Brügge, historisch und romantisch von Klaus Mokosch

Brügge (niederländisch Brugge, französisch Bruges) ist die Hauptstadt und mit 118.053 Einwohnern (Stand 1. Januar 2016) die größte Stadt der Provinz Westflandern in Belgien. Außerdem ist Brügge Bischofssitz der katholischen Kirche für das Bistum Brügge.

Im Spätmittelalter war die niederländische Region um Brügge eines der Zentren der Textilindustrie und des Fernhandels in Europa und damit eine der Geburtsstätten des Frühkapitalismus. In der Stadt residierten zeitweise die Herzöge von Burgund, unter deren Herrschaft Brügge zu einer der wirtschaftlich und kulturell reichsten Städte im damaligen Europa wurde.

Die Altstadt ist von Wallanlagen, auf denen Windmühlen stehen, und Kanälen umgeben. Da Brügge nie durch Kriege oder großflächige Brände zerstört wurde, sind mittelalterliches Stadtbild und historische Gebäude sehr gut erhalten. Die Stadt ist sowohl zu Fuß als auch per Bootstour erkundbar. Die Kanäle, die die Stadt durchziehen, nennen die Einheimischen Reien nach dem im Mittelalter vollständig kanalisierten Flüsschen Reie, über das Brügge direkt mit der Nordsee verbunden war.

Der mittelalterliche Stadtkern wurde im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Im Jahr 2002 war Brügge Europäische Kulturhauptstadt.

Brügge beherbergt das renommierte Europakolleg (College of Europe) und verfügt über einen wichtigen Seehafen im Teilort Seebrügge.

Die Altstadt von Brügge ist seit dem Jahr 2000 von der UNESCO als Weltkulturerbe geschützt. Diesen Ehrentitel verdankt der historische Stadtkern der Tatsache, dass die Anlage der Häuser- und Straßenfluchten genau dem typischen Stadtaufbau im Mittelalter entspricht. Trotz (oder vielleicht wegen) dieser Struktur ist die Altstadt Brügge ein zeitgemäßer Lebensraum, den moderne Nutzungskonzepte und Architektur bereichern. Beim Stadtbummel über geschichtsträchtige Kopfsteinpflasterstraßen erleben Sie eine entspannte Stadtatmosphäre, in der prächtige Herrenhäuser neben bescheidenen Wohnhäusern glänzen.

Markt-Platz (Grote Markt)

Schon an der zentralen Lage des Platzes erkennt man, dass er das mittelalterliche (kommerzielle) Herz von Brügge gewesen sein muss. Der "Grote Markt" ist seit 1996 autofrei und gilt als schönster Ort der Stadt. Dominiert wird er vom 83 Meter hohen Glockenturm und der imposanten Tuchhalle. An der nördlichen Seite des Platzes steht das Landgericht. Im Zentrum des Platzes kann man die Statue von Jan Breydel und Pieter de Coninck gesehen werden. Herrliche mittelalterlich anmutende Häuser stehen am südlichen Ende des Marktplatzes. Natürlich stammen nicht alle aus dem Mittelalter, sondern wurden eher im Stil dieser Zeit restauriert. Der Platz ist mit den vielen Restaurants, Läden, Cafés und privaten Häusern ein beliebter und sehr lebendiger Ort für Einheimische und Besucher.

Eine Stadt zum Leben und Sehen

In der Altstadt ist der Hauptteil der Sehenswürdigkeiten innerhalb weniger Minuten fußläufig zu erreichen. Für Abwechslung sorgt die moderne Gestaltung der Altstadt mit vielen einladenden Restaurants und Bistros. Auch Gelegenheiten zum Shopping oder für eine kleine Erholungspause bei einer gemütlichen Tasse Kaffee werden Sie auf Ihrer Entdeckungstour durch die idyllischen Kopfsteinstraßen reichlich begegnen. Die mittelalterliche Altstadt ist heute für rund 23% der Brügger lebendige Wohnumgebung und zugleich ein Ort reichhaltiger Genüsse.

Abseits des Alltags werden Sie schnell einen eigenen Zugang zur Stadt finden. Die Altstadt von Brügge wird von vielen Besuchern als Zeitreise empfunden, in der der Abstand zur Hektik besonders erholsam spürbar wird. Die kurzen Entfernungen zwischen sehenswerten Anlaufpunkten wie beispielsweise dem großen Marktplatz, den eindrucksvollen Stadttoren und den interessanten Kirchen lassen Stress bei Ihrem Kurzurlaub in das Venedig des Nordens gar nicht erst aufkommen.

