Freiwillig für Menschen in Not Das Technische Hilfswerk (THW) Pfaffenhofen

Das THW ist eine Bundesbehörde im Bereich des Zivil- und Katastrophenschutzes, die auf freiwilligem Engagement von Ehrenamtlichen basiert. Das THW Pfaffenhofen leistet technische Hilfe im Landkreis Pfaffenhofen, in Bayern, in Deutschland und sogar weltweit. Die technisch-logistische Unterstützung ist bei Naturkatastrophen, wie bei Hochwasser oder nach Erdbeben, aber zum Beispiel auch nach Großbränden, Verkehrsunfällen oder Stromausfällen gefragt. Das THW wird dabei von anderen Behörden und Organisationen, wie Feuerwehr oder der Polizei, angefordert. Die Einsatzkräfte rücken zwischen 40 und 50-mal pro Jahr zu Unglücken im Landkreis aus. Große Einsätze des THW gab es im Jahr 2013 während dem Hochwasser im Landkreis Pfaffenhofen sowie in weiten Teilen Bayerns. Auch bei mehreren Auslandseinsätzen waren die Spezialausstattung und das Knowhow der THWler gefragt - so zuletzt während den Überschwemmungen in Serbien und Bosnien-Herzegowina.

THW-Helfer unterstützen die Aufräumarbeiten nach einem Brand.

Wir im THW

Rund 50 Ehrenamtliche engagieren sich derzeit freiwillig beim THW Pfaffenhofen. Das bedeutet, dass sie freiwillig Aufgaben und Verantwortungen übernehmen, für die sie nicht bezahlt werden. Sie alle verbindet die gemeinsame Motivation, Menschen in Not zu helfen. Die Zugehörigkeit zum THW umfasst eine enge Gemeinschaft, die THW-Familie, sowie ein anspruchsvolles Hobby, neue Erfahrungen und Herausforderungen. Männer und Frauen aus allen Gesellschaftsbereichen und mit unterschiedlichsten Berufshintergründen sind im THW aktiv: Handwerker, Ingenieure, Bankangestellte, Laboranten, ITler und auch Gärtner – sie kommen alle aus verschiedenen technischen oder nicht-technischen Berufen.

In 2016 leisteten die Helferinnen und Helfer für Ausbildung, Einsätze und Jugendarbeit rund 20.000 Stunden im Ortsverband. Das entspricht im Durchschnitt 50 Arbeitstage – wohlgemerkt in der Freizeit! Besonders gefragt waren die THW-Kompetenzen bei einem Dacheinsturz eines Modemarktes in Schrobenhausen, beim Hochwasser in Polling (Landkreis Weilheim) und bei Abstützungsmaßnahmen eines Gebäudes in Manching.

Wenn ein THW-Ortsverband zu einem Einsatz angefordert wird, werden die Ehrenamtlichen per Funkmelder (Piepser) oder SMS von der Integrierten Leitstelle Ingolstadt alarmiert. Dies kann auch während der normalen Arbeitszeit geschehen, denn Einsätze sind unvorhersehbar und nicht planbar. Das Engagement beim THW führt allerdings zu keinem beruflichen Nachteil: Während eines Einsatzes wird ihnen das Gehalt wie gewohnt bezahlt, da das THW dieses dem Arbeitgeber erstattet.

Vielseitige Aufgaben forderten das Know-How der Pfaffenhofener THWler

Im Inland

Unwetter, Hochwasser, Gebäudeeinstürze oder Großbrände – das sind nur einige Anlässe für Einsätze des Technischen Hilfswerks. Das THW ist eine feste Säule des Bevölkerungsschutzes in Deutschland. Eine Kombination von vielseitig ausgebildeten Einsatzkräften und spezialisierten Fachgruppen machen die Schlagkräftigkeit der Bundesanstalt aus. Damit sind die Helferinnen und Helfer des Ortsverbandes auf verschiedene Anforderungen des Bevölkerungsschutzes und der örtlichen Gefahrenabwehr vorbereitet. Die Einheiten des THW sind bundesweit modular aufgebaut und verfügen über vielfältigste Kompetenzen:

