiesen zu werden, entschieden wir uns um: wir fuhren nach Deutz zum KölnTriangle. (Mal ganz unter uns, wer hat sich den bescheurten Namen ausgedacht?)

Über den Wolken...

...oder zumindest fast. Das (oder der? Oder die?) KölnTriangle ist ein über 100m hohes Gebäude mit Aussichtsplattform in Köln Deutz. Von dort aus hat man einen herrlichen Ausblick auf ganz Köln und an klaren Tagen sogar bis über die Stadtgrenzen hinaus. Da wir nach Sonnenuntergang ankamen, erschloss sich uns ein wahres Leuchtpanorama der Stadt: bunte Lichter wohin das Auge blickt. Fahrradfahrer, die wie kleine Turboameisen auf der Hohenzollernbrücke die anderen Ameisen überholten und Spielzeugautos, die ewig lang an Ampeln warten mussten, komplettierten den Eindruck, jemand hätte Köln geschrumpft. Das Triangle eignet sich prinzipiell super zum Fotografieren, allerdings ist die Aussichtsplattform von Glasscheiben umgeben und die Beleuchtung ist leider sehr fotountauglich gebaut: die Lampen sind horizontal angebracht und deshalb reflektieren die Scheiben in die Kameralinse. Um das Licht abzuschatten blieb uns im Grunde genommen nur eine Möglichkeit: Jacke aus. Bei ca 3°C. Arschkalt, sag ich euch, arschkalt!

ƒ/11 -30s - ISO 200 - 60mm

Der Blick auf den Dom ist immer wieder wunderschön. Wie imposant er hervorsticht, inmitten all der scheinbar-kleinen Häuschen um sich herum und über die Stadt wacht.

ƒ/11 - 25s - ISO 100 - 18mm

Der Blick auf das rechtsrheinische Deutz gefiel mir an diesem Abend jedoch noch besser: die orange beleuchtete Opladener Straße wird von dem bläulichen Licht des Deutzer Bahnhofs und der grünen Beleuchtung des LVR-Hauses wundervoll eingerahmt. Die kleinen verwinkelten Gassen der Deutzer Freiheit geben auch in der Großstadt Köln das Gefühl, in einem gemütlichen Dorf zu sein.

ƒ/11 - 52s - ISO 100 - 130mm

(Hintergrundbild ƒ/11 - 30s - ISO 100 - 30mm)

Wenn's am schönsten ist...

...soll man bekanntlich gehen - vor allem aber, wenn es am kältesten ist. Da wir uns ohnehin nicht allzu früh trafen und die Zeit überraschenderweise nicht stehen bleibt, wurde es langsam aber sicher spät. Und je später es wurde, desto kälter wurde es. Wir beschlossen also - neben ein paar Portrait-Testaufnahmen und Ausprobieren des Shutter Drags, dessen Ergebnis ihr bei Björn sehen könnt - eine Handvoll letzter Fotos zu schießen und den Fotowalk zu beenden.

ƒ/11 - 6s - ISO 200 - 150mm

Ach ja, was bietet sich zur Weihnachtszeit bei Langzeitbelichtungen an? Natürlich: das Haus vom Nikolaus!

ƒ/11 - 30s - ISO 200 - 35mm

Ich hoffe, wir finden bald wieder die Zeit um zusammen loszuziehen, unter anderem steht auf unserer Agenda noch Sterne in der Eifel zu fotografieren, aber das wird eine Geschichte für einen nächsten Spark.

Created By
Sven Ceglarek
Appreciate

Credits:

Sven Ceglarek, http://www.svenceglarek.com

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