Burg und Rathaus (Stadhuis) sind Zeugen mittelalterlichen Reichtums. Die Burg ist einer der schönsten Plätze der Stadt. Im Rathaus aus dem 14. Jahrhundert, eines der ältesten der Niederlande, wird Brügge seit über 600 Jahren verwaltet. All die Zeit beherrschte dieses geschichtsträchtige Gebäude den imponierenden Platz. Nirgendwo erwacht der Reichtum Brügges so zum Leben. An das Rathaus schließt sich die frühere Stadtkanzlei an. Obwohl erst 1537 vollendet, changiert ihre Fassade immer noch zwischen Spätgotik und Renaissance. Der Burgplatz wird nach Süden durch die klassizistisch geläuterte Barockfassade des ehemaligen Gerichtshofs (Gerechtshof) abgeschlossen. Das Gebäude beherbergt nicht nur das Fremdenverkehrsbüro, sondern auch das Museum des Brügger Freiamts (Provinciaal Museum van het Brugse Vrije).

Dank dem bebenden und schonenden Verhalten der Stadtbewohner blieben in Brügge viele architektonische und historische Denkmäler erhalten.

In Brügge liegen die schönsten Bürgerhäuser an den Kanälen. Wer sich dafür interessiert, nicht nur die Straßenseite, sondern auch die Wasserseite zu besichtigen, ist gut beraten, eine Bootsfahrt zu buchen. Es gibt verschiedene Anbieter, die Preise sind jedoch gleich für die etwa 30 Minuten dauernde Fahrt. Man könnte sicher länger schauen, leider gibt es aber in der Innenstadt gibt es keine Möglichkeit einer Rundfahrt, weil an einigen Stellen das Wasser unterirdisch verläuft und das Boot dort nicht hinfahren kann. So wird an zwei Stellen jeweils vor Land gedreht.

Die Motorboote mit innenliegenden Motoren sind offen mit umlaufender Sitzbank und in der Mitte des Boots sind weitere Einzelsitze hintereinander angeordnet. Ich schätze es passen maximal 40 Menschen hinein, dann ist es aber eng auf der Bank. Der Bootsführer ist für das Lenken und für die Erklärungen zuständig und ist in der Regel mehrsprachig. Vor Antritt der Fahrt fragt er die Mitfahrer nach den Landessprachen und versucht alle anzusprechen. Es ist sinnvoll, sich ein Getränk und einen Regenschirm mitzubringen.

Die Motorboote starten an fünf verschiedenen Stellen in der Innenstadt, am Rozenhoedkai (Markierung) gibt es besonders viele Boote an einer Stelle, so dass man dort nur kurze Wartezeiten hat. Gewöhnlich beginnt die Fahrt erst, wenn alle Plätze besetzt sind. Fahrzeiten täglich von 10 bis 18 Uhr, von Dezember bis Februar nur an Wochenden und in den Ferien.

Sie sind selten, aber es gibt Orte, die alle Sinne berühren, die einem unter die Haut gehen. Stätten, die einen direkt ins Herz treffen, auch wenn man sie nie völlig ergründen kann. Brügge ist so ein einmaliger Ort. Geprägt von Kultur und Kunst, kosmopolitisch und ungeniert lebensgenießerisch, aber auch mysteriös mittelalterlich und zu alle dem auch noch UNESCO Weltkulturerbestadt. Wenn man durch die gewundenen Gassen Brügges schlendert, entlang den stimmungsvollen Grachten oder durch die grünen Festungsanlagen, kann man sich in ihre geheimnisumwobene Eleganz nur hoffnungslos verlieben.

Im Herzen der Stadt steht direkt am Marktplatz das Wahrzeichen und zugleich das beliebteste Postkartenmotiv von Brügge, der Belfried (Belfort) mit der Stadthalle. Vom Turm kann man einen unverbauten Blick über die gesamte Altstadt geniessen. Brügges Belfried ersteht mitten aus der Hallenfront, drei Geschosse führt er über sie hinaus, verjüngt sich Stockwerk für Stockwerk und strebt zuletzt achteckig in die Höhe. Mochte nun die Halle mit ihrem unteren Geschoß dem Handel und Wandel, mit ihrem oberen der Verwaltung und den Banketten vorbehalten sein – der Turm war das ragende Symbol städtischer Freiheit und das Kennzeichen flandrischen Gemeinwesens: Hier kamen die Schöffen zusammen, hier lagen die Stadturkunden. Im Belfried hingen die Glocken, welche die (Arbeits-)Zeit ansagten; vom Belfried aus kontrollierten die Turmwächter das Umland und warnten vor dem Feind.