  • Personenrettung in schwierigen Lagen
  • weiträumige Beleuchtung
  • Elektroversorgung bei großflächigen Stromausfällen
  • Pumpen nach Überflutungen und Hochwasserlagen
  • Verpflegung und Logistik
  • Abstützen von Gebäuden
  • Trinkwasserversorgung
  • und vieles mehr....
Großer Fuhrpark für große Herausforderungen

Ein THW-Ortsverband setzt sich immer aus einer Basiseinheit, dem sogenannten Technischen Zug, sowie einer Fachgruppe zusammen. In Pfaffenhofen ist hier die Fachgruppe Wasserschaden / Pumpen stationiert – mit 130.000 Liter pro Minute eine der leistungsstärksten Pumpengruppen in ganz Deutschland überhaupt.

Im Ausland

Das THW ist als operative Bevölkerungsschutzorganisation der Bundesrepublik Deutschland schon in mehr als 130 Ländern im Einsatz gewesen. Spezielle Auslandseinheiten und für die Anforderungen eines Auslandseinsatzes vorbereitete Experten stehen bereit, wenn internationale Hilfe notwendig ist. Der Ortsverband Pfaffenhofen stellt eine solche Spezialeinheit im Auftrag der EU zur Verfügung. So wurde das sogenannte „High Capacity Pumping“ Modul aus Pfaffenhofen zu Hochwassereinsätzen nach Polen, Serbien und Bosnien-Herzegowina gerufen. Zur Ausstattung gehören Hochleistungspumpen mit einer Förderleistung von bis zu 15.000 Litern pro Minute. Dabei kann das Wasser über eine Distanz von bis zu 1.000 Metern gepumpt werden. Die HCP-Module sind zwölf Stunden nach Alarmierung einsatzbereit, können auch im schwierigen Gelände arbeiten und sind autark einsetzbar, können sich also selbst versorgen. Das HCP-Modul Bayern besteht aus den Ortsverbänden Forchheim, Nabburg sowie Pfaffenhofen. In den nächsten Monaten soll die Pumpausstattung durch eine 25.000 Liter Hochleistungspumpe ergänzt werden. Damit stellt sich das THW den aktuellen Anforderungen im Hochwasserschutz neu ein.

Weiter stellt der Ortsverband mehrere Auslandsspezialisten für andere Bereich zur Verfügung: So bereichern ICTler (Kommunikationsexperten), Logistiker, Experten für Campbau sowie MediaOfficer die Auslandsdatenbank des THW.

Die Auslandseinheit "High Capacity Pumping" Modul unterwegs zur internationalen Übung nach Rumänien.

Ausbildung im THW – Fit für den Einsatz

Grundsätzlich kann jeder dem THW beitreten. Spezielle Vorkenntnisse für die aktive Mitgliedschaft sind nicht notwendig – Interessierte werden entsprechend ausgebildet, um im Einsatzfall die Grundfähigkeiten ausüben zu können. Die Helferinnen und Helfer erhalten im Ortsverband die sogenannte Grundausbildung und üben regelmäßig für Einsätze. Sie kennen sich gut und wissen, dass sie sich im Ernstfall aufeinander verlassen könnten. So entwickeln sich auch Freundschaften unter den THW-Kräften. Die Ehrenamtlichen des Ortsverbandes treffen sich regelmäßig am Abend oder auch an den Wochenenden. Daher ist es möglich, das freiwillige Engagement mit dem Beruf zu verbinden. Das THW muss zu jeder Zeit einsatzbereit sein – denn Unglücke und Katastrophen sind nicht planbar. Eine solide Ausbildung ist die Grundlage für gute Arbeit im Einsatz. Deshalb besteht im THW eine Ausbildungsstruktur, in deren Verlauf jede THW-Helferin und jeder THW-Helfer zunächst einheitlich ausgebildet wird. Danach erfolgt eine Spezialisierung und Weiterbildung je nach Interesse und Können.

