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Antibes oder, das geheime "Savoir Vivre" der Mme. Anne

Es war ein sehr heißer Sommer gewesen. Wir werden uns alle noch lange an diesen Sommer 2018 erinnern. Aber so schön es auch war, ich musste raus. Raus aus der Stadt, mal weg von allem. Ich hatte an Rom gedacht, Griechenland in Erwägung gezogen, aber das eine war mir zu viel, das andere zu wenig gewesen. Ich wollte keine Hektik und ich wollte auch keine pure Ruhe. Etwas ausgewogenes, sich treiben lassen, ein bischen Kultur, ein bischen Strand, etwas Genuß und Fotomotive. Und da sagte meine Freundin Anne: "Du fährst nach Antibes." Und, beim Teutates, die Frau weiß, wovon sie redet. Sie verbringt dort fast jedes Jahr ein paar Tage und schwärmt jedes mal in den höchsten Tönen.

Zwischen Nizza und Cannes gelegen bietet Antibes den größten Yachthafen Europas und liegt im Département Alpes-Maritimes in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Die Stadt wurde um 340 v. Chr. von den Griechen gegründet und ist eine der ältesten Städte der Côte d’Azur. Innerhalb der engen und verwinkelten Altstadt findet man zahlreiche Restaurants, Bistros und Läden aller Art. Zudem lebte Picasso einst hier und hatte ein Atelier, das nun ein Museum mit Werken des großen Künstlers ist.

So wird der Ort Antibes angepriesen. Anne pries ihn anders an. Sie sagte, Antibes ist der perfekte Ort, um in der Dachrinne zu leben.

typisch provencalische Dachrinne

Ja, mir sagte das gleich was. Das ganze ist ein "Insider-Witz", der aus dem Kölner Karneval resultiert. Irgendein Auswärtiger hörte mal in Annes Gegenward ein Kölner Karnevalslied, in dem vorkommt: "Ich leev in d´r Daach rin." Worauf er verwundert äußerte, wieso denn jemand der Dachrinne leben solle. Seitdem heißt die "Dachrinne" für uns "sich durch den Tag treiben lassen, in den Tag hinein leben." Perfekt. Genau das wollte ich, in der Dachrinne leben und das, wo es dort ja wunderschöne gibt. ;)

Schnell war ein Flug gefunden für Anfang Oktober und ein nettes kleines Appartement mit Balkon, gleich in der Altstadt. Und am 8. 10. landete ich in Nizza.

Hier lässt es sich leben

Ein perfekter Standort, um von hier aus los zu ziehen und Entdeckungen zu machen. Jeden Tag, bis auf Montag ist Markt in der Stadt und den wollte ich natürlich gleich sehen und mir Vorräte an Oliven, Gemüse und Käse einkaufen.

Eine frische "Socca" (Kichererbsenfladen, eine provencalische Spezialität) aus dem fahrbaren Ofen, ein Genuß. Noch ein Kaffee im "Civette du Marché", ein Gespräch mit einem Gast, der auch noch Tipps gab und mit den netten Kellnern dort. Ich begann zu ahnen, was Anne an der Stadt faszinierte.

La Civette du Marché

In der Altstadt kann man so manche Entdeckungen machen. Anne hatte mich mit Tipps ausgestattet und ich streifte durch Gassen und über kleinen Plätze und ließ mich verzaubern.

Anne, achte bitte auf das letzte Bild der Serie. Eigentlich wollte ich dir diese Villa kaufen (Deinen Namen trägt sie ja schon), aber ich hatte gerade nicht genug Kleingeld dabei.

Aber nicht nur am Tage weiß das Städtchen zu überzeugen. Nachts, wenn die Lampen angehen, jede Menge beleuchteter Gastronomiebetriebe die Qual der Wahl auf einen legen, wo man jetzt was am leckersten findet, wo der Wein am besten mundet, und ob man nun landestypisch, oder doch eher etwas exotisches probieren möchte, da entwickelt die Stadt eine neuen Charme.

Aber was wäre Antibes ohne seinen Hafen? Wo die Reichen und Schönen Ihre Yachten parken. Aber wo auch die Fischer morgens hereinkommen um den frischen Fang zu verkaufen. Am Kai der Milliadäre liegen Schiffe, die sehen schon eher aus, wie Fähren, von der Größe her. Und in dem Gewimmel der liegenden Boote findet man alles, von der "Tupperdose" bis hin zum klassischen Holzsegler. Aus aller Welt scheinen sie gekommen, um hier vor Anker zu gehen. Jetzt im Oktober wirkten viele Boote verlassen, aber auf einigen hingen auch noch Handtücher zum trocknen und am Abend kamen noch ein paar Yachten hereingesegelt.

Wer möchte hier nicht an Bord gehen, die Segel hissen und in das unendliche Blau davon segeln.

Nun will ich mit einem Missverständnis aufräumen. Man denkt ja, an der Cote d´azur wäre das Wetter blau, hell und sonnig. Selbst Anne hatte mir gesagt, es gäbe zwar mal eine Schauer, aber die sei schnell wieder davongezogen. In Köln war es 30 Grad. In Köln schien die Sonne. Aber hier, an der sonnenverwöhnte Küste hatte ich mit sehr wechselhaftem Wetter und ziemlichen Sturmböen und Dauerregen zu kämpfen. Wenn sich das durchsetzt, dann wird demnächst der Rheinauhafen den Kai der Milliadäre haben. Aber es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Also zog ich auch bei Regen los. Hier eine kleine Meteo-Übersicht über meine 9 Tage im Süden.

9 Blicke von meinem Balkon

Den ersten Regentag verbrachte ich in Nizza. Ich besuchte das Matisse-Museum und schlenderte danach durch die Altstadt, wo ich mir einen Schirm kaufte. Bei meiner Rückkehr nach Antibes am Abend wurde der mir jedoch gleich von einer Sturmböe zerrissen.

Den 2. Tag kaufte ich mir einen neuen Schirm und plante den Regen schön zu finden. Kalt war es ja nicht, nur eben nass. Also besuchte ich 2 kleine Museen, saß in einem Straßencafé unter einem Schirm und wurde kreativ.

So, jetzt wurde es aber endlich Zeit, den großen Künstler zu besuchen. Ständig, wenn man bei Boesner einkauft und dann im Café mal zur Toilette geht, wird man von einem Tonband mit Endlosschleife über das Leben Picassos berieselt. Hier war das Leben des Künstlers sozusagen ausgebreitet in seinem ehemaligen Atelier. Vom Markt aus geht man durch ein paar Gässchen und gleich neben der Cathedrale Notre Dame de la Platea d'Antibes befindet sich der alte Grimaldipalast, der Picasso als Atelier diente. Antibes soll seine Lieblingsstadt gewesen sein.

Noch eine Wanderung rund um das Cap Antibes nach Juan les Pins. Vorbei an Villen, Felsenküste zum mondänen Urlaubsort der Reichen und zurück mit dem Bus wieder ins beschaulichere Antibes.

Anne hat Recht behalten. Antibes ist eine Reise wert und nicht nur eine. Es gibt noch so vieles in der Umgegend zu erkunden und man kehrt nach jedem anregenden Ausflug immer wieder gerne zurück in das kleine Städtchen, um ein wenig in der Dachrinne zu leben. Im Vieille Antibes beim Café das Treiben auf dem Place National zu beobachten, oder abends bei Felix bei einem Glas Wein zuzusehen, wer alles durch das Tor kommt und was sich in den Künstlerateliers in der Befestigungsmauer so tut. Langweilig wird es einem wohl nie.

Antibes, ich komme gerne wieder.

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