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Wie wir zu einer "Pilgerkirche" wurden... Tarnow, Polen

Apg 17,24: Es ist der Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was darin lebt. Als Herr über Himmel und Erde wohnt er nicht in Tempeln, die ihm die Menschen gebaut haben.

Jarek Mroz, jarek.frost@gmail.com

Ich bin mir fast sicher, dass jeder von uns diesen Abschnitt (Apg 17,24) mindestens einmal in seinem Leben gelesen hat. Als Christen glauben wir, dass wir Kinder Gottes sind und dass unser Körper der Tempel des Heiligen Geistes ist. D.h. auch, dass der Tempel oder die Kirche ein Versammlungsort für Gläubige ist und nicht ein Ort, an den wir gehen müssen, um Gott zu begegnen. Bis vor kurzem dachten wir, das sei selbstverständlich. Doch als wir die Möglichkeit verloren, uns in unseren (gemieteten) Räumen zu treffen, wurde uns bewusst, wie viel Gewicht wir unserem Versammlungsraum beimessen. Die Umstände, in denen wir uns wiederfanden, liessen uns wieder einmal erleben, wie denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen – z.B. weil sich das, was als schwierig oder unangenehm erscheint, in Wirklichkeit als Segen entpuppt.

Bei uns in Polen war zunächst bei Gottesdiensten eine Person pro 7 m2 erlaubt. Im Oktober 2020 wurden die Vorschriften jedoch verschärft und nur noch eine Person pro 15 m2 erlaubt, während man zu sich nach Hause nur fünf Personen einladen durfte. Das bedeutete, dass unsere Gottesdienste nur noch online stattfanden.

Im ersten Monat waren wir alle sehr glücklich, uns während des Gottesdienstes zu «sehen». Doch mit jeder Woche wurden wir als Gemeinde mehr und mehr entmutigt. Um Weihnachten herum kamen wir zum Schluss, dass wir anfangen mussten, uns draussen zu treffen. Aufgrund der kalten Temperaturen war an ein Picknick im Park aber absolut nicht zu denken.

So beschlossen wir, eine «Wander-» oder «Pilgergemeinde» zu werden: Jeden Sonntag gehen wir zwischen 3 und 6 km, reden miteinander, beten und trinken Kaffee (den wir aufgrund der eisigen Temperaturen dankbar von dem ältesten Ehepaar unserer Gemeinde erhielten).

Wir gehen diesen Weg nun schon seit 5 Monaten und, um ehrlich zu sein, haben wir nicht immer die Kraft oder Lust dazu und manchmal wäre es uns lieber, wenn es regnen würde. Aber der Herr, der nicht in einem von Menschenhand gemachten Tempel wohnt, lässt aus irgendeinem Grund immer zwischen 13 und 15 Uhr den Regen aufhören, so dass wir diese Zeit gemeinsam verbringen und uns gegenseitig unterstützen und ermutigen können. Mehr noch: Er erlaubt uns, andere Menschen auf dem Weg zu treffen, die uns auf unserer Reise begleiten können.

Danke für Spende! Bitte mit Vermerk "Mroz, Polen"