Ein THW-Helfer bei der Grundausbildungsprüfung.
Grundausbildung - Die Basis für die Arbeit im THW!

Die Einsatzbefähigung ist die erste Ausbildungsstufe im THW. Sie wird im Rahmen der Grundausbildung im Ortsverband absolviert. Alle Helferinnen und Helfer werden einheitlich ausgebildet: der richtige Umgang mit Werkzeugen und Geräten aus der Standardausstattung des THW gehört genauso dazu, wie Wissen über das THW, den Bevölkerungsschutz und das Verhalten im Einsatz. Die erste Ausbildungsstufe wird mit einer Prüfung abgeschlossen.

Bilder der Grundausbildungsprüfung in Ingolstadt - Herbst 2016
Spezialisierung - THW-Experten formen!

Die Fachausbildung erfolgt nach erfolgreichem Abschluss der Grundausbildung. Die Einsatzkräfte werden den Bergungsgruppen und einzelnen Fachgruppen zugeteilt und speziell für die Anforderungen der einzelnen Einheiten geschult. Diese Ausbildung kann in den Ortsverbänden oder auch an der THW-Bundesschule erfolgen.

Bei einer 24-Stunden-Übung in Münchsmünster trainierten die Helferinnen und Helfer unter anderem die Koordination der Aufgaben im Einsatz.
Auslandsausbildung - Experten für technische Hilfe weltweit!

Die Ausbildung für Auslandseinsätze gehört zur Spezialisierung der Einsatzkräfte, also zur Fachbefähigung. In speziellen Trainings und Lehrgängen an der Bundesschule Neuhausen werden die Helferinnen und Helfer auf mögliche Situationen und Schwierigkeiten vorbereitet. Fremdsprachenkenntnisse sind ebenso Grundvoraussetzung wie ein aktueller Impfstatus.

Bei internationalen Übungen werden Abläufe und Zusammenarbeit mit anderen Organisationen ständig trainiert.

THW-Jugend – Spielend helfen lernen

Auf spannende und spielerische Art und Weise werden die Jugendlichen ab 10 Jahren mit der Technik des THW vertraut gemacht. Neben der technischen Ausbildung beispielsweise im Stegebau, dem Transport von Verletzten oder dem Ausleuchten von Einsatzstellen steht eine gemeinsame Freizeitgestaltung auf dem Programm. Von Spiele- oder Grillabende bis hin zu Wanderungen und Ausflügen – die Jugendlichen organisieren, was Spaß macht. Weiterhin engagieren sich die Mädchen und Jungen bei Umweltschutzaktionen, wie beispielsweise dem jährlichen Ramadama in Pfaffenhofen, oder unterschiedlichsten Wettkämpfen, wie die Ostereiersuchfahrt gemeinsam mit den Freiwilligen Feuerwehren.

Junghelfer üben das Einbinden einer Person.

Derzeit finden sich 40 Jugendliche zu den Jugendveranstaltungen im Ortsverband Pfaffenhofen ein. Mit Vollendung des 17. Lebensjahres können die jungen Erwachsenen in den aktiven Dienst des Ortsverbandes übertreten und die Grundausbildung absolvieren. Danach dürfen sie bei den Einsätzen mit ihrem erlernten Wissen Menschen in Not helfen.

Das Interview: Fragen an den Ortsbeauftragten Alexander Müller

Alexander Müller – Ortsbeauftragter des Ortsverbandes Pfaffenhofen; 35 Jahre alt, aus Tegernbach, selbständiger Installations- und Heizungsbaumeister

Was sind deine Aufgaben als Ortsbeauftragter?

"In der Aufgabenbeschreibung des Technischen Hilfswerks steht lapidar „Der / die Ortsbeauftragte leitet seinen Ortsverband (OV) in eigener Verantwortung“. Aber was bedeutet leiten? Ich bin in der glücklichen Lage, viele Unterstützer zu haben, die engagiert und verantwortungsbewusst ihren Beitrag zur Führung des Ortsverbandes beisteuern. So ist es meine Aufgabe, intern den Überblick zu behalten und extern das THW und unseren OV zu repräsentieren."

