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WG-Porträt: Leben mit 11 Menschen „Elf Freunde müsste man sein“

Text: Ema Jerkovic, Bilder: Manuel Fleig, Layout: Nico Talenta

Der Artikel erschien bereits in der Print-Ausgabe der Campuls im Sommersemester 2018

Hard Facts:

  • 11 Bewohner
  • 3 Klos
  • 2 Duschen

Wie läuft der Alltag mit 11 Menschen ab?

Joscha: Es gibt mehr Leute, die einem das Essen wegessen!
Alle: JA!
Clemens: Und man hat mehr Leute, denen man das Essen wegessen kann.

Was wird am meisten geklaut?

Alle: Milch!
Leon: Wenn alle einen kleinen Schluck von deiner Milch nehmen und denken, das fällt nicht auf, und das aber dann zehn Leute machen, ist die halbe Milch leer.
Clemens: Und Waschmittel noch!
Joscha: Ich weiß gar nicht, welches meins ist.
Helen: Ich wohne seit zwei Jahren hier und hatte noch nie eigenes Waschmittel.
Iris: Ich würde sagen, Helen sponsert die nächste Großpackung Waschmittel.

Gestern war 10-jähriges Jubiläum der WG. Wie kam es dazu?

Lea: Unsere Vermieter wollten das Haus abreißen und Neubaumietswohnung errichten. Das Haus ist aber das älteste in Wollmatingen, über 500 Jahre alt, und es ist denkmalgeschützt. 2008 haben sie sich dann entschieden, eine WG zu erlauben.

Gab es dann gestern eine große Party?

Lea: Wir haben das Problem, dass wir noch eine Ferienwohnung direkt über der Küche haben. Deshalb sprechen wir das inzwischen ab und machen nur Partys, wenn niemand in der Ferienwohnung ist. Das ist meistens im Winter der Fall, deshalb gibt es immer eine fette Halloween- und Silvester-Party.
Clemens: Etwas Kleines mit 50 Leuten oder so geht schon immer.
Gabriel: Aber wenn jeder ein paar Freunde einlädt, sind wir schnell weit über 50 Leute. Bei der Halloween-Party waren wir weit über hundert. Das ist schon toll, aber danach hat man so einen Feierkater.
Iris: Egal, wie viele Leute da sind, man muss immer aufräumen.
Clemens: Dadurch, dass es so viele Leute sind, denken sich auch viele von den vielen Leuten, dass sie nichts zu machen bräuchten.
Iris: Du lässt immer dein Geschirr auf dem Tisch stehen und gehst dann weg!
Leon: Wir haben auf jeden Fall ein supercooles Putzsystem mit Wäscheleine, Namensschildern und Putzdienstscheiben. Die bunte Scheibe mit dem Regenbogen mag ich am liebsten, das ist der Tombola-Dienst. Unter dem Küchenfenster steht dann ein Körbchen und da zieht man ein Zettel und dann steht etwas drauf. Zum Beispiel „Ofen putzen“ oder „Kühlschrank enteisen“ oder „Tue dir eine halbe Stunde etwas Gutes“.
Gabriel: Es gibt ein paar Bonus-Joker, wo man etwas Cooles für sich oder die WG machen muss.

Welche sind eure Lieblings-WG-Momente?

Leon: Wir sagen oft, wenn man alle coolen Momente und witzigen Geschichten aufschreiben würde, könnte man ganze Bücher damit füllen. Einer meiner Lieblingsmomente war, als wir uns aus Theresas Fenster im dritten Stock abgeseilt haben.
Lea: Einer meiner Lieblings-WG-Momente war morgens in die Küche reinzukommen letzte Woche und da liegt ein Mädel, das niemand kennt. Sie ist hierhergekommen und dachte, das hier wäre eine Bar.
Chris: Das ist schon öfters passiert, da hier auch die ganze Zeit Licht an ist.
Lea: Es gibt auch das Gerücht von zwei Leuten, die hier ein Wochenende gelebt haben, ohne jemanden gekannt zu haben. Jeder dachte, das sind die Freunde von jemand anderem.
Leon: Als das WG-Baby das erste Mal hier war – auch ein schöner Moment.
Helen: Das ist das Kind von einer Mitbewohnerin. Und wir haben so eine ganz tolle Patchwork-Decke genäht für das Baby, jeder hat ein Patch bestickt.
Chris: Aber das Nähen der Decke war kein WG-Lieblingsmoment, ein sehr überambitioniertes Projekt!
Leon: Das Übergeben war schön.
Lea: Aber bitte keine WG-Babys mehr ab sofort!
Gabriel: Ab sofort gibt es eine große Schüssel mit Kondomen im Flur.
Theresa: Das macht den Engelsteig aber auch so besonders, man darf erzählen, aber man muss nicht. Und für uns ist es unproblematisch, würden zwei zusammenkommen. Es gilt: Leben und leben lassen und trotzdem gerne Zeit miteinander verbringen.
Created By
Campuls Hochschulzeitung
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