Israel #alphaddicted - mit sony einmal um die Welt

Ich würde irgendwann hierher zurück kehren und die verbleibenden Bilder sammeln, die ich bei meinem ersten Besuch in Israel nicht gemacht hatte. Möglicherweise folgte ich mit diesem Wunsch auch dem Gefühl, mein Bild damals zu einsilbig erzählt zu haben. Nun bin ich wieder hier – seit einer Woche und es fühlt sich genau so irritierend an, wie vor drei Jahren.

Tel Aviv

Jedes Gespräch endet hier unweigerlich in der politischen Situation, jede Begegnung ist eine „jüdische“ oder „arabische“, jede Beobachtung eine vergleichende. Und ich würde es so gern ablegen.

Jerusalem

Man macht sich ja immer ein falsches Bild von Israel. Allein die Größe, die flächenmäßig gerade mal an Hessen reicht, sorgt bei dem in Unkenntnis Angereisten für Verwirrung. Jeder Zipfel hier ist in knapp drei Autostunden zu erreichen und ein Roadtrip das Wort nicht wert. Und doch ist das Land unglaublich abwechslungsreich und gerade deshalb so interessant. Der innere Konflikt ist nur ein Teil der Geschichte, ein anderer, dass man auf beiden Seiten immer sehr freundlich empfangen wird. Selbst wenn man in der Nacht irritiert an irgendeiner Strassensperre steht, an dem ein paar Soldaten mit geschulterten Maschinenpistolen ins Auto hinein grinsen, hat man kein Gefühl der Unsicherheit. Die Schilder an den Strassen „Danger Mines!“ und „Attention Firing Zone“ nimmst du irgendwann genauso hin wie „Attention Camels“ und auch, dass du beim Wandern plötzlich einen alten Schützengraben findest.

Jerusalem

Und so fahre ich in Richtung Golan Höhen, vorbei am See Genezareth, schramme die syrische Grenze, fahre an Jordanien in Richtung Süden zurück nach Jerusalem und gestatte mir am nächsten Tag einen Kurzbesuch in Bethlehem. Die Mauern und Wachtürme kenne ich so aus meiner Kindheit und werde das Gefühl nicht los, das Gewusel auf den Strassen in den palästinensischen Gebieten nimmt kaum noch Notiz davon. Aber so allgegenwärtig die Grenzen innerhalb des Landes sind, so irritierend und hoffnungsvoll ist mitunter das freundschaftlichen Aufeinandertreffen zwischen Juden und Palästinensern, das ich immer mal beobachte.

Jerusalem

Ich kann mich erinnern, dass mir als kleiner Bengel im Ferienlager irgendeiner vom Toten Meer erzählt hat, in dem man nicht untergehen kann, weil der Salzgehalt so hoch ist, dass man immer oben schwimmt, auch wenn man sich nicht bewegt. Irgendwie hat sich dieses Bild bei mir so manifestiert, dass ich immer davon träumte selbst mal auf dem Wasser zu schweben. Das tote Meer war für mich damals als Kind des Ostens weit weg – unerreichbar. Und so wurde dieses Bild bei mir im Hirn gleich neben „ich schwebe als Kosmonaut durchs All“ abgelegt…

Das Tote Meer

Und wie ich so in meinem Hotelzimmerchen in Jerusalem liege und auf die Palmen vor dem Fenster blicke, die sich im Wind wiegen, kam mir dieses Bild wieder in den Sinn. Kaum zu glauben, dass ich nun vierzig Jahre später – nur eine knappe Autostunde vom Toten Meer entfernt bin. Sollte ich nicht sofort hinfahren und ins Wasser springen und mein Bild aus der Kindheit einfangen?

Am nächsten Morgen sitze ich in aller Herrgottsfrühe im Auto und nehme die Strasse Richtung Jordanien. Was sich nach etwa 20 Minuten Fahrt aus Jerusalem vor meinem Auge auftut, hätte ich allerdings nicht erwartet: Bergwüsten, Stille und herrliche Einsamkeit. Und statt sofort an den Ort meiner nicht erfüllbaren, kühnsten Kindheitsträume zu fahren, mache ich immer wieder kleine Abstecher in die Berge, steige aus und bleibe vor diesem herrlichen Nichts stehen. Und dann sehe ich es in der Ferne in wundervollem hellen Blau glitzern: das Tote Meer. Und direkt dahinter in Nebel eingehüllt die Bergkette Jordaniens. Stunden könnte ich mit diesem Anblick verbringen. Ich packe mein Lächeln ein und nehme die letzten 15 Minuten bis zum Ziel. Das Tote Meer, da ist es. Ein paar schlammbedreckte Leute aus irgendeinem Spa in der Nähe kreuzen den Weg und wenn ich auch mein Grinsen nicht verbergen konnte, es galt nicht ihnen.

Und dann? Zeit zum Nachdenken.

Es gibt zwei große Enttäuschungen im Leben: Nicht zu bekommen was man will, ist die erste. Mitunter schmerzhaft, aber wichtig. Die zweite große Enttäuschung ist: Irgendwann zu bekommen was man will. Enttäuschend deshalb, weil sich in den meisten Fällen nichts ändert wenn man es dann hat… das Glück fängt man damit nicht ein. Und so sitze ich ein Stündchen auf einem Stuhl am toten Meer, starre hinaus und stelle mir vor, wie es wäre, dort auf dem Wasser zu schweben.

Negev Wüste

Man tut Israel unrecht, wenn man es auf die Konflikte im Land reduziert. Allein was ich hier in der letzten Woche an wundervollen Erlebnissen, Begegnungen und atemberaubender Natur gesehen habe, würde für eine ganze Hand voll Blogposts reichen. Die Negev Wüste, die Canyons, die Stille…

Und so komme ich zurück mit einem Fleckchen Erde im Herzen, der mir sehr viel gegeben hat.

Der #alphaddicted Koffer ist nun wieder frei für die nächste Reise. Vielleicht kannst du mit ihm schon bald dein Projekt umsetzen. Bewerbt euch unter www.sony.de/alphaddicted um den Koffer. Dann können wir die Eindrücke von eurer Reise hier bald lesen. Viel Erfolg!

Credits:

Steffen Böttcher

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