Seit wann bist du beim THW und was hat dich motiviert, dich beim THW zu engagieren?

"Ich bin 1999 zum THW gekommen. Damals noch als Alternative zur Bundeswehr, um meine Wehrpflicht abzuleisten. Das war auch anfangs meine Motivation, bald habe ich jedoch gemerkt, dass ich da in eine tolle Gemeinschaft aufgenommen wurde. Relativ schnell wurde daraus mein privater Freundeskreis und das hat sich bis heute nicht geändert. Wenn ich unsere Unterkunft betrete, bedeutet das für mich nicht nur Dienst für den Nächsten zu leisten und unserer Bevölkerung Hilfe und ein Stück Rückhalt in schlimmen Situationen zu bieten, sondern auch meine zweite Familie zu sehen. Ich habe im OV ein zweites Zuhause gefunden: hier fühle ich mich „dahoam“."

Was ist für dich eine besondere Herausforderung beim THW?

"Die Aufgabe besteht für mich als Ortsbauftragter nicht darin, von oben herab als unnahbarer „Vorgesetzter“ eine Mannschaft zu leiten, sondern mit dieser zusammen unsere gemeinsamen Ziele zu verfolgen. Die Herausforderung ist für jeden Einzelnen ansprechbar zu sein, für meine Helfer immer ein offenes Ohr zu haben, nicht nur bei dienstlichen Belangen, auch bei persönlichen Problemen zuzuhören und dann gemeinsam Lösungen zu finden. Wenn jemand das Gespräch mit mir sucht, versuche ich alle meine Aufmerksamkeit und mein Einfühlungsvermögen dafür zu bündeln. Es gibt meiner Meinung nach nichts Schlimmeres, wenn jemand sich freiwillig engagiert und dann nicht ernst genommen wird oder sich nicht willkommen fühlt."

Gibt es einen Einsatz, der dir besonders im Gedächtnis bleibt?

"Der Hochwassereinsatz im Jahr 2000 in Italien: Ich war damals 19 Jahre jung, ziemlich neu im THW und durfte als einfacher Frischling mit drei erfahrenen Führungskräften aus unserem OV ins Ausland fahren. Mit dabei ca. 30 Mann aus verschiedenen Ortsverbänden aus ganz Bayern, in verschiedenen Altersstufen mit den unterschiedlichsten Charakteren. Ein bunter Haufen, der sich sehr schnell und kameradschaftlich zu einem starken Team entwickelte. Ich treffe heute noch viele Leute aus diesem Einsatzteam bei den verschiedensten Gelegenheiten und das ist für mich ebenso typisch „THW“: Wir sind eine bundesweite Familie."

Was zeichnet für dich den Ortsverband Pfaffenhofen aus?

"Wir sind eine innovative, schlagkräftige Truppe, die da hilft, wo sie gebraucht wird. Mit einer guten, soliden Gemeinschaft und einer offenen Willkommenskultur, die neue Mitstreiter gerne in ihrer Mitte aufnimmt. Wir arbeiten Hand in Hand mit den Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen in der Stadt sowie im Landkreis zum Wohl aller Bürger."

Was würdest du dir für das THW Pfaffenhofen wünschen?

"Vor allem, dass unsere Helfer immer gesund und wohlbehalten von unseren Einsätzen, Übungen und Veranstaltungen nach Hause kommen, denn das ist mit Abstand das Wichtigste. Und dass wir auf unserem gemeinsamen Weg, auf dem sich immer wieder neue Herausforderungen zeigen, weiterhin als Gemeinschaft zielstrebig, kameradschaftlich und mit Freude voranschreiten."

Kontakt & Social Media

Homepage. www.thw-pfaffenhofen.de

Mail. info@thw-pfaffenhofen.de

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Created By
Michael Matthes
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