Der Rozenhoedkaai rückt den Belfried mit den Grachten zu einem Bild zusammen – ein einmaliger Anblick. Wen verwundert es daher, dass der Rozenhoedkaai das am meisten fotografierte Motiv in Brügge ist. Dieser Ort ist so besonders, dass jeder Passant seine Kamera zückt – als wenn man selbst Teil einer Ansichtskarte würde.

Rozenhoedkaai

Das Rathaus von Brügge

Durch seine Altstadt und Kanäle ist Brügge die touristisch attraktivste Stadt Flanderns. Man spricht vom "Venedig des Nordens".

Beginenhof

Genau hinter dem Minnewater liegt der Brügger Beginenhof "De Wijngaard" ("Der Weinhof"), er wurde 1245 gegründet. Er ist einer dieser typischen Bereiche in Brügge, wo man mehr Frieden und Ruhe finden kann als in den überfüllten Straßen der Altstadt. Der Beginenhof besteht aus einer Gruppe von Häusern und einem kleinen Garten mit schönen Pappeln. Hier lebten die Beginen von Brügge für etwa 700 Jahre, bevor der Hof 1937 ein Kloster für Nonnen des Benediktinerordens wurde, was er noch heute ist. Dabei muss man wissen, dass die Beginenbewegung im 13. Jahrhundert als eine Reaktion auf die sich stark wandelnde Welt aufkam. Auf die damaligen (und auch heutigen) materiellen Ansprüche des Klerus und dessen Weltlichkeit reagierten viele Menschen mit der Betonung der apostolischen Werte wie Armut, Einfachheit und Gebet. Menschen beiderlei Geschlechts schlossen sich freiwillig dieser Bewegung an und lebten eine reinere und mystische Form des Christentums. Resultat der Bewegung waren zahlreiche neue religiöse Orden und Gruppen. Die offiziellen religiösen Institutionen reagierten auf diese Bewegung indes mit Verfolgungen und Exkommunikationen. In den Niederlanden (und dem heutigen Belgien) wurden die weiblichen Anhänger dieser Bewegung jedoch als Beginen toleriert und durften in speziellen separaten Teilen der Stadt leben - den so genannten "Beginenhöfen". Oft waren es verwitwete Frauen, die so ihrem Alleinsein entkommen konnten.

Die Beginenhöfe konnten von den traditionellen Institutionen religiös überwacht und kontrolliert werden. Die Beginen lebten - mit gewissen Unterschieden - wie Nonnen - ohne jedoch ein entsprechendes Gelöbnis abgelegt zu haben - und konnten jederzeit ohne Folgen den Hof verlassen. Die meisten der noch heute existenten Beginenhöfe existieren im nördlichen Belgien. Natürlich leben keine Beginen mehr dort, aber als Museen sind sie zu besuchen. Neben Brügge sind die bekanntesten Beginenhöfe in Kortrijk, Gent, Lier, Dendermonde, Hoogstraten, Leuven und Diest zu finden.

LEUCHTTURM "NIEUWE SLUIS"

ca. 35 KM von Brügge, südlich von Breskens erwartet Urlauber eine Sehenswürdigkeit in des Wortes eigentlicher Bedeutung: der Leuchtturm „Nieuwe Sluis“. Seit dem 19. Januar 1868 sicherte er die Schifffahrt an der Westerscheldemündung durch sein weiß-rot-grünes Leuchtfeuer; am 3. Oktober 2011 wurde der Leuchtturm von Breskens nach über 140 Jahre ausser Dienst gestellt. Der im Grundriß achteckige, 22,4 Meter hohe und zwischen fünf und 2,30 im Durchmesser breite Leuchtturm von Breskens ist der südlichste Leuchtturm der Niederlande, der einzige Leuchtturm auf der südlichen Seite der Westerschelde und der älteste noch erhaltene gusseiserne. In seiner Amtszeit änderte der Turm sein Äußeres mehrfach: Anfänglich war „Nieuwe Sluis“ gelb gestrichen, war mehrere Male rot-weiß, gelb-grün-tarnfarben im Krieg und heute durch drei schwarze und zwei weiße Ringen gekennzeichnet. Seit der Renovierung 2015 hat der neue "Nieuwe Sluis" Veranstaltungsräume erhalten, kann besichtigt werden und sein Licht leuchtet auch wieder.

Brügge das Venedig des Nordens

digitales Fotobuch von Klaus Mokosch

Made with Adobe Slate

Make your words and images move.

Get Slate

Report Abuse

If you feel that this video content violates the Adobe Terms of Use, you may report this content by filling out this quick form.

To report a Copyright Violation, please follow Section 17 in the Terms